Das Abenteuer beginnt

Hallo ihr Lieben:)

Und plötzlich ist da dieser Tag, der die ganze Zeit in weiter Ferne schien. Er kommt einfach so – ohne sich anzukündigen. Und dann muss man sich plötzlich von allen verabschieden, gefühlt tausend Leute umarmen, ein paar Tränen verdrücken und dann ins Auto steigen. Ja, die Zeit des Abschieds ist gekommen, denn meine Reise nach Russland ist nun tatsächlich losgegangen.

Doch erstmal ganz von vorne: Mein FSJ startete mit einem Vorbereitungsseminar am Werbellinsee, wo wir nochmal gezielt mit politischen und sozialen Themen, die in unserem FSJ eine große Rolle spielen könnten, konfrontiert und vorbereitet wurden. Nach einer Begrüßung durch das Orgateam von kulturweit wurden wir 318 Freiwilligen in verschiedene Homezones eingeteilt. In meiner Homezone waren somit 11 weitere Freiwillige, welche die nächsten 6 Monate, wie ich, in Russland verbringen werden. Natürlich mussten wir uns alle erstmal kennenlernen, aber das haben wir durch diverse Spiele recht gut hinbekommen. Ich persönlich hoffe, dass ich auch einige aus unserer Gruppe in Russland besuchen kann. In unserer Homezone, die praktisch sowas wie eine SaveZone darstellte, haben wir uns in den ersten Tagen sehr mit Rassismus  und Kolonialismus beschäftigt. Um diese Problematik noch zu vertiefen, machten wir am 04.09 eine Exkursion nach Berlin, wo wir an verschiedenen Workshops teilnehmen konnten. Ich habe mich für die Stadtführung mit einem ehemaligen Obdachlosen entschieden. Er hat uns sein Berlin gezeigt. Die Tatsache, dass er über fünf Jahre Tag und Nacht auf der Straße verbracht hat, war erschreckend. Ich muss ehrlich sagen, dass ich großen Respekt vor diesem Menschen habe, weil er es sich getraut hat ohne jegliche Hemmungen oder Scham von einem schweren Teil seines Lebens zu berichten.

Neben weiteren Diskussionen in der Homezone hatten wir am Donnerstag und Freitag (06/07.09.18) gezielte Workshops und Seminare mit unseren Partnerorganisationen – in meinem Falle ist/war das der PAD (Pädagogischer Austauschdienst) gewesen. Somit habe ich zum Beispiel erfahren, dass ich an einer DAS-Schule, also einer Deutschen Auslandsschule, arbeiten werde. An einer solchen Schule kann man zum Beispiel das deutsche Abitur ablegen. Am Samstag und Sonntag beschäftigten wir uns in der Homezone auch noch ganz stark mit der Thematik Einsamkeit. Das fand ich ziemlich zutreffend, denn während meines Freiwilligendienstes wird definitiv der Punkt kommen an dem ich alleine zurechtkommen muss und das wird aufgrund der Tatsache, dass ich in meinem Leben bis jetzt immer Menschen um mich herumhatte, eine komplett neue Erfahrung. Dann kommen natürlich typische Fragen auf, wie: Was tue ich, wenn ich mich alleine fühle? Wie kann ich Freunde/Anschluss finden? St.Petersburg ist eine große Stadt, in der ca. 5 Mio Menschen wohnen. Irgendwie werde ich dort schon neue Leute treffen, aber dafür muss ich auch offen auf andere zugehen und meine Sprachbarriere überwinden – und genau das wird Überwindung kosten.

Das Vorbereitungsseminiar neigte sich irgendwann dann auch dem Ende zu, sodass ich nur nochmal schnell in die Heimat gefahren bin, um meine Koffer zu packen. Dabei habe ich festgestellt, dass es wirklich eine große Herausforderung sein kann, Koffer zu packen. Mal ganz im Ernst: Wie packt man einen Koffer für ein halbes Jahr, ohne die 23kg-Grenze zu überschreiten? Eben – das ist unmöglich. Nachdem ich meinen Koffer nun gefühlt zehnmal umgepackt habe und ihn dazu noch x-Mal gewogen habe, ging es endlich nach Berlin. Dort habe ich mit meiner Mama noch bei einer Freundin übernachtet und dann ging es zum Flughafen. Ich war natürlich mega aufgeregt, aber der Flug war wirklich sehr gut und ich fand es prima St.Petersburg von oben zu sehen. Diese Stadt ist wirklich unfassbar riesig. Von oben sieht sie noch überschaubar aus, aber kaum ist man mit dem Auto in der Stadt, merkt man, wie weitläufig und groß doch wirklich alles ist.

