{"id":1882,"date":"2014-12-24T11:55:52","date_gmt":"2014-12-24T10:55:52","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/allesclaercheninchina\/?p=1882"},"modified":"2015-11-21T01:50:27","modified_gmt":"2015-11-21T00:50:27","slug":"ein-turbulenter-abschied","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/allesclaercheninchina\/2014\/12\/24\/ein-turbulenter-abschied\/","title":{"rendered":"Ein turbulenter Abschied"},"content":{"rendered":"<h1>Denn erstens kommt es anders&#8230;<br \/>\n&#8230;und zweitens als man denkt.<\/h1>\n<p>Will und ich machten uns also auf dem Weg vom Hostel in Tianyazhen, Sanya, Hainan zum Flughafen&#8230; und siehe da! Es gab eigentlich schon einen Bus zum Flughafen \ud83d\ude00 Auch wenn uns das alle bei der Anreise ausreden wollten. Die Bushaltestelle war aber nicht sonderlich gekennzeichnet, wir hielten nur nach einer Menschengruppe Ausschau, die ohne gr\u00f6\u00dferen erkennbaren Grund herumstanden. So wurden wir denn auch f\u00fcndig. Als der Bus dann kam &#8211; wir waren nat\u00fcrlich die einzigen Ausl\u00e4nder &#8211; war er auch noch proppevoll. Wir hatten genaue Anweisungen, wo wir umsteigen sollten, aber irgendwie wurde Will hibbelig, weil wir praktisch am ganzen Rollfeld des Flughafens schon vorbeigefahren waren, und bestand darauf, bei der n\u00e4chstbesten Gelegenheit auszusteigen und den Rest zu laufen. Tja. Dieser Spaziergang durch die hei\u00dfesten Stunden des Tages, mit all unserem Gep\u00e4ck war dann schlappe 5km lang. Es war doch ein bisschen weiter, als man so anfangs angenommen hatte. Nat\u00fcrlich waren wir auch nicht wirklich auf Fu\u00dfg\u00e4ngerwegen unterwegs, die gibt es ja meistens nicht im \u00dcberfluss in der N\u00e4he eines Flughafens. Mehrmals gab es falschen Alarm, Will sagte gerne immer wieder: &#8222;Oh! Clara! Alles ist gut, ich kann den Flughafen sehen!&#8220; Aber das erste Mal war es nur das VIP Terminal, nicht f\u00fcr Normalsterbliche, und das zweite Mal war es nur der Cargobereich. Wir sprangen \u00fcber Gr\u00e4ben, balancierten auf Mauern und nahe am Notfallstreifen der Landstra\u00dfe&#8230; fragten Parkw\u00e4chter und folgten Tierf\u00e4hrten. Irgendwann hatten wir es endlich geschafft. Wir waren beide an unseren Grenzen. Wie sehr, erfuhr ich jedoch erst, als ich mich im Terminal angekommen erst einmal frischmachen ging. Ich wei\u00df nicht, wer mir da aus dem Spiegel entgegenblickte. Es war irgendein knallrot angelaufenenes Wesen, das eher danach aussah, als ob es jeden Moment explodieren w\u00fcrde. Mit wirrem Haar, v\u00f6llig nassgeschwitzt und schwer atmend. Ich versuchte also zu retten was zu retten war, aber das bewahrte mich nicht davor, noch mehr angestarrt zu werden als sonst. Ich kanns ihnen nicht ver\u00fcbeln, ich h\u00e4tte mir auch Sorgen gemacht, wenn ich mich gesehen h\u00e4tte. Will ging es nicht viel anders; wir wechselten uns ab, um auf unsere Gep\u00e4ckst\u00fccke aufzupassen, w\u00e4hrend der jeweils andere ein bisschen prietscheln (<em>f\u00fcr die Nichtbayern: mit Wasser spielen<\/em>) ging.<\/p>\n<p>Wir deckten uns nach getaner Arbeit mit noch mehr Wasser ein, denn das hatten wir n\u00f6tig. Es waren auch immer noch sechs Stunden bis zu unserem Flug. In der Zeit verzog sich die R\u00f6te auch schleichend und wir sahen wieder aus wie normale Westler. Sofern das m\u00f6glich ist. Mit so viel Zeit lief nat\u00fcrlich alles am Schn\u00fcrchen. Koffer, Check-In, Security&#8230; schon sa\u00dfen wir am Gate. Zun\u00e4chst schien alles gut zu sein. Je n\u00e4her unser Abflug r\u00fcckte, desto mehr verdichteten sich jedoch die Zeichen. Erst hie\u00df es, unser Flug h\u00e4tte ein bisschen Versp\u00e4tung, weil die einfliegende Maschine sp\u00e4t sei. Wir sa\u00dfen um halb 9 Uhr abends immer noch am Gate, da w\u00e4re unser Flug eigentlich gewesen. Es wurde immer sp\u00e4ter, und die Kommunikation war eher mangelhaft. Pl\u00f6tzlich, gegen 10 Uhr abends ging ein Ruck durch die Menge. Das Bodenpersonal am Gate machte eine Durchsage, und die gesamte Gesellschaft, die mehr oder weniger geduldig gewartet hatte, setzte sich in Bewegung. Will und ich schauten uns an und wussten nicht recht, was vor sich ging. Trotzdem folgten wir nat\u00fcrlich brav &#8211; etwas, was man fr\u00fch lernt dort &#8211; &#8230; doch zu unserer Entgeisterung f\u00fchrte die Prozession wieder den ganzen weg zur\u00fcck, durch die Security, und heraus aus dem Terminal &#8211; zu einem Reisebus, der dort auf uns wartete! Also, mir war es neu, dass man eine Insel mit einem Bus verlassen konnte, deswegen