{"id":215,"date":"2014-01-30T16:34:50","date_gmt":"2014-01-30T15:34:50","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/alienaimwunderland\/?p=215"},"modified":"2014-01-30T16:34:50","modified_gmt":"2014-01-30T15:34:50","slug":"ich-denke-nicht-so-oft-an-piroschka-dafuer-umso-mehr-an-das-sziget-festival","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/alienaimwunderland\/2014\/01\/30\/ich-denke-nicht-so-oft-an-piroschka-dafuer-umso-mehr-an-das-sziget-festival\/","title":{"rendered":"Ich denke nicht so oft an Piroschka-daf\u00fcr umso mehr an das Sziget Festival"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=KTqCqrLprsE\">Ich denke oft an Piroschka<\/a>! Mein neuer Lieblingsfilm kommt direkt aus dem Jahr 1955 und war die erste Assoziation diverser \u00e4lterer Verwandter und Bekannter, wenn ich im letzten Sommer von meinem bevorstehenden Ungarnabenteuer berichtete. Bisher hatte ich dieser Perle schnulzig biederer Unterhaltung keine Beachtung geschenkt. Zu Unrecht! Schon in den ersten 15 Minuten wird so gut wie jedes Klischee, dass es \u00fcber Ungarn gibt oder je gegeben hat ausf\u00fchrlichst aufgegriffen. \u00a0So wird der ahnungslose Austauschstudent zu Paprikawurst und selbstgebranntem Schnaps eingeladen und kommt schlie\u00dflich am Bahnhof des\u00a0 \u201eganz miserabligen Nestes \u00a0<a title=\"H\u00f3dmez\u0151v\u00e1s\u00e1rhely\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/H%C3%B3dmez%C5%91v%C3%A1s%C3%A1rhely\">H\u00f3dmez\u0151v\u00e1s\u00e1rhelykutasipuszta<\/a>\u201c an. Und zwar nur 20 Minuten zu sp\u00e4t. Nach ungarischen Ma\u00dfst\u00e4ben also mehr als \u00fcberp\u00fcnktlich.<\/p>\n<p>Die Preisfrage lautet nun: Welches dieser Klischees hat sich nach meiner inzwischen fast halbj\u00e4hrigen Studie des Landes von Paprika&amp; Puszta als gro\u00dfer Humbug herausgestellt ? Der Selbstgebrannte Schnaps, die furchtbar langen W\u00f6rter oder die Versp\u00e4tung der Bahn? \u00a01,2 oder 3? Ob ihr wirklich richtig steht seht ihr wenn das Licht angeht. Oder um in meine Realit\u00e4t zur\u00fcckzukommen, wenn der Bus\/Zug wegf\u00e4hrt. Mal wieder drei\u00a0 Minuten zu fr\u00fch. Wie mehrmals die Woche. Das Verkehrssystem hier ist n\u00e4mlich nicht immer zu sp\u00e4t, wie Piroschka suggeriert\u2026sondern \u00a0einfach eher leicht willk\u00fcrlich.<\/p>\n<p>Lange Vorrede, doch diese Beobachtung hat sich wieder einmal best\u00e4tigt. Wie seit Tagen, nein Wochen, vorgenommen, wollte ich letzten Freitagabend einen kurzen Abstecher nach Kom\u00e1rno machen, um Lukas endlich mal zur\u00fcckzubesuchen, nachdem er schon viermal hier Rapstammtisch Sticker im Fahrstuhl zur\u00fcckgelassen hat. Kom\u00e1rno liegt nur eine gute Stunde von \u00a0Budapest entfernt, immerhin war es ja mal bis vor gar nicht allzu langer Zeit in einem unbekannten Land wie heute (Slowakei), sondern Teil Ungarns. Eigentlich war ja fr\u00fcher so gut wie alle was die Sonne ber\u00fchrt Ungarn. Oke, vielleicht nicht ganz so viel, aber einfach verdammt viel. So viel, dass der Verlust von 2\/3 des Gebietes \u00a0an die Nachbarstaaten, durch den Vertrag von Trianon 1918, auch heute noch Grund f\u00fcr kollektiven Herzschmerz eines ganzen Volkes und Teil politischer Rhetorik ist. Also. Auf