{"id":229,"date":"2022-12-10T17:45:56","date_gmt":"2022-12-10T20:45:56","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/argentinienvillageneralbelgrano\/?p=229"},"modified":"2022-12-11T09:38:35","modified_gmt":"2022-12-11T12:38:35","slug":"paeckchen-wasserfaelle-und-lange-listen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/argentinienvillageneralbelgrano\/2022\/12\/10\/paeckchen-wasserfaelle-und-lange-listen\/","title":{"rendered":"P\u00e4ckchen, Wasserf\u00e4lle und lange Listen"},"content":{"rendered":"<p>Im letzten Monat haben wir uns zum Online-Zwischenseminar hier in Villa getroffen. Au\u00dferdem waren meine Tage ziemlich prall gef\u00fcllt mit Reiseplanung, Wanderungen und nat\u00fcrlich der Arbeit an meiner Einsatzstelle.<\/p>\n<p>Obwohl die ersten Monate meines Freiwilligendienstes schon vorbei sind, sind meine To-do-Listen noch nicht k\u00fcrzer geworden. Somit komme ich erst jetzt, nach \u00fcber einem Monat Abstand zu meinem letzten Eintrag, wieder zum Schreiben.<\/p>\n<p>Au\u00dfer langer Listen gab es im November noch das kulturweit Online-Zwischenseminar. Bis vor drei Jahren fand es in Pr\u00e4sens, h\u00e4ufig sogar hier in Villa General Belgrano in Pr\u00e4sens statt. Denn das Dorf ist ziemlich zentral in Argentinien gelegen. Doch seit der Pandemie wissen wir, wie viel unkomplizierter und billiger die Planung von Onlineseminaren ist. Nat\u00fcrlich hatten wir Argentinienfreiwillige keine Lust, 5 Tage lang allein vor dem Bildschirm zu hocken. Schlie\u00dflich wussten wir vom Online-Unterricht und dem einen Onlinetag des Vorbereitungsseminars nur zu gut, wie anstrengend dies sein kann. Somit entschieden sich 11 von uns, die Seminarwoche gemeinsam hier in Villa zu verbringen. Eigentlich ist es fast unm\u00f6glich, eine Unterkunft f\u00fcr so viele zu finden, die dann au\u00dferdem noch gen\u00fcgend Platz und WLAN f\u00fcr so viele Videokonferenz-Teilnehmer bietet. Zum Gl\u00fcck war meine Vermieterin M\u00f3ni so lieb und hat mir bei der Suche geholfen. Schlie\u00dflich nahmen wir eine Caba\u00f1a (etwa \u201eH\u00fctte\u201c, h\u00e4ufig zur Vermietung an Ferieng\u00e4ste) von denen direkt gegen\u00fcber. Somit konnten wir auch das Glasfaser-Wi-Fi in M\u00f3nis Haus verwenden. Wir setzten uns letztendlich in 4er-Gruppen vor die Laptops. Es hat dann eigentlich auch echt gut funktioniert, somit konnten wir uns wenigstens zu viert unmittelbar \u00fcber die Inhalte austauschen.<\/p>\n<p>Unter anderem ging es um Reflexion \u00fcber unsere bisherige Arbeit und das Leben an einem neuen Ort. Der Austausch mit den anderen Freiwilligen war nat\u00fcrlich sehr n\u00fctzlich und interessant. Ich bin die einzige Freiwillige in Argentinien, die nicht in einer Stadt wohnt. Mir ist auch klar geworden, wie viel Vorteile das Leben in einem Dorf mit sich bringt. Beispielsweise muss ich keine Zeit in Busen oder Bahnen verbringen, um etwa zur Einsatzstelle zu gelangen. Ich muss nicht um f\u00fcnf aufstehen und bin auch nicht erst um sechs wieder zu Hause. Au\u00dferdem ist es viel sicherer auf den Stra\u00dfen. Zum Beispiel kann ich bedenkenlos nachts unterwegs sein und treffe vielleicht nur ein paar m\u00fcde umherwandernde Hunde, die es irgendwie geschafft haben, ihren Gartenzaun zu \u00fcberwinden. \u00dcberdies gibt es hier einen sehr guten Stressausgleich: Einen so sch\u00f6nen wilden Bach findet man nat\u00fcrlich in kaum einer Stadt. Auch Berge sind nicht weit.<\/p>\n<p>Andererseits gibt es weniger kulturelle Angebote: keine Kinos, Theater, Universit\u00e4ten oder gro\u00dfe Museen. Und wenn man sich nicht so wirklich ins Zeug legt und st\u00e4ndig andere Sachen zu tun hat, so wie ich, dann ist es auch schwieriger, Leute kennenzulernen. Aber daf\u00fcr gibt es in Buenos Aires bestimmt keine Reiterh\u00f6fe vor bergiger Kulisse!<\/p>\n<p>Da muss also jeder f\u00fcr sich abw\u00e4gen, wie viel Interesse er im Bewerbungsbogen f\u00fcr \u201eStadt\u201c und \u201eLand\u201c ankreuzt. Ich wollte meine Chancen erh\u00f6hen bzw. konnte mich nicht entscheiden und k\u00f6nnte es immer noch nicht.