19.02. – Gedankenchaos

Dieses Datum hat sich in mein Gehirn eingebrannt.
Nicht nur, weil es der Dienstag vor meiner Vorabiklausur in Geschichte war.
Und auch nicht nur weil ich bis zu diesem Tag es nicht wirklich hinbekommen hatte, mich auf den zu lernenden Stoff zu konzentieren.
Sondern auch, weil heute vor einem Jahr, am 19.02.2019 mein Auswahl-/Kennlerngespräch (wie auch immer man es nennen will) in Bonn war.
Ein komisches Gefühl. Es werden noch weitere Daten kommen – aber die haben eher mit den letzten paar Tagen/Wochen Schule zu tun.

Wir sind mit einem Leihwagen nach Bonn gefahren (meine Eltern wollten mir nicht noch die Deutsche Bahn antun – und das war wohl auch die richtige Entscheidung und mein Vater hatte bei der letzten längeren Fahrt etwas bemerkt, was er lieber erst einmal checken lassen wollte).
Bin nach der vierten Stunde nach Hause gerast, umgezogen, in Deo geduscht, Essen runtergwürgt, noch gefühlte zehntausend Mal kontrolliert ob ich auch ja alles dabei hatte und dann haben wir meine Schwester von der Schule abgeholt und los ging’s.
Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie nervös ich war und als die Autobahn dann ab und zu etwas voller war, lagen meine Nerven absolut blank. Wir sind früh genug angekommen, ich bin also reingegangen, angemeldet, mit ein paar Alumni etwas geredet; für richtige Fragen war ich viel zu angespannt.
Dann zu den anderen Wartenden gesellt, eine (die auch genommen wurde) gefunden, die aus Bielefeld kam und mit der Bahn gefahren ist (und schon so gegen 9 Uhr aufgebrochen ist …) und dann wurden alle aufgerufen – bis nur noch drei andere und ich übrig waren. Super.
Dumme Witze gerissen, ob man uns denn vergessen hätte und eine Alumna war so nett, uns aufzuklären, dass die „Jury“ (also die beiden, die uns interviewt haben) noch etwas Zeit für die Besprechung der Gruppe vor uns brauchen würden.

Als wir dann aufgerufen wurden, dachte ich, es würde losgehen – aber stattdessen durften wir noch einmal vor der Tür warten. Dass meine Nerven zu diesem Zeitpunkt mehr als nur blank lagen und ich es doch einfach nur hinter mir haben wollte, machte die ganze Warterei nicht einfacher.

Irgendwann durften wir dann rein und ich erinnere mich nur noch an Bruchstücke. Wie beeindruckt wie ich von dem einem Mädchen war, das sehr viel für die Schule selber organisiert hatte und daneben kam ich mir mit meiner Jugendarbeit in der Kirche (und noch mehr Jugendarbeit in der Schule) doch sehr dämlich vor. Auch die anderen beide hatten (meiner Meinung nach) viel mehr anzubieten als ich mit Jugendarbeit, Jugendarbeit und you guessed it – Jugendarbeit. Fotos gezeigt, Liste der Regionen noch einmal kontrolliert (ich wusste absolut nicht mehr, was ich wo hingesetzt hatte …) und versucht, mich nicht von den anderen und ihren Antworten verrückt machen zu lassen.

Rausgegangen. Erleichterung. Aber auch Zweifel, denn gerade neben diesem einen Mädchen fühlte ich mich extremst ungeeignet (irgendwer hat das anscheinend anders gesehen :D). Noch kurz mit den anderen geredet, gehört, wie es bei ihnen lief. Dann Mama in den Arm gefallen. Im Auto die Absage eines anderen Freiwilligendienstes gelesen. Lecker essen gegangen. Dann zurück nach Hause und noch schnell unseren Wagen zur Werkstatt fahren.

Ich wollte eigentlich nur die Absage endlich haben, damit ich mich um Studium und so weiter kümmern könnte. Aber dann kam die Mail mit dem Platzangebot – aber die Story kommt dann im April.

