{"id":427,"date":"2021-12-21T10:00:02","date_gmt":"2021-12-21T08:00:02","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/athenenoctua\/?p=427"},"modified":"2021-12-21T11:48:51","modified_gmt":"2021-12-21T09:48:51","slug":"21-12-der-mann-und-seine-erbse-griechisches-maerchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/athenenoctua\/2021\/12\/21\/21-12-der-mann-und-seine-erbse-griechisches-maerchen\/","title":{"rendered":"21. 12. &#8211; Der Mann und seine Erbse (griechisches M\u00e4rchen)"},"content":{"rendered":"<p data-page-number=\"46\"><strong>Es war einmal<\/strong> ein junger Mann, der hie\u00df Penteklimas, und der ging in die Welt, um sein Gl\u00fcck zu suchen. Als er eine Weile gegangen war, fand er auf dem Weg eine Erbse liegen und hob sie auf. Indem er sie aufhob, fiel ihm ein, da\u00df er ausgezogen sei, um sein Gl\u00fcck zu suchen, und da er nun die Erbse gefunden, so m\u00fcsse diese sein Gl\u00fcck sein. Als er dar\u00fcber nachdachte, wie das sein k\u00f6nnte, sagte er bei sich: \u00bbWenn ich die Erbse stecke, so werde ich \u00fcbers Jahr hundert Erbsen haben, und wenn ich diese das andere Jahr s\u00e4e, werde ich das Zehnfache ernten, und im vierten Jahr werde ich viele tausend Erbsen haben; ich bin also gut daran und will die Erbse wohl aufheben.\u00ab Er wickelte sie also in sein Taschentuch, hatte aber seine Gedanken immer nur auf die Erbse gerichtet, und sooft er irgendein Gesch\u00e4ft vornahm, lie\u00df er es in der H\u00e4lfte, holte sein Taschentuch hervor und sah nach, ob er seine Erbse noch habe. Darauf nahm er eine Feder und rechnete aus, wieviel Erbsen er in dem einen und wieviel er in dem andern Jahr ernten werde, und so fort, und wenn er mit dem Rechnen fertig war, sprach er: \u00bbIch bin gut daran.\u00ab<\/p>\n<p>Nachdem er es so eine Weile getrieben hatte, machte er sich auf und ging an die K\u00fcste und verlangte zweihundert Schiffe zu mieten, und als ihn die Leute fragten, was er denn mit so vielen Schiffen vorhabe, sagte er, da\u00df er darauf seine Habe verschiffen wolle. Da staunten die Leute und glaubten anfangs, er wolle sie zum Narren halten. Als er aber fort und fort nach Schiffen fragte, verlangten sie von ihm genau zu wissen, wie viele Schiffe er ben\u00f6tige. Da holte der Mann seine Erbse hervor, machte nochmals seine Rechnung und schlo\u00df danach seine Vertr\u00e4ge mit den Schiffern. Bald danach liefen die Schiffer zum K\u00f6nig und berichteten ihm, da\u00df ein Mann in den Hafen gekommen sei, so reich, da\u00df er zweihundert Schiffe verlange, um darauf seine Habe zu verschiffen.<\/p>\n<p data-page-number=\"44\">Als das der K\u00f6nig h\u00f6rte, wunderte er sich sehr und lie\u00df den Menschen zu sich kommen, um selbst mit ihm zu sprechen. Der Penteklimas war aber von Gestalt recht ansehnlich und hatte sich so sch\u00f6ne Kleider machen lassen, da\u00df ihm von seinem Verm\u00f6gen nur zweihundert Piaster \u00fcbriggeblieben waren; aber er machte sich keine Sorgen, denn er hatte ja die Erbse, mit der er sein Gl\u00fcck machen wollte. Er erschien also guten Mutes vor dem K\u00f6nig, und der fragte ihn, wo er denn sein ganzes Geld habe. Der Penteklimas aber antwortete: \u00bbIch habe es an einem sicheren Ort und brauche zweihundert Schiffe, um es hierherzuschaffen.\u00ab<\/p>\n<p>Da dachte der K\u00f6nig: \u203aDas w\u00e4re ein Mann f\u00fcr meine Tochter!\u2039 und fragte ihn also, ob er nicht seine Tochter heiraten wolle.<\/p>\n<p>Als der Penteklimas das h\u00f6rte, wurde er ganz nachdenklich und sagte bei sich: \u00bbIch bin meiner Sache freilich noch nicht sicher, doch wenn ich nein sage, so gibt mir der K\u00f6nig die Schiffe nicht.\u00ab Als ihn aber der K\u00f6nig um eine Antwort dr\u00e4ngte, sprach er endlich: \u00bbIch will erst hingehen und mein Verm\u00f6gen holen, und dann soll die Hochzeit sein.