Ein bisschen Alltag…

Ein bisschen Alltag…

Nach meiner Reise nach Tiflis habe ich nun etwas Alltag hinter mir – unterbrochen von drei Tagen Yerevan – der sich für mich nicht unbedingt weniger spannend anfühlt.

Am Mittwoch arbeite ich das erste Mal seit langem wieder mit meinem Deutsch-Club, den nachmittäglichen Übungsgruppen. Eigentlich möchte ich mit den 8. Und 9. Klässlern ein neues Schulportrait in Angriff nehmen, doch sie bitten mich darum, ihnen bei einem Videoprojekt zu helfen, dass von Eike, einem der Lehrer aus Bremen, aufgegeben wurde. Die Stunde verbringen wir also damit, auf dem Schulhof 20 kurze Vorstellungsvideos auf Deutsch zu drehen, bevor sich die Jugendlichen nach und nach heim verziehen.

Ein Zeichen des Winters, das mir heute auffällt: Zweimal laufen mit in der Schule kleine Mäuschen über den Weg, die vor der einbrechenden Kälte von den Feldern fliehen. Süß aber… befremdlich.

Donnerstag ist die 6. Klasse dran, eine Stunde, auf die ich mich eigentlich gefreut habe… Doch es sind mehr Kinder da, als ich erwartet habe. Zwischen 15 und 20 kommen und wieso, weiß ich ehrlich gesagt nicht, denn als hätten sie besonders viel Lust auf freiwilligen Unterricht wirken sie nicht. Zwar machen viele von ihnen begeistert mit, hopsen, sich verzweifelt meldend, auf ihren Stühlen herum und geben auch meist richtige Antworten, doch grundsätzlich herrscht ein Lärmpegel in der Klasse, gegen den ich nichts ausrichten kann. Als kleinen Trost hole ich mir drei große Granatäpfel, für umgerechnet ca. 1,02€ und in hundertmal besserer Qualität, als alles, was ich je in Deutschland gefunden habe.

Hier ist meine reguläre „Woche“ auch schon vorbei, denn am Freitag heißt es wieder Yerevan. Mit einer Gruppe von 9. Klässlern fahren die Russischlehrerin und ich um 10.00Uhr los, um eine Ausstellung des Mathematikums in Aachen und des Goethe-Instituts zu besuchen: Mathematik zum Anfassen. (http://mathematik-zum-anfassen.de/)

Abgerundet wird der Ausflug mit einem Besuch in der Pizzeria, bevor die Gruppe sich am Nachmittag wieder auf den Heimweg macht, während ich zur etwa zwei Kilometer entfernten WG spaziere. Da dies mein erster Freitagabend in Yerevan ist, bekomme ich heute auch endlich einmal etwas vom Nachtleben der Hauptstadt mit: Nach einigen Gin Tonics in der Wohnung ziehen in eine Bar, danach ins „Basement“. Lange bleiben wir nicht, und so lassen wir den Abend ab 2.30Uhr noch bei einem Käffchen und dem Erstellen diverser Memes auf der Couch ausklingen.

Sonntag geht es weiter mit dem Alkoholkonsum: Von Botschaftsmitarbeitern werden wir zum „Herbstgrillen“ in einer ziemlich reichen Umgebung eingeladen. Grillen mit Armeniern; das bedeutet, dass spätestens um 15.00Uhr der Vodka zu fließen beginnt. Nicht nur der handelsübliche, zur Feier des Tages wurde extra selbstgebrauter, 80%iger mitgebracht, von dem ich jedoch die Finger lasse. Stattdessen begnüge ich mich mit Sekt, Wein und Kaffee mit Schuss, schließlich steht mir Montagmorgen die anstrengende Rückfahrt in der Maschrutka bevor.

Auch wenn viele Ausflüge dies unterbrechen: Ich habe mehr und mehr das Gefühl, in einen Rhythmus zu kommen. Die Arbeit fühlt sich schon alltäglich an, wenn ich über die Freiwilligen in Yerevan rede, sage ich meistens „meine Freunde“ und in der Schule fühle ich mich schon so heimisch wie seinerzeit im Rhein-Gymnasium. Meine Einlebungsphase, so scheint es, ist vorbei.

Lucy

 

*Ich hatte diese Woche kein spannendes Foto… Beitragsbild sind die Kaskaden in Yerevan, Quelle pixabay 🙂

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