{"id":26,"date":"2012-09-06T15:21:43","date_gmt":"2012-09-06T13:21:43","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/?p=26"},"modified":"2012-09-06T15:31:39","modified_gmt":"2012-09-06T13:31:39","slug":"apfelsaft-und-mineralwasser-sind-wohl-dasselbe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/2012\/09\/06\/apfelsaft-und-mineralwasser-sind-wohl-dasselbe\/","title":{"rendered":"Apfelsaft und Mineralwasser sind wohl dasselbe"},"content":{"rendered":"<p>Berlin, 1. September 2012. Ausreise. Ziel: Shanghai, China<\/p>\n<p>&#8222;Bist du schon aufgeregt?&#8220; &#8211; &#8222;Nein.&#8220;<br \/>\n&#8222;Hast du Angst?&#8220; &#8211; &#8222;Nein.&#8220;<br \/>\n&#8222;Machst du dir wegen deiner Stimme Sorgen?&#8220; &#8211; &#8222;Nein.&#8220;<br \/>\nEin Gef\u00fchl der endlosen Gleichg\u00fcltigkeit und Schwerelosigkeit breitete sich in mir aus. Erst als ich durch das Gate trat, wurde ich von der Realit\u00e4t wachger\u00fcttelt und mir schossen per Handz\u00fcndung die Tr\u00e4nen in die Augen. Den Leuten um mich herum erging es nicht anders. Mit hochrotem Kopf und zusammengekniffenen, w\u00e4ssrigen Augen nuschelte man einander Mut zu &#8211; letztendlich passierte bei mir, wie auch bei den 249 anderen Freiwilligen dasselbe typische Abschiedsprozedere.<\/p>\n<p>Nachdem im Flugzeug alle Verhaltensregeln zur eigenen Sicherheit von den verantwortlichen Stewardessen vorget\u00e4nzelt wurden und aus der Lautsprecheranlage knackend die Stimme des Kapit\u00e4ns t\u00f6nte, \u00fcberlegte ich mir w\u00e4hrenddessen eine Methode der Stewardess bei der Getr\u00e4nkeausgabe deutlich &#8211; deutlich mit meiner verkorksten Stimme &#8211; auszudr\u00fccken, was ich nun denn gerne h\u00e4tte.<\/p>\n<p>(Anmerkung: F\u00fcr alle Unwissenden, ich hatte vor kurzem eine Schilddr\u00fcsenoperation, wodurch mein rechter Stimmbandnerv gesch\u00e4digt wurde.)<\/p>\n<p>Ich machte es mir in meinem Sitz bequem; in einer aufrechten Sitzhaltung reckte ich meinen Hals raus und spannte meine Lippen an, um m\u00f6glichst deutlich zu artikulieren. Im Grunde bekam ich dennoch statt meinen gew\u00fcnschten Apfelsaft Mineralwasser &#8211; C&#8217;est la vie.<\/p>\n<p>Nach elf Stunden Flug erreichte die Flugmaschine LH732 (ich war sehr erleichtert, dass an diesem Tag nicht gestreikt wurde &#8211; Lufthansa sei Dank!) endlich den Pudong International Airport in Shanghai. Im Handgep\u00e4ck meine Reisetasche, meinen Tennisschl\u00e4ger, \u00fcbermannene M\u00fcdigkeit und&#8230; Christina! \ud83d\ude00 Wir hatten uns zuvor schon am Frankfurter Flughafen getroffen und werden gemeinsam f\u00fcr 12 Monate eine aufregende Zeit mit &#8222;kulturweit&#8220; in Shanghai erleben.<\/p>\n<p>Nachdem wir aus der Flugmaschine traten, wurden wir von der Hitze (30\u00b0C+) und dr\u00fcckenden Luftfeuchtigkeit erschlagen &#8211; wie wir jedoch sp\u00e4ter von geb\u00fcrtigen &#8222;Shanhaijanern&#8220; erfuhren, war das Wetter an dem Tag noch &#8222;angenehm&#8220; &#8211; na dann&#8230;!<\/p>\n<p>Am Flughafenausgang sollte uns laut Abholliste vom Goethe Institut ein(e) gewisse(r) &#8222;Panda&#8220; erwarten. Christina und ich spekulierten schon seit einiger Zeit dar\u00fcber, ob es ein Spitzname sei oder nicht. Ist die omin\u00f6se Person eine Frau? Ein Mann? Chinesischer oder deutscher Herkunft? Ist diese Frage \u00fcberhaupt relevant?