{"id":19,"date":"2016-10-14T20:32:43","date_gmt":"2016-10-14T18:32:43","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/?p=19"},"modified":"2016-10-14T20:32:43","modified_gmt":"2016-10-14T18:32:43","slug":"einunddreissig-tage-alltagmaty","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/2016\/10\/14\/einunddreissig-tage-alltagmaty\/","title":{"rendered":"Einunddrei\u00dfig Tage Al(ltag)maty"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">Warum sich genau Freitag, der 14. Oktober daf\u00fcr eignet, einen neuen Eintrag hier zu ver\u00f6ffentlichen? <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">1) Es ist der 14. Oktober und es hat geschneit. Schnee im Oktober, das ist f\u00fcr mich auf jeden Fall etwas besonderes, vor allem weil ich gestern noch ohne Jacke durch die Stadt gelaufen bin, aber so schnell kann das gehen. Apropos so schnell kann das gehen\u2026<br \/>\n2)\u2026Am 14. September bin ich das erste Mal durch Almaty gelaufen, habe das erste Mal mit Tenge bezahlt und eine neue Sim-Karte f\u00fcr mein Handy gekauft.<br \/>\nIch bin nun genau einen Monat hier, also h\u00f6chste Zeit f\u00fcr ein Update.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">Ein Monat, einunddrei\u00dfig Tage. Wenn ich mir das so bewusst mache, ist die Zeit schon wieder so schnell vergangen, aber andererseits wundere ich mich manchmal selber, wie schnell ich mich an diesem Ort doch zu Hause f\u00fchlen konnte. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">Alltag am Gymnasium Nr. 18<br \/>\nDas linguistische Gymnasium in Almaty ist nun ein wesentlicher Teil meines neuen Alltages. Aber vielleicht einmal ganz von vorne\u2026 einmal einen Monat zur\u00fcck spulen.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_20\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/files\/2016\/10\/20160930_140011.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-20\" class=\"size-medium wp-image-20\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/files\/2016\/10\/20160930_140011-300x169.jpg\" alt=\"Gymnasium Nr.18\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/files\/2016\/10\/20160930_140011-300x169.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/files\/2016\/10\/20160930_140011-768x432.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/files\/2016\/10\/20160930_140011.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/files\/2016\/10\/20160930_140011-750x422.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-20\" class=\"wp-caption-text\">Gymnasium Nr.18<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">Als ich das erste Mal meinen neuen Arbeitsplatz, das Gymnasium Nr. 18 betrat, war mein erster Gedanke\u201a \u2018eigentlich ist alles wie immer\u2018, zum Gl\u00fcck. Denn egal, wo auf der Welt wir uns befinden, \u201eSch\u00fcler sind eben Sch\u00fcler\u201c. Hausaufgaben werden nicht immer gemacht, es gibt sehr gute Sch\u00fcler_innen, es gibt<\/span><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">\u00a0 <\/span><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">Sch\u00fcler_innen, die nicht unbedingt immer mit voller Motivation dabei sind und das Handy ist manchmal einfach spannender, als der Unterricht, aber ans Herz wachen sie einem alle in k\u00fcrzester Zeit <\/span><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">\u00a0<\/span><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">(Und stolz kann ich behaupten, dass ich nach einem Monat die meisten, der im wahrsten <\/span><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">\u00a0<\/span><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">Sinne des Wortes, neuen Namen der Sch\u00fcler_innen und Lehrer_innen kann)<br \/>\nAuch in Kasachstan lernt man lesen, schreiben, und rechnen und in dieser Schule eben auch deutsch. Wie gesagt, \u201eSch\u00fcler sind Sch\u00fcler\u201c und Schule ist Schule, egal wo auf der Welt. Die ersten Unterschiede, die mir auffielen, waren nat\u00fcrlich die Offensichtlichen. Schuluniform, die aber grade von den M\u00e4dchen eher kreativ interpretiert wird, und nicht unbedingt so getragen wird, wie die Schulleitung sich das w\u00fcnschen w\u00fcrde. Und dann ist da die Nationalhymne, die jeden Tag vor dem Unterricht durch den Lautsprecher dr\u00f6hnt. Aufstehen, Hand aufs Herz und dann (mehr oder weniger enthusiastisch) mitsingen. Dieses Ritual war f\u00fcr mich Neu, geh\u00f6rt jedoch inzwischen einfach jeden Tag dazu.