Es wirkt so surreal, dass das erst (oder schon?) ein Jahr her ist.
Heute vor einem Jahr in Bonn – heute in Sofia für das Aufbauseminar von Jugend Debattiert International, damit ich dann auch schön in der Jury sitzen darf.

In diesem Jahr ist so unglaublich viel passiert – Mottowoche, Abitur, Abiball, Vorbereitung für Burgas, Vorbereitungsseminar, Ankommen in Burgas, meine erste eigene Wohnung und was das alles so mit sich bringt, habe eine bulgarische Aufenthaltsgenehmigung (für 5 Jahre!!) und eine elektronische Busfahrkarte, Fahrten nach Sofia, Plovdiv, Bucharest, Veliko Tarnovo, Athen, Sibiu, Timisoara, Stara Zagora, Varna (in absolut nicht chronologischer Reihnfolge), der Botschaftsempfang, DSD-/JDI Basis- und jetzt das Aufbauseminar, das Zwischenseminar in Rumänien (mit abenteuerlicher Hin- und Rückfahrt), Abenteuer Bahn/Nachtzug/Bus, Besuch von Jana in (bald nicht mehr) Tirana, Weihnachten in Bucharest, Besuch meiner Familie (und noch einmal von Papa), 127 DSD Aufsichten, keine Ahnung wie viele Stunden im Café am Strand, tolle Abende mit tollen Menschen, Weihnachtsmärktetour in Bulgarien und Rumänien, selber Wasser und Strom zahlen, tolle Schüler*innen kennengelernt, mit Kira (der Freiwilligen aus Ecuador) über 6 Stunden am Stück geskypt (hehe), nette Abende mit der französischen Freiwilligen, so langsam ein Gefühl des Ankommens, ab morgen dann auch offiziell dazu berechtigt, eine JDI Debatte zu jurieren, und das Glück, ganz viele tolle Menschen kennengelernt zu werden (@ beide Homezones, Kira, … <3).

Und auch, wenn ich heute vor einem Jahr absolut nicht damit gerechnet hatte, irgendwo auf dem Balkan – besser gesagt in Burgas, an der bulgarischen südlichen Schwarzmeerküste – zu landen und wer auch immer das beschlossen hat: es ist doch gar nicht mal so verkehrt hier. Und so langsam merke ich, dass ich Burgas doch schon deutlich mehr in mein Herz geschlossen habe, als ich eigentlich zugeben kann/will/möchte.
Es ist zwar noch immer etwas komisch, dass die ersten jetzt wieder zuhause sind und ich noch etwas über 6 Monate vor mir habe – aber jetzt geht es hier doch irgendwie erst so richtig los, mit dem Theaterwettbewerb, Jugend Debattiert International und vielleicht noch dem Vorlesewettbewerb für die 8. Klassen!

Wie es so schön auf den Bussen steht: Аз обичам Бургас. (Ich liebe Burgas/ „Az obitscham Burgas“)

[Es ist hier 0:10, aber in Deutschland ist es noch der 19.02. – passt also schon irgendwie :)]

“Also ich habe frei bis zum 11.12. – Bock auf nen Besuch?“

So fing die Planung des spontanen Besuchs von Jana in Tirana (sorry, ich kann’s mir mittlerweile einfach echt nicht mehr verkneifen, sie immer so zu nennen :D) am Dienstag an – Freitag Abend sollte ich sie dann endlich wieder umarmen können.

Aufgrund des Erdbebens hatte ihre Chefin sie bis einschließlich Dienstag freigestellt und anscheinend hatten wir etwas zu oft darüber gewitzelt, dass einer von uns beiden ja mal quasi den Balkan überqueren könnte um den anderen besuchen – denn dann bekam ich diese Nachricht. Zuerst war ich mir ehrlich gesagt nicht zu 100% sicher, ob sie das ernst meinte, immerhin war das schon eine ordentliche Reise, um hier in Burgas vielleicht 2 Tage mit mir verbringen zu können .