nach Kom\u00e1rno! P\u00fcnktlich trudelte ich am Bahnsteig 9 \u00be..quatsch, is ja albern, Bahnsteig 12 ein und stieg in den Zug. Irgendwie wiedermal 3 Minuten zu fr\u00fch fuhr der ultramoderne Zug \u00a0los. Irgendwie kam mir das alles schon bisschen komisch vor, Wi-Fi? Kein Ausrangierter DB Zug ? Das seltsame Bauchgef\u00fchl l\u00f6ste sich, als der Schaffner mir, die zuerst \u00a0nur Bahnhof (wortw\u00f6rtlich, der Mann wiederholte \u00a0das ungarische Wort f\u00fcr Bahnhof), erkl\u00e4rte, ich sei im falschen Zug und m\u00fcsste hier ausstiegen. Tja, da stand ich dann eben an einem verlassenen Vorvorvorort Bahnhof irgendwo im Nirgendwo. Immerhin war da noch ein Hund der mir Gesellschaft leistete. Nachdem dann ein der n\u00e4chste Zug irgendwo noch an mir vorbeigefahren war, startete ich eine wilde f\u00fcnfzigmin\u00fctige \u00a0Odyssee mit dem Bus zur \u00e4u\u00dfersten Metro und mit der M2 zur\u00fcck zum Keleti Bahnhof\u2026wo ich den letzten Zug nach Kom\u00e1rno dann um 2 Minuten verpasst hatte. Hm. Fr\u00fcher h\u00e4tt ich vermutlich geweint, inzwischen hat die ungarische Fertigkeit sowas abzutun (wenn eben oft Dinge nicht funktionieren, muss man sich arrangieren) abgef\u00e4rbt und ich fragte einfach mal einen Herrn in obligatorischer Jogginghose, ob er eine Ahnung habe wie ich nach K. kommen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Hatte er nicht. Eigentlich telefonierte er auch gerade am Handy, als ich ihn von der Seite anquatschte.\u00a0 Doch statt mich einfach abzuwimmeln, legte er auf.\u00a0 Und fragte f\u00fcr mich den Schaffner, den Gleisvorsteher, die Ticketfrau und das Informationsb\u00fcro. Auf den Laufwegen dazwischen, \u00fcber den ganzen Bahnhof, erz\u00e4hlte er mir noch schnell seine Lebensgeschichte, wo er so perfekt deutsch gelernt hatte und entschuldigte sich noch 45-mal f\u00fcr Ungarn. Es w\u00fcrde ja immer alles schief gehen. \u00a0Sehr gl\u00fccklich war er allerdings, als ich hingegen erz\u00e4hlte wie sehr es mir hier gef\u00e4llt. Ich glaube ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viele bem\u00fchte, nette Menschen getroffen wie in den letzten 5 Monaten. Eine gute \u00a0Frage in dem Kontext ist, wie man das deutsche Wort Ellenbogengesellschaft wohl in andere Sprachen \u00fcbersetzt.<\/p>\n<p>Trotzdem kam ich an diesem Abend nicht mehr in Kom\u00e1rno an. Daf\u00fcr am Samstagabend, in klirrender K\u00e4lte. Nach einer Suppe zum Aufw\u00e4rmen und nachdem ich kaum angekommen, schon das Mobiliar zerst\u00f6rt hatte, zeigte mir Lukas das sch\u00f6nste Geb\u00e4ude der Stadt, seinen Block, das Denkmal f\u00fcr die Unterdr\u00fcckung der Ungarn in der Slowakei \u00a0(herzallerliebst) und die Trend Bars der Stadt. Keine Ruinenbars, aber trotzdem spa\u00dfig. In Budapest k\u00f6nnte man nicht einfach kurz aus der Bar ohne zu bezahlen, um sich schnell einen D\u00f6ner zu holen (leider zu viel K\u00e4se). Und Weinschorle f\u00fcr 90 Cent ist im VII Bezirk auch eher selten anzutreffen. \u00a0Au\u00dferdem kann man \u00fcber viele Br\u00fccken gehen (7 :D), aber dabei nicht in ein anderes Land laufen. Oh! Das Beste \u00fcberhaupt war aber das hervorstechende Accessoire in L.s Eingangsbereich. Keine geh\u00e4kelten Deckchen oder Landschaftskalender hat der nette Vermieter dort gelassen, nein: Eine riesige Gro\u00dfungarnkarte. Mit den Grenzen von vor 1918, so wie sie der aufmerksame Beobachter in Budapest sie auch oft als Sticker an Autos oder am Revers von alten Ladies finden kann.