{"id":456,"date":"2015-10-05T10:41:15","date_gmt":"2015-10-05T08:41:15","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/africtions\/?p=456"},"modified":"2015-10-05T18:32:43","modified_gmt":"2015-10-05T16:32:43","slug":"all-good-things-come-to-an-end-oder-das-letzte-kapitel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/africtions\/2015\/10\/05\/all-good-things-come-to-an-end-oder-das-letzte-kapitel\/","title":{"rendered":"All good things come to an end oder: das letzte Kapitel"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><em>Mittlerweile bin ich schon seit geraumer Zeit wieder in Deutschland, inzwischen sogar in meiner wunderbaren WG in Bremen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Trotzdem m\u00f6chte ich meinen letzten Senf loswerden, um diesem Auslandsblog die abschlie\u00dfende Note zu geben. Der Text entstand am 25. August auf meinem R\u00fcckflug von Windhoek nach Frankfurt.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify\">Es ist 06:15 Uhr (03:15 Uhr namibische Zeit) und ich sitze hammer verwirrt und verschlafen im McDonalds an einem der pomp\u00f6sesten und luxuri\u00f6sesten Flugh\u00e4fen der Welt: DUBAI!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Und w\u00e4hrend neben mir die orangene Sonne \u00fcber den Wolkenkratzern Dubais aufgeht, realisiere ich, dass ich nicht mehr in Namibia bin. Ich bin nicht nur \u00fcberfordert von meinem Biorhythmus, der sich durch qu\u00e4lende M\u00fcdigkeit bemerkbar macht. Auch die Temperatur macht mir zu schaffen: 38 Grad Au\u00dfentemperatur. Der Flughafen ist \u00fcberf\u00fcllt mit gestressten, besch\u00e4ftig und wichtig aussehenden Reisenden. Er im Armani-Anzug, sie mit Gucci-Handt\u00e4schchen. Es riecht nach penetrantem Luxus. Turbokapitalismus der feinsten Sorte; an jeder Ecke soll Mann bzw. Frau ein Souvenir, ein Parfum, oder doch die Magnum-Schampusflasche kaufen. Es glitzert und blinkt an jeder Ecke, von den Palmen in der gro\u00dfen Shopping-Halle h\u00e4ngen bunte Lichterketten. Ich bin neben der Spur und erlebe das alles wie in einem Film, in dem ich nicht mitspiele. Ich will zur\u00fcck in mein friedliches Windhoek.<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die letzten Tage vergingen viel zu schnell. Wochen war ich damit besch\u00e4ftigt, hektisch die Kalender-App meines Handys zu \u00f6ffnen um die Tage akribisch zu planen. Jedes mal endete diese Planung in einem panischen Abz\u00e4hlen der verbliebenen Tage. Es sollte die perfekte letzte Zeit werden, ich wollte nichts verpassen (wie hei\u00dft es so sch\u00f6n: <em>Life is what happens while your busy making other plans.<\/em>). FOMOS haben\u00b4s eben nicht leicht im Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Und pl\u00f6tzlich habe ich alles<strong> zum letzten Mal<\/strong> gemacht: Zum letzten mal zum Goethe Center gelaufen, um m\u00fchsam gelernte Oshivambo-Vokabeln zu stumpfen S\u00e4tzen zusammen zu basteln. Zum letzten Mal in meinen Lieblingslokalit\u00e4ten Jojos und Chobsys ein Windhoek Draught getrunken, zum letzten mal mit meinen Freunden beim Braai abgetanzt, zum letzten mal mit dem Taxifahrer \u00fcber das Leben in Namibia sinniert (den aller letzten Heiratsantrag l\u00e4chelnd abgelehnt). Zum letzten Mal die fettigen Finger nach einem ausgiebigen Kapana \u2013 und Fatcakeessen abgeschleckt. Und last but not least: zum letzten Mal das prachtvolle Farbenspiel des namibischen Sonnenuntergang hinter unserem Haus genossen. Es ist sonderbar. Ich habe diese ganzen letzten Male so intensiv und bewusst wahrgenommen wie die ersten Male damals im M\u00e4rz. Wie sch\u00fcchtern und \u00fcberfordert ich doch oft war.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify\">Jetzt ist es also so weit, meine Zeit in Namibia ist vorbei. Die Abschiede von Mensch, Tier und Natur in den vergangenen Tagen waren kr\u00e4ftezehrend und tr\u00e4nenreich. Ich war emotional oft tief zerrissen, habe mich gefreut auf Familie und Freunde zu Hause. Auf mein neues altes Studentenleben in Bremen, auf die vielen tollen Reisen, die auch in Deutschland und in Europa auf mich warten. Habe mich wie ein kleines Kind auf vegetarische, abwechslungsreiche Kost gefreut. Mir schon bildlich ausgemalt, wie ich zum ersten Mal Falafel bei meinem Lieblingsd\u00f6nermenschen verzehre. Oder auf meinem geliebten alten Fahrrad an der Weser entlang fahre. Ich freue mich auf meine wiedergewonnene Freiheit. Sich im Dunkeln alleine auf der Stra\u00dfe bewegen zu k\u00f6nnen, nicht mehr in st\u00e4ndiger Vorsicht den Alltag bestreiten zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Aber in erster Linie war ich traurig \u00fcber die Trennung von diesem wundersch\u00f6nen Land und den vielen Freunden und Bekanntschaften, die ich gemacht habe. Mein Herz wurde mit den fortschreitenden Tagen f\u00fchlbar schwerer, mit denen mein Abflug in bedrohliche N\u00e4he r\u00fcckte. Ich kenne solche finalen Abschiede und wei\u00df, dass sie jedes Mal schmerzen (und nein, ich \u00fcbertreibe nicht. Schmerz ist hier nicht nur metaphorisch gemeint.)