Aber sie meinte es ernst, und zwar sowas von. Mittwoch Morgen brach sie in Tirana auf und setzte sich Freitag Mittag in Sofia in den Zug in Richtung Burgas.
(Kleiner Fun Fact am Rande: Der heilige Sankt Niklaus ist anscheinend so eine Art Schutzpatron für die Stadt, weshalb (zumindest die Schüler*innen und Leher*innen und die Freiwilligen) in Burgas am 6.12. keine Schule haben, am 5.12. für euch herausgefunden!)

Gegen 20 Uhr Abends holte ich sie dann von meinem geliebten Kopfbahnhof in Burgas ab, wir fuhren nach Meden Rudnik und hielten auf dem Weg zu meiner Wohnung noch bei Lidl, wo wir noch das nötigste kauften (also Eier, Wein, Käse, Paprika usw., das was man halt so braucht). Dann ließ ich sie ankommen, wir machten uns Spaghetti, tranken Wein und quatschten, bis wir (also zumindest ich, mein Wecker hatte immerhin um 6 geklingelt) irgendwan nach 1 Uhr morgens ins Bett fielen.

Am Samstag verbrachten wir einen gemütlichen Vormittag in der Wohnung, machten uns dann auf den Weg zur Mall, gönnten uns was bei Starbucks und liefen zurück ins Zentrum und weiter zum Strand. Dort entdeckte ich durch Zufall das Café, von dem der deutsche Kollege schon erzählt hatte und so setzten wir uns rein, ich gönnte mir einen weißen Frappé und wir quatschten. Anschließend ging es zurück in die Stadt, in ein Restaurant, das ich mit der französischen Freiwilligen entdeckt hatte (und das als einziges, welches ich bislang gefunden habe, auch an Nicht-Fleischesser und Nicht-Fischesser so wirklich denkt) – Incanto. Da wir eher nachmittags, so gegen 16/17 Uhr da waren, bekamen wir unser Essen auch recht schnell und den Nachtisch, einen veganen Schokokuchen, teilten wir uns.
15€ für Pizza, 1l Wasser, Minz-Limonda, veganes Chilli und veganen Schokokuchen ist für Janas Verhältnisse zwar schon recht viel, aber wir waren uns einig, dass es im Vergleich zu Deutschland noch immer wirklich billig war.
Wieder machten wir einen Zwischenstopp bei Lidl und kauften alles für Plätzchen und was uns noch so einfiel ein – und so kam es dann zu einer nächtlichen Weihnachtsbäckerei mit passender Musik. Jetzt alle: in der Weihnachtsbäcker gibt’s so manche Leckerei … J
Im Endeffekt haben wir glaube ich 4 (oder 5?) Blecke Kekse gebacken, wobei das schon die Hälfte des regulären Rezepts war. Ich weiß nicht mehr, wann wir ins Bett gegangen sind, aber es war wieder definitiv nach Mitternacht …

Am Sonntag blieben wir in der Wohnung, dekorierten die Plätzchen, führten die Weihnachtslieder-Session weiter und versuchte

n uns am Lebkuchen-Haus, was aber irgendwie nicht ganz so erfolgreich war.

Viel zu schnell war die Zeit gekommen, dass sie wieder ihre Sachen packen musste und wir uns auf den Weg in Richtung Treffpunkt machen musste, wo sie von einem Typen von blablacar mitgenommen werden sollte. Da dieser kein mobiles Internet hatte, hatte sie ihm schon davor den Kaufland, an dem wir uns treffen wollten, als Google Maps Link geschickt – aber es überraschte mich nicht wirklich, als sie ein Foto und Standpunkt vom anderen Kaufland in Burgas City bekam. Also warteten wir und redeten wieder über Gott und die Welt, ob ich denn nun verkürzen würde oder doch das ganze Jahr versuchen wollen würde usw usw.

Irgendwann tauchte der Fahrer mitsamt Frau auf, ich machte sicherheitshalber Fotos vom Kennzeichen sowie von beiden und sah dem Auto sehr lange hinterher.