<\/p>\n<p>Sonntags machte ich mich dann auch schon wieder zur\u00fcck in die Hauptstadt, sah auf dem Weg noch Tata und angeblich die Ausl\u00e4ufer der Karpaten. Ach und weil mir jetzt kein sch\u00f6ner Abschluss einf\u00e4llt, nochmal auf den Titel, ich denke nicht so oft an Piroschka. Mehr an Sachen die um mich rum passieren und an das <a href=\"http:\/\/szigetfest.de\/\">Sziget Festival<\/a>. Bestes Festival Europas. Sieben Tage auf einer Insel in der Donau im August. Bastille spielt quasi direkt vor meiner Haust\u00fcr. Oder wo meine Haust\u00fcr mal gewesen ist, im August bin ich schon lang wieder in Deutschland und sogar von meiner n\u00e4chsten Reise ans andere Ende der Welt zur\u00fcck.\u00a0 Immerhin ist inzwischen mein letzter Monat in Ungarn angebrochen. Was oke ist, so hab ich mich ja entschieden.\u00a0 Aber trotzdem im August denke ich trotzdem bestimmt viel an die Party auf dem Sziget mit Bastille, das Szimpla, meine Stadt und vielleicht sogar ein bisschen an Piroschka.<\/p>\n<p>Neue Rubrik: Was-ich-noch-so-gemacht-hab-aber-nicht-so-toll-verpacken-konnte: (WINSGHANSTVK)<\/p>\n<p>-Nationalgalerie in Buda ( Sehenswert eigentlich vor allem wegen dem scheu\u00dflich gro\u00dffl\u00e4chigem sozialistischen Innern im Kontrast zur Burgfassade)<\/p>\n<p>-Nationalmuseum in Pest\u00a0 (War aber irgendwie halb in Renovierung)<\/p>\n<p>-Ludwig Museum (Sehr cool, jedenfalls wenn man moderne Kunst mag, interessant auch, dass neben Roy Lichtenstein, Andy Warhol oder Picasso auch immer Gegenst\u00fccke sozialistischer K\u00fcnstler ausgestellt waren)<\/p>\n<p>-Stadtspazierg\u00e4nge, wie in meinem ersten Monat<\/p>\n<p>-Mein Lieblingsmini Indisches Restaurant \u00a0wieder besucht<\/p>\n<p>-Georgisches Essen gegessen. Ohne Gabel! So wie es sein muss<\/p>\n<p>-Eine Ruinenbar in Buda gefunden! Das ich sowas noch erleben darf!<\/p>\n<p>-Im Palast der K\u00fcnste ( M\u0171Pa) mit 20 Erstkl\u00e4sslern musiziert<\/p>\n<p>-Kaffee f\u00fcr mich entdeckt und den besten der Stadt wiedergefunden (Fekete K\u00e1v\u00e9 am Astoria)<\/p>\n<p>-Gef\u00fchlte 100000 Zeugnisse gestempelt und abgeheftet<\/p>\n<p>-Denn ersten richtigen Schnee in der Stadt erlebt \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Und hier noch ein\u00a0 Bild von Ungarn fr\u00fcher und heute, mehr Bilder gibt es leider nicht so ohne Kamera \ud83d\ude41<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/alienaimwunderland\/files\/2014\/01\/DSC03063.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-216\" alt=\"DSC03063\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/alienaimwunderland\/files\/2014\/01\/DSC03063-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/alienaimwunderland\/files\/2014\/01\/DSC03063-300x199.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/alienaimwunderland\/files\/2014\/01\/DSC03063.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich denke oft an Piroschka! 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