<\/p>\n<p>Des Weiteren w\u00fcnschten wir Freiwilligen ein paar aktuelle Themen Argentiniens auf unserem Zeitplan, diese bekamen wir dann auch. So etwas ist sowieso Dauergast auf meinen To-do-Listen: Besch\u00e4ftigung mit der politischen und gesellschaftlichen Situation im Land. Auf dem Seminar hatten wir nur deutsche Quellen. Auch sonst habe ich bisher leider noch keine komplexen Einblicke in argentinische Perspektiven gewinnen k\u00f6nnen. Dabei w\u00e4re es eine echt gute Gelegenheit, Spanisch zu lernen. Doch Politik scheint hier, wie so h\u00e4ufig, ein heikles Thema zu sein und f\u00fcr mich als Neuling ist es schwierig im Mediendschungel den \u00dcberblick \u00fcber die Interessen der jeweiligen Medienkonzerne zu behalten. Aber genau wie Spanisch lernen, ist es eine Aufgabe, mit der ich im n\u00e4chsten August schon sch\u00f6n weit gekommen sein will.<\/p>\n<p>Am letzten Tag des Seminars wurde uns noch eine schlechte Nachricht mitgeteilt: Auch die Mittel f\u00fcr die ausw\u00e4rtige Bildungspolitik wurden gek\u00fcrzt. Somit musste sich kulturweit schweren Herzens dazu entscheiden, das Nachbereitungsseminar im August ebenfalls in das World Wide Web zu verschieben. Zugunsten von mehr besetzten Einsatzstellen und dem Pr\u00e4sens-Vorbereitungsseminar, welches sehr wichtig zum Kennenlernen ist. Im ersten Moment war ich ziemlich traurig, mein freiwilliges soziales Jahr nicht sch\u00f6n ausklingen lassen zu k\u00f6nnen, weil ich die letzte Woche in den F\u00e4den des Webs gefangen sein werde. Doch nun finde ich es eigentlich sogar gut, denn so kann ich die Nachmittage schon nutzen, um mich auf meinen n\u00e4chsten Lebensabschnitt vorzubereiten, der ja dann schon einen Monat sp\u00e4ter beginnen soll.<\/p>\n<p>In der Woche des Zwischenseminars bekam ich au\u00dferdem eine Nachricht, dass ein Paket f\u00fcr mich angekommen sei. Eigentlich ist es hier sehr schwierig, Pakete aus dem Ausland zu empfangen, da der Prozess beim Zoll ziemlich kompliziert ist und man h\u00e4ufig noch viel bezahlen muss. Doch in meinem Fall war es zwar f\u00fcr die Sender eher kompliziert, doch dieser Weg ist definitiv eine gute M\u00f6glichkeit, anstrengenden Papierkram zu umgeben. In den sozialen Netzwerken finden sich n\u00e4mlich immer mal wieder sehr nette Leute, die aus irgendeinem Grund mit sechs Koffern Freigep\u00e4ck aus Deutschland einreisen. Und manchmal brauchen sie nicht ganz so viel Platz und fragen, ob denn irgendjemand einer weit entfernten kleinen Lida etwas schicken m\u00f6chte. Und so nahm der Mann mit den sechs Koffern das Paket von Mama mit dem gebastelten Adventskalender, dem Lebkuchen und all den vergessenen Sachen ganz unbek\u00fcmmert mit \u00fcber die Grenze. Der Weg von Buenos Aires in unser D\u00f6rfchen war dann nicht mehr weit, ich musste nur noch meinen Willy auf einem Zettel hinterlassen und durfte mein genau 5 Kg schweres P\u00e4ckchen abholen.<\/p>\n<p>Auch wenn die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Wochenenden in Villa General Belgrano bald ausgesch\u00f6pft sind, gibt es doch ziemlich viel spannende Sachen in der Umgebung. Zwar sind keine neuen Welten, neues Leben oder neue Zivilisationen zu erforschen, aber immerhin gibt es zwei Gebirgsz\u00fcge, die allerdings schon so einige zuvor gesehen haben. Letztes Wochenende war ich zum Beispiel in La Cumbrecita. Dies ist ebenfalls ein Touristendorf voller deutscher Restaurantnamen. Allerdings ist es viel kleiner und liegt auf 1450 m H\u00f6he in den Sierras Grandes. Die Busfahrt von VGB aus dauert ca. eine Stunde. Als ich loslief, traf ich eine Frau, die ebenfalls zu den Wasserf\u00e4llen wandern wollte. Und so liefen wir zusammen. Der Ausblick vom Cerro Wank, der auf dem Weg lag, auf die gr\u00fcnen Weiten war ph\u00e4nomenal. Leider hatte ich nicht an Badesachen gedacht, sonst h\u00e4tte ich mich im Cascada Escondida (versteckter Wasserfall) abk\u00fchlen k\u00f6nnen. Dieser war tats\u00e4chlich nicht so leicht zu finden. Wir mussten unseren eigenen Weg suchen, denn in der felsigen Buschlandschaft gab es keine ausgetretenen Pfade.