Heute sitze ich wie letzte Woche mit Jana in dem Café am Stand, dieses Mal auf der anderen Seite des Tisches mit Ausblick auf das Meer. Und die letzte Woche war, trotz der gefühlt ewig andauernden DSD Prüfung und dem ein oder anderen Drama, auf das ich durchaus hätte verzichten können, gar nicht mal so schlecht. Ich habe den Backofen seit letzer Woche öfter benutzt als davor insgesamt und auch wenn dank der heutigen 16 Grad (ich habe in Jeansjacke und Kaputzenjacke geschwitzt wie sonst was, ufffff) es mir noch immer sehr schwer fällt, wirklich zu glauben, dass in 10 Tagen Weihnachten und in 17 Tagen mein 20. Geburtstag ist – letztes Wochenende habe ich es glauben können.

Ich glaube, die Gemeinschaft, die wir Freiwilligen haben, ist nicht zwingend selbstverständlich. Die französische Freiwillige wollte mir nicht glauben, dass es eine deutsche Freiwillige in Ecuador gibt und wir es trotz der verdammten Zeitverschiebung schaffen, ab und zu auch mal zu skypen oder den anderen zumindest grob auf den laufenden zu halten (wir können’s halt, Kira <3)– und als ich den Besuch von Jana erwähnte, hätte ich schwören können, dass sie mich doch etwas sehr neidisch angesehen hat.
Dass Anfang Februar schon wieder Freiwilligenbesuch, dieses Mal aber aus Serbien, kommt, habe ich ihr dann lieber nicht gesagt (und erst recht nicht, dass im Januar und März Freunde aus Deutschland vorbeikommen, höhö).
Und auch auf dem Zwischenseminar habe ich wieder gemerkt, wie gut dieser Austausch doch klappt – ich tausche mich mit Menschen aus, mit denen ich im alltäglichen Leben in Deutschland wenn überhaupt Smalltallk betrieben hätte.
Lots of love an euch, Leude. <3

(Credits an die Fotos vom Sonnenuntergang, vom legga Essen und unseren fancy Plätzchen gehen an Jana, btw).

In Sofia ohne Sofia 1/? – oder: der Botschaftsempfang

Um diesen Titel zu erklären: meine Schwester heißt Sofia und dementsprechend haben wir schon gewitzelt, dass sie unbedingt mal nach Sofia muss – quasi in „ihre“ Stadt. Als ich also letzten Dienstag netterweise von dem deutschen Lehrer mitgenommen wurde und das Ortsschild saß, hatte ich für einen kurzen Moment unglaubliches Heimweh. Denn ich war nun in Sofia – ohne meine Schwester.

Nach circa 2 1/2 Stunden Fahrt und noch etwas Stadtverkehr und etwas Verwirrung, wo genau die Freiwillige, bei der ich übernachten würde, nun wohnen würde und sie mich vor der deutschen Botschaft einsammelte, war ich erleichtert. Gemeinsam waren wir kurz bei Lidl und ich konnte mich bei ihr etwas über all das auskotzen, was in Burgas so passiert war – und anscheinend schaffte ich dies emotionsloser als erwartet, denn sie schien überrascht, als ich erwähnte, wie fertig mich das alles machte.

Als wir dann endlich vollzählig waren, gingen wir Essen und auch, wenn wir eigentlich in ein anderes Restaurant wollten, war das Essen sehr lecker. Wir haben uns zwei Platten mit Kartoffelecken, verschiedenem Fleisch (auf dem einen Teller in einem Brot serviert, mit noch etwas Käse und einer Art Soße) bestellt und jeder hat das gegessen, worauf man gerade Lust hatte. Danach haben wir uns am Kiosk Bier geholt, haben den Nachtbus zurück genommen, die Bushaltestelle verpasst und duften dementsprechend noch ein Stück zurücklaufen, auf dem schmalen Weg an einer vielbefahrenen Straße. Nachdem wir die Matratze aus dem Flur auf einen der beiden Balkone geschleppt hatten, verbrachten wir dort einen schönen Abend, bis sich gegen 4 Uhr morgens dann doch der existierende Schlafmangel bei mir meldete und ich mich dementsprechend schon einmal hinlegte, während die anderen drei noch draußen quatschten.

