{"id":432,"date":"2013-02-07T17:39:28","date_gmt":"2013-02-07T16:39:28","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/?p=432"},"modified":"2013-02-07T19:16:42","modified_gmt":"2013-02-07T18:16:42","slug":"life-of-lina","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/2013\/02\/07\/life-of-lina\/","title":{"rendered":"Life of Li(na) &#8211; Episode 1"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Liebe LeserInnen &#8211; in der Tat habe ich einiges an Blogeintr\u00e4gen nachzuholen. Fangen wir sogleich an &#8211; nicht wundern &#8211; auch wenn es schon Anfang Februar ist, von den skurillsten Weihnachtsgeschichten bekommen wir nie genug, nicht? ; )<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>&#8222;Julia! Where for god sake are you??!&#8220;. M\u00fcrrisch bet\u00e4tigt Eiman die rote Taste ihres Handys, da niemand abhob.<\/em><\/p>\n<p><em>Eiman ist eine sehr gut gewonnene Freundin, getroffen haben wir uns in der Schulmensa, da sie an meiner Schule als Englischlehrerin arbeitet.<\/em><br \/>\n<em> Nachdem wir f\u00fcr Wochen schweigend am selben Tisch zu Mittag speisten, fasste ich eines Tages doch noch den Mut sie anzusprechen, denn zu der Zeit war ich wegen meiner schwachen Stimme gehemmt diesen Schritt zu wagen. Sp\u00e4ter stellte sich heraus, dass sie mich nie angesprochen hatte, weil sie dachte, ich sei die ausl\u00e4ndische, nicht englischsprechende, Japanischlehrerin.<\/em><\/p>\n<p><em>Still hocken wir geknickt am Esstisch, starren auf das penibel servierte Essen und versuchen angestrengt ein Gespr\u00e4chsthema anzusto\u00dfen, was nach einem Warten von fast zwei Stunden jediglich eine von Hunger ausgel\u00f6ste Spannung hervorbringt.<\/em><br \/>\n<em> Um die Wahrnehmung dessen Gef\u00fchl bewusst zu ignorieren, betrachte ich verkl\u00e4rt den Tannenbaum. &#8222;In meinem bisherigen Leben war ich bislang wohl noch nie so sehr in Weihnachtsstimmung wie ich es in Shanghai bin&#8220;, dieser Gedanke zieht sich durch mein Bewusstsein, als mir auffiel, wie die gr\u00fcnen Plastiknadeln der Tanne, das gl\u00e4nzende Lametta und die glitzernen Sterne \u00e4sthetisch einem Obstsalat glichen. M\u00f6glichst viele variierende Obstsorten, um ja den Tagesbedarf an all erdenklichen Vitaminen und N\u00e4hrstoffen abzudecken. Als w\u00e4re der Tannenbaum dadurch weihnachtlicher je mehr Schmuck er tr\u00e4gt, denn bei diesem habe ich das Gef\u00fchl, dass etliche Haushalte ihr Dekoschmuck f\u00fcr diese eine Tanne beigetragen haben m\u00fcssen.<\/em><\/p>\n<p>Wie wahrscheinlich jede Weihnachtstanne in China, wurde auch diese \u00fcber &#8222;Taobao&#8220; (http:\/\/www.taobao.com\/)\u00a0&#8211; so eine Art chinesischem &#8218;eBay&#8216; \u00a0bestellt. \u00a0Hier kann schon von einem kulturellem Massenph\u00e4nomen gesprochen werden, zumal eine Summe von 39,9 Millionen aktiven Mitgliedern verzeichnet wurde und die Onlineplattform somit zur gr\u00f6\u00dften im asiatischen Raum z\u00e4hlt. Zoey, meine Ansprechpartnerin an der Schule, beschrieb die Popularit\u00e4t des &#8222;Taobao-ens&#8220; folgenderma\u00dfen:&#8220;Wozu brauchen wir die ganzen Fakem\u00e4rkte, wozu die Schlacht durch die Menschenmassen und wozu den ganzen Stress um den besten Preisnachlass, wenn &lt;&lt;Taobao&gt;&gt; uns dies alles erspart?