{"id":328,"date":"2012-10-03T08:39:48","date_gmt":"2012-10-03T06:39:48","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/?p=328"},"modified":"2012-10-03T08:39:48","modified_gmt":"2012-10-03T06:39:48","slug":"home-sweet-home","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/2012\/10\/03\/home-sweet-home\/","title":{"rendered":"Home sweet home"},"content":{"rendered":"<p>Das Ratteln und R\u00fctteln der Metro erf\u00fcllte den blechernden Raum. Verstohlene Blicke werden zum Takt der aus den Kopfh\u00f6rern t\u00f6nenden Musik ausgetauscht. Flinke Finger sausen \u00fcber das Tastenfeld der allgegenw\u00e4rtigen Smartphones. Menschen schreiten aus den t\u00fctenden Bahnt\u00fcren, wo schongleich neue Menschenmassen hineinst\u00fcrmen und wie gierige Asgeier\u00a0 die so ebend frei gewordenen Pl\u00e4tze erobern. Die melodische Frauenstimme hallt durch den Waggon und dirigiert den Fahrbetrieb: inmitten Carl-Jan und ich, die stillschweigend das Geschehen beobachten. Da ich bereits \u00f6fters gefragt wurde, wie es mit meiner Wohnsituation aussieht, m\u00f6chte ich diesen Blogeintrag dazu nutzen, um dar\u00fcber zu berichten.<\/p>\n<p>Wir waren mit Zoey, meiner per\u00f6nlichen Ansprechpartnerin und zugleich eine der beiden Deutschlehrerinnen an der Donghui-Schule, verabredet, um uns eine passende Unterkunft zu suchen. P\u00fcnktlich liefen wir die Treppen zum Metroausgang hoch, w\u00e4hrenddessen ich mir mein Gesicht sch\u00fctzend vor der Sonne mit der rechten Handfl\u00e4che abschirmte.<\/p>\n<p>(Jetzt ist es vor allem w\u00e4hrend der Mittagszeit immer noch dr\u00fcckend hei\u00df mit Temperaturen zwischen 26\u00b0 und 28\u00b0. Anfangs machte mir die hohe Luftfeuchtigkeit zu schaffen, doch jetzt merkt man kaum noch etwas davon. In Deutschland w\u00fcrde man das Wetter derzeit als Sommer bezeichnen, den Shanghainesen ist es schon so \u201ekalt\u201c genug mit Jeans und Hoodie rumzulaufen. Wobei auch im schw\u00fclsten Hochsommer, vor allem Frauen, lange Sachen tragen, um nicht braun zu werden.)<\/p>\n<p>Mit dem Auto fuhr uns Zoey zun\u00e4chst in das Wohnheim f\u00fcr Sch\u00fcler, die aus au\u00dferhalb Shanghai kommen. Mit sehr gutem Deutsch (sie hatte in Deutschland Klavierp\u00e4dagogik studiert) erkl\u00e4rte sie uns, dass das Wohnheim auf dem \u201ePraxiscampus\u201c, also etwas weiter weg von meinem zuk\u00fcnftigen Arbeitsplatz liegt. F\u00fcr den Anfang kann man sich ja hier einrichten, bis man etwas besseres gefunden hat, zumal das Wohnheim kostenlos w\u00e4re. An der Rezeption wurden wir freundlich von der Frau begr\u00fc\u00dft, die uns vorweg mit einem klirrenden Schl\u00fcsselbund zur Zimmerbesichtigung lotste. Jeweils sechs Sch\u00fcler und Sch\u00fclerInnen teilen sich ein Zimmer, Carl Jan und ich w\u00fcrden aber Einzelzimmer (ohne Klimaanlage!!) bekommen. Gemeinschaftlich werden die Toiletten und das Bad geteilt, wobei man f\u00fcr die Dusche mit einer Prepaidkarte jedesmal bezahlen m\u00fcsste. Eine K\u00fcche gibt es nicht. Meine Bef\u00fcrchtung, man m\u00fcsse zu einer bestimmten Uhrzeit ins Wohnheim zur\u00fcckkehren, wurde best\u00e4tigt. Sp\u00e4testens um neun h\u00e4tte man brav auf seinem Zimmer sitzen m\u00fcssen.<br \/>\nEtwas ern\u00fcchtert verabschiedeten wir uns von der Frau und schritten zum Auto zur\u00fcck.<br \/>\nWas habe ich denn erwaretet? Ein Luxusapartment mit Jacuzzi? Bevor ich weitersponnen konnte, schlug uns Zoey bereits vor ein paar Wohnungen zu besichtigen.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/files\/2012\/10\/20120921_063513.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-147\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/files\/2012\/10\/20120921_063513-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/files\/2012\/10\/20120921_063513-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/files\/2012\/10\/20120921_063513.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Aus diesem Grund statteten wir einem Markler einen Besuch ab, der uns widerum eine 3-Zimmer-Wohnung inklusive Dachbodenzimmer f\u00fcr 4500 RMB (540 Euro) Kaltmiete vorschlug. Ganz bequem erreicht man von unserer Wohnung aus die Metro Station, von der man direkt ohne umzusteigen den People\u2019s \u00a0Square, die Nanjing Lou oder auch den Jing An\u2018 Temple erreicht.\u00a0 Es ist eine typische Wohngegend, Eltern gehen mit ihren Kindern spazieren oder fitnesbewusste Menschen joggen den B\u00fcrgersteig entlang, was aufgrund des riesigen Parks, der bei uns um die Ecke liegt (10RMB Eintritt), von Vorteil ist.