{"id":7,"date":"2016-09-28T20:04:06","date_gmt":"2016-09-28T18:04:06","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/?p=7"},"modified":"2016-09-28T20:04:06","modified_gmt":"2016-09-28T18:04:06","slug":"von-der-parallelwelt-in-die-ungewissheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/2016\/09\/28\/von-der-parallelwelt-in-die-ungewissheit\/","title":{"rendered":"Von der Parallelwelt in die Ungewissheit"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_11\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/files\/2016\/09\/20160907_195835.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-11\" class=\"size-medium wp-image-11\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/files\/2016\/09\/20160907_195835-300x169.jpg\" alt=\"Sonnenuntergang am Werbellinsee\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/files\/2016\/09\/20160907_195835-300x169.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/files\/2016\/09\/20160907_195835-768x432.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/files\/2016\/09\/20160907_195835.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/files\/2016\/09\/20160907_195835-750x422.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11\" class=\"wp-caption-text\">Sonnenuntergang am Werbellinsee<\/p><\/div>\n<p>\u201eHerzlich Willkommen zu ihrem ersten Arbeitstag\u201c, so begr\u00fc\u00dfte uns Anna Veigel, die Leiterin von kulturweit, bei strahlendem Sonnenschein, auf der gro\u00dfen Wiese am Werbellinsee, zu unserem ersten Seminartag. Und einen kurzen Moment lag war ich fast ein wenig geschockt (Wie mein erster Arbeitstag? Ich habe doch grade erst f\u00fcr die Abiturpr\u00fcfungen gelernt, am Wochenende Teller von A nach B getragen, und die Abschlussrede in der Schule gehalten.) Als ich Angang Juli auf dem auf dem Abiball vor all den Eltern, Sch\u00fcler_innen und Lehrer_innen stand, f\u00fchlte ich mich etwa so, wie an dem ersten Tag des Vorbereitungsseminars. Eine undefinierbare, merkw\u00fcrdige Mischung aus Aufregung, Stolz, Vorfreude, Angst und dem Gedanken im Kopf \u2018Ann-Sophie, was hast du dir dabei gedacht, als du auf dein Bauchgef\u00fchl h\u00f6rtest, das dir sagte, das wird gut(!), halte eine Rade vor 200 Leuten, du schaffst das schon! Oder mach doch ein FSJ in Kasachstan nach dem Abitur, warum eigentlich nicht, so eine Chance kommt vielleicht nie wieder.\u2018<\/p>\n<p>Und auf einmal ging alles ganz schnell. Aus: \u201eNach dem Abi mache ich ein FSJ im Ausland\u201c wurde, \u201eIm September beginne ich mein FSJ in Kasachstan\u201c, wurde \u201ein zwei Wochen\u2026\u201c, wurde jetzt, heute und hier! \u2013Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht.- Das habe ich in den letzten Monaten so oft gedacht.<\/p>\n<p>Doch genau so pl\u00f6tzlich, wie mein erster Arbeitstag gekommen war, waren die 10 Tage Vorbereitungsseminar am Werbellinsee, in Brandenburg, in unserer kleinen Parallelwelt, schon wieder vorbei. 10 Tage voller Input, Vortr\u00e4ge, Gespr\u00e4che, Gedanken, Perspektivenwechseln; voller Gemeinschaft Verst\u00e4ndnis und Vertrauen. F\u00fcr Au\u00dfenstehende wird es wohl kaum vorstellbar sein, was 10 Tage f\u00fcr eine unglaubliche Wirkung haben k\u00f6nnen. 10 Tage k\u00f6nnen ver\u00e4ndern, Perspektiven und Blickwinkel \u00e4ndern, k\u00f6nnen aufw\u00fchlen und verwirren, aber vor allem k\u00f6nnen 10 Tage zusammenschwei\u00dfen. Und egal, wo auf der ganzen gro\u00dfen weiten Welt wir jetzt verteilt sind, es wird immer jemanden geben, der\/die grade dieselben Probleme, \u00c4ngste oder Sorgen hat. Denn das habe ich auch vom Vorbereitungsseminar mitgenommen,- bei 252 kulturweit Freiwilligen ist man niemals alleine!