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Anschnallen und los!

Wenn ich schonmal in St.Petersburg bin, bietet es sich an, nach Lettland, Estland oder Litauen zu reisen. Wir Deutschen bezeichnen es immer recht nett als „Baltikum“ und wissen meistens nicht so richtig, wo denn jetzt nochmal welches der drei Länder ist. Aber das spielt ja sowieso keine Rolle, denn am Ende ist dort oben ja eh alles gleich. Wer so denkt, sollte auf jeden Fall nach Lettland, Estland oder Litauen reisen, denn die Länder unterscheiden sich in einigem. In Lettland spricht noch über 60% der Bevölkerung Russisch und die lettische Sprache hatte viele Affinitäten zum slavischen Wortstamm. In Estland hingegen wird die russische Sprache doch eher stärker abgelehnt und auch insgesamt hat Estland viel mehr sprachliche, sowie kulturelle Verbindungen zum finnischen. In beiden Ländern liegt das zum größten Teil an der Historie, die ich jetzt nicht weiter erläutern werde, weil ich sonst zu weit ausschweifen würde.

Doch jetzt erstmal zu dem eigentlichen Blogeintrag – meiner Reise nach Riga und Tallinn. Simon, ein weiterer Kulturweitfreiwiliger, der in Riga wohnt, kam einige Tage zu mir nach Sankt Petersburg, um mich und die Stadt zu besuchen. Wir sind deshalb gleich gemeinsam mit dem Bus nach Riga gefahren. Sagen wir es mal so, ich wusste, dass ich in Russland bin, als ich mich im Reisebus freiwillig angeschnallt habe. Die hektische Fahrweise des Busfahrers, erschwerte uns beiden einen ruhigen Schlaf. Für mich war dies die erste große Reise, die zusätzlich gleich mit Panik begann, als ich den Bus einstieg. Der Busfahrer kontrollierte alle Tickets und Visa und meinte dann, dass irgendwas mit meinem Visum nicht stimmt. Da er sehr schnell redete, konnte ich nur die Hälfte verstehen und weil er keine Lust hatte, mir es nochmal langsam zu erklären, meinte er nur, dass ich ja dann an der Grenze sehen werde, wie es weitergeht. Das sind wirklich großartige Voraussetzungen für eine entspannte Fahrt. So saß ich also die drei Stunden bis zur Grenze mit einigen Ängsten im Bus und habe mir schon ausgemalt, was ich mache, wenn ich nicht ausreisen darf. An der Grenze gab es letztlich gar keine Probleme und ich weiß bis jetzt nicht, was der Busfahrer von mir wollte. Aber dieses Bangen und Zittern vor der Grenzkontrolle hat mir erstmal gezeigt, wie froh ich darüber sein kann in Europa ohne Visum nach Spanien oder Italien fahren zu können. Dieses Privileg sollten wir viel mehr wertschätzen!

Simon und ich kamen dann am späten Vormittag in Riga an und ich habe mich gleich auf die Socken gemacht, um die Stadt zu erkunden. Die Altstadt ist wirklich wundervoll und hat mich total an Meißen erinnert. Es gibt kleine, enge Gassen, schöne Parks und Bars – und das alles auf einem Fleck. Da habe ich mal wieder gemerkt, wie schön es sein kann ein übersichtliches Stadtbild zu haben. In St. Petersburg muss man schon echt viel laufen und das Zentrum ist so weit ausgedehnt.

   

Der erste Stopp in Riga war an diesem Tag dann die St.Peter-Kirche, von welcher man einen wunderschönen Blick auf die Stadt hat. Danach bin ich noch ins Ghettomuseum von Riga gegangen. Dort gab es eine Ausstellung, die mir nochmal einen ganz anderen Blick auf die baltischen Länder und deren Beziehung zu Deutschland gezeigt hat. Die Tatsache, dass in Riga, nach dem Warschauer und dem Lodzer Ghetto, das drittgrößte Ghetto war, war für mich erschreckend. Am Ende wurde ich in der Ausstellung sogar noch ausversehen eingesperrt, weil ich irgendwie in der letzten Ecke noch ein paar Sachen durchgelesen habe und mich dort niemand entdeckt hatte. Aber zum Glück war noch jemand da, der mich rauslassen konnte.

Das Highlight des Tages war ein Orgelkonzert im Dom von Riga. Wer mich kennt, weiß, dass ich in meiner Freizeit auch gerne Orgel spiele und mich die Musik sehr fasziniert und begeistert. Der Dom zu Riga besitzt eine der bekanntesten und schönsten Orgeln der Welt. Als sie 1884 eingeweiht wurde, war sie die größte Orgel der Welt. Heute ist die Orgel der Firma Walcker (aus Ludwigsburg) auch die, mit dem ältesten Orgelprospekt des Baltikums. Mir hat das Konzert an diesem Abend sehr viel bedeutet und es war auch irgendwie emotional, weil ich gemerkt habe, wie ich die Musik und auch das Spielen vermisse. Da passt der Ausdruck, „Musik, die berührt und bewegt“, gut.

Am nächsten Tag war ich mit Simon im Okkupationsmuseum und später habe ich mich noch mit Ann- Sophie – einer anderen Freiwilligen getroffen. Wir waren dann in einem Kulturzentrum, wo es Livemusik gab. Es war sehr schön, sich mit jemanden über die Arbeit auszutauschen, andere Perspektiven gezeigt zu bekommen und zu sehen, wie es anderen Freiwilligen in ihrem FSJ ergeht.

 

Am Sonntagmorgen bin ich dann, nach einiger Verwirrung bezüglich der Zeitumstellung, in den Bus nach Tallinn eingestiegen. Die Fahrt war sehr schön, da wir einen großen Teil direkt am Meer entlang gefahren sind. In Estland war es um einiges kälter und es hatte bereits geschneit, sodass alle Felder voller Schnee und Eis waren. In Tallinn habe ich mich dann mit Eva (Kulturweitfreiwillige in Tallinn) getroffen, die so freundlich war, mich für eine Nacht aufzunehmen. Sie hat mir auch gleich noch ein paar Tipps gegeben, was ich mir alles anschauen soll, sodass ich dann gleich in die Innenstadt gefahren bin, um mir den mittelalterlichen Stadtkern anzuschauen. Tallinn ist absolut sehenswert und bietet viele schöne Häuser, Kirchen und Aussichtspunkte.

Ich, in Tallinn, mit dem Maskottchen „Wuppi“ des Kindergartens

Ich habe mich an diesem Abend dann noch mit drei Couchsurfern (zwei Georgen und einer Russin) getroffen. Wir hatten sehr viel Spaß und ich habe viele Geschichten aus Georgien gehört, sowie den dringenden Rat dort hinzufahren. Am letzten Tag habe ich noch eine Free-Walking Tour gemacht und dann ging es auch schon wieder nach Hause – nach St. Petersburg.

2 thoughts on “Anschnallen und los!

  1. Die baltischen Länder sind so schön! Ich habe ein Semester in Vilnius studiert und bin dann auch nach Riga und Tallinn gereist. Ich finde jede der drei Hauptstädte ist einzigartig schön und ich habe mich sehr in die Länder verliebt gehabt ☺

    Grüße aus Bulgarien 🙂

    • Das kann ich nur bestätigen! Alle Städte sind auf ihre Weise einzigarig. In Vilnius war ich leider noch nicht, aber hoffentlich habe ich bald mal die Chance dorthin zu reisen:)

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