{"id":293,"date":"2012-10-21T14:46:50","date_gmt":"2012-10-21T09:46:50","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/armenien2010\/?page_id=293"},"modified":"2012-10-21T17:57:40","modified_gmt":"2012-10-21T12:57:40","slug":"kapitel-1-der-anfang-sitten-wohlstand-und-andere-kleinigkeiten","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/armenien2010\/kapitel-1-der-anfang-sitten-wohlstand-und-andere-kleinigkeiten\/","title":{"rendered":"Kapitel 1: Der Anfang \u2013 Sitten, Wohlstand und andere Kleinigkeiten"},"content":{"rendered":"<p>Wow, i-wie hats jetzt doch mit dem Internet\u00a0 funktioniert. Na, dann nutz ich das doch gleich mal aus!<a href=\"..\/files\/2010\/10\/Armavir.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"..\/files\/2010\/10\/Armavir-296x300.gif\" alt=\"\" width=\"217\" height=\"220\" \/><\/a><\/p>\n<p>Also, dann fangen wir mal an. Meinen ersten Eindruck von Armenien und den Leuten konnte ich schon im Flugzeug gewinnen. Kurz nach dem Abflug von Prag nach Eriwan wurden, trotz den Aufforderung des Flugpersonals, erst einmal 20 Handys gez\u00fcckt und ausgiebig telefoniert &#8211;\u00a0 und genauso viele Handyklingelt\u00f6ne konnte ich w\u00e4hrend des ganzen Fluges (um 4:00 Ortszeit!!) h\u00f6ren. Und auch jetzt kann ich best\u00e4tigen: Das Handy ist das wichtigste Ger\u00e4t des Armeniers. Sogar im Unterricht darf dieses Teufelsding (auch von den Sch\u00fclern!)\u00a0 im Unterricht eingeschalten bleiben. Die Lehrer rufen sich auch gerne mal gegenseitig im Unterricht an. Ich lass das jetzt mal ohne Wertung hier stehen.<\/p>\n<p>Den 2. Eindruck hatte ich auch ziemlich schnell &#8211; n\u00e4mlich als wir abgeholt wurden und in das 45 km entfernte Armavir fuhren (Westliches Armenien). Zuerst wurden wir rigoros davon abgehalten, uns anzuschnallen &#8211; das sei \u00fcberhaupt nicht \u00fcblich in Armenien, oder wollen wir die Fahrk\u00fcnste des Fahrers in Frage stellen?!) Alles klar, dachte ich &#8211; so schnell k\u00f6nnen wir ja gar nicht fahren (ich hatte gelesen, dass die Stra\u00dfen in Armenien sehr schlecht seien). Gro\u00dfer Fehler. Es wurde ALLES aus dieser Blechkarre rausgeholt, was die Stra\u00dfenverh\u00e4ltnisse zulie\u00dfen (ca. 80 km\/h bei Schlagl\u00f6chern mit ein wenig Teer dazwischen). Dann \u00fcberfuhren wir geflissentlich eine rote Ampel. Aber das ist mir inzwischen in Fleisch und Blut \u00fcbergegangen. 1. Verhaltensordnung: Verkehrsregeln ignorieren. Manchmal werden Ampeln eingehalten, aber meistens wird das mit einem komplexen Hupsystem, das ich immer noch nicht ganz durchblicke, geregelt. Wenn ich wei\u00df wie`s funktioniert, lasse ich es euch nat\u00fcrlich wissen.<\/p>\n<p>Wir kamen dann auch in Armavir an (die genaue Adresse wei\u00df ich bis heute noch nicht) . Dann betraten wir ein &#8222;Hochhaus&#8220; mit 4 Stockwerken und hievten unsere Koffer bis in die 3.Etage hoch &#8211; dort sollte ich also ein Jahr wohnen. Trotz der sp\u00e4ten bzw. fr\u00fchen Stunde (ich denke, es war nach 5 Uhr), war ich erst einmal geschockt. Das Treppenhaus war ein einziger Verhau. Putz war entweder nicht vorhanden oder sah antik (im NEGATIVEN Sinne aus) und die Gasleitungen waren \u00fcberall zu sehen und nicht richtig isoliert (ich denke, dass es Gasleitungen sind). Ich machte mich wirklich auf das Schlimmste gefasst und als dann auch noch die T\u00fcrklinke unserer Wohnung schief herunterhing und unsere Begleiterin die T\u00fcr erst einmal nicht aufbekam, hatte ich ein starkes Bed\u00fcrfnis, aus dem Haus zu rennen und i-wie nach Deutschland zur\u00fcckzutrampen.\u00a0 Gut, dass ich erst noch abwartete, bis die T\u00fcr schlie\u00dflich den Kampf verlor und mein zuk\u00fcnftiges Zuhause preisgab. Ich meinte, im falschen Film zu sein: sauber, ger\u00e4umig, frisch renoviert und gestrichen, SAUBERES BAD und DUSCHE und eine gem\u00fctliche K\u00fcche.