{"id":16,"date":"2012-09-18T07:10:14","date_gmt":"2012-09-18T05:10:14","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/annagoestobollywood\/?p=16"},"modified":"2013-11-13T13:36:03","modified_gmt":"2013-11-13T12:36:03","slug":"busfahren-der-ganz-normale-wahnsinn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/annagoestobollywood\/2012\/09\/18\/busfahren-der-ganz-normale-wahnsinn\/","title":{"rendered":"Busfahren &#8211; Der ganz normale Wahnsinn"},"content":{"rendered":"<p>Hallo,<\/p>\n<p>hier bin ich wieder mit meinem neuesten Bericht aus Indien.<\/p>\n<p>Um gleich mal da anzuschlie\u00dfen, wo ich das vergangene Mal aufgeh\u00f6rt habe: Der Sim-Karten-Wahnsinn hat noch lange kein Ende genommen. Nachdem unsere Unterlagen endlich angenommen wurden, hat uns Vodafone eine seiner ber\u00fcchtigten &#8222;Drei-Uhr-nachts-SMS&#8220; geschickt und uns aufgefordert einen ID und Address-Proof vorbeizubringen. Daraufhin haben wir (so zur Abwechslung) einen Ausflug zum VF-Shop gemacht und die SMS dem \u201eMitarbeiter unseres Vertrauens\u201c gezeigt. Der meinte dann: \u201eDon\u2019t worry about this message. I am your proof.\u201c Joaaaah\u2026was soll ich sagen&#8230;die VF-Zentrale wollte das auf alle F\u00e4lle nicht so sehen und hat uns, wieder einmal mitten in der Nacht, mitgeteilt, dass wir schleunigst unsere Nachweise vorbeibringen sollten, weil uns ansonsten die Karte gesperrt w\u00fcrde. Und so wars dann auch. Die Karte ist gesperrt, zumindest f\u00fcr alle ausgehenden Anrufe und SMS. Die vieltausenden Werbe-SMS (meist sogar auf Tamil) erreichen uns trotzdem weiterhin. Nun warten wir also auf die Mietbescheinigung unseres Vermieters und dann wollen wir doch mal sehen, ob VF uns dann gn\u00e4digerweise unsere Karte wieder entsperrt (das soll angeblich innerhalb von einer Stunde m\u00f6glich sein \u2013 wobei, Zeit ist ja sehr dehnbar in Indien).<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich erlebe ich aber auch sehr viele sch\u00f6ne Dinge in Indien, so zum Beispiel die grenzenlose Hilfsbereitschaft der Menschen. Diese ist besonders bei Busfahrten auch bitter n\u00f6tig. Zwar gibt es Busfahrpl\u00e4ne im Internet, doch Abfahrtszeiten sucht man dort vergeblich. Au\u00dferdem gilt bei den angegebenen Haltestellen, \u00e4hnlich wie beim Lotto: Alle Angaben ohne Gew\u00e4hr. So etwas wie Haltestellen gibt es auch nur in seltenen F\u00e4llen. Mit sehr viel Gl\u00fcck gibt es ein Busstop-Schild und mit noch mehr Gl\u00fcck gibt es sogar ein Bush\u00e4uschen auf dem die Busnummer stehen, die dort halten. Mit dem Gl\u00fcck ist es ja aber immer so eine Sache, deshalb h\u00e4lt man sich am besten an die Menschenmassen, die am Stra\u00dfenrand stehen. Dort beginnt dann das Rumgefrage. Dabei ist vor allem wichtig das Stadtviertel zu kennen, in das man m\u00f6chte, damit man erst mal in den richtigen Bus verfrachtet wird. Im Bus kauft man sich dann beim Kontrolleur eine Karte. Wie viel man f\u00fcr eine Fahrkarte zahlt, ist davon abh\u00e4ngig, wie weit man f\u00e4hrt und ob der Bus die T\u00fcren offen l\u00e4sst (zur Rush-Hour h\u00e4ngen die Leute wirklich halb aus den Busses), die T\u00fcren schlie\u00dft oder sogar eine Klimaanlage hat. Alles in allem sind es aber meist nur Cent-Betr\u00e4ge. Im Bus gibt es \u00fcbrigens, ebenso wie in der MRTS (einer Art S-Bahn) eine strikte Trennung zwischen Pl\u00e4tzen f\u00fcr M\u00e4nnern und Frauen und selbst wenn man stehen muss, macht man das auf der M\u00e4nner- bzw. Frauenseite.