Ich wurde am Flughafen netterweise von zwei deutschen Praktikanntinen, Lisa und Annika, in Empfang genommen. Zusammen sind wir dann mit dem Taxi zu meiner Unterkunft gefahren, wo schon meine Betreuerin und Mentorin Frau Andronenko auf uns gewartet hat. Sie hatte bereits den Schlüssel für die Wohnung meiner Gastfamilie, weshalb wir gleich reinkonnten. Einige Minuten später kam auch meine Gastmutter Mascha, die gleich noch einen Tee gekocht hat und Gebäck mitgebracht hat. Ich habe mich von Beginn an sehr wohlgefühlt, weil die Atmosphäre sehr entspannt und locker war. Die Wohnung  und mein Zimmer sind auch wirklich klasse – ich habe genügend Platz, habe einen guten Ausblick und eine schöne Fensterbank. Ich kann mich also wirklich nicht beschweren! Außerdem schlafe ich in einem Hochbett – das ist wirklich mega cool:) Ich war dann noch mit Mascha einkaufen und einige organisatorische Dinge klären – wie z.B. Metrokarte und SIM-Karte kaufen, Geld tauschen etc., sowie ihre kleinste Tochter Anna vom Kindergarten abholen. Dann habe ich erstmal alles ausgepackt und bin ins Bett gegangen, weil ich doch ganz schön fertig war und all die neuen Bildern in meinem Kopf verarbeiten musste. Zusätzlich wollte ich auch für den heutigen Tag wieder fit sein, denn ich wurde von Lisa und Annika eingeladen, nach Puschkin (Zarskoje Selo) zu fahren. Dort befindet sich der prächtige Katharinenpalast, den Peter der Große 1708 seiner Frau Katharina als ein, damals noch, kleines Landgut schenkte. Deshalb auch der der Name Zarskoje Selo – also Zarendorf. Der Palast, indem wir auch das berüchtigte Bernsteinzimmer gesehen haben, ist wirklich sehr groß und prunkvoll. Egal wo man hinschaut – überall sind Verzierungen oder goldene Figuren. Danach waren wir eigentlich den größten Teil des Nachmittages im 600 ha großen Park, der auch mit großen Blumentöpfen, Pavillions und Springbrunnen versehen ist. Es ist wirklich ein herrlicher Anblick – ich finde, man kann es von der Parkanlage her mit dem Schloss Sanssouci vergleichen. Heimzu machte ich noch Stopp bei einem kleinen alten Buchladen, den es gleich bei mir um die Ecke gibt. Dort hätte ich ewig Zeit verbingen können, denn es gab einen großen Stapel mit alten Noten, den man wahrschienlich bei einer Hausauflösung gefunden hat. Auf jeden Fall waren die Noten teilweise von 1938 oder früher – das fand ich wirklich mega spannend. Gekauft habe ich am Ende jedoch nur ein Kinderbuch, aber das sollte für den Anfang zum Üben meiner Russischkenntnisse reichen.

Ich bin gespannt, was ich nächste Woche erleben werde, wenn ich das erste Mal im deutschen Kindergarten arbeiten gehen kann.

Bis dahin! пока!

Antonia

 

One thought on “Das Abenteuer beginnt

  1. Hey Antonia !
    Es freut mich sehr für dich, dass dein Start so gut geglückt ist und dass es dir so gut gefällt. Ich hoffe dass du viel Spaß bei deiner Arbeit hast und dass du vielleicht die alten Noten doch noch kaufst 🙂 sowas ist was ganz tolles !
    Musikalische Grüße aus Kraków,

    Moritz

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