<\/p>\n<p>Mein \u00e4sthetisches Auge wurde zwar leicht von der Sperrm\u00fcllcouch und den Sperrm\u00fcllsesseln beleidigt (ich wei\u00df &#8211; ich bin ein deutsches Wohlstandskind&#8230; xD), aber inzwischen w\u00fcrde ich diese Einrichtung nicht mehr hergeben &#8211; die M\u00f6bel sind wirklich bequem und jetzt haben wir (Laura und ich) die komischen Flecken, die auf der\u00a0 Couch waren, unter einer Decke verschwinden lassen, so dass sie jetzt richtig gem\u00fctlich aussieht. Wie ich festgestellt habe, haben die Nachbarn nicht mal ansatzweise so viel Luxus und tolle Einrichtungsgegenst\u00e4nde wie ich (bis jetzt wurden wir von 2 Nachbarn zum Kaffee &#8211; armenischer Kaffee ist echt lecker &#8211; eingeladen) und ich bin jeden Tag dankbarer dar\u00fcber, wie sch\u00f6n ich wohnen darf!<\/p>\n<p>Au\u00dferdem habe ich so eine coole W\u00e4scheleine, die zum Nachbarhaus r\u00fcber gespannt ist und die ich mit der Frau, die im 3. Stock des Nachbarhauses wohnt, mitbenutzen darf. Nach anf\u00e4nglicher Skepsis, wie das System funktioniert und Zweifeln, ob die Nachbarn das in Ordnung finden, wenn ich da auch meine W\u00e4sche aufh\u00e4nge\u00a0 (ich war fest davon \u00fcberzeugt, dass mich diese b\u00f6se anstarrte, als ich mein Schlafzimmer, zuf\u00e4lligerweise habe ich das Zimmer mit dem Fenster, aus dem man die W\u00e4scheleine erreichen kann, bezog) &#8211; aber das hat sich nach einem kurzen Plausch mit dieser \u00e4lteren Dame am Fenster, bei dem weder ich noch sie etwas verstand, gel\u00f6st und nach \u00dcberwindung meiner H\u00f6henangst und der Erkenntnis, dass man die W\u00e4scheleine vor Aufh\u00e4ngen der W\u00e4sche immer saubermachen sollte, alles gel\u00f6st. Funktioniert prima, schaut lustig aus und bis jetzt ist noch kein W\u00e4schest\u00fcck davongeflogen (3. Stock!). Was ich aber immer noch nicht geschafft habe, ist es, meine Unterw\u00e4sche aufzuh\u00e4ngen, da immer, wenn ich W\u00e4sche raush\u00e4nge, irgendwelche alten M\u00e4nner gerade unter mir eine Zigarette rauchen und mir dabei interessiert zuschauen m\u00fcssen. Lustigerweise auch um 11 Uhr nachts. Ich wei\u00df nicht warum, aber das beklemmt mich irgendwie.<\/p>\n<p>Auch das Bad gestaltete sich als sehr spannend:\u00a0 Gleich am 1. Tag funktionierte das Klo nicht mehr. Hm &#8211; was tun? Ganz einfach: Bauen wir doch einfach fden Sp\u00fclkasten auseinander und schauen nach! Gottseidank war es ein einfaches System (einfach den Deckel abnehmen) und dann guckten wir sehr ratlos rein. Nach einer kleinen Diskussion mit meiner Mit &#8211; Freiwilligen und WG &#8211; Mitbewohnerin Laura wurden die Einmalhandschuhe ausgepackt und mit Elan in den Sp\u00fclkasten gegriffen (meistens ist das Wasser normal farblos, manchmal ist es aber wei\u00df mit Bl\u00e4schen, k.A. warum). Es war ganz einfach zu reparieren &#8211; einfach die Sp\u00fclschnur, die sich gel\u00f6st hatte, wieder einh\u00e4ngen. Da sich die Schnur fast t\u00e4glich aush\u00e4ngte, wurden wir immer routinierter und was anf\u00e4nglich ein Riesen &#8211; Procedere war, k\u00f6nnen Laura und ich inzwischen im Vorbeigehen. Aber ich glaube, jetzt haben wir die Schnur so bombenfest gemacht, da d\u00fcrfte nichts mehr passieren. Manchmal funktioniert der Schwimmer im Klo auch nicht, so dass kein Wasser in den Sp\u00fclkasten mehr nachl\u00e4uft. Das kann man ganz einfach beheben, habe ich festgestellt. Einfach kraeftig<strong> <\/strong>auf den Sp\u00fclkasten hauen, dann geht`s wieder.<\/p>\n<p><a href=\"..\/files\/2010\/10\/K800_P10307501.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"..