Vom ungarischen Schulsystem, Facebook und täglichen Sportstunden

Sziasztok!

Heute bin ich auf den Tag genau zwei Monate in Ungarn – und diese zwei Monate sind rasant vergangen.

Heute möchte ich gerne davon erzählen, was ich hier in der Schule Neues kennengelernt habe.
Gleich vorneweg: ich kann nur davon berichten, was ich in meiner Einsatzstelle gesehen und gelernt habe – sicherlich laufen manche Dinge an anderen Schulen und bei anderen Lehrern anders.

Zunächst ein paar Infos zum ungarischen Schulsystem:

Die Grundschule geht hier in der Regel bis zur 8. Klasse, manchmal kann man aber auch schon nach der 6. Klasse aufs Gymnasium gehen. Mit der 9. Klasse beginnt das Gymnasium und nach vier Jahren (in der 12. Klasse) machen die Schüler ihr érettségi, also ihr Abitur. Das Abitur wird in fünf Fächern gemacht: Geschichte, Mathematik, ungarische Literatur und Grammatik, eine weitere Fremdsprache und ein weiteres Fach, das sich die Schüler*innen aussuchen können. In der jeweils schriftlichen und mündlichen Prüfung kann der gesamte Stoff seit der 9. Klasse abgefragt werden.

Facebook

Die wohl größte Überraschung für mich war die Nutzung von Facebook im Schulkontext. Und das aus den folgenden zwei Gründen:
1. Facebook ist (zumindest in meinem Umfeld) ziemlich unwichtig und es ist eigentlich nie aufgefallen, dass ich keinen Facebook-Account habe – ganz anders als hier: schon oft kam mir ein überraschter Blick entgegen, als ich sagte, dass ich kein Facebook habe.
2. In Deutschland ist es nicht erlaubt, dass Lehrer über Social Media in Verbindung zu ihren Schülern stehen. Hier ist das ein wenig anders: Facebook ist das Kommunikationsmedium, das hier von so gut wie allen benutzt wird. Es gibt zum Beispiel Klassengruppen mit den Lehrern, in die wichtige Infos oder auch der Link zu den zu lernenden Vokabeln gepostet wird. Es ist einfacher, die Schüler*innen über Facebook zu erreichen als über E-Mails oder andere Plattformen. Weil es aber immer häufiger vorkommt, dass Schüler*innen kein Facebook nutzen, wird sich vermutlich in der Zukunft die Platform zur außerschulischen Kommunikation ändern.

Padlet, Quizlet und Kahoot

Was ebenfalls neu für mich ist, ist die Nutzung verschiedener Tools im Internet. Ich möchte gerne die bereits genannten Anwendungen “Padlet”, “Quizlet” und “Kahoot” vorstellen, weil ich diese vorher nicht kannte.
“Padlet” ist eine Anwendung, um verschiedenste Themen zu veranschaulichen. Manchmal nutzen Schüler*innen ein Padlet anstatt einer PowerPoint-Präsentation, um ihren Vortrag medial zu unterstützen. Bei einem Padlet bringt man auf einem Hintergrund seiner Wahl verschiedene Kacheln an, die Stichpunkte, Texte, Bilder oder sogar Videos enthalten. Die Kacheln können dann noch auf unterschiedliche Arten angeordnet werden, zu einer digitalen Mindmap zum Beispiel.
Während ich in meiner Schulzeit im Sprachunterricht noch Vokabeln aus dem Buch oder von Wortlisten gelernt habe, wird hier ab und zu das Tool “Quizlet” benutzt. Man kann online eine Vokabelliste erstellen, auf die alle mit dem Link zugreifen können, und die entsprechenden Wörter auch üben.
Ein sehr interaktives Tool ist “Kahoot”, mit dem man im Unterricht spielen kann. Entweder bastelt man sich sein eigenes Quiz zusammen oder man spielt ein bereits erstelltes Quiz. Dabei wählt jeder auf seinem Tablet oder Handy, während die Zeit abläuft, die richtige Antwort auf die Fragen. Das interessante dabei sind die Statistiken, die nach jeder Frage angezeigt werden. Insgesamt ist Kahoot ganz amüsant, aber ich konnte auch beobachten, dass es die Lerngruppe unruhig machen kann.

Sport

An ungarischen Schulen sind fünf Wochenstunden Sport vorgeschrieben, die zum Teil aber auch durch Sport im Verein ersetzt werden können, wenn man den Nachweis dafür vorzeigt. Diese Regelung hat zur Folge, dass man insbesondere in der warmen Jahreszeit Schülergruppen durch die Stadt joggen sieht. Und da es in meiner Einsatzstelle nur zwei große Sporthallen gibt, wird auch manchmal auf der Treppe Sport gemacht, indem die Schüler*innen seitwärts in Plank-Position die Treppen hochlaufen müssen – ich bin sicher, dass ich ungefähr drei Stufen geschafft hätte, wenn ich da hätte mitmachen müssen.

Soziale Arbeit

Während des Gymnasiums müssen die Schüler*innen insgesamt 50 Stunden im sozialen Bereich arbeiten, bevor sie ihr Abitur bekommen. Das können sie entweder in der Schule durch Engagement oder in Einrichtungen, mit denen die Schule Verträge hat, tun.

DSD II

Seit 1995 gibt es einmal im Jahr die Möglichkeit, eine Sprachprüfung zu machen, und zwar das Deutsche Sprachdiplom. Bis zu den Winterferien stehen die Prüfungen für die 12. Klässler noch an, die aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil bestehen. Deswegen laufen die Vorbereitungen, mit denen ich gerade auch mit am meisten beschäftigt bin, gerade auf Hochtouren und am Donnerstag in dieser Woche findet die Pilotprüfung statt. Die Sprachprüfung stellt das Sprachniveau B2 oder C1 fest und eine bestandene Prüfung bedeutet die sprachliche Befähigung, an einer deutschen Universität zu studieren. An den Unis hier ist eine bestandene Sprachprüfung oft Voraussetzung, um sein Diplom zu bekommen. Jedoch tritt ab 2020 die Regelung in Kraft, die besagt, dass man eine bestandene Sprachprüfung braucht, um zum Studium zugelassen zu werden. Das betrifft aber erst den nächsten Jahrgang.

Das waren ein paar Dinge, von denen mir vorher nicht bewusst war, dass sie so in den Schulalltag integriert sein können, und es war in den letzten Wochen sehr interessant für mich, das alles kennenzulernen und in den Schulalltag einzutauchen. Ich könnte noch viel mehr erzählen, aber es gibt viel zu tun – von daher:

Bis zum nächsten Mal!

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