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Quer durch Russland – Teil 2

„100 Rubel sind kein Geld, 100 Jahre keine Zeit und 100km keine Entfernung“

Russisches Sprichwort

Angekommen in Rostov haben wir unsere Sachen am Bahnhof eingeschlossen und sind dann mit dem Bus zum Kreml gefahren. Eigentlich ist Rostov keine große Stadt und der größte Teil besteht nur aus dem Kreml im Stadtzentrum und einem großen zugefrorenen See, an dem einige Häuser liegen. An dem Tag war uns allen definitv sehr kalt, denn wir hatten mindestens -10 Grad. Nach Moskau hatte ich mich nicht warm genug angezogen (war für mich eine Lehre, mich in Russland in Zukunft immer warm anzuziehen), weil es dort ein wenig wärmer war. Wir haben uns dann kurzerhand dazu entschlossen nicht weiter in Rostov zu bleiben, sondern noch bis Jaroslawl zu fahren, weil diese Stadt größer ist und man dort mehr erkunden kann.

In Jaroslawl kamen dann am nächsten Tag noch drei weitere Freiwillige hinzu und wir hatten Felix, der vor Ort wohnte und uns auch noch einige Tipps gab, was sich lohnt und was nicht. Auch hier gab es einen Kreml, sowie ein ewiges Feuer. Für alle, die nicht wissen, was ein ewiges Feuer ist – das ist ein Ehrendenkmal für die gefallenen Soldaten im zweiten Weltkrieg. Fast jede größere Stadt hat ein ewiges Feuer und gedenkt damit an die Heldentaten der Roten Armee. Jaroslawl hat ein sehr schönes gegliedertes Stadtzentrum mit einer tollen Fußgängerzone und großartigen Ausblicken auf die Wolga und diverse Kirchen. Es ist einfach herrlich, wenn sich die Sonne in den goldenen Kuppeln in den wenigen hellen Stunden des Januars spiegelt.

 

Nach drei Tagen in Jaroslawl ging es bei einer 8-stündigen Zugfahrt nach Nizhni Nowgord. Diese Zugfahrt wird mir wohl immer als sehr spannend in Erinnerung bleiben. Es fing schonmal damit an, dass wir beim Einsteigen einer Frau begegnet sind, die gerade mit Kohle den Ofen beheizt hat. Damit war klar, dass wir auch diesmal in einem eher älteren Zugmodell fahren. Wir mussten jede Stunde circa für 10 Minuten anhalten, damit das Eis an den Rädern abgeklopft werden kann. Die Übergänge zum nächsten Waggon waren mit einer waghalsigen Aktion verbunden, da die nicht komplett verschlossenen Übergänge bei der Kälte voller Schnee und Eis waren. Ahh.

Die vorbeiziehende Landschaft mit all den Bäumen, kleinen russischen Dörfern und dem Schnee waren einfach herrlich. Auf der anderen Seite sind wir auch durch eine der dreckigsten Städte der Welt, Dzerzhinsk, gefahren. In diesem Ort gibt es eine große Chemiefabrik, die seit Jahren neben normalen chemischen Haushaltsmitteln auch chemische Waffen herstellt. Zudem gibt es in diesem Gebiet auch eine große Deponie für Industrieabfälle. Die Böden sind dadurch irreparable geschädigt, was sich negativ auf die dort lebende Bevölkerung auswirkt. Männer haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von 42 Jahren. So schnell sieht man auch eine andere Seite des Landes, wobei man feststellt, dass Umweltschutz noch immer keine große Rolle spielt.

Bei unserer langen Zugfahrt kam ich ins Gespräch mit einem älteren russischen Ehepaar, die sich sehr dafür interessiert haben, was ich denn hier in Russland treibe. Wir haben uns lange über Deutschland, Russland und schöne Städte unterhalten. Irgendwann habe ich gesagt, dass ich es toll finde, wie hilfsbereit und aufmerksam viele russische Menschen sind. Daraufhin meinte der bis jetzt eher stille Ehemann: „У нас был коммунизм / U nas buil kommunism“ ( Wir hatten den Kommunismus). Er lachte und schaute danach schweigend aus dem Fenster.

Irgendwann kamen wir in Nischni Nowgorod an. Es war schon dunkel, obwohl es erst um vier war. Wir hatten echt Glück, denn Nils, ein weiterer Freiwillige, war auch gerade in Nischni Nowgorod, da seine Großeltern dort wohnen. Also hat er uns nach der langen Reise zu seinen Großeltern zum Essen eingeladen. Mal wieder bin ich total überrascht von dieser russischen Gastfreundlichkeit. Ich meine, wer lädt schon gerne mal 5 junge deutsche Freiwillige, die man noch nicht mal kennt, zum Essen ein. Auf jeden Fall war das sehr sehr lecker und wir hatten einen großen Spaß.

Insgesamt war ich von Nischni Nowgorod sehr überrascht, da sich die Kernstadt auf einem großen Berg befindet. Und Berge sieht man in Russland eigentlich eher wenig. Wir hatten eine Unterkunft direkt in der Altstadt mit Blick auf den Kreml. In den nächsten zwei Tagen haben wir diverse touristische Attraktionen bewundert. So waren wir beispielsweise in einem sehr schönen modernen Kunstmuseum im Kreml. Zum Kreml gelingt man über eine große große Treppe, an deren Kopf dann auch das ewige Feuer ist. Der Blick von dort aus, auf die Wolga, war atemberaubend.

 

Zudem waren wir noch im Gorkimuseum, da die Stadt bis zum Zerfall der SU nach dem dort geborenen Schriftsteller Maxim Gorki benannt war. Lohnenswert ist an dieser Stelle auf jeden Fall das Museum über Literatur in Nischni Nowgorod. Da erfährt man beispielsweise auch, dass Trotzki und Gorki befreundet waren und sich mehrmals getroffen haben. Was man in Nischni Nowgorod auf jeden Fall nicht missen sollte, ist eine Fahrt mit der Gondel über die Wolga. Das ist einfach nur wunderschön.

Noch ein kleiner Fakt am Rande: In Nischni Nowgorod waren die Taxis so billig, dass es sich für uns zu viert mehr rentiert hat, ein Taxi zu bestellen, als den Bus zu nehmen. Das muss man sich mal vorstellen – wirklich sehr absurd, aber leider wahr.

Glücklich und total zufrieden machten wir uns dann, an unserem letzten Tag, am frühen Morgen, um fünf Uhr auf dem Weg zum Bahnhof, um mit dem Schnellzug SapSan in nur 8h nach Petersburg zu fahren.

P.S. Ich entschuldige mich auch dafür, dass die Qualität der Bilder vielleicht nicht immer so gut ist. Insgesamt empfehle ich es den Blog eher auf dem Computer zu verfolgen, da es sein kann, dass es auf dem Handy mit verminderter Qualität angezeigt wird.

 

 

 

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