&#8220;. Da scheint es normal Hunde \u00fcber die Website zu kaufen, mit der Begr\u00fcndung: &#8222;Ich wollte genau diese spezielle Rasse.&#8220; -f\u00fcr Chinesen tr\u00e4gt &lt;&lt;\u6dd8\u5b9d&gt;&gt; anscheinend das G\u00fctesigel am Ramschstern.\u00a0Besonders beliebt ist es ebenso einen Vorrat Kinderwindeln oder Conflakes \u00fcber dieses Auktionshaus zu bestellen.<br \/>\nMittlerweile wird bei gro\u00dfen Modeketten achtsam ein Auge darauf gelegt, dass vor allem junge Chinesinnen kein Foto von dem Preisetikett knipsen, weil die M\u00f6glichkeit besteht mithilfe der Identifikationsnummer des Kleidungsst\u00fcckes, das exakte Modell verg\u00fcnstigt auf Taobao wiederzufinden &#8211; juckt ja keinen, wenn&#8217;s eine Kopie mit schlechter Qualit\u00e4t ist &#8211; hey, wir sitzen immerhin an der Quelle. Was ist heutzutage denn nicht &#8222;Made in China&#8220;?<\/p>\n<p>Nun &#8211; Euphorie, die jeden Ausl\u00e4nder (inklusive mir) in China jetzt packt, wandelt sich gnadenlos in Entt\u00e4uschung aus zweierlei Gr\u00fcnden:<br \/>\n1. Die Internetseite ist komplett auf Mandarin &#8211; hallo Google-\u00dcbersetzer!<br \/>\n2. Registration ist nur mit chinesischer ID m\u00f6glich (oh, allerliebste chinesische Freunde, wo seid ihr?) \u00a0&#8211; Ger\u00fcchte \u00fcber eine internationale Expansion gibt es jedoch bereits seit dem Jahre 2008&#8230;<\/p>\n<p>Wenn meine Donghui-Sch\u00fcler nichtsdestotrotz mittags vorne am Pf\u00f6rtnerh\u00e4uschen in vergilbten Kartons vergeblich versuchen die Kisten vom Klebeband zu befreien, um anschlie\u00dfend aufgeregt schnatternd dessen Inhalt zu enth\u00fcllen und den Klasssen, bzw. Personen zuzuordnen oder Lehrer Sch\u00fcler als Laufburschen ins Office rufen, grinse ich verschmitzt \u00a0und murmel wissend vor mich hin:<\/p>\n<p>&#8222;Ich bin wohl wirklich in China. It&#8217;s taobao-time&#8230;&#8220;<\/p>\n<p><em>Zuckend schrecke ich aus meinen Gedanken, als Eiman aus vollem Halse br\u00fcllt vor lachen und mich die Angst packt, das Handy rutsche \u00a0ihr aus der Hand, so sehr wie sich ihr K\u00f6rper vor lachen wendet und kringelt. Nachdem sie sich unf\u00e4hig vom Lachkrampf \u00a0halbherzig von der Person am Ende der anderen Leitung verabschiedet, gluckst sie mich wenige Sekunden an &#8211; was mir selbst ein ungewolltes L\u00e4cheln aufs Gesicht zeichnet &#8211; und berichtet mir den Grund f\u00fcr Julias zusp\u00e4tkommen.<\/em><\/p>\n<p>In China ist in nahezu allen wohlhabenen und vor allem in Expatrise-Haushalten eine sogenannte weibliche &#8222;Ayi&#8220; (Maid) angestellt &#8211; m\u00e4nnliche sind mir bislang keine bekannt&#8230; Ihre Aufgaben k\u00f6nnen dabei vielseitig mehrere Aufgabenfelder (Kinder- oder Haustierbetreuung, etc.) abdecken. \u00dcblicherweise werden jedoch &#8222;Putz-ayis&#8220; in Haushalte \u00fcbernommen, die zu festgelegten Zeiten &#8211; meist vormittags &#8211; die Apartments instand halten, das meist zu einem Hungerlohn von durchschnittlich 25RMB (drei Euro) die Stunde bezahlt wird. In &#8222;Luxus-Apartments&#8220; (dazu z\u00e4hlen bereits Wohnungen wo die Kaltmiete um die 12000 RMB = 1500 Euro monatlich betr\u00e4gt) gibt es normalerweise drei Fahrst\u00fchle, dabei ist der ganz rechts au\u00dfen nie wirklich ausgebaut, d.h hier gibt es keine Verspiegelungen, Monumente oder Verzierungen &#8211; sondern wirkt, als ob dieser mitten in der Ausbauphase steckengeblieben ist. Erschreckenderweise erfuhr ich, dass dieser Fahrstuhl unausgesprochen menschenverachtenderweise f\u00fcr die Ayis gedacht ist, da &#8222;das ganze hinein- und hinausschleifen des Putzequippments, die Fahrstuhleinrichtung schadet und somit effizienterweise Renovierungsgelder vornherein gespart werden&#8230;&#8220;.