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Freude

Nach meiner kleinen Russlandtour dauerte es nur 4 Tage und ich war wieder auf Achse, weil meine lieben Eltern mich besuchen kamen. Das Ganze fing schonmal gut an, weil ich ca 1h lang am Flughafen wartete und wartete und wartete. Alle Passagiere der Maschine waren gefühlt schon an mir vorbeigegangen und der Flieger stand auch nicht mehr auf der Anzeigetafel. Leicht in Panik stellte ich mir sonstige Szenarien in meinem Kopf vor – von Verlaufen bis zu einem unerwarteten Zollbesuch meiner Eltern. Dann irgendwann jedoch öffneten sich die automatischen Türen und Mama und Papa standen da. Ich war einfach nur glücklich.

Sie waren bei der falschen Gepäckabholstation gewesen. Deswegen hatte es so lange gedauert. Erleichtert sind wir dann ins Zentrum gefahren und haben erstmal etwas gegessen. In den nächsten Tagen erlebten wir zusammen ein Gemisch aus Kulturprogramm und Kälte – von Puschkin bis zum Marinskytheater haben wir eigentlich alles mitgenommen, was in St.Petersburg sehenswert ist. Ich kam auch an Orte an denen ich selber noch nicht war: Wie zum Beispiel in die Philharmonie in Petersburg.

Im Marinskytheater.

Ich fand es sehr schön vor allem mit meinem Vater unterwegs zu sein, weil er ein Mensch ist, der sich schnell für die Geschichte anderer Menschen interessiert. Also hieß es meistens: Antonia, frag doch mal, warum das so und so ist…Ich stoß definitiv an die Grenzen meiner Sprachkenntnisse, aber nur durch Papa und sein großes Interesse habe auch ich neue Facetten und Geschichten der Russen kennengelernt. Am besten war unser Ausflug zum Meer, wo wir bei -20 Grad auf der Ostsee liefen und mir das erste Mal in meinem Leben die Wimpern gefroren sind. Außerdem haben wir auch beim Fest крещение (dt. Taufe) zugesehen, woe hunderte von Menschen in der Newa Eisbaden waren. Wow. Das war bei -18 Grad auf jeden Fall kalt.

Auf der Ostsee bei -20 Grad.

 

Das sind solche Momente, die ich immer mehr in meinem Gedächtnis behalten werde, als einen Museumsbesuch oder eine weitere touristische Attraktion. Ich möchte damit keinenfalls die Besonderheit eines Museums infrage stellen (dafür bin ich viel zu oft in tollen Museen gewesen), aber trotzdem vergisst man deren Inhalt nach einer bestimmten Zeit. Was zum Beispiel auch sehr bemerkenswert war, war meine Klarinettenstunde bei der meine Eltern mitgekommen sind. Erst habe ich ein bisschen was gespielt und als wir fertig waren meinte mein Lehrer: Jetzt ist es Zeit für einen Schnaps. Dann ging er zu seinem Schrank, holte Schnaps, Schokolade und Tee und wir haben uns über ein Stunde über Russland und Deutschland unterhalten. Irgendwann fingen meine Eltern und mein Lehrer Maxim an sowjetisch-deutsche Freundschaftslieder zu singen. Da wusste ich, dass ich wirklich noch sehr sehr jung bin. Der Abend war einfach toll. Insgesamt war die Zeit sehr schön und ich habe mich gefreut, dass meine Eltern  da waren und sich auch so viel Zeit für die Stadt genommen haben.

Insgesamt hat sich in meinem Leben hier ein gewisser Ablauf eingepegelt. Ich stehe früh auf, gehe zur Metro, arbeite bis um vier und dann habe ich noch Zeit, um mit meinen Lieblingskolleginnen etwas Essen zu gehen oder andere Freunde zu treffen. Außerdem habe ich zweimal die Woche Chor und Klarinettenunterricht. Also ist es insgesamt schon ein voller Plan und es ist immer irgendwie etwas los. Da findet man manchmal gar nicht so richtig die Zeit, um mit allen Freunden oder der Gastfamilie etwas zu machen.

 

 

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