{"id":63,"date":"2012-11-08T07:53:10","date_gmt":"2012-11-08T06:53:10","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/annagoestobollywood\/?p=63"},"modified":"2013-11-13T17:27:15","modified_gmt":"2013-11-13T16:27:15","slug":"wickelkleid-deluxe-oder-als-ich-fast-auf-einer-indische-hochzeit-war","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/annagoestobollywood\/2012\/11\/08\/wickelkleid-deluxe-oder-als-ich-fast-auf-einer-indische-hochzeit-war\/","title":{"rendered":"Wickelkleid deluxe oder Als ich (fast) auf einer indische Hochzeit war"},"content":{"rendered":"<p>Eine Art Volkssport hier in Indien scheint das Ansprechen von hellh\u00e4utigen Menschen wie mir zu sein: Polizisten sprechen mich am Strand an und unterhalten sich mit mir \u00fcber Musik aus den 80ern. Kleine Jungen fragen mich an der Bushaltestelle oder im Kaufhaus, ob ich ihnen nicht ein bisschen Geld aus meinem Land gebe (gibt\u2019s nat\u00fcrlich nicht, aber fragen kostet nix). Und einmal wurde mir sogar schon angeboten mich auf einem Motorrad durch die Gegend kutschieren zu lassen.<\/p>\n<div id=\"attachment_68\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/annagoestobollywood\/files\/2012\/11\/DSCI1922.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-68\" class=\"size-medium wp-image-68\" alt=\"\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/annagoestobollywood\/files\/2012\/11\/DSCI1922-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/annagoestobollywood\/files\/2012\/11\/DSCI1922-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/annagoestobollywood\/files\/2012\/11\/DSCI1922.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-68\" class=\"wp-caption-text\">Sch\u00fcrze an, Haarnetz auf und schon haben wir munter bei der Teigproduktion mitgemischt.<\/p><\/div>\n<p>Eines der am\u00fcsantesten Erlebnisse war jedoch als ich am Wochenende mit zwei Freundinnen in einer B\u00e4ckerei einen Kaffee trinken war. Wir hatten uns gerade gesetzt und waren dabei unsere Croissants zu verspeisen, als pl\u00f6tzlich der Chefb\u00e4cker des Ladens an unseren Tisch kam und uns darum bat mit in die Backstube zu kommen. Dort wurde n\u00e4mlich soeben ein neuer Teig angemischt. Und f\u00fcr die indische B\u00e4ckermannschaft gab es offenbar keine gr\u00f6\u00dfere Ehre, als uns drei Ausl\u00e4nderinnen bei der Zubereitung dabeizuhaben. So kam es also, dass wir uns schon wenige Momente sp\u00e4ter Sch\u00fcrzen umbanden, Haarnetze aufsetzten und unsere H\u00e4nde in Plastikhandschuhe steckten. Unsere Aufgabe war es jeweils eine Flasche Rum \u00fcber einem Gemisch aus kandierten Fr\u00fcchten zu verteilen und das Ganze fr\u00f6hlich zu vermischen. Nat\u00fcrlich wurden wir dabei fotografiert \u2013 wie sollte es auch anders sein. Aber sch\u00f6n, wenn man Menschen so einfach gl\u00fccklich machen kann.<\/p>\n<p>Vor einer Woche war ich auf einer indischen Hochzeit eingeladen, was sich als perfekte M\u00f6glichkeit zum Tragen meines blauen Seidensaris entpuppte. F\u00fcr alle, die keine Vorstellung haben, was ein Sari ist, m\u00f6chte ich das kurz erl\u00e4utern: Es handelt sich um ein \u00fcberdimensionales Stoffst\u00fcck, das wie ein Wickelkleid \u00fcber einem langen Unterrock und einer auf den Leib geschneiderten Bluse getragen wird. Kushboo, eine indische Bekannte, hat Veronika, Luisa und mir beim Ankleiden geholfen. Als Sari-Neuling ist das n\u00e4mlich gar nicht so einfach. Erst muss ein Teil des Stoffs in den Unterrock gesteckt werden, dann wird der restliche Stoff sorgf\u00e4ltig in Falten gelegt und so um den K\u00f6rper gewickelt, dass es danach ansprechend aussieht. Das Werk wird dann mit drei Sicherheitsnadeln fixiert \u2013 et voil\u00e0. H\u00fcbsch ist es auf alle F\u00e4lle, aber bis ich das Stoffmonstrum alleine anziehen kann, brauche ich noch etwas \u00dcbung.<\/p>\n<div id=\"attachment_69\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/annagoestobollywood\/files\/2012\/11\/DSCF1172.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-69\" class=\"size-medium wp-image-69\" alt=\"\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/annagoestobollywood\/files\/2012\/11\/DSCF1172-225x300.jpg\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/annagoestobollywood\/files\/2012\/11\/DSCF1172-225x300.jpg 225w, https:\/\/kulturweit.blog\/annagoestobollywood\/files\/2012\/11\/DSCF1172.