<br \/>\nEine kleine Notiz am Rande, an meine alte Schule: erstaunt musste ich feststellen, dass die Beamer in den Klassenr\u00e4umen von den Lehrern komplett ohne \u201etechnischen Experten\u201c aus der Klasse zum laufen gebracht werden. Und ein weiterer Luxus; Kopierer in fast allen Klassenr\u00e4umen, und man glaubt es kaum, sie funktionieren.<br \/>\nAber besonders positiv \u00fcberrascht war ich davon, dass die Klassen f\u00fcr den Fremdsprachenunterricht aufgeteilt werden und die Deutschklassen so, meist nicht gr\u00f6\u00dfer als maximal 15 Sch\u00fcler_innen sind. Einige Sch\u00fcler_innen nehmen das vertiefte Deutschangebot wahr, mit dem Ziel das DSD 2 (Deutsches Sprachdiplom) zu absolvieren. Dieses Diplom dient als Nachweis f\u00fcr die n\u00f6tigen Sprachkenntnisse, um einer Hochschule in Deutschland zu studieren. Dementsprechend hoch sind die Anforderungen und ich ziehe jedes Mal meinen Hut vor diesen Sch\u00fcler_innen. Ich wei\u00df nicht, ob ich in dem Alter in der Lage gewesen w\u00e4re \u00fcber Themen wie Demographischer Wandel in Deutschland zu diskutieren. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">Aber was mache ich jetzt eigentlich den ganzen Tag dort in der Schule?<br \/>\nAlso, nachdem ich die ersten Wochen hospitiert habe, um ein Gef\u00fchl f\u00fcr die Schule, die Lehrer und die Sch\u00fcler zu bekommen, werde ich mich nun viel mit der 10. Klasse besch\u00e4ftigen. Die Sch\u00fcler_innen werden n\u00e4chstes Jahr ihr DSD 2 absolvieren und meine Aufgabe wird es sein die 10. Kl\u00e4ssler speziell mit Wortschatz- und Vokabelarbeit auf die sogenannten Sternchenthemen vorzubereiten. Man merkt, vier Wochen haben gereicht, um sich in das Thema Deutsches Sprachdiplom einzulesen und das entsprechende Vokabular ist aus meinem Alltag zur Zeit nicht mehr wegzudenken. Ich bem\u00fche mich, die besagte Wortschatzarbeit so spannend wie m\u00f6glich zu gestalten und ein bisschen Abwechslung in den Unterricht zu bringen. Beispielsweise habe ich Tabu-Karten f\u00fcr die Vokabelabfrage vorbereitet. Ein\/e Sch\u00fcler_in musste den Begriff f\u00fcr die Klasse erkl\u00e4ren, diese musste erraten, um welche Vokabel es sich handelte. Anscheinend kam das Spiel nicht nur bei den Sch\u00fcler_innen gut an. Als ich bei einer anderen Klasse beim Unterricht hospitierte fragte die Lehrerin die Vokabeln in Form Tabu-Karten ab. Das war f\u00fcr mich so eine sch\u00f6ne Wertsch\u00e4tzung. Ich war ger\u00fchrt und stolz zugleich und dachte mir nur \u201cwow, die Lehrerin arbeitet seit Jahren in diesem Beruf, und \u00fcbernimmt meinen Vorschlag\u201c Ich glaube, dass ist die sch\u00f6nste Wertsch\u00e4tzung, f\u00fcr mich als Freiwillige hier.<br \/>\nWenn ich nicht grade in den 10. Klassen helfe, schaue ich auch gerne mal in der Grundschule vorbei. Mit der ersten Klasse habe ich auch schon mein erstes kleines Projekt gestartet. Ich habe mit den Kindern Laternen gebastelt. Wir werden Laternenlieder singen und auch einen kleinen Laternenumzug veranstalten, darauf freue ich mich schon.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_21\" style=\"width: 269px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/files\/2016\/10\/20160929_130150.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-21\" class=\" wp-image-21\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/files\/2016\/10\/20160929_130150-300x169.jpg\" alt=\"Laternen basteln in der 1. Klasse\" width=\"259\" height=\"146\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/files\/2016\/10\/20160929_130150-300x169.