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Quer durch Russland – Teil 1

Es ist gleichermaßen so, wie schon Katharina die Große es erlebt hat. Ich wusste nicht inwiefern ich diesen Erfahrungen Glauben schenken konnte. Ich wusste nicht, ob ich es auch so erleben werde. Aber sie hatten alle recht mit ihren Erzählungen. Das russische Wintermärchen lebt. Es lebt in mir.

Ja, der russische Winter hat wirklich schon viele Menschen inspiriert und verzaubert. Ich habe noch nie etwas so Schönes gesehen. Ich sitze in einem warmen, jedoch verhältnismäßig langsamen Zug nach Rostov. In den angebrachten Bildschirmen an der Decke läuft „Nu Pagadi“. Ich fühle mich weit weg von zuhause und doch so herrlich wohl. Ich habe das Gefühl, dass ich angekommen bin.

Woooow, das war jetzt alles schon echt philosophisch – fangen wir mal von vorne an. Ich habe Weihnachten und Silvester erfolgreich überstanden, genauso wie die Pre-Neujahrs-Grippe. Imsgesamt empfand ich die Weihnachtszeit in Russland als sehr zauberhaft – das lag zum einen an der wunderschönen, dekorierten Stadt mit Tannenbäumen und Lichtern an jeder Ecke und dem großartigen weißen Schnee, den ich Russland nun wirklich nicht missen musste. Weihnachten habe ich mit Kira und Sarah gefeiert. Wir waren vorher in der Kirche zum Gottesdienst und dann hat Kira ein traumhaftes Essen für uns vorbereitet. Es war ein toller Abend. Ich hatte nicht das Gefühl, dass es Heilig Abend war und habe deshalb auch nichts so richtig vermisst.

Der erste Feiertag war hingegen schon komisch, weil alle aus meiner Gastfamilie normal zu Arbeit, Schule und Kindergarten gegangen sind. Die weiteren Tage habe ich entspannt, weil Husten und Schnupfen meinen Körper daran hinderten, produktiv zu sein. Silvester war dann wirklich einer der schönsten Abende, die ich bis jetzt erleben konnte. Viele andere Freiwillige aus Russland kamen nach Sankt Petersburg und wir hatten eine Wohnung gemietet, um dort zusammen zu feiern. Wir haben viel gekocht und gebacken, um am Abend ein typisches Silvesterfest mit Salat Olive garantieren zu können. Letztlich waren wir einfach nur 14 Leute, die einen schönen Abend hatten, Putins Neujahrsansprache feierlich anschauten und um 3 Uhr in der Nacht zum Schlossplatz liefen, um das große Feuerwerk an der Peter- und Paulfestung anzuschauen. Für mich war es eine komplett neue Erfahrung, zu sehen, dass man Silvester auch ohne Knall-und Feuerwerkskörper an jeder Ecke feiern kann.

Und dann ging die große Reise – Quer durch Russland- auch schon los. Ich startete meine Tour durch Russland mit zwei weiteren Freiwilligen (Tom und Linda) am 02.01 in Sankt Petersburg in einem alten, sowjetischen Zug nach Twer (bei Moskau) in einem Schlafwaggon. Es war der absolute Hammer. Im Schlafabteil gab es, natürlich für jeden, ein Bett, inklusive Kissen und Decke. Stellt es euch nicht zu luxuriös vor, denn die Fahrt hat nur 1100 Rubel ( ca 13€) gekostet. Heißes Wasser gibt es in jedem Zug kostenlos und die geselligen Russen*innen für Gespräche auch. Wir hatten zwei nette Frauen in unserem Abteil, die uns sehr viel über schöne Orte in Russland erzählt haben. Kuriosität Nr.1 bei russischen Zugfahrten: egal ob 11.00 Uhr oder 14.00 Uhr – viele Russen ziehen sich erstmal im Gang um, legen sich in ihre Betten und packen die Hausschuhe aus. Kuriosität Nr.2: unser Zug musste manchmal 15 Minuten in der russischen Schneelandschaft stehen bleiben, um den Schnellzug SapSan (Spb-Moskau) vorbeizulassen. Ich habe mich absolut wohlgefühlt – so etwas sollte es in Deutschland definitv auch geben.