<\/p>\n<p>Und f\u00fcr alle, die sich fragen: was haben die nur 10 Tage lang dort gemacht\u2026? Alle Themen hier aufzuf\u00fchren w\u00fcrde definitiv den Rahmen sprengen, denn sie haben schlie\u00dflich 10 Tage voll ausgef\u00fcllt, aber hier ein Auszug von dem, was nach diesem Seminar noch alles in meinem Kopf rumschwirrte: Shuttelbusse, Menschenmasse, G\u00e4stehaus- und raus\u2026 Mikroblick, Rassismus, Sexismus, Feminismus, Perspektivenswechsel\u2026Verwirrung, kritisches Wei\u00df-sein, Selbstreflextion, eigene Identit\u00e4t und meine Rolle als Freiwillige, Erwartungen, Hoffnungen, \u00c4ngste, zum Essen pilgern, Trinkflasche, Turnbeutel, Birkenstock, baden im See, weiter geht\u2019s\u2026 bester Mikroblick und der Sch\u00fcttelsong, Kopf frei bekommen, eine Stunde schweigen, fair Berichten, Singlestorys, so viel neues, m\u00e4nnlich sozialisiert, weiblich sozialisiert, Trainer_innen, R\u00e4ume, Abschied, hairliche Zeit\u2026<\/p>\n<p>\u2026und mit all diesen Gedanken und Erinnerungen wurde wir losgelassen, endlich konnte es losgehen.<\/p>\n<p>Aber zuvor ging es f\u00fcr mich noch einmal f\u00fcr 2 Tage nach Hause. Von der Parallelwelt am Werbellinsee, wo man nicht die einzige Au\u00dfergew\u00f6hnliche war, die freiwillig nicht nach Australien, Neuseeland oder Kanada geht, in die Realit\u00e4t. Und nat\u00fcrlich kamen Fragen; Wie war es? Was habt ihr gemacht? Hast du was gelernt&#8230;? Ja, ich habe etwas gelernt, manchmal hatte ich sogar das Gef\u00fchl, ich habe mir in 10 Tagen mehr Gedanken gemacht, reflektiert und hinterfragt, als ich es in 13 Jahren Schule getan habe. Trotzdem war es schwierig, die Fragen f\u00fcr Au\u00dfenstehende \u201ezufriedenstellend\u201c zu beantworten. Denn wir haben auf dem Seminar, um wieder die Worte von Anna Veigel aufzugreifen, \u201enichts auf dem Silbertablett serviert bekommen\u201c\u00a0 (au\u00dfer vielleicht das Brot im Speisesaal). Ich war noch in mitten eines Prozesses, die Gedanken neu zu ordnen, meine eigene Meinung zu \u00fcberdenken oder vielleicht auch neu zu bilden.<\/p>\n<p>Die zwei Tage zu Hause waren also vollgestopft mit Kofferpacken, Essen gehen, Abschied, Aufregung und ganz viel Ungewissheit. Am 13.09. ging es dann endlich los. Aufregung und eine gewisse Angst, vor dem was mich jetzt erwarten w\u00fcrde, mischten sich zusammen und als ich meine Familie und Freunde an der Sicherheitskontrolle zur\u00fccklassen musste, war da auf einmal dieses Gef\u00fchl, jetzt war ich alleine, und auf mich gestellt. Und auch wenn ich auf dem Seminar unglaublich viele tolle Menschen kennengelernt hatte, und wusste, dass es vielen jetzt\u00a0 \u00e4hnlich gehen w\u00fcrde, war da die Gewissheit, dass ich im Gegensatz zu vielen andren Freiwilligen alleine in meinem ganzen Einsatzland sein werde. (Obwohl es das 9. Gr\u00f6\u00dfte Fl\u00e4chenland der Welt ist, nur um mal einen keinen Wikipedia Fakt einzuschieben.) W\u00e4hrend meines 5,5 st\u00fcndigen Fluges konnte ich mich anfangs\u00a0 hervorragend mit dem Lufthansa Entertainment-Programm ablenken. Ich guckte den Film zu einem meiner Lieblingsb\u00fccher \u201eEin ganzes halbes Jahr\u201c und nein, ich bekomme kein Geld f\u00fcr diese Schleichwerbung aber das Essen an Bord war echt lecker und mit einem guten Essen war ich erst mal eine Zeit lang zufrieden gestellt. J Doch irgendwann schaltete sich mein Kopf ungefragt wieder an und ich begann, mir \u00fcber mein ganz pers\u00f6nliches \u2018ganzes halbes Jahr\u2018 Gedanken zu machen. Inzwischen war es dunkel geworden und au\u00dfer dem Mond nichts mehr von meinem Fensterplatz zu erkennen. Erst kurz vor der Landung konnte ich eine orange erleuchtete Stadt erkennen. Das sollte also f\u00fcr die n\u00e4chsten 6 Monate mein\u00a0 zu Hause werden. F\u00fcr das n\u00e4chste ganze halbe Jahr! Und mit einem Schlag war sie wieder da, die Aufregung und die Fragen. Wer w\u00fcrde mich gleich vom Flughafen abholen? Werden sie mich erkennen? Nachdem meine Nervosit\u00e4t noch einmal ins unermessliche stieg, als die Dame hinter dem Grenzkontrollschlater f\u00fcr mein Zeitgef\u00fchl, etwas zu lange tippte, scannte und telefonierte, und mein Koffer gef\u00fchlt als letztes angekommen war, ging auf einmal alles ganz schnell. Meine Ansprechpartnerin und meine Gastfamilie kamen direkt auf mich zu, sie hatten mein Bild, welches ich in einer E-Mail mitgeschickt hatte, ausgedruckt ( in DinA4 Gr\u00f6\u00dfe\u2026Sicher ist sicher). Ich wurde so herzlich Begr\u00fc\u00dft, die Kommunikation klappte und all die Anspannung und die Ungewissheit viel von mir ab, und ich wusste alles wird gut!