{"id":48,"date":"2018-10-12T00:25:59","date_gmt":"2018-10-11T22:25:59","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/?p=48"},"modified":"2018-10-12T00:25:59","modified_gmt":"2018-10-11T22:25:59","slug":"goethe-institut-sprache-kultur-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/2018\/10\/12\/goethe-institut-sprache-kultur-deutschland\/","title":{"rendered":"Goethe-Institut \u2013 Sprache, Kultur, Deutschland?"},"content":{"rendered":"<p>Meine ersten vier Wochen in Dakar sind beinahe um (WAAAS? Ich bin doch grad erst angekommen!) und mein Blog ist leider jetzt schon verwaist. Nach meinem \u00fcbermotivierten Anfang hatte ich die letzten Tage weder die Zeit noch die Inspiration, etwas zu schreiben. Ab Montag beginnt nun meine Arbeit in der Maison d\u2019Education Mariama B\u00e2 auf der Insel Gor\u00e9e \u2013 und meine Arbeit am Goethe-Institut ist somit weitgehend beendet oder wird in der n\u00e4chsten Zeit zumindest sehr in den Hintergrund r\u00fccken. Das m\u00f6chte ich gerne zum Anlass nehmen, mich einmal mit der Arbeit dieser Institution auseinander zu setzen. Das ist mir auch explizit wichtig, seitdem ich erfahren habe, dass der Freiwilligendienst kulturweit aus Entwicklungsgeldern des Ausw\u00e4rtigen Amtes finanziert wird. Ich finde das wirklich erw\u00e4hnenswert und eigentlich auch nicht tragbar. Deshalb ist es mir umso wichtiger zu beleuchten, was das Goethe-Netzwerk eigentlich genau tut.<\/p>\n<p>Die Goethe-Initiative nahm ihren Anfang 1951 in M\u00fcnchen und begann ihre Arbeit als Sprachinstitut f\u00fcr ausl\u00e4ndische Deutschlehrer in Deutschland. 1968 kam der zweite gro\u00dfe Aufgabenschwerpunkt, die Kulturarbeit, hinzu. Heute gibt es 159 Goethe-Institute in 98 L\u00e4ndern und der Schwerpunkt hat sich von der reinen Vermittlung deutscher Sprache und Kultur auf eine kulturelle Zusammenarbeit und die Vermittlung eines modernen Deutschlandbildes verlagert. Soweit die Theorie. Als kulturweit-Freiwillige habe ich nun die gro\u00dfe Chance, mir die ganze Chose mal aus der N\u00e4he anzuschauen. Ich sitze hier im B\u00fcro des Institutsleiters (der gerade in Elternzeit ist), habe Zugang zum Goethe-Intranet und bekomme einen Einblick von vielem, was das \u201eGoethe\u201c im Moment zu treibt. Als angehende Journalistin (Yay!) habe ich nun ein bisschen recherchiert und meine Kolleginnen befragt, was sie denn den lieben langen Tag so treiben.<\/p>\n<p>Die erste S\u00e4ule ist laut Goethe-Motto die Vermittlung der deutschen Sprache. Gesprochen habe ich dar\u00fcber mit Nina Melnikowa, die hier zust\u00e4ndig f\u00fcr die Sprachkursorganisation ist. Ehrlichgesagt habe ich sie in ihrer Mittagspause \u00fcberfallen und mit einem Zettel voller Fragen bombadiert, aber sie hat mir dennoch sehr nett die Kerndaten zu den Sprachkursen geliefert. Das Goethe-Institut Senegal bietet drei Mal pro Jahr neu beginnende Sprachkurse f\u00fcr ungef\u00e4hr 100 \u2013 130 Sch\u00fclerInnen in jeweils ca. 10 Kursen pro Trimester an. Theoretisch gibt es Kurse jeden Niveaus von A1 bis C1 (Sprachniveaus des europ\u00e4ischen Referenzrahmens), jedoch kommen B2- oder C1-Kurse nur selten zustande. Die Frage die ich mir unwillk\u00fcrlich stelle ist: Warum im Himmel lernt irgendjemand freiwillig Deutsch? Nina sagt dazu, dass es gar nicht so wenig Deutschlernende seien \u2013 die Hauptmotivation ist h\u00e4ufig ein Studium in Deutschland anzufangen, das der DAAD (Deutscher akademischer Austauschdienst) mit Stipendien f\u00f6rdert. Ein Gro\u00dfteil der Deutschlernenden braucht ein Sprachzertifikat f\u00fcr den Ehegattennachzug (habe gerade gegoogelt, dazu ben\u00f6tigt man die absoluten Grundkenntnisse, also A1-Niveau). Auch eine Motivation, Deutsch zu lernen, ist der Wunsch, nachher als Deutschlehrer arbeiten zu k\u00f6nnen oder bei deutschen Firmen und Stiftungen im Senegal arbeiten zu k\u00f6nnen. Das sind laut Nina aber eher wenige. In Westafrika gibt es zwar auch andere Stellen, um die deutsche Sprache zu lernen, wie z.B. im Schulunterricht, an der Uni oder in kleinen Privatschulen, dennoch kommen ans Goethe-Institut Senegal nicht nur SenegalesInnen, sondern auch Leute aus Gambia, Guinea(-Bissau), Capo Verde, Mauretanien und Nigeria. Unterst\u00fctzend zum Sprachkurs gibt es hier eine kleine Bibliothek mit deutschen B\u00fcchern, Zeitschriften und Filmen und es wird auch landeskundlicher Unterricht angeboten.