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/argentinienvillageneralbelgrano\/files\/2022\/12\/wank.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-232 size-medium\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/argentinienvillageneralbelgrano\/files\/2022\/12\/wank-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/argentinienvillageneralbelgrano\/files\/2022\/12\/wank-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/argentinienvillageneralbelgrano\/files\/2022\/12\/wank-768x512.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/argentinienvillageneralbelgrano\/files\/2022\/12\/wank.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/argentinienvillageneralbelgrano\/files\/2022\/12\/fluss.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-231 size-medium\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/argentinienvillageneralbelgrano\/files\/2022\/12\/fluss-300x450.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/argentinienvillageneralbelgrano\/files\/2022\/12\/fluss-300x450.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/argentinienvillageneralbelgrano\/files\/2022\/12\/fluss.jpg 683w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/argentinienvillageneralbelgrano\/files\/2022\/12\/escondida.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-230 size-medium\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/argentinienvillageneralbelgrano\/files\/2022\/12\/escondida-300x450.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/argentinienvillageneralbelgrano\/files\/2022\/12\/escondida-300x450.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/argentinienvillageneralbelgrano\/files\/2022\/12\/escondida.jpg 683w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Auf dieser Wanderung kreisten meine Gedanken allerdings noch um etwas anderes: Ich bin n\u00e4mlich mitten in der Reiseplanung f\u00fcr die Sommerferien! Ich werde \u201eTravel-Office\u201c machen. Denn die Aufgaben, die ich von der Schule bekommen habe, kann ich auch unterwegs erledigen. Zum Beispiel auf Busfahrten, die hier \u00fcber einen Tag dauern k\u00f6nnen. Ich werde von Buenos Aires, wo wir Argentinien Freiwilligen zusammen Weihnachten feiern werden, nach Ushuaia fliegen. So einen Flug, oder auch Busfahrten, im Internet zu buchen ist hier als Ausl\u00e4nder tats\u00e4chlich nicht so einfach. Denn aufgrund des offiziellen Wechselkurses w\u00fcrde alles doppelt so viel kosten, wenn ich es direkt mit meinem deutschen Konto bezahlen w\u00fcrde. Da ist es also gut, dass ich super liebe Leute kenne, die es buchen k\u00f6nnen und denen ich das Geld dann in Bar geben kann. Von Ushuaia aus werde ich dann in den Anden, entlang der Chilenisch-Argentinische Grenze, reisen und hoffen, dass ich es in den 1,5 Monaten bis nach Bolivien schaffe. F\u00fcr so ein Abenteuer gibt es nat\u00fcrlich sehr viel vorzubereiten. Ich muss mir sch\u00f6ne Wanderrouten und interessante St\u00e4dte mit spannenden Orten heraussuchen, die alle gut mit Busen verbunden sind. Ebenso muss ich mir \u00fcberlegen, was ich noch so brauchen k\u00f6nnte. Zum Beispiel habe ich mir auch noch ein kleines billiges Zelt bestellt. Dieses war auf der hiesigen Online Plattform doppelt so teuer wie auf der in Europa \u00fcblichen. So ist das leider mit vielen Sachen. Genau erkl\u00e4ren, warum das so ist, kann ich wie gesagt noch nicht.<\/p>\n<p>Es gibt hier also sehr viele M\u00f6glichkeiten, Zeit zu verbringen. Und irgendwie habe ich so meine Zweifel, dass es irgendwann weniger werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im letzten Monat haben wir uns zum Online-Zwischenseminar hier in Villa getroffen. Au\u00dferdem waren meine Tage ziemlich prall gef\u00fcllt mit Reiseplanung, Wanderungen und nat\u00fcrlich der Arbeit an meiner Einsatzstelle. 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