<br \/>\nNat\u00fcrlich ist sie es. Sie h\u00e4tte uns ein orientierungsloses rumirren am Flughafenaugang erleichtert, wenn man wenigstens gewusst h\u00e4tte, nach was f\u00fcr einer Person man Ausschau halten solle. So zogen wir stockend mit unserem Gep\u00e4ck vorran, wo wir letzten Endes eine chinesische Frau mitte zwanzig zaghaft ein St\u00fcck Papier mit der Aufschrift: &#8222;Goethe Institut&#8220; in die Luft haltend, ersp\u00e4hten &#8211; Panda!<br \/>\nMit einem gemieteten Fahrer zogen wir z\u00fcgig zum Hostel, wo schnell klar wurde, wie Panda uns verk\u00fcndete: &#8222;In Shanghai gibt es drei Dinge. Viele Menschen, viele Autos und viel Stau.&#8220;<br \/>\nAuf unserer Bitte hingegen stoppten wir davor einmal vor einem Handynetzanbieter:&#8220;China Mobile&#8220;. Wie zwei verst\u00f6rte K\u00fcken tapsten wir Panda hinterher,stie\u00dfen nach kurzer Zeit beim Betreten einen Seufzer aus, denn das Gesch\u00e4ft war &#8211; wie auch alle anderen geschlossenen R\u00e4ume in Shanghai &#8211; klimatisiert.<br \/>\nIn Deutschland w\u00fcrde man wahrscheinlich beim Kauf einer Simkarte von einem Kundenbetreuer zun\u00e4chst beraten werden. In China sucht man sich hingegen da erstmal eine Telefonnummer aus, bevor man irgendein Kaufgespr\u00e4ch f\u00fchrt. Daf\u00fcr gibt es einen Automaten, der dir am Start die drei Anfangsziffern deiner potentiellen Telefonnummer zeigt, z.B. &#8222;159&#8220; oder &#8222;136&#8220; (niemals aber z.B. &#8222;143&#8220;, weil die Zahl &#8222;4&#8220; in China als Ungl\u00fcckszahl gilt). Im Grunde war es mir wurscht welche Telefonnummer ich erhalte, daher dr\u00fcckte ich den Button ganz oben links: &#8222;152&#8220;. Schwupp erschienen vor mir alle m\u00f6gichen Nummernkombinationen mit den drei Anfangsziffern 1 5 2. Hier schloss ich einfach die Augen und \u00fcberlies es dem Zufall welche Nummer rauskam und nat\u00fcrlich Panda, die bei der \u00dcberstzung des Papierkrams verst\u00e4ndigte &#8211; voil\u00e0 ab nun bin ich in China telefonisch erreichbar. So call me maybe?<\/p>\n<p>[Ja, ich bin mit meinem Blog-Eintrag im Verzug und werde meine Berichte \u00fcber die restlichen Tage so schnell wie m\u00f6glich nachholen!]<\/p>\n<p>To be continued<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin, 1. September 2012. Ausreise. Ziel: Shanghai, China &#8222;Bist du schon aufgeregt?&#8220; &#8211; &#8222;Nein.&#8220; &#8222;Hast du Angst?&#8220; &#8211; &#8222;Nein.&#8220; &#8222;Machst du dir wegen deiner Stimme Sorgen?&#8220; &#8211; &#8222;Nein.&#8220; Ein Gef\u00fchl der endlosen Gleichg\u00fcltigkeit und Schwerelosigkeit breitete sich in mir aus. Erst als ich durch das Gate trat, wurde ich von der Realit\u00e4t wachger\u00fcttelt und mir &hellip; <span class=\"more-link\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/2012\/09\/06\/apfelsaft-und-mineralwasser-sind-wohl-dasselbe\/\">Mehr lesen &raquo;<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":841,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[576,563,114,332,577,307,16,138],"tags":[],"class_list":["post-26","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kulturweitblog","category-erlebnis","category-freiwillige","category-goethe","category-menschen","category-mentalitat","category-privat","category-reise"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/wp-json\/wp\/v2\/users\/841"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26\/revisions\/28"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/babo\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}