Am Mittwoch morgen kam ich dann in den Genuss einer warmen Dusche, wir frühstückten draußen (es gab Nudeln mit Tomatensauce und Käse) und machten uns dann so langsam fertig. Wir wussten, dass wir zwischen dem Treffen mit dem ZfA-Fachberater und dem Botschaftsempfang nicht noch einmal zurück kommen würden, weshalb wir die schickeren Sachen für den Abend gleich mitnehmen mussten.

Das Treffen mit dem ZfA-Fachberater war echt gut. Er hat uns auch Gründe geliefert, weshalb wir nicht alleine unterrichten oder AGs in der Schulzeit (die also verpflichtend sind) machen dürfen – zum Einen ist es eine Haftungssache für den Fall der Fälle, dass da wirklich was passiert und zum Anderen könnte die Schule auf lange Sicht dazu tendieren, eine Lehrkraft zu entlassen, wenn doch die ollen kulturweit Freiwlligen das gleiche für umsonst machen. Zwar hatten wir alle von Ehemaligen gehört, dass es eigentlich normal ist, dass man alleine unterrichtet, aber ich glaube, es ist eh noch einmal besser, wenn der Lehrer dabei ist und notfalls helfen kann, falls das ausgedachte doch nicht so funktioniert wie geplant.
Wir haben noch etwas über anstehende Termine und die Finale der Wettbewerbe im April/Mai gesprochen, bei denen sie vielleicht auf die Hilfe der Freiwilligen zurückkommen werden, die dann noch (oder aus der Märzausreise 2020 schon) in Bulgarien sind.

Dann haben wir uns also dort umgezogen und ich Genie kam auf die grandiose Idee, die Strumpfhose anzuziehen. Meine Eltern hatten mir meine hohen Schuhe vom Abiball, die dazugehörige Handtasche und einen Blazer falls es wider erwarten frisch gewesen wäre sowie Essensnachschub aus der Heimat hergeschickt – eigentlich kann ich in den hohen Schuhen laufen, mit Strumpfhose hatte ich es aber noch nie probiert.
Die Straßen von Sofia sind (so kann ich das aus eigener Erfahrung festhalten) nicht für ungeübte Highheel-Träger wie mich gemacht und erst recht nicht mit Strumpfhose, was für noch weniger halt in den Schuhen sorgten.

Nachdem ich also den anderen etwas unbeholfen hintergelaufen war, wir vor dem Hotel von einer Blaskapelle empfangen wurden und dann endlich im Hilton Hotel angekommen waren, verschwand ich dementsprechend erst einmal auf Toilette, um diese lästige Strumpfhose auszuziehen. Jemand hatte uns empfohlen, nach oben zu gehen, da man dort einen besseren Überblick über das Geschehen unten habe – zurecht, wie ich finde.

Nach Begrüßung durch den Botschafter, Reden und Musik (die Nationalhymne wurde von dem Bläsern gespielt). Das Buffet war sehr lecker – vor allem der Nachtisch hat es mir angetan (was die wenigsten wirklich überraschen dürfte). Und da es noch sehr lange etwas von dem Nachtisch gab, habe ich mir auch ein paar Mal noch etwas Nachschub geholt.

