Yerevan

Es fällt mir schwer zu glauben, dass ich das hier Montagabend schreibe, dass mein dritter Tag hier in Armenien vorbei ist. Gefühlt bin ich erst vor einigen Stunden hier in Yerevan, der Hauptstadt Armeniens angekommen; oder aber vor 2 Wochen.

Der erste Tag meiner sechs Monate Freiwilligendienst beginnt spät; schließlich haben wir uns erst um 6.00Uhr Ortszeit schlafen legen können. Leider sind Alma, meine Mitfreiwillige am Goetheinstitut und ich etwas krank, hustend und schniefend werden wir von unserer Ansprechpartnerin Dana zur Stadttour durch Yerevan abgeholt.
Hier stelle ich fest, dass ich, als eher Dorfkind, mich selten so wohl in einer Millionenstadt gefühlt habe. Die Menschen sind höflich, in der Metro bekommt man als Frau beinahe immer von einem Mann den Platz angeboten (wobei ich nicht weiß, ob ich das als positiv oder negativ einschätzen soll) und die Gehwege sind großzügig angelegt, sodass ich mir wenig Sorgen um Taschendiebe mache.

Direkt am Samstag werde ich auch bei einigen meiner Vorurteile eines Besseren belehrt: Fast auf allen Schildern steht unter dem Armenischen (eine eigene Sprache mit eigener Schrift ;)) die englische Übersetzung; auch viele Menschen sprechen englisch. Einerseits ist das natürlich hilfreich; andererseits hatte ich auch noch nicht die Gelegenheit, die paar Brocken armenisch, die ich vor meiner Ausreise gelernt habe, anzuwenden.

Um 17.00Uhr geht es aufs Oktoberfest der Deutschen Botschaft; und ich fühle mich sofort wieder wie daheim (keine 24h seit ich von dort los bin) bzw. wie auf den klischeehaften Dorffesten zuhause, wo jeder von der Musik genervt ist und man eigentlich so schnell wie möglich wieder verschwinden möchte.

der Berg im Hintergrund ist der Ararat; ein extrem heiliger Ort. Hier soll damals die Arche gestrandet sein.

der Blick von den Kaskaden nach unten, ungefhr in der Mitte des Bildes ist die Oper zu sehen.

 

Etwas fitter als am Tag zuvor, machen wir uns am Sonntag direkt nach dem Frühstück auf, in Richtung der WG der anderen Freiwilligen, und von dort aus zur Vernissage; einem berühmten Kunst- und Souveniermarkt. Noch habe ich mir nichts gekauft, aber zumindest weiß ich jetzt, dass ich keine Probleme damit haben werde, Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke für meine Lieben zuhause zu finden. Schließlich werden wir von Nourian, einem weltwärts-Freiwilligen, auf einen „Imbiss“ zur „Tavern Yerevan“ geführt. Da in armenischen Restaurants unser „Tellergericht“ fremd ist, bestellen alle zusammen; das Essen kommt in großen Platten auf den Tisch, und jeder nimmt sich, was er möchte auf seinen Teller- quasi wie zuhause bei Mutti ;). Vieles ist nicht nur typisch-armenisch, eher georgisch oder generell kaukasisch, doch das nimmt dem Geschmack natürlich nichts. Ebenfalls beeindruckend ist die Rechnung: Für Vorspeise, Hauptgang, Nachtisch, Getränke und Kaffee, inklusive Trinkgeld bezahlen wir zu acht 32.000Dram; das sind ungefähr 7,50€ für jeden von uns.

 

Um halb elf treffen wir Montagmorgen im Sprachlernzentrum des Goethe-Instituts ein – bzw. eher 5 nach halb; weil wir uns auf dem Weg von der Metro hierhin etwas verlaufen haben. Hier bekommen wir zuerst noch mal die Mitarbeiter des Zentrums vorgestellt (und von diesen gleich ein Stück Torte angeboten), vor allem aber dürfen wir uns die Taschen mit Büchern und Materialien aus der Bibliothek füllen, welches wir an den Schulen benutzen können. Alma und ich schnappen uns beide eine Ausgabe von „Grimm’s Märchen“ und „Goethe für Kinder“; dazu noch ein paar Lektüren für Deutschlernende auf unterschiedlichen Niveaustufen und einige Filme.

Nach dem Tag im Zentrum werden noch einige letzte gesellige Stunden mit den Anderen in der WG verbracht; bevor es morgen um 9Uhr für mich nach Chambarack, meinem eigentlichen Zielort, geht.

 

Bahri gisher meine Lieben 🙂

 

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