\/files\/2010\/10\/K800_P10307501-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"216\" height=\"158\" \/><\/a>Dusche ist noch in Progress, da sind wir noch dran, das zu verbessern. Mit &#8222;das&#8220; ist zum einen die Wasserw\u00e4rme gemeint. Die l\u00e4sst sich n\u00e4mlich nur bedingt regeln. Anfangs mussten wir sowieso erst rausfinden, dass &#8222;kalt&#8220; gleich &#8222;warm&#8220; ist und umgekehrt. Aber das ist ja kein gro\u00dfer Akt, wenn man`s erst mal wei\u00df. Das 2. Problem ist, dass das Wasser entweder siedend hei\u00df ist oder a*kalt. Bis jetzt dusche ich immer in den 5 Sekunden, in denen die Wassertemperatur gerade am Wechseln ist. Bei 4 Wechseln sind die Haare dann gewaschen und man ist froh, dass man`s \u00fcberlebt hat. Aber Wechselduschen sollen ja gesund sein. Mal schauen. 3. Problem: Nach jedem Duschen muss ich das Bad wischen, denn die Dusche l\u00e4uft aus &#8211; und zwar ganz heftig. Deswegen habe ich mir einfach mal Silikon gekauft und ein zuf\u00e4llig vorbeikommender Freund war dann so freundlich und hat mir den Duschrand (die Dusche ist verkehrt herum eingebaut worden) abgedichtet. Hat auch super funktioniert. Jetzt l\u00e4uft kein Wasser mehr vorbei. Leider hat sich rausgestellt, dass nicht nur da das Wasser rauskommt, sondern auch unter der Dusche. Deswegen habe ich den Vermieter angerufen und ihm mit meinen tollen Armenischkenntnissen erkl\u00e4rt, dass er wegen der Dusche kommen soll (Barev! Intsch pes ekh? Dusche tsche chist. Gnal?). Er kann n\u00e4mlich nur Armenisch und Russisch. \u00dcbrigens, rein informativ: Auf dem Land spricht man ausschlie\u00dflich armenisch. So ziemlich jeder kann russisch, aber Armenisch ist die Sprech &#8211; Sprache.\u00a0 Der kam auch dann um 21:00 zu uns mit seinem Bruder, einem Hobby &#8211; Handwerker (wie ich herausgefunden habe, ist er eigentlich Jurist).\u00a0 Dann versuchten sie mit einem P\u00f6mpel, das Problem zu l\u00f6sen. Funktionierte nat\u00fcrlich nicht. Au\u00dferdem wollten sie mir weismachen, dass das Wasser \u00fcber die Duschwanne dr\u00fcber lief. Da ich die Abdichtung derselben pers\u00f6nlich \u00fcberwacht hatte, wies ich das nat\u00fcrlich rigoros zur\u00fcck (&#8222;Tsche!&#8220;, &#8222;Ajo!&#8220;, &#8222;TSCHE!!&#8220;) , was zur allgemeinen Erheiterung beitrug und schlie\u00dflich konnte ich sie sogar \u00fcberzeugen und dann fanden sie auch das eigentliche Problem (hoffe ich, werde es morgen testen): Der Siphon war nicht richtig abgedichtet und lies die Abwasserbr\u00fche durchsickern und unter der Dusche hervortreten! Dann unterhielten sich die beiden \u00fcber Silikon und &#8222;sawtra&#8220; &#8211; dieses Wort hatte ich von dem Vermieter schon \u00f6fter gelernt. Es ist russisch f\u00fcr &#8222;morgen&#8220;. Da brachte ich in das Gespraech ein, dass ich Silikon im Haus haette. Dies f\u00fchrte zur weiteren Erheiterung der Runde und wollten es mir nicht glauben &#8211; die dachten wahrscheinlich, ich h\u00e4tte irgendwas vercheckt oder ein Wort falsch aufgeschnappt oder so. Tja, also packte ich meine tolle Silikontube aus und erntete Bewunderung und Respekt (nat\u00fcrlich nicht ohne vorher lauthals &#8222;an&#8220;gelacht zu werden). Mein Vermieter bezeichnete mich dann als &#8222;master&#8220;. Morgen darf ich dann die Dusche testen.<\/p>\n<p>Das also war mein erster Blogeintrag &#8211; Respekt, wer ihn ganz gelesen hat.<\/p>\n<p>Also bis denne!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wow, i-wie hats jetzt doch mit dem Internet\u00a0 funktioniert. Na, dann nutz ich das doch gleich mal aus! Also, dann fangen wir mal an. Meinen ersten Eindruck von Armenien und den Leuten konnte ich schon im Flugzeug gewinnen. 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