<\/p>\n<p>Sobald man dann im richtigen Bus ist, sucht man sich am besten jemanden, der einem sagen kann, wann man aussteigen muss. Meist diskutieren dann alle Fahrg\u00e4ste teils auf Englisch, teils auf Tamil miteinander, wo wir am besten aussteigen sollten, um m\u00f6glichst nah zu unserem Zielort zu kommen. Ganz oft gibt es auch jemanden, der an der selben Haltestelle aussteigt und einem Bescheid gibt, wenn die \u201eHaltestelle\u201c gekommen ist. F\u00fcr den ungeschulten Blick ist es n\u00e4mlich, gerade nachts, unm\u00f6glich zu erkennen, wo man sich befindet. Falls es keinen Anschlussbus gibt, geben die Passanten auch gerne Auskunft dar\u00fcber, wie viel man f\u00fcr eine Rikscha maximal zahlen sollte. Das rundum Wohlf\u00fchlpaket also, bei dem man nebenbei noch gut ins Gespr\u00e4ch kommt, weil die Leute immer daran interessiert sind, wo wir herkommen, was wir in Chennai machen und wie lange wir bleiben. Das mag wohl auch daran liegen, dass es kaum Ausl\u00e4nder in Chennai gibt. Wei\u00dfe sind eher die Ausnahme auf den Stra\u00dfen, wenn man einmal von den wenigen touristisch interessanten Pl\u00e4tzen hier absieht.<\/p>\n<p>Seit kurzem lernen Luisa und ich jetzt auch Tamil, die Regionalsprache hier im indischen Bundesstaat Tamil Nadu. Tamil wird \u00fcbrigens auch in Singapur als Amtssprache gesprochen. Das erkl\u00e4rt vielleicht auch das interessante Englisch dort&#8230;zumindest zu einem gewissen Teil. Wir haben einen sehr netten Lehrer, der hier am Goethe Institut Deutsch unterrichtet und uns gerade einen Grundlagenwortschatz f\u00fcr den Alltag beibringt. Ganz einfach ist Tamil nat\u00fcrlich nicht. Aber immerhin k\u00f6nnen wir jetzt \u2013 zumindest theoretisch- uns vorstellen, nach dem Weg fragen und Essen bestellen. Mein m\u00fchsam erarbeitetes spanisches \u201eR\u201c kommt mir dabei aber zu Hilfe, weil man das wirklich h\u00e4ufig braucht. Die sch\u00f6ne Schn\u00f6rkelschrift k\u00f6nnen wir bisher noch nicht, aber damit fangen wir bald an. Wobei nat\u00fcrlich die Frage ist, wie viele der \u00fcber 200 Zeichen ich mir \u00fcberhaupt merken kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das war\u2018s f\u00fcr heute aus dem Land der Gew\u00fcrze, aber ich melde mich bald wieder.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo, hier bin ich wieder mit meinem neuesten Bericht aus Indien. Um gleich mal da anzuschlie\u00dfen, wo ich das vergangene Mal aufgeh\u00f6rt habe: Der Sim-Karten-Wahnsinn hat noch lange kein Ende genommen. Nachdem unsere Unterlagen endlich angenommen wurden, hat uns Vodafone eine seiner ber\u00fcchtigten &#8222;Drei-Uhr-nachts-SMS&#8220; geschickt und uns aufgefordert einen ID und Address-Proof vorbeizubringen. 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