\u00ab Da nun der Penteklimas bei einem solchen Vorschlag so bedenklich tat, das machte den K\u00f6nig nur noch hitziger, und er sprach also: \u00bbWenn du erst die Reise machen willst, so verlobe ich dich wenigstens mit ihr, und nimm sie, wenn du zur\u00fcckkommst.\u00ab Damit war der Penteklimas zufrieden.<\/p>\n<p data-page-number=\"45\">\u00dcber dieses Gespr\u00e4ch war es Abend geworden, und der K\u00f6nig wollte ihn nicht von sich lassen, sondern befahl, da\u00df er in seinem Schlo\u00df schlafen solle. Um nun zu sehen, ob er auch wirklich gewohnt sei, gut zu leben, befahl der K\u00f6nig heimlich, da\u00df man ihm zerrissene Bett\u00fccher und eine zerlumpte Decke ausbreite und da\u00df ein Diener ihn die Nacht \u00fcber beobachten solle, ob er schlafe oder nicht, denn: \u203aWenn er schl\u00e4ft\u2039, dachte der K\u00f6nig, \u203aso ist er ein armer Schlucker, wenn er aber nicht schl\u00e4ft, so ist er gut erzogen und in neuem Bettzeug zu schlafen gewohnt und kann also in den Lumpen nicht schlafen.\u2039<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen erz\u00e4hlte der Diener dem K\u00f6nig, da\u00df der Penteklimas die ganze Nacht \u00fcber sehr unruhig gewesen sei und kein Auge zugetan habe. Das kam aber daher, weil der Penteklimas f\u00fcrchtete, in diesen Lumpen seine Erbse zu verlieren und sie nicht mehr zu finden. So konnte er nicht schlafen und griff immer wieder dahin, wo er sie verborgen hatte, um sich zu \u00fcberzeugen, da\u00df sie noch da war. Darauf befahl der K\u00f6nig, ihm in der n\u00e4chsten Nacht ein so weiches und so sch\u00f6nes Lager wie nur m\u00f6glich zu bereiten. In diesem aber schlief der Penteklimas ganz vortrefflich, weil er da keine Angst hatte, da\u00df er seine Erbse darin verlieren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p data-page-number=\"46\">Als das der K\u00f6nig h\u00f6rte, war er \u00fcberzeugt, da\u00df dies der rechte Mann f\u00fcr seine Tochter sei, und drang nun darauf, da\u00df Verlobung gefeiert werde. Am Verlobungsabend legte sich die Prinzessin zu ihm. Er hatte jedoch wenig Aufmerksamkeit f\u00fcr sie, denn sein Sinn war auf die Erbse gerichtet und auf die Ernten, die er von ihr erwartete. Kaum war er eingeschlafen, so tr\u00e4umte ihm, da\u00df er sie verloren habe. Da wachte er im Sprung auf und griff so hastig nach seiner Erbse, da\u00df diese zu Boden fiel. Nun fing er an zu schreien und zu schluchzen: \u00bbO Unheil! O Unheil! Wo ist mein Gl\u00fcck? Wo ist mein Gl\u00fcck?\u00ab Er suchte und klagte, klagte und suchte so lange, bis er sie wiedergefunden hatte, und die Prinzessin wunderte sich nicht wenig \u00fcber das sonderbare Treiben ihres Verlobten. Hm, so trieb er es eine Weile und vertiefte sich mehr und mehr in seine Rechnungen, bis er endlich, auf Dr\u00e4ngen des K\u00f6nigs, zur See zu gehen, beschlo\u00df, sich mit zweihundert Schiffen auf den Weg zu machen. Als er aber w\u00e4hrend der Fahrt wieder einmal \u00fcber seinen Rechnungen sa\u00df, da fiel es ihm pl\u00f6tzlich wie Schuppen von den Augen, wie unsinnig sein Treiben sei, denn noch habe er ja nicht einmal f\u00fcr ein Feld gesorgt, um die eine Erbse zu s\u00e4en, und nun gehe er mit zweihundert Schiffen, um die Ernte zu holen, die sie erst nach vielen Jahren liefern k\u00f6nne.<\/p>\n<p>\u00bbIch bin ein Wahnsinniger\u00ab, sagte er zu sich, \u00bbaber was soll ich nun anfangen, wo ich den K\u00f6nig und so viele Leute betrogen habe? Es bleibt mir nichts anderes \u00fcbrig, als mich ins Meer zu st\u00fcrzen.\u00ab Er sann nun auf einen Vorwand, wie er von den Schiffen loskommen k\u00f6nne, und sprach zu den Schiffern, als sie der n\u00e4chstbesten K\u00fcste nahe kamen: \u00bbHier sollt ihr mich ans Land setzen und so lange warten, bis ich euch rufe, denn, um meine Sch\u00e4tze aufzusuchen, mu\u00df ich allein sein.