{"id":35,"date":"2018-09-17T22:55:04","date_gmt":"2018-09-17T20:55:04","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/?p=35"},"modified":"2018-09-17T22:55:04","modified_gmt":"2018-09-17T20:55:04","slug":"verberichten-ein-essay","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/2018\/09\/17\/verberichten-ein-essay\/","title":{"rendered":"Verberichten &#8211; Ein Essay"},"content":{"rendered":"<p>Meine Freunde, ich stehe vor einem Dilemma. Einerseits platze ich fast vor all den neuen Eindr\u00fccken, die ich in den letzten drei Tagen hier in Dakar gesammelt habe und es gelingt mir nicht zufriedenstellend, diese in Fotos zu fassen. Doch andererseits ist es auch unglaublich schwer von einem Land zu berichten, wo man doch bisher nur zwei Stadtviertel gesehen hat. Das gibt einfach ein sehr unvollst\u00e4ndiges, subjektives Bild \u2013 besonders wenn dieser Bericht dann auch noch von jemanden gelesen wird, der den afrikanischen Kontinent vielleicht noch nie betreten hat. Deshalb nun der eindeutige Disclaimer: Ich m\u00f6chte hier lediglich versuchen (deshalb auch Essay), meine pers\u00f6nlichen Eindr\u00fccke schildern und keinen Reisebericht im Sinne von \u201eAlle Menschen im Senegal leben so und so\u201c schreiben. Punkt.<\/p>\n<p>Dakar scheint zwischen den St\u00fchlen zu sein. Das eine Dakar ist eine globalisierte Metropole, fast jeder hat ein Smartphone, die Jungs tragen internationale Fu\u00dfballtrikots, es gibt asiatische und italienische Restaurants. Die \u00f6ffentlichen Busse haben zwar keinen Abfahrtsplan, aber dennoch feste Linien und Bushaltestellen und kommen (meist) alle zehn Minuten. Am Strand muss man \u2013 wie \u00fcberall \u2013 f\u00fcr den Sonnenschirm bezahlen und an jeder Stra\u00dfenecke bekommt man eine gek\u00fchlte Coke.<\/p>\n<p>Das andere Dakar ist es, was mich wirklich besch\u00e4ftigt, wenn ich abends in meinem klimatisierten Zimmer den Tag Revue passieren lasse. Das Stra\u00dfenbild ist ebenso gepr\u00e4gt von Personen in traditioneller afrikanischer Kleidung, von Stra\u00dfenverk\u00e4ufern, die alles Erdenkliche verkaufen (auch lebendige Tiere!), von get\u00fcnchten Flachdachbauten und uns unbekannten B\u00e4umen, die die Gehwege \u00fcberdachen. Das Dakar, das ich gesehen habe, sind die vielen Moscheen und die Kabel, die die Stra\u00dfen \u00fcberspannen, wo Pferdewagen neben der ungeheuren Menge an altersschwachen Taxis fahren. Das sind die Eigenheiten, auf die ich als Touristin begeistert zeige und meinen Freundinnen \u201eSchau mal, da!\u201c zurufe. Das sind die Momente, in denen ich mich gerne neben einen der vielen jungen M\u00e4nner an den Stra\u00dfenrand setzen w\u00fcrde, die einfach nur das Geschehen vor sich beobachten. Daneben gibt es aber auch die Dinge, von denen ich besch\u00e4mt meinen Blick abwende, Dinge, die ich eigentlich \u00fcbersehen will \u2013 Bauruinen, M\u00fcll, Schuttberge, verh\u00e4rmte Nutzrinder und -pferde. Und dann die Grausamkeiten, die ich 18 Jahre lang f\u00fcr eine Erfindung der Tagesschau hielt: Kinder, die in M\u00fcllbergen spielen oder dir hundert Meter mit bettelnden H\u00e4nden folgen.<\/p>\n<p>Wie ihr sicher verstehen k\u00f6nnt, ist es sehr schwierig, all diese Eindr\u00fccke zu verarbeiten. Noch schwieriger ist es aber, dar\u00fcber zu schreiben. Ich sehe mich weder in einer \u00fcbergeordneten Position (obwohl mir nat\u00fcrlich in den letzten Tagen meine Privilegien noch einmal schmerzlich bewusst geworden sind), m\u00f6chte mich nicht als \u201e\u00dcberlebende\u201c eines Trips inszenieren, noch habe ich den Anspruch, hier irgendwas zu \u00e4ndern. Ich glaube die Menschen sind gl\u00fccklich. Sie sind sehr gastfreundlich und offen, und als wir einen Stra\u00dfenverk\u00e4ufer nach der richtigen Buslinie gefragt haben, hat er mit uns gewartet, uns den richtigen Bus angehalten und dem Fahrer mitgeteilt, wo wir wieder aussteigen wollen. Und das ist mir eigentlich das Wichtigste \u2013 durch die Stra\u00dfen von Dakar kann jeder Tourist laufen und danach so einen Bericht schreiben, wie ich ihn jetzt verfasst habe. Aber die Begegnungen mit Menschen, die vermehren und intensivieren sich mit der Zeit, die man hier verbringt. Und deshalb sind diese Eindr\u00fccke erst die oberste Schicht eines Geschenkes, das mir mit der M\u00f6glichkeit, hier im Senegal neue Erfahrungen zu sammeln, gemacht worden ist.<\/p>\n<div id=\"attachment_36\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/09\/DSC019711.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-36\" class=\"size-medium wp-image-36\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/09\/DSC019711-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/09\/DSC019711-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/09\/DSC019711-768x513.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/09\/DSC019711.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/09\/DSC019711-1x1.jpg 1w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-36\" class=\"wp-caption-text\">Unser Haus ist links bei dem Torbogen<\/p><\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/09\/DSC019981.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-38\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/09\/DSC019981-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/09\/DSC019981-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/09\/DSC019981-768x513.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/09\/DSC019981.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/09\/DSC019981-1x1.jpg 1w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/09\/DSC019821.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-37\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/baobablog\/files\/2018\/09\/DSC019821-300x200.jpg\" 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