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-69\" class=\"wp-caption-text\">Falten, falten und nochmals falten. Sarianziehen will ge\u00fcbt sein.<\/p><\/div>\n<p>Die Hochzeit selbst war leider etwas ern\u00fcchternd. Zum einen war es eine s\u00fcdindische Hochzeit, d.h. es wird nur selten so ausgelassen getanzt wie man das aus den Bollywood-Filmen kennt. Eigentlich wurde gar nicht getanzt. Bei dem Hochzeitsempfang am Sonntagabend hat zwar eine Band gespielt, bewegen wollte sich dazu aber keiner. Nur das Brautpaar hat auf der B\u00fchne gestanden und so lange gel\u00e4chelt bis sie mit jedem Gast mindestens ein Foto gemacht haben. Die anderen G\u00e4ste haben w\u00e4hrenddessen auf Plastikst\u00fchlen Platz genommen oder sich das s\u00fcdindische Abendessen einverleibt, wobei ich mir beim Essen eher wie bei einer Uni-Pr\u00fcfung vorkam. Es gab zwar eine Tafel, an der wurde aber immer nur auf einer Seite Leute platziert. Wir haben also wie H\u00fchnchen auf der Stange nebeneinander gesessen und brav die verschiedene Gerichte, die auf einem Bananenblatt serviert wurden, verspei\u00dft. W\u00e4hrenddessen ist die Brautmutter um uns herumgewuselt und hat jedem freudig erz\u00e4hlt, dass wir aus Russland k\u00e4men. Und das, obwohl wir ihr erst wenige Minuten zuvor unsere eigentliche Herkunft verraten hatten. Nach knapp eineinhalb Stunden war der ganze Hokuspokus vorbei und wir wieder in unserem Hotelzimmer.<\/p>\n<div id=\"attachment_70\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/annagoestobollywood\/files\/2012\/11\/DSCF1155.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-70\" class=\"size-medium wp-image-70 \" alt=\"\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/annagoestobollywood\/files\/2012\/11\/DSCF1155-225x300.jpg\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/annagoestobollywood\/files\/2012\/11\/DSCF1155-225x300.jpg 225w, https:\/\/kulturweit.blog\/annagoestobollywood\/files\/2012\/11\/DSCF1155.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-70\" class=\"wp-caption-text\">Und so sieht das dann aus, wenn der Sari fertig gewickelt ist.<\/p><\/div>\n<p>Die eigentliche Hochzeit am Montagmorgen haben wir leider verpasst, weil Kushboo sich versp\u00e4tet hatte. Die Hochzeit h\u00e4tte um 7:30 Uhr begonnen, wir waren aber erst um 8:15 Uhr da. Deshalb gab es f\u00fcr uns nichts weiter zu sehen als das nun verheiratete Brautpaar, das &#8211; mal wieder &#8211; Fotos gemacht hat. Nachdem auch wir m\u00fcde in die Kamera gel\u00e4chelt haben, gab es s\u00fcdindisches und unn\u00f6tig fettiges Fr\u00fchst\u00fcck. Wie schon am Vorabend wurden wir eifrig von einem Kameramann gefilmt wie wir mit unseren H\u00e4nden Dosa, Iddly und andere Gerichte in unseren Mund verfrachteten. Das Licht, dass er zu diesem Zweck auf seiner Kamera geschraubt hat, hat uns dabei nur \u201eminimal\u201c geblendet. Was dem Brautpaar nun von unserem Besuch bleibt? Fotos von Wei\u00dfen im Sari, Fotos von Wei\u00dfen in Salwar Kami und Filmmaterial von Wei\u00dfen die s\u00fcdindisches Abendessen zu sich nehmen und am n\u00e4chsten Tag verschlafen ihr s\u00fcdindisches Fr\u00fchst\u00fcck verspeisen. Wir wissen nun zwar leider immer noch nicht, was bei einer Hinduhochzeit genau passiert, aber eines ist in Indien ja gl\u00fccklicherweise sicher: Die n\u00e4chste Hochzeit kommt bestimmt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>P.S: Euch sind bestimmt schon die <strong>Abstimm-Buttons<\/strong> zu Beginn und Ende meiner Artikel aufgefallen. Tut mir doch den gefallen und stimmt f\u00fcr diesen Artikel und am allerbesten noch f\u00fcr alle anderen bisher erschienen Artikel ab. Mit etwas Gl\u00fcck wird mein Blog dann n\u00e4mlich ausgezeichnet. Ich danke euch :). Bis bald.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Art Volkssport hier in Indien scheint das Ansprechen von hellh\u00e4utigen Menschen wie mir zu sein: Polizisten sprechen mich am Strand an und unterhalten sich mit mir \u00fcber Musik aus den 80ern. 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