fragte ich etwas verwirrt, was das zu bedeuten hatte. Es stellte sich heraus, dass ein Taifun \u00fcber Shanghai eine heutige Landung unm\u00f6glich machen w\u00fcrde, sodass wir bis auf Weiteres in ein Hotel verfrachtet wurden, bis eine gefahrlose Reise durchf\u00fchrbar w\u00e4re. Das w\u00e4re an sich ja nicht weiter schlimm gewesen, ein bisschen \u00e4rgerlich vielleicht, aber nichts, was man entspannt in Kauf nehmen k\u00f6nnte. Allerdings ging mein eigentlicher R\u00fcckflug von Shanghai nach Deutschland genau einen Tag sp\u00e4ter&#8230; mein Koffer war noch relativ ungepackt in Shanghai und da hatte ich nicht wirklich den Luxus eines extra Tages auf der Insel! Es half nichts, wir fuhren mit diesem Reisebus in ein Hotel, das auch nicht gerade nebenan war. Die Hotelrezeption wusste erst nicht recht, was mit uns anzufangen war und schob uns zur Seite, sodass sie sich erst mal um die Landesleute k\u00fcmmern konnten. Sie war aber SO dankbar, dass wir chinesisch sprachen, das kann ich euch sagen. Mit unseren Reisep\u00e4ssen und Registrierung bei der Polizei dauerte unsere Abwicklung tats\u00e4chlich l\u00e4nger, aber irgendwann hatten wir auch unsere Zimmerkarte &#8211; f\u00fcr ein Doppelbett haha \ud83d\ude00 Selbstverst\u00e4ndlich waren unsere Kulturbeutel, Anziehsachen, Shampoos etc. im eingecheckten Koffer, sodass wir eigentlich nichts zur Verf\u00fcgung hatten, um uns nach diesem heftigen Tag wieder wie Menschen zu f\u00fchlen. Naja. Konnte man wieder nichts dran \u00e4ndern. Ich konnte kaum einschlafen, weil ich mir solche Sorgen machte, ob ich meinen R\u00fcckflug noch rechtzeitig erreichen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Um 2h gl\u00fcckte es mir dann endlich &#8211; gerade als unser Telefon schellte: Ja, man d\u00fcrfe jetzt fliegen. Hurra. Holterdipolter also aus dem Hotel, in den Bus, ins Terminal, durch die Security mit extra Boarding Passes und in das Flugzeug hinein. Diesmal klappte alles. Wir landeten um 7h morgens im sch\u00f6nen Shanghai und ich war selten so erleichtert.<\/p>\n<p>Unser Kommilitone hatte uns eigentlich angeboten, in der letzten Nacht bei ihm zu schlafen, und so machten wir uns auf dem Weg zu ihm. Auf seiner Couch g\u00f6nnte ich mir dann dreieinhalb Stunden Schlaf, bevor ich mich auf zu meinem Koffer machte, der bei Juan (von Hatch and C) stand. Der war sehr zuvorkommend und kochte mir Kaffee, w\u00e4hrend ich noch einmal alles aus- und wieder einpackte. Das ging jedoch schneller als bef\u00fcrchtet, und so hatte ich sogar noch Zeit, Geschenke einkaufen zu gehen. Ein letztes Mal lief ich durch mein Shanghai, und sogar an meiner alten Wohnung vorbei, hatte ein letztes Pl\u00e4uschen mit dem Parkw\u00e4chter, der gerne deutsch studiert h\u00e4tte, und war dann in meinem Lieblings-Restaurant um die Ecke. Und wartete. Und wartete. Eine Dreiviertelstunde. Auf meine Freunde f\u00fcr mein Abschiedsessen. Ich wurde mehrmals von den lieben Kellnerinnen angesprochen, und von anderen jungen G\u00e4sten im Restaurant. Aber letztere wollten eher wissen, was ich zu der j\u00fcngsten Leistung der deutschen Mannschaft zu sagen hatte. &#8211; Irgendwann kreuzten Will, Neville und Flo dann auf und wir hatten ein schnelles Abendessen. Dann musste ich meinen Koffer aufgabeln und wurde ein letztes Mal von dem treuen Chauffeur zum Flughafen gefahren, der ja dieses Jahr \u00f6fter mit mir zu tun hatte.<\/p>\n<p>Mein Auslandsjahr in China war zu Ende&#8230; und ich hatte keine Ahnung, wann ich wieder zur\u00fcckkommen w\u00fcrde.<\/p>\n<div id=\"attachment_1884\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/allesclaercheninchina\/files\/2014\/12\/mmexport1417999473170.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1884\" class=\"wp-image-1884 size-large\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/allesclaercheninchina\/files\/2014\/12\/mmexport1417999473170-640x640.jpg\" alt=\"Ausblick - Outlook\" width=\"640\" height=\"640\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/allesclaercheninchina\/files\/2014\/12\/mmexport1417999473170.jpg 640w, https:\/\/kulturweit.blog\/allesclaercheninchina\/files\/2014\/12\/mmexport1417999473170-150x150.jpg 150w, https:\/\/kulturweit.blog\/allesclaercheninchina\/files\/2014\/12\/mmexport1417999473170-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1884\" class=\"wp-caption-text\">Ausblick &#8211; Outlook<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Denn erstens kommt es anders&#8230; &#8230;und zweitens als man denkt. 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