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/files\/2016\/10\/20160929_130150-768x432.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/files\/2016\/10\/20160929_130150.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/annsophieunterwegs\/files\/2016\/10\/20160929_130150-750x422.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 259px) 100vw, 259px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-21\" class=\"wp-caption-text\">Laternen basteln in der 1. Klasse<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\"><br \/>\nAnsonsten schaue ich in verschieden Klassen im Unterricht zu und gebe Hilfestellungen in den Arbeitsphasen.<br \/>\nDie Arbeit mit den Sch\u00fcler_innen macht mir unglaublich viel Spa\u00df und es sind oft die kleinen Momente die mir noch lange in Erinnerung bleiben werden. Heute war ich spontan in der 8. Klasse, weil eine Lehrerin krank war. Ich kannte die Sch\u00fcler_innen dieser Klasse nicht und wusste nur grob was das Thema im Unterricht ist,\u2026aber wenn ich hier bis jetzt eins gelernt habe dann, dass <\/span><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">\u00a0<\/span><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">Spontanit\u00e4t und improvisieren hier f\u00fcr mich unglaublich wichtig sind. Ich improvisierte also spontan eine Stunde in der 8. Klasse zum Thema Umwelt. Wir sprachen \u00fcber den Wasserverbrauch im Haushalt und haben den pers\u00f6nlichen Wasserverbrauch ausgerechnet. Anschlie\u00dfend spielten wir die letzten 10min Promi raten. Nach der Stunde kam eine Sch\u00fclerin zu mir umarmte mich und sagte: \u201eDanke, f\u00fcr den tollen Unterricht!\u201c <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">Zu diesem Thema noch ein kleinen Exkurs. Vor zwei Wochen\u202630. September 2016:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">Lehrertag in Kasachstan<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;line-height: 107%;font-family: 'Calibri',sans-serif;font-size: 11pt\"><span style=\"color: #000000\">Ich komme in die Schule, es l\u00e4uft Musik und die Flure sind festlich geschm\u00fcckt. Auf dem Schulhof stehen Eltern mit Blumen und Pralinen.<br \/>\nWas geht hier vor sich?<br \/>\nEin Tag zuvor wurde mir nur gesagt, dass morgen eine Art Konzert stattfinden w\u00fcrde, wie das genau abl\u00e4uft k\u00f6nne man mir jetzt, einen Tag vorher, noch nicht genau sagen; also alles wie immer.<br \/>\nLetztendlich, fanden nur drei Stunden nach Plan statt, dann durften die Sch\u00fcler_innen nach Hause gehen und ich bin mit den Lehrer_innen in die Aula gegangen. Dort warteten die Sch\u00fcler_innen der 11. Klasse, der Abschlussklasse, auf uns. Die Sch\u00fcler_innen hatten in den vergangenen Wochen ein gro\u00dfartiges Programm f\u00fcr die Lehrer einstudiert, denn es war Lehrertag. Es wurde gesungen, getanzt, gelacht, geklatscht, und auch wenn ich aufgrund der Sprache nicht alles verstanden habe, war ich so begeistert von dem tollen Programm, an dem wirklich alle Sch\u00fcler_innen mitgewirkt haben.<br \/>\nIm Allgemeinen geht es bei diesem Fest darum, sich bei den Lehrern f\u00fcr ihre Arbeit zu bedanken und diese wertzusch\u00e4tzen.<br \/>\nEine tolle Tradition, die es auch in Deutschland geben sollte, denn sind wir mal ehrlich, die Lehrer_innen haben uns nicht nur lesen und schreiben beigebracht, und auch wenn sich jeder schon einmal \u00fcber unfaire Note oder die Hausaufgaben aufgeregt hat, kann ich auf jeden Fall f\u00fcr mich sprechen, wenn ich sage, dass ich ohne einige Lehrer_innen nicht diesen Weg gegangen w\u00e4re, den ich jetzt gehe.<br \/>\nDeshalb gilt mein Dank an dieser Stelle der Geduld, der F\u00e4higkeit zu Motivieren und zu Begeistern und dem Interesse meiner ehemaligen Lehrer_innen, f\u00fcr die wir nicht nur Sch\u00fcler_innen, sondern Pers\u00f6nlichkeiten sein durften.<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum sich genau Freitag, der 14. 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