{"id":93,"date":"2018-04-02T16:04:33","date_gmt":"2018-04-02T14:04:33","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/annikainbosnien\/?p=93"},"modified":"2018-04-02T16:04:33","modified_gmt":"2018-04-02T14:04:33","slug":"der-schulalltag-unterricht-und-deutschwettbewerb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/annikainbosnien\/2018\/04\/02\/der-schulalltag-unterricht-und-deutschwettbewerb\/","title":{"rendered":"Der Schulalltag, Unterricht und Deutschwettbewerb"},"content":{"rendered":"<p>Heute bin ich seit genau drei Wochen in Bosanska Krupa und ich hatte etwas Zeit, um die ersten Eindr\u00fccke sacken zu lassen. Ich finde mich besser in der Stadt zurecht, den Weg zum Supermarkt, zur Schule und zur Innenstadt laufe ich wie automatisch. Ich bin wirklich froh, dass ich so zentral wohne und bequem alles zu Fu\u00df erreichen kann. Zur Schule brauche ich 15 Minuten, zur Innenstadt 10 und zum Supermarkt 5.<\/p>\n<p>Mittlerweile kann ich auch die Gesichter der Sch\u00fclerInnen besser zuordnen und wei\u00df ungef\u00e4hr, wer in welcher Klasse ist. An dieser Stelle nochmal kurz allgemeine Informationen \u00fcber die Schule: Es gibt sechs Klassen, die 10., 11. und die beiden 12. Klassen haben jeweils drei Stunden Deutsch die Woche und die beiden 13. Klassen haben jeweils zwei Stunden Deutsch die Woche. Das Gymnasium teilt sich das Geb\u00e4ude mit der Grundschule, weswegen der Unterricht f\u00fcr deutsche Verh\u00e4ltnisse sehr sp\u00e4t stattfindet. Die Sch\u00fclerInnen sind meistens von 12:40 Uhr bis 18:40 Uhr in der Schule, weil die Grundsch\u00fcler morgens da sind. Die Schulen teilen sich das Geb\u00e4ude, weil das alte Gymnasiumgeb\u00e4ude abgerissen wurde und das neue Geb\u00e4ude noch nicht fertig ist. In der Angelegenheit tut sich leider nichts, sodass die Sch\u00fcler sich wohl oder \u00fcbel an die Zeiten gew\u00f6hnen mussten. Ich muss aber an den meisten Tagen nicht bis abends dableiben, von daher ist alles v\u00f6llig okay. Eine Schulstunde dauert wie in Deutschland 45 Minuten, dazwischen sind jeweils f\u00fcnf Minuten Pause und es gibt nur eine gro\u00dfe 20-min\u00fctige Pause 20.<\/p>\n<p>Aber erstmal von vorne: Ich hatte in meinem letzten Blogeintrag ja von meinem ersten Schultag erz\u00e4hlt, an dem ich die 13. Klasse kennengelernt habe. Am Mittwoch (14.03.) war dann mein erster richtiger Schultag. In der ersten Stunde hatte die 13. Klasse Essen (Knabberkram, Kuchen und Getr\u00e4nke) mitgebracht und das war sozusagen eine kleine \u201eWillkommensparty\u201c f\u00fcr mich. Ich habe mich sehr gefreut, besonders weil ich nicht damit gerechnet hatte. :D Danach habe ich zwei weitere Klassen kennengelernt und ansonsten daneben gesessen und den Unterricht verfolgt. Am Donnerstag habe ich dann nochmal drei weitere Klassen kennengelernt. Viele trauen sich nicht mit mir Deutsch zu reden und sprechen Englisch mit mir. Wenn ich Deutsch rede wei\u00df ich, dass viele mich \u00fcberhaupt nicht verstehen und das ist f\u00fcr mich schon eher schwierig, aber das wird sich schon alles noch f\u00fcgen.