! Ich gew\u00f6hne mich nicht daran und vielleicht m\u00f6chte ich das auch garnicht. Denn: jeder Abschied ist individuell und wichtig f\u00fcr mich (ich kenne Freunde, die vermeiden Abschiede, ich hingegen brauche sie, um mit etwas abschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Es f\u00fchlt sich sonst unvollendet an.) Ich bin traurig dar\u00fcber, dass ein spannender, abwechslungsreicher und intensiver Lebensabschnitt vorbei geht. Dass ich Freunde und eine neue Heimat zur\u00fcck lassen muss. Dass ich wei\u00df, dass ich so schnell mein Leben dort nicht mehr haben werde, daf\u00fcr ist die Distanz einfach zu gro\u00df und das Studentenportemonnaie zu leer.<\/p>\n<div id=\"attachment_457\" style=\"width: 979px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/africtions\/files\/2015\/10\/Untitled.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-457\" class=\"wp-image-457 size-full\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/africtions\/files\/2015\/10\/Untitled.png\" alt=\"Untitled\" width=\"969\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/africtions\/files\/2015\/10\/Untitled.png 969w, https:\/\/kulturweit.blog\/africtions\/files\/2015\/10\/Untitled-300x201.png 300w\" sizes=\"(max-width: 969px) 100vw, 969px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-457\" class=\"wp-caption-text\">166 Stunden w\u00e4re ich mit dem Auto bei einer Strecke von knapp 12.000 km von Bremen nach Windhoek unterwegs.<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Was bleibt?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Viele, unz\u00e4hlige, kostbare Erinnerungen an diese 5 Monate. Pure Gl\u00fccksmomente, in denen ich vor Gl\u00fcck schreien wollte. Wo Gl\u00fcck und tiefe Zufriedenheit ihren H\u00f6hepunkt erreichten. Jene Momente m\u00f6chte ich gerne in ein Marmeladenglas packen. Ich werde mein bestes geben, um sie so gut wie m\u00f6glich zu konservieren, auch wenn ich eigentlich wei\u00df, dass die voranschreitende Zeit mein allergr\u00f6\u00dfter Feind sein wird (Schon jetzt sind einige Erinnerungen an meinen USA- Aufenthalt von 2010 verblasst; vielleicht bin ich deshalb so gl\u00fccklich dar\u00fcber, traurig zu sein: jetzt noch sp\u00fcre ich den Abschiedsschmerz, habe die Melodie meiner namibischen Lieblingslieder im Ohr und den w\u00fcrzig-ger\u00e4ucherten Geruch vom k\u00f6stlichen Kapanafleisch in der Nase).<\/p>\n<p>Letzten Endes kann ich mich also einfach nur gl\u00fccklich sch\u00e4tzen, dass ich diese Erfahrung machen durfte. So weit weg von zu Hause eine neue Heimat zu finden, die Gewissheit zu haben, dass man \u00fcberall auf der Welt unglaubliche Menschen trifft, die einem ans Herz wachsen. Vielleicht auch ein wenig stolz darauf zu sein, dass man so weit weg von der beheimateten und vertrauten westlich-europ\u00e4ischen Kultur eine neue Nische des Gl\u00fccks gefunden hat. Dass man trotz einiger Stolpersteine, Hindernissen und Entt\u00e4uschungen nie den Mut verloren hat. Dass man vielleicht ein bisschen reifer (ich mag diese schwammige Bezeichnung garnicht, leider f\u00e4llt mir gerade keine Alternative ein) geworden ist, und ein bisschen zufriedener und selbstbewusster.<\/p>\n<p>So bleibt nicht nur ein St\u00fcck von mir in Namibia, ich nehme auch ein Teil davon mit nach Hause. Und ich freue mich darauf, zuhause meinen Freunden und Familie von diesem tollen Land und seinen Menschen zu berichten!<\/p>\n<p><strong><em>Und jetzt?<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich m\u00f6chte an alle jungen Menschen da drau\u00dfen pl\u00e4dieren, auch in die Welt zu ziehen. \u00dcber seinen eigenen Schatten zu springen, und viele neue Erfahrungen machen. Man begegnet nicht nur unglaubliche Menschen, sondern lernt auch viel \u00fcber sich selber. <em>Also LOS.<\/em> Bewerben geht fix unter\u00a0<a href=\"http:\/\/www.kulturweit.de\/de\/bewerbung.html\">http:\/\/www.kulturweit.de\/de\/bewerbung.html<\/a><\/p>\n<p><strong>Es LOHNT sich!<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein letztes mal:<\/p>\n<p><strong>Eure Sophia<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/africtions\/files\/2015\/10\/photo-copy-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-459\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/africtions\/files\/2015\/10\/photo-copy-2.jpg\" alt=\"photo copy 2\" width=\"571\" height=\"765\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/africtions\/files\/2015\/10\/photo-copy-2.jpg 571w, https:\/\/kulturweit.blog\/africtions\/files\/2015\/10\/photo-copy-2-300x402.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 571px) 100vw, 571px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mittlerweile bin ich schon seit geraumer Zeit wieder in Deutschland, inzwischen sogar in meiner wunderbaren WG in Bremen. 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