<\/p>\n<p><em>F\u00fcr das bevorstehende Weihnachtsessen hatte Julia einen ganzen Truthahn gekauft und zum Entfrosten in die Badewanne gelegt. F\u00fcr chinesische Mentalit\u00e4t ist dies ein &#8218;No-go&#8216;, sodass ihre Ayi w\u00e4hrend der Arbeit gutgemeint erschrocken und aufgebracht diesen in die K\u00fcche rettete und halbierte, um diesen zun\u00e4chst behutsam zur\u00fcck in den Gefrierschrank eines Nachbarns zu sperren. Nichtsahnend kehrte Julia am sp\u00e4ten Nachmittag \u00a0zur\u00fcck, das geplante Highlight des Weihnachtsessen spurlos verschwunden. Daher verbrachte sie den Rest des Tages damit Tatort zu spielen. Die Ayi hatte wahrscheinlich durch ihren straffen Zeitplan vergessen, den Gefrierschrank des Hauses Julia auszur\u00e4umen, damit sie den Hahn zur\u00fcckholen konnte.<\/em><\/p>\n<p><em>Am Ende l\u00f6ste ein einfacher Anruf an die besagte Ayi den Fall &#8211; es herrschte wieder Friede, Freude, Eierkuchen.<\/em><\/p>\n<p><em>Ah ja, der Truthahn war nach all den Strapazen dennoch k\u00f6stlich.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe LeserInnen &#8211; in der Tat habe ich einiges an Blogeintr\u00e4gen nachzuholen. Fangen wir sogleich an &#8211; nicht wundern &#8211; auch wenn es schon Anfang Februar ist, von den skurillsten Weihnachtsgeschichten bekommen wir nie genug, nicht? ; ) &nbsp; &#8222;Julia! Where for god sake are you??!&#8220;. M\u00fcrrisch bet\u00e4tigt Eiman die rote Taste ihres Handys, da &hellip; <span class=\"more-link\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/2013\/02\/07\/life-of-lina\/\">Mehr lesen &raquo;<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":841,"featured_media":461,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[576,21,563,585,39,577,307,587,16,138,583,589],"tags":[],"class_list":["post-432","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kulturweitblog","category-allgemein","category-erlebnis","category-gesellschaft","category-medien","category-menschen","category-mentalitat","category-nachrichten","category-privat","category-reise","category-wirtschaft","category-wissen"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/432"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/wp-json\/wp\/v2\/users\/841"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=432"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/432\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":465,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/432\/revisions\/465"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/wp-json\/wp\/v2\/media\/461"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=432"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=432"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=432"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}