Unsere erste Station der langen Reise wurde Twer, in welcher wir von Tom sehr schön herumgeführt wurden. Die Stadt erschien mir als ein perfekter Schnittpunkt zwischen Moskau und Sankt Petersburg. Klein, aber fein. Manchmal konnte man Häuser im Jugendstil entdecken, welche doch sehr an Piter erinnerten, aber insgesamt ist die Stadt schon mehr nach Moskau gerichtet, weil die Metropole nicht weit entfernt ist. Absolutes Highlight war für mich das Überqueren der zugefrorenen Wolga.

  

Von Twer aus ging es weiter nach Moskau, wo ich mich fürs erste von Linda und Tom trennte, dafür aber Chantal und Felix ( zwei weitere Freiwillige traf). Vom Bahnhof aus ging ich sofort in die neue Tretjakowski-Galerie. Für alle zukünftigen Besucher der Hauptstadt kann ich diese Galerie nur wärmstens empfehlen, da sie im Gegenteil zur alten Tretjakowski-Galerie keine langen Schlangen und ein großes Spektrum an moderner Kunst vorweisen kann.

An meinem zweiten Tag in Moskau habe ich mich Felix und seinem Kumpel Niklas getroffen und wir haben uns zusammen noch einige Main-Points der Stadt angeschaut. Am schönsten fand ich unseren Ausflug zu den Sperlingsbergen. Das ist ein schöner Berg mit Blick auf Moskau und der Lomonossow-Universität um der Ecke. Am roten Platz und im Gorkipark waren wir auch noch – in Moskau kann man wirklich tausend Sachen anschauen.

  

Am letzten Tag habe ich noch die Chance genutzt einmal bei der HillsongChurch in Moskau vorbeizuschauen und somit am 06.01 das traditionelle russische Weihnachtsfest zu zelebrieren. Insgesamt war der Besuch in Moskau von großer Bedeutung für mich, da ich nebenbei das Buch „Trutz“ von Christoph Hein gelesen habe, was zu diesem Zeitpunkt in Moskau spielte und sich unter anderem intensiv mit dem Metrobau in den 30er-Jahren beschäftig. Die Metro in Moskau war für mich zum einen ein großes Symbol, welches ich nur bestaunen konnte, zum anderen spiegelte es aber auch den größten Stressfaktor der Stadt wieder. Moskau ist immer in Bewegung, schläft nicht und kennt keine Grenzen. Es ist wirklich eine reinste Millionenstadt, die immer größer wird.

Ausschnitt aus der Metrostation Mendelevskaya.

Dies war wohl auch der entscheidende Grund, warum mich die vorbeiziehende Winterlandschaft auf dem Weg nach Rostov so glücklich machte. Endlich raus aus der Stadt und rein in ein kleines Dorf am goldenen Ring.

4 thoughts on “Quer durch Russland – Teil 1

  1. Liebe Antonia,
    es ist einfach herrlich deine Berichte zu lesen.
    Weiterhin noch eine gute und behütete Zeit in Russland.
    Liebe Grüße von
    Arend und Familie

  2. Sehr cool wie du alles so beschreibst. Ich habe mir alles durchgelesen, einige der beschriebenen Orte auch wiedererkannt. Ich freue mich auf die weiteren Erlebnisberichte.
    Weiter so! Pass auf dich auf!
    Felix

    • Hey Felix,

      voll cool, dass du auf meinen Blog gestoßen bist. Du bist ja ein richtiger Russlandkenner – für dich ist das bestimmt ganz interessant, wenn du die Orte kennst. Hab mich sehr über die Nachricht gefreut! Grüße aus Piter 🙂

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