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/files\/2012\/10\/20121003_135049.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-334\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/files\/2012\/10\/20121003_135049-225x300.jpg\" alt=\"Das Wohnzimmer\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/files\/2012\/10\/20121003_135049-225x300.jpg 225w, https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/files\/2012\/10\/20121003_135049.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/files\/2012\/10\/20121003_134925.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-331\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/files\/2012\/10\/20121003_134925-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/files\/2012\/10\/20121003_134925-225x300.jpg 225w, https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/files\/2012\/10\/20121003_134925.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/files\/2012\/10\/20121003_134953.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-333\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/files\/2012\/10\/20121003_134953-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/files\/2012\/10\/20121003_134953-225x300.jpg 225w, https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/files\/2012\/10\/20121003_134953.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/files\/2012\/10\/20121003_112805.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-330\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/files\/2012\/10\/20121003_112805-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/files\/2012\/10\/20121003_112805-225x300.jpg 225w, https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/files\/2012\/10\/20121003_112805.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><br \/>\nUnsere Wohnung ist vollst\u00e4ndig m\u00f6bliert mit allem drum und dran, nur war eine Grundreinigung f\u00fcr Bad und K\u00fcche dringend notwendig. Zu unserer Verwunderung stand auf dem Dachboden ebenfalls ein Bett, sodass wir Christina anriefen und sie fragten, ob sie sich vorstellen k\u00f6nnte mit uns in die Wohnung zu ziehen.<br \/>\nDas Vermieterp\u00e4rchen, dem die Wohnung geh\u00f6rt, zieht in den 3. Stock zu seinem Sohn der frisch verheiratet ist. Dementsprechend h\u00e4ngt an unserer Haust\u00fcr auch das chinesische Schriftzeichen f\u00fcr \u201eJust married\u201c.<br \/>\nAnfangs hatten wir einen kleinen Disput \u00fcber die Zimmeraufteilung, weil niemand aus verschiedensten Gr\u00fcnden das Dachzimmer beziehen wollte. Letztendlich gab Carl Jan nach, mit der bitte auf dem Dachboden f\u00fcr sein Bett eine Matratze zu besorgen, da bis heute dort provisorisch gestapelte Decken als Matratzenersatz liegen.<br \/>\nMit der Zeit lernten wir unliebsame Mitbewohner kennen: Kakerlaken. Morgens, wenn du im Halbschlaf in deiner Decke eingelullt bist, \u00a0du dir feste Zeitangaben vorgibst aufzustehen, diese immer weiter hinausz\u00f6gerst und urpl\u00f6tzlich deine Mitbewohnerin aufheult und aufquietscht, weswegen du wie von einer Tarantel gestochen aus dem Bett wackelst und die Zimmert\u00fcr aufreist. Vor dir, ein verknautschtes Gesicht, das angeekelt \u201eK-akerlake\u201c hickst. Da lag sie, auf ihrem R\u00fccken, die Beinchen zur Decke. Mit letzter Kraft versucht sie sich umzuw\u00e4lzen und in ihr dunkles Loch zu krabbeln. Doch wir sind schneller.\u00a0 Hastig und zaghaft zugleich st\u00fclpen wir einen durchsichten blauen Trinkbecker \u00fcber sie und vermerken eine Nachricht an Carl Jan, er solle doch bitte das Vieh entsorgen. So haben wir es bis jetzt immer gemacht. \u201eKakerlakenfangbecher\u201c + Carl Jan = Kakerlaken ad\u00e9. Derzeit ist er aber verreist, daher beten wir jeden Tag, dass unser \u201eAnti-Kakerlaken\u201c-Spray aus dem Supermarkt geholfen hat und wir keinen ungebetenen Besuch mehr bekommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Ratteln und R\u00fctteln der Metro erf\u00fcllte den blechernden Raum. Verstohlene Blicke werden zum Takt der aus den Kopfh\u00f6rern t\u00f6nenden Musik ausgetauscht. Flinke Finger sausen \u00fcber das Tastenfeld der allgegenw\u00e4rtigen Smartphones. Menschen schreiten aus den t\u00fctenden Bahnt\u00fcren, wo schongleich neue Menschenmassen hineinst\u00fcrmen und wie gierige Asgeier\u00a0 die so ebend frei gewordenen Pl\u00e4tze erobern. 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