<\/p>\n<p>Die zweite gro\u00dfe S\u00e4ule ist die Kulturarbeit. W\u00e4hrend meiner drei Wochen hier, habe ich die Planung und\/oder Durchf\u00fchrung folgender Projekte mitbekommen: ein Diskussionsabend zum Thema \u201eFake News\u201c mit Journalisten einer senegalesischen Nachrichtenagentur, eine Lesung eines senegalesischen Schriftstellers, der ein Buch \u00fcber einen senegalesischen Musiker geschrieben hat, ein Symposium \u00fcber einen deutschen Forscher, der in den 70er Jahren viel im Senegal geforscht hat, ein Expertenworkshop deutscher Tonmeister f\u00fcr angehende senegalesische Auff\u00fchrungstechnikerInnen und ein Theaterprojekt senegalesischer junger Menschen, die f\u00fcr eine Tour durch die Schulen des Senegals proben. Ihr merkt schon \u2013 das Goethe-Institut legt gro\u00dfen Wert darauf, nicht nur deutsche Kulturvermittlung machen zu wollen<\/p>\n<p>Mein Problem mit dem Goethe-Institut ist nicht dessen Arbeit \u2013 sie versuchen sowohl in Theorie als auch in Praxis Alles richtig zu machen und jegliche neokolonialistische Anwandlungen zu verhindern. Mir geht es um den krassen Gegensatz, wenn wir zu Fu\u00df von unserem Haus bis zum Goethe gelaufen sind, vorbei an Stra\u00dfenh\u00e4ndlern, Frauen,\u00a0 die Waren auf dem Kopf tragen und Ziegenherden, die \u00fcber die Stra\u00dfe gescheucht werden. Und dann tritt man in ein topmodernes B\u00fcrogeb\u00e4ude mit mehreren Sicherheitsmenschen am Eingang, f\u00e4hrt mit dem Aufzug in den f\u00fcnften Stock und schaltet als erstes die Klimaanlage im Chefb\u00fcro mit Vollverglasung ein, mit Blick \u00fcber Dakar. Die Mitarbeiterinnen hier (ja, es sind tats\u00e4chlich alles Frauen) sind zwar super lieb und lustig, aber grenzen sich meiner Meinung nach auch ab vom Leben der \u201enormalen\u201c Menschen, indem sie sich aus den europ\u00e4ischsten und damit teuersten Restaurants Dakars mittags etwas bestellen und bringen lassen und das dann unter der sch\u00fctzenden Klimaanlage essen. Das Goethe-Institut ist, wie die deutsche Botschaft, quasi deutscher Boden \u2013 und steht damit in einem krassen Gegensatz zu dem Senegal, den ich bisher so gesehen habe.<\/p>\n<p>Also, sind die Existenz der Goethe-Institute und besonders meine Anwesenheit hier nun gerechtfertigt? Das ist eine sehr interessante Frage, \u00fcber die man vermutlich eine ganze wissenschaftliche Abhandlung schreiben k\u00f6nnte. Ich bin tats\u00e4chlich auch sehr motiviert, mich damit zu besch\u00e4ftigen! F\u00fcr den Moment kann ich jedoch nur beschreiben, was ich sehe und wie ich es wahrnehme \u2013 und das zeigt mir, dass die Rolle des Goethe-Instituts trotz gro\u00dfer Bem\u00fchungen kritisch betrachtet werden muss. Ich kann hier nat\u00fcrlich nichts Weltpolitisches bewegen, aber das ist auch gar nicht mein Anspruch. Jedoch kann ich etwas lernen; und dazu ist kulturweit schlie\u00dflich auch gedacht.<\/p>\n<div id=\"attachment_49\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/10\/DSC022291.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-49\" class=\"size-medium wp-image-49\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/10\/DSC022291-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/10\/DSC022291-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/10\/DSC022291-768x513.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/10\/DSC022291.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/10\/DSC022291-1x1.jpg 1w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-49\" class=\"wp-caption-text\">Eigentlich das B\u00fcro des Institutsleiters &#8211; nun aber unseres<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_50\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/10\/DSC022341.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-50\" class=\"size-medium wp-image-50\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/10\/DSC022341-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/10\/DSC022341-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/10\/DSC022341-768x513.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/10\/DSC022341.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/10\/DSC022341-1x1.jpg 1w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-50\" class=\"wp-caption-text\">Bibliothek<\/p><\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/10\/DSC022381.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-51\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/10\/DSC022381-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/10\/DSC022381-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/10\/DSC022381-768x513.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/10\/DSC022381.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/10\/DSC022381-1x1.jpg 1w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine ersten vier Wochen in Dakar sind beinahe um (WAAAS? 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