<\/p>\n<p>Ab Freitag (16.03.) ging es dann mit meiner neuen Aufgabe los: Ich sollte die vier besten Sch\u00fclerInnen der Schule (nur die Minderj\u00e4hrigen, die Vollj\u00e4hrigen durften nicht teilnehmen) auf einen regionalen Deutschwettbewerb f\u00fcr die Niveaus B1 und B2 vorbereiten. Ich wusste, dass Sch\u00fcler von 15 verschiedenen Schulen kommen, um am Wettbewerb teilzunehmen und sie im Lesen, H\u00f6ren und Sprechen getestet werden. Der\/Die Erstplatzierte darf weiter zum nationalen Wettbewerb in Sarajevo und wer dort wiederum gewinnt darf nach Freiburg zur internationalen Deutscholympiade. Ich hatte aber vorher keine Ahnung, wie so ein Wettbewerb abl\u00e4uft, also habe ich mir dann alle Lehrb\u00fccher angeguckt. Dann habe ich mit den Sch\u00fclern haupts\u00e4chlich f\u00fcr die m\u00fcndlichen Pr\u00fcfungen ge\u00fcbt und alle ihre Fehler verbessert. Am Tag des Wettbewerbs wurden die vier Sch\u00fclerInnen und ich von einem Lehrer der Schule nach Velika Kladu\u0161a, einer Kleinstadt im Nordwesten Bosniens gefahren, die Fahrt hat etwa 1,5 Stunden gedauert. Es war wirklich interessant aus dem Fenster zu schauen, weil die Landschaft hier eher h\u00fcgelig ist und ganz anders, als ich es aus Norddeutschland gewohnt bin. Beim Wettbewerb angekommen, sind die Sch\u00fclerInnen mit den anderen TeilnehmerInnen in einen Raum gegangen, ich bin in einen Raum mit den anderen LehrerInnen. Das war am Anfang eher unangenehm, weil nur auf Bosnisch geredet wurde und ich mich verloren gef\u00fchlt habe, schlie\u00dflich war ich die einzige unter 30-j\u00e4hrige in einem Raum voller Lehrkr\u00e4fte. Als den anderen dann klar wurde, dass ich kein Bosnisch verstehe, haben sie sich lieb entschuldigt (sie konnten es ja nicht wissen und ich war ihnen nicht b\u00f6se) und haben mich gefragt, ob ich mit ihnen einen Kaffee trinken gehen m\u00f6chte, w\u00e4hrend die Sch\u00fclerInnen ihre Pr\u00fcfungen im H\u00f6rverstehen und Leseverstehen haben. Anschlie\u00dfend ging es zur\u00fcck zur Schule, nun standen die m\u00fcndlichen Pr\u00fcfungen an. Ich wurde gefragt, ob ich mit in der Jury f\u00fcr die B1 TeilnehmerInnen sein m\u00f6chte und so kam es dann. Die Sch\u00fclerInnen hatten 30 Minuten Zeit, um in Dreiergruppen einen Vortrag \/ eine Diskussion \/ eine Talkshow zum Thema \u201eSollten Kinder Mobiltelefone haben?\u201c vorzubereiten. Nacheinander haben die Sch\u00fclerInnen uns ihre Ideen vorgetragen und wir Jurymitglieder haben dann \u00fcber die Noten beraten. In Bosnien ist die beste Note eine 5 und die schlechteste eine 1. Mir hat das ganze wirklich Spa\u00df gemacht, vor allem weil die LehrerInnen meine Meinung wirklich h\u00f6ren wollten und mich trotz des Altersunterschiedes ernst genommen haben. Besonders stolz bin ich auf meine beiden Sch\u00fclerinnen, deren m\u00fcndlichen Pr\u00fcfungen ich beisitzen durfte, selbstverst\u00e4ndlich habe ich bei deren Bewertung aber nichts gesagt. Auf dem B1 Niveau haben meine beiden Sch\u00fclerinnen den ersten und zweiten Platz belegt (von 18), die eine f\u00e4hrt somit in zwei Wochen nach Sarajevo f\u00fcr den nationalen Wettbewerb. Auf dem B2 Niveau haben meine Sch\u00fclerInnen den zweiten und f\u00fcnften Platz belegt (von 16), ebenfalls eine starke Leistung. Da habe ich mich wirklich wie eine stolze Lehrerin gef\u00fchlt, obwohl ich ja keine richtige Lehrerin bin. :D<\/p>\n<p>Eine meiner weiteren Aufgaben ist es, mit einem k\u00f6rperlich behinderten Jungen Deutsch zu \u00fcben, w\u00e4hrend die anderen aus seiner Klasse Unterricht haben. Ich muss ehrlich sagen, dass es eine Herausforderung ist, weil er noch nicht wirklich Deutsch spricht und ich immer irgendwie hoffen muss, dass er mich versteht. Aber das wird irgendwann alles einfacher werden. Au\u00dferdem sollte ich schon einige Diktate und Aufs\u00e4tze der Sch\u00fcler korrigieren. Mir pers\u00f6nlich macht das echt viel Spa\u00df, obwohl es teilweise anstrengend ist, sich in die K\u00f6pfe der Sch\u00fcler hineinzuversetzen. Manchmal wissen die Sch\u00fcler nicht, wie sie etwas ausdr\u00fccken sollen und schreiben dann wirre S\u00e4tze. Aber genauso ging es vermutlich meiner Franz\u00f6sischlehrerin damals und man gew\u00f6hnt sich daran. :D Au\u00dferdem habe ich drei Unterrichtsstunden \u00fcbernommen, weil Edisa, die Deutschlehrerin der Schule, besch\u00e4ftigt war. Ich musste die Stunden aber nicht selbst vorbereiten, mir wurde gesagt, was ich machen soll. Ansonsten sitze ich einfach im Unterricht daneben und gucke zu, wenn es nichts zu tun gibt, was auch interessant ist.<\/p>\n<p>Letzte Woche musste ich dann f\u00fcr vier Tage den Unterricht \u00fcbernehmen, da Edisa mit einem Projekt besch\u00e4ftigt war. Die Schule hat einen Austausch mit einer Schule aus Izmir (T\u00fcrkei) organisiert und die Sch\u00fclerInnen haben zusammen eine Auff\u00fchrung einstudiert, aber dazu sp\u00e4ter mehr. Montag habe ich den Sch\u00fclerInnen einfach nur ihre Klassenarbeiten zur\u00fcckgegeben, am Dienstag habe ich ihnen \u201eAu revoir\u201c von Mark Forster vorgespielt, das Lied mit ihnen besprochen und ihnen andere deutsche Lieder gezeigt. Am Mittwoch und Donnerstag habe ich einfach Spiele mit ihnen gespielt. Edisa und ich waren der Meinung, dass es noch zu fr\u00fch w\u00e4re f\u00fcr mich, um wirklich f\u00fcr vier Tage den Unterricht zu leiten \u2013 ich bin schlie\u00dflich keine Lehrerin und kenne die Sch\u00fclerInnen noch nicht gut genug. Trotzdem war ich etwas aufgeregt vorher, schlie\u00dflich war es nun meine Aufgabe die Sch\u00fclerInnen im Zaum zu halten. Zum Gl\u00fcck kannte ich durch den Deutschwettbewerb die besten Sch\u00fclerInnen, die f\u00fcr mich \u00fcbersetzen konnten und ansonsten habe ich zwischendurch immer wieder Englisch geredet. Gl\u00fccklicherweise lief alles gut und die meisten Sch\u00fclerInnen hatten tats\u00e4chlich Spa\u00df. Das man nicht alle gl\u00fccklich machen kann ist klar, daf\u00fcr sind die Geschm\u00e4cker zu verschieden. Aber insgesamt komme ich mit den Sch\u00fclerInnen super zurecht, sie verhalten sich mit gegen\u00fcber respektvoll und trotzdem ist es nicht wirklich auf der Lehrer-Sch\u00fcler-Ebene, schlie\u00dflich sind wir in einem \u00e4hnlichen Alter. ?<\/p>\n<p>So, das war jetzt erstmal ein Update \u00fcber meine Zeit in der Schule, im n\u00e4chsten Eintrag folgt ein Bericht \u00fcber meine Unternehmungen in der Freizeit. Stay tuned! ?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute bin ich seit genau drei Wochen in Bosanska Krupa und ich hatte etwas Zeit, um die ersten Eindr\u00fccke sacken zu lassen. Ich finde mich besser in der Stadt zurecht, den Weg zum Supermarkt, zur Schule und zur Innenstadt laufe ich wie automatisch. 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