\u00ab Als er aber ans Land kam, da ging er in einen Wald und versteckte sich darin und wollte nicht eher wieder hervorkommen, bis die Schiffer, des Wartens m\u00fcde, abgefahren w\u00e4ren. Die Schiffer warteten lange Zeit vergeblich auf ihn, und als er so gar nicht kommen wollte, beschlossen sie, ihn zu suchen. Sie suchen hier, sie suchen da, sie durchsuchen also den ganzen Wald.<\/p>\n<p>Nanu? Da entdeckten sie pl\u00f6tzlich eine H\u00f6hle, die ein Arapis mit dem Schwert in der Hand\u00a0bewacht. Und was sehen sie? Die ganze H\u00f6hle ist mit Goldst\u00fccken angef\u00fcllt! Und nicht weit davon entdeckten sie den Penteklimas, der im Dickicht hockt und sich versteckt. Hi, hi! Sie rufen: \u00bbKomm her! Komm her! Wir haben deinen Schatz gefunden.\u00ab<\/p>\n<p>Als das der Penteklimas h\u00f6rt, mag er anfangs seinen Ohren nicht trauen, doch fa\u00dft er sich ein Herz und kommt hervorgekrochen. Er befiehlt den Schiffern, den Arapis totzuschlagen.<\/p>\n<p>Dann beluden sie die zweihundert Schiffe mit den Sch\u00e4tzen, die sie in der H\u00f6hle gefunden haben, und kehrten damit nach Hause zur\u00fcck. Der K\u00f6nig aber empfing den Penteklimas in gr\u00f6\u00dfter Pracht mit Fackeln und Laternen, und dieser hielt darauf seine Hochzeit mit der K\u00f6nigstochter und wurde ein gro\u00dfer Mann.<\/p>\n<p class=\"lastInContainer lastInSequence\">Wie dem unser Herrgott beigestanden hat! Denn wenn der Schatz nicht gefunden w\u00e4re, so h\u00e4tten ihn die Schiffer unfehlbar totgeschlagen. Siehst du, wie ihn trotz seiner Narrheit mit der Erbse der liebe Gott nicht zugrunde gehen lie\u00df?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Dieses M\u00e4rchen habe ich dem Buch \u201eM\u00e4rchen aus Griechenland\u201c von Constanze\u00a0Ott-Koptschalijski entnommen. Erschienen ist es 2014 in der Reihe <\/em>M\u00e4rchen der Welt<em>.\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war einmal ein junger Mann, der hie\u00df Penteklimas, und der ging in die Welt,&hellip;<a class=\"read-more\" href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/athenenoctua\/2021\/12\/21\/21-12-der-mann-und-seine-erbse-griechisches-maerchen\/\">read more<span>&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2988,"featured_media":486,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14946,565,165725],"tags":[165736,771,165725],"class_list":["post-427","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-adventskalender","category-gastland","category-maerchen","tag-erbse","tag-glueck","tag-maerchen"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/athenenoctua\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/427"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/athenenoctua\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/athenenoctua\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/athenenoctua\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2988"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/athenenoctua\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=427"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/athenenoctua\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/427\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":501,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/athenenoctua\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/427\/revisions\/501"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/athenenoctua\/wp-json\/wp\/v2\/media\/486"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/athenenoctua\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=427"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/athenenoctua\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=427"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/athenenoctua\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=427"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}