Danach standen wir bei gutem Wein zusammen rum, quatschten mit anderen, schafften es auch, den Botschafter kurz abzufangen (welcher sich dann höchstpersönlich dafür einsetzte, dass die Freiwillige aus Varna noch schnell auf die Gästeliste für die Feierlichkeiten in Varna beim Honorarkonsul am 4. Oktober anlässig des Tags der Deutschen Einheit gesetzt wurde).
Das offizielle Ende war für 22 Uhr angesetzt, aber ich glaube, es war eher 23 Uhr, bis wir wirklich aus dem Hotel waren und uns auf den Weg in die Stadt machten. Der eigentliche Plan, sich in eine Bar zu setzen, wurde in „wir setzten uns auf den Balkon und spielen Trinkspiele“ abgeändert – da ich aber früh rausmusste, um von dem deutschen Kollegen wieder zurückfahren zu können und nicht den Bus oder Zug nehmen, verzichtete ich darauf. Zum einen war der angesammelte Schlafmangel noch immer etwas präsent, zum anderen wollte ich auch wirklich nicht mit Alkoholfahne im Auto sitzen.
Trotzdem war es noch ein netter Abend und es tat gut, einen weiteren Abend nicht alleine zu sein.

Am Donnerstag war ich vor meinem Weckerklingeln wach, ging noch einmal warm duschen, denn ich wusste ja nicht, wann ich das in meiner Wohnung endlich haben würde und machte mich dann leise vom Acker.
Die Rückfahrt war angenehm, wir redeten etwas über Gott und die Welt und wie er überhaupt hierher gekommen war.
Als er mich dann an einer Bushaltestelle rausließ, merkte ich schon, dass die Ruhe und Entspannung aus Sofia verflogen war.
Kaum war der Bus in die Siedlung eingebogen, wollte ich am liebsten raus und in die entgegengesetzte Richtung laufen, in Richtung Burgas City, in Richtung Fernfehrkehr nach Sofia.
Im Aufzug zu meiner Wohnung brach ich dann (wie sollte es denn auch anders sein?) in Tränen aus.

Es tat wirklich gut, rauszukommen, und der Zeitpunkt hätte kaum besser gewählt sein können. Aber das Timing mit dem Raus aus Burgas kommen habe ich anscheinend eh ganz gut drauf, denn bei Plovdiv war es nicht viel anders – aber das Wochenende kriegt einen extra Blogeintrag.

Bis denne,
Lina

Der erste Monat – oder: Euphoriephase mal anders

Auf dem Vorbereitungsseminar wurde uns dieses typische Kurve der Phasen während eines Auslandsaufenthalt gezeigt – zuerst Euphorie, dann irgendwann der Kulturschock, und so weiter.
Bei mir war das, wie vermutlich schon aus den Beiträgen hervorging, etwas anders. Direkt nach dem Ankommen geriet ich in einen Abwärtstrend, der die vergangene Woche seinen Tiefpunkt erleben sollte. Das Gefühl von Einsamkeit vermischte sich mit dem Gefühl von Überflüssigkeit; gleichzeitiger Über- und Unterforderung sowie von Hilflosigkeit.
Sofia (der Blogeintrag kommt noch, versprochen, aber der heutige Anlass meiner einmonatigen Existenz in Bulgarien erschien wirklich passend für eine kurze Zusammenfassung) und der Besuch in Plovdiv taten wirklich gut, schafften die Pausen, die ich brauchte, um einmal kurz durchzuatmen. Die hier in Burgas auf Stromsparmodus laufende Batterien etwas aufladen (und kurz nach der Ankunft in Burgas wieder entleeren …).
Hilfe bei den Fachschaftsberatern in Bulgarien gesucht, Hilfe und Unterstützung gefunden, aufbauende Worte gehört und irgendwie die Kraft gefunden, den nächsten Morgen wieder gegen 6 Uhr das warme Bett zu verlassen und mich in die leere Küche zu zwingen.
Nächste Woche bin ich wieder in Sofia, morgen beginnt mein Sprachkurs und es sind Lichtblicke am düsteren Himmel in meinem Kopf. Auch das Jugend Debattiert anscheinend diese Woche beginnt, kann mir nur gut tun. Zusammen mit der französischen Freiwilligen werde ich versuchen, mich im Fitnessstudio in der Mall anzumelden (und die, die mich kennen, wissen, wie ich zu Sport stehe …), denn Bewegung kann nicht schaden. Und rauskommen erst recht nicht. Mal gucken, wie ernst ich das mit dem Fitnessstudio wirklich nehmen werde, aber schon alleine das dort hinfahren und aus dem Haus kommen kann wirklich nicht schaden.

