Von Ruinenclimbing und Resteauflauf

Spotted! Meine letzte Woche meines vierwöchigen Olympiaaufenthalts ging zu Ende. Am Wochenende fuhr ich wieder zurück nach Athen. Viel zu schnell ging meine Zeit in Olympia vorüber. Hier aber einige meiner Highlights:

Schon wieder eine Welle Touristen! Alle trotteten sie ihren Reiseleitern hinterher, die Schildchen mit Nummern in die Höhe halten. „Tickets, please!“, rief der Mann an der Pforte zur Archäologischen Stätte. Doch wir, bepackt mit Stativ, Tachy und Karten gingen vorbei an der ganzen Touristengruppe und traten noch vor den Reiseleitern mit einem kurzen „Kalimera!“ einfach durch die Pforte – der Vorteil, wenn man beim DAI arbeitet. Auch über die Absperrung stiegen wir unter den verwunderten Blicken der Touristen hinüber, bis ganz an den Rand des Heiligtums, wo unser neues Projekt auf uns wartete. Grob gesagt wollen wir eine Fotoaufnahme von einer römischen Mauer mit einer Wasserleitung machen. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Zuerst legten wir Punkte an der Mauer fest, die wir mit Nägeln und Zetteln kennzeichneten und später mit dem Tachy eingemessen haben. Und natürlich musste jeder einzelne Punkt eine Nummer bekommen – 1 bis 176 plus minus zwei. Wer meldet sich freiwillig, um die Zettel mit den Nummern zu versehen?? Ich! Einige Zettel waren perfekt am Boden oder Augenhöhe, sodass ich nur den Arm mit dem Edding ausstrecken musste. Aber nicht wenige hingen an Vorsprüngen in drei Metern Höhe, vom Boden schlecht zu erreichen. Was also tun? Naja, die einzige Möglichkeit war auf der Rückseite der Mauer hochzuklettern, um von oben den Zettel zu beschriften. Es ist gar nicht so leicht, sich mit der einen Hand an einem Stein festzuhalten, der hoffentlich nicht locker ist, und die Zahl quasi seiten- und höhenverkehrt zu schreiben, während man sich halb über einen Abgrund lehnt. Das könnte doch ein neuer Sport für Archäologen werden: Ruinenclimbing! Danach mit dem Tachy die Punkte einzumessen und sie auf Papier zu notieren ist dagegen ein Kinderspiel! 

Jeden Abend stellte sich uns eine Frage: Was kochen wir? Zur Auswahl stand Resteauflauf, Reste mit Kartoffeln, Reste mit Nudeln oder Reste mit Reis – schwierige Wahl. Nachdem wir uns entschieden hatten, hieß es Musik ab und Gemüse schnippeln! „Die Tomate sieht nicht mehr ganz frisch aus! Die Flecken sind verdächtig.“ „Ach was, die geht noch!“ Eines Abends fiel unsere Entscheidung auf einen Auflauf, tja wir hatten nicht damit gerechnet, dass wir am Ende fast zwei Stunden in der Küche verbringen. Fast die Hälfte der Zeit starrten wir mit müden Augen vom Vorabend den Ofen an. Naja, was heißt hier Abend, wohl eher Nacht. Es ist wirklich erstaunlich, wie viele Gesprächsthemen in wenigen Stunden abgehandelt werden können: das Archälogiestudium, das Neolithikum und die Neandertaler passen, zumindest zum Teil, nach Olympia, aber weiter ging es mit Indiana Jones, der Evolution des Menschen, Picasso und Höhlenmalerei, der Frage, was eine Stadt und eine Kultur ist, bis hin zu Fischen, der Zubereitung von Fleisch und schließlich dem Amazonas und der Pharmaindustrie. Wahrscheinlich waren es noch viele mehr! Und so saßen wir mit unbegrenztem Weinvorrat auf der Terrasse – das schöne Wetter muss man schließlich ausnutzen! 

Obwohl es Mitte Oktober in Olympia immer noch fast 30 Grad hatte, gab es einige kältere Tage. Ein Nachmittag war sogar kalt genug, dass oben im Kamin das Feuer entfacht wurde. Das Flackern und Knacken des Feuers zusammen mit einem Karamelltee und Schokolade lassen das Abtippen des Keramikinventars gleich in einem ganz anderen Licht erscheinen. Zum Glück konnte ich das noch erleben! Denn beim Joggen zwischen den Olivenbäumen besteht jederzeit die Gefahr, von einem Holzscheitel erschlagen zu werden, der von einem vorbei fahrenden Traktor fällt. Mich hat es glücklicherweise verfehlt, wenn auch nur um einen halben Meter. 

Weniger gefährlich und viel unterhaltsamer war das Grillfest mit allen Bewohnern des Grabungshauses, den Arbeitern und deren Frauen. Vom Grill gab es, wie sollte es auch anders sein, Lammkoteletts und Würstchen und zum Nachtisch leckeren Kuchen. Es wurde noch bis tief in die Nacht hinein geredet, gelacht und im Kreis getanzt. Auch unsere gelegentlichen Restaurantbesuche in Olympia und Umgebung waren gemütlich und lecker, wie mein Abschiedsmousaka am letzen Abend. 

Am nächsten Morgen packten wir unsere Koffer und Rucksäcke in den Van. Aber nicht nur das! Nein, Tachy, Kisten voller Bücher, Ordner und und und  füllte langsam den hinteren Teil des Autos. Nach der stundenlangen Verladeaktion quetschten wir uns zu dritt nach vorne und los ging die Fahrt nach Athen. Schnell merkten wir, dass es besseres als das griechische Radio zu hören gibt, und ich durchforstete die CD-Sammlung im Handschuhfach. CD rein und entlang des Golfs von Korinth. Nach einer halben Stunde: „Wo drückt man hier weiter zum nächsten Lied?“ „Und die CD hat so gut angefangen!“ Nächste CD. „Was ist das?“ Nächste CD, nächste CD. Nirvana, läuft doch! Und nach einigen Stunden Fahrt taucht vor uns die Akropolis auf – wieder zu Hause!

XOXO Amelie

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