{"id":21,"date":"2012-03-25T23:13:00","date_gmt":"2012-03-25T21:13:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/beograd\/?p=21"},"modified":"2012-03-25T23:20:01","modified_gmt":"2012-03-25T21:20:01","slug":"kafana-wie-das-leben-sein-sollte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/beograd\/2012\/03\/25\/kafana-wie-das-leben-sein-sollte\/","title":{"rendered":"Kafana \u2013 wie das Leben sein sollte"},"content":{"rendered":"<p>Ja, vergesst Cola-Zero. Kafana braucht man im Leben. Die Unwissenden unter euch fragen sich jetzt\u2026 ist das was mit Kaffee? Und die Wissenden SOEler werden l\u00e4chelnd mit dem Kopf nicken. Ja, im weiteren Sinne ist es das. Oder nein. Irgendwie auch nicht. Eher Bier und Rakija.<\/p>\n<p>Am Freitag war ich mit Miljana, das ist Benedikts Mitbewohnerin und mit Benedikt und mit noch ein paar Leuten in einer urigen Kafana in Zemun (Vorort von Belgrad). Das war knorke! Um 10 abends haben wir uns getroffen und los gings. Wir hatten gl\u00fccklicherweise dank Miljana eine Reservierung, denn ohne kommt man nicht rein bzw. hat man keine Chance auf einen Tisch. Erstmal haben wir die Kafana nicht so einfach gefunden. Man l\u00e4uft da also auf Kopfsteinpflaster zwischen kleinen G\u00e4sschen umher und sucht die \u201eLocation\u201c. Miljana war sich irgendwann sicher, dass wir richtig sind \u2013 bei der Nummer 10.<\/p>\n<p>Wir waren ja ein klein wenig skeptisch. Denn die Nummer 10 sah aus wie ein Haus. Ein stinknormales Haus. Ganz normal ?! So richtig normal. Aber dann hat uns Miljana erkl\u00e4rt, dass das so sein muss, weil das ist Tradition und fr\u00fcher unter den Osmanen, als man keinen Spa\u00df, keine Feierei haben durfte, da musste man das auch so tarnen. Ja. Klingt logisch. Also haben wir geklingelt. Nichts passiert. Keine Reaktion\u2026 Langsam waren wir uns dann doch nicht mehr so sicher mit der Nummer 10 und nach einem Anruf war klar: das Haus sieht nicht nur aus wie ein stinknormales Haus, es ist ein stinknormales Haus\u2026 ja bl\u00f6d\u2026 kann passieren, wenn sich diese Kafanas auch so verdammt gut tarnen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Gut, haben wir den Hausbesitzer halt mal so ein bisschen rausgeklingelt und wir zogen weiter Richtung Nummer 7 \u2013 wo die Kafana dann auch wirklich war.<\/p>\n<p>Das Haus sah trotzdem immer noch sehr unspektakul\u00e4r und klein aus. Geht man rein, befindet man sich quasi in einer Wohnstube mit einer wie uns erkl\u00e4rt wurde obligatorischen Tapete (60er Jahre Stil) und kleinen Tischchen und St\u00fchlchen und allgemein ist alles irgendwie klein und eng und man f\u00fchlt sich wie bei Schneewittchen und den sieben Zwergen. Das Gef\u00fchl verschwindet dann allerdings, wenn die anderen G\u00e4ste die Kafana betreten (au\u00dfer vielleicht es ist ein serbisches Schneewittchen mit serbischen Zwergen): kaum sind alle drin (eigentlich zu viele f\u00fcr den Raum) geht die Stimmung los. In die Wohnstube, in der eigentlich eh kein Platz mehr ist, wird noch ein Kontrabassist reingeschoben, ein Gitarrist, einer mit nem Akkordeon und einer mit ner Geige und los geht\u2019s mit den Liedern, die jeder kennt und die jeder mitsingt und bei denen jeder mittanzt und bei denen man sich als Deutscher total deutsch vorkommt. Ich w\u00fcnschte ich h\u00e4tte mitsingen k\u00f6nnen. Mittanzen musste man fr\u00fcher oder sp\u00e4ter eh. Da hatte man keine Wahl. Mittrinken musste man auch, denn es ging mir mal wie immer: B\u00e4m, einmal nicht aufgepasst und schon steht ein Rakija vor meiner Nase. Und wie immer denke ich mir: naja, einen trink ich\u2026 so schlimm kanns ja nicht sein. Irgendwann sollte man sich dran gew\u00f6hnt haben. Und sobald ich das Zeug im Mund habe, denke ich mir: urgh. B\u00e4h. Mich sch\u00fcttelts. Iiiih! Ich wei\u00df: WIE UNCOOL. Ich habe S\u00fcdosteuropastudien studiert und mag keinen Rakija. Ja, das geht. Und ich wei\u00df auch: mit dieser Abneigung wird es schwer jemals irgendwas auf dem Balkan zu erforschen. Adi\u00f6 ihr M\u00e4rchen, die ihr von mir entdeckt werden h\u00e4ttet k\u00f6nnen, adios ihr Drachen bzw. zmaj-Abenteuer und tsch\u00fcss ihr volkst\u00fcmlichen Lieder. Nun gut\u2026 diese Forschungsaufgabe muss ich anderen Leuten \u00fcberlassen.\u00a0Ich muss mich weiterhin wie ein nasser Hund sch\u00fctteln, wenn ich Rakija nur rieche.<\/p>\n<p>Aber weiter zur Kafana. Bombenstimmung, viel Gegr\u00f6le, viel Musik, wenig Platz, viel Getanze, viel Alkohol und strapazierte Stimmb\u00e4nder am n\u00e4chsten Tag.<\/p>\n<p>Mir wurde noch erkl\u00e4rt: das ist serbischer Lifestyle-vermittelt auch in den Liedern (die ich ja leider nicht so gut verstanden habe). Wie immer\u2026 eigentlich kein Geld, aber f\u00fcr Kaffee, Zigaretten und in diesem Fall noch Alkohol muss noch was da sein. Gute Laune, Spa\u00df und Feierei und zu wissen wie man das Leben genie\u00dft. Manchmal denke ich bzw. eigentlich bin ich mir sicher: den Deutschen w\u00fcrde eine kleine Scheibe von einer solchen Einstellung gar nicht mal so schaden (naja, dem Rakija ausgenommen \u2013 ja ich wei\u00df buuuuuuhuuuuu)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ja, vergesst Cola-Zero. Kafana braucht man im Leben. Die Unwissenden unter euch fragen sich jetzt\u2026 ist das was mit Kaffee? Und die Wissenden SOEler werden l\u00e4chelnd mit dem Kopf nicken. 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