Ich wurde heute gefragt, wie denn die letzte Woche war, und was ich gesagt habe, fasst es tatsächlich wirklich ganz gut zusammen. „Ach, naja, beinahe hätte ich mich ganz unabsichtlich zum Flughafen verirrt, mit gepacktem Koffer und zufällig gebuchtem Flug. Da wäre mir auch der Umweg über Moskau relativ egal gewesen. So eine Art Schlafwandel, quasi.“
Denn die letzte Woche war brutal. Ich weiß nicht, wie viele Grenzen und Komfortzonen ich schon hinter mir gelassen habe, ich laufe einfach immer weiter. Immer weiter auf das Ungewisse zu. Vielleicht auf den Tag, an dem ich wirklich nicht mehr kann. Vielleicht laufe ich aber auch blind auf den Tag zu, an dem sich das alles bessert. An dem ich wirklich davon überzeugt bin, dass dieses Jahr hier machbar ist. Ich weiß es nicht, und ich werde es auch erst erfahren, wenn ich diesen Tag erlebt habe, wie auch immer er nur aussehen mag.

Aber diese Euphoriephase, die man am Anfang wohl üblicherweise durchlebt, existierte bei mir wenn überhaupt auf dem Vorbereitungsseminar. Danach schwenkte das alles ziemlich schnell in Panik, Angst vor dem Ungewissen und schlussendlich in Zweifel, ob das, was ich hier tue, denn wirklich so richtig ist und ob ich nicht doch an einer Uni in Deutschland momentan besser aufgehoben wäre.
Umso dankbarer bin ich für alle, die sich das alles angehört haben. Die sich die verheulten Audios angehört haben (Tipp: wenn man redet, kann man nicht so gut heulen und beruhigt sich zwangsweise früher oder später, die Audio wird dann halt etwas länger …), mit mir telefoniert haben oder einfach nur da waren, wenn ich verzweifelt nach einem Fels in der Brandung suchte.
Dankbar für meine Familie, die in der letzten Woche die volle Wucht meiner Verzweiflung und Hilflosigkeit abbekommen haben. Dankbar für die aufmunternden Worte, die ich in dem Moment zwar nicht wirklich wertschätzen konnte, aber es jetzt umso mehr tue.
Dankbar für den Austausch mit anderen Freiwilligen und dem Gegenseitigem Helfen, was teilweise darin endete, dass man sich gegenseitig Audios schickt, wenn man sich selber nicht beruhigen kann, denn wie bereits erwähnt beruhigt man sich beim Reden früher oder später von selber …

Die Blogeinträge über Sofia (dann vermutlich schon über 2 Besuche in Sofia) und Plovdiv werden nachgereicht, versprochen!

Und heute Abend, an dem Abend, vor dem ich so unglaublich viel Angst hatte, bin ich etwas hoffnungsvoll. Nur etwas, denn so ganz trauen mag ich diesem Gefühl, dass es sich jetzt alles so langsam zum Guten wenden wird, nicht, aber immerhin. Es ist mehr als in der gesamten letzten Woche, und das reicht mir momentan.
(An dieser Stelle: alles Gute zum Geburtstag, Schwesterherz, ich hoffe vom ganzen Herzen, dass du einen wunderschönen Geburtstag hattest & danke für alles, Mama und Papa.)
Vielleicht habe ich vor diesem Tag schon so viel Angst gehabt und die ein oder andere Träne deswegen vergossen, sodass heute gar nicht so viele Tränen zu vergießen waren, oder vielleicht trügt das alles nur und ich traue dem Schein etwas zu sehr – aber das ist okay. Denn es gibt einen Plan, und wenn auch nur 25% davon irgendwie funktionieren, ist das okay. Fortschritt ist Fortschritt und so lange es so langsam in die richtige Richtung geht, ist das total in Ordnung.

Adios,

Lina

Vorbereitungsseminar

Gerade sitze ich zurück im Zug nach Hause, erschöpft von den letzten zehn Tagen und all dem Input, den ich in dieser Zeit bekommen habe.