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die ersten zwei Wochen in Almaty \u2013so viele Eindr\u00fccke, so viel Herzlichkeit-<\/p>\n<p>Als ich am ersten Morgen, bei strahlenden Sonnenschein aus dem Fenster meines Zimmers sah und in der Ferne mit Schnee bedeckte Berge erkennen konnte, dachte ich, ja hier bleibe ich. Und auch, wenn Berge in Norddeutschland nicht unbedingt zu meinem allt\u00e4glichen Ausblick z\u00e4hlten, f\u00fchlte ich mich hier direkt wohl. Das lag aber vor allem an der unglaublichen Herzlichkeit und Gastfreundschaft, die mir hier entgegengebracht wurde\/ wird. Am ersten Abend kamen gute Freunde der Familie zu besuch. Sie begr\u00fc\u00dften mich mit den Worten: \u201eEndlich bist du da, wir haben uns schon seit den letzten zwei Monaten auf dich gefreut.\u201c Daraufhin fehlten mir erst einmal die Worte. Ich wurde hier vom ersten Tag an nicht nur von meiner Ansprechpartnerin in der Schule, sondern auch von meiner Gastfamilie und dessen kompletten Freundeskreis, sprichw\u00f6rtlich, an die Hand genommen. Wir waren in den Bergen an einem Wasserfall, sind mit der Seilbahn auf einen Berg gefahren. Von dort hatte man einen tollen Ausblick \u00fcber die ganze Stadt, waren im Park und an einem Bergsee. Au\u00dferdem hatte ich das gro\u00dfe Gl\u00fcck, dass in meinen ersten zwei Wochen auch die deutschen Austauschsch\u00fcler der Partnerschule aus Oberkochern hier waren. Deshalb konnte ich mich einem Ausflug zum Scharyn-Nationalpark ca. 3,5 Stunden von Almaty entfernt anschlie\u00dfen. Dort sind wir im Scharyn-Canyon gewandert und geklettert. Einfach unglaublich, was ich in dieser kurzen Zeit schon von der tollen Natur rund um Almaty mitnehmen konnte.<\/p>\n<p>An meiner Schule, dem Gymnasium Nr.18, eine Schule mit linguistischem Schwerpunkt, habe ich die erste Woche hauptsachlich hospitiert, um ein Gef\u00fchl f\u00fcr die Schule, die Lehrer\u00ad\u00ad_innen und Sch\u00fcler_innen bekomme. Auf dem Flur werde ich von allen Sch\u00fclern auf Deutsch mit \u201eGuten Tag\u201c begr\u00fc\u00dft, meine Anwesenheit hat sich also schon rumgesprochen. Jetzt gilt es in n\u00e4chster Zeit meinen Platz an der Schule zu finden, aber von meinem Schulalltag und den ersten kleinen Projekten bald mehr.<a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/files\/2016\/09\/cropped-20160916_154714.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4 aligncenter\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/files\/2016\/09\/cropped-20160916_154714-300x300.jpg\" alt=\"cropped-20160916_154714.jpg\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/files\/2016\/09\/cropped-20160916_154714-300x300.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/files\/2016\/09\/cropped-20160916_154714-150x150.jpg 150w, https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/files\/2016\/09\/cropped-20160916_154714-270x270.jpg 270w, https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/files\/2016\/09\/cropped-20160916_154714-192x192.jpg 192w, https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/files\/2016\/09\/cropped-20160916_154714-180x180.jpg 180w, https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/files\/2016\/09\/cropped-20160916_154714-32x32.jpg 32w, https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/files\/2016\/09\/cropped-20160916_154714.jpg 512w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eHerzlich Willkommen zu ihrem ersten Arbeitstag\u201c, so begr\u00fc\u00dfte uns Anna Veigel, die Leiterin von kulturweit, bei strahlendem Sonnenschein, auf der gro\u00dfen Wiese am Werbellinsee, zu unserem ersten Seminartag. 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