Letzte Woche Sonntag, am 1. September, machte ich mich auf den Weg, unwissend, was mich erwarten würde. In einem Anfall von leichter Panik (ich hasse es, nicht zu wissen, was mich erwartet), habe ich Blogeinträge von den Alumni gesucht und auch welche gefunden, aber so wirklich weitergeholfen haben sie mir nicht. Alles war doch irgendwie sehr vage und das mit der Party am letzten Abend schien auch nicht sonderlich überraschend.
Am Bielefelder Bahnhof traf ich Emilia und war wirklich erleichtert, schon einmal jemanden gefunden zu haben. Tatsächlich saßen wir dann auch im Zug nebeneinander und konnten über Gott und die Welt reden – über das bevorstehende Auslandsjahr verloren wir nur wenige Worte.

In Berlin stiegen wir dann in den Bus um, und nachdem wir beinahe unfreiwillig Bekanntschaft mit dem See gemacht hatten, durften wir dann auch auf dem rechtmäßigen Busparkplatz aussteigen. Erleichterung machte sich bei uns beiden breit, als wir feststellten, dass wir auf einem Zimmer waren – und diese Erleichterung hielt bis zum Ende an (sorry, Jana). Denn pro Zimmer gab es nur einen Schlüssel, und da wir alle drei in derselben Homezone waren und auch unsere Freizeit miteinander verbracht haben, war der Schlüssel immer in der Nähe oder wir wussten zumindest, wer in hat.

Neben den drei anderen Freiwilligen, die mit mir nach Bulgarien ausreisen, waren in der Homezone noch die sechs Athener; Jana, die nach Albanien geht und eine andere Freiwillige, die hoffentlich nach Nordmazedonien gehen wird. Leider werden wir vier Bulgaren nicht beim Zwischenseminar in Serbien dabei sein, was ich persönlich sehr schade finde. Dafür darf ich einen möglich kurzen Weg nach Rumänien finden, was je nach Ort auch noch sehr interessant werden könnte …

Nach dem Zimmer beziehen, Namensschild suchen, Flasche nehmen, einem Willkommenssnack und der Begrüßung sowie einer etwas anderen Art des Kennenlernens (A zeichnet B ohne aufs Papier zu gucken während B über ein vorgegebenes Thema redet) am See, haben wir als Homezone den ersten Abend gemeinsam am See verbracht, was echt cool war, aber mit der Zeit auch echt kalt wurde.

Am 2. Tag ging es dafür dann richtig los – am Nachmittag fand Teil 1 der Partner-Tage statt. Sehr viel Input, den wir danach erst einmal in Ruhe auf dem Zimmer verarbeiten mussten. Am dritten Tag konnten wir Alumni die Fragen fragen, die wir normalerweise als dumm oder unnötig abstempeln würden und zugegeben tat das echt gut, zu hören, was sie so zu berichten hatten. Und etwas, was ich in diesen drei Stunden am meisten gehörte habe, war „macht euch nicht so einen Stress, das wird schon werden“. Nachmittags gab es dann Workshops von den Partnern, bei mir also vom PAD und der ZfA. Insgesamt war es wieder sehr viel Input, weshalb die Homezone nach dem Abendessen etwas ruhiger und schleppender lief als sonst.

Dann ging es auch schon nach Berlin – es tat gut, gerade nach den vielen Informationen der letzten 48 Stunden. Für eins, zwei Stunden an der Spree sitzen und in gewohnter Runde über irgendwelche Sachen reden; ich persönlich fand es erfrischend.

Das Highlight des fünften Tages war für mich definitiv der Kulturweit Ausweis, auch wenn der eigentlich gar keinen wirklichen Wert hat. Gerade zur Halbzeit brachte dieses kleine Stück Plastik noch ein ganzes Stück näher – wenn auch nicht realisierbarer.

Die nächsten vier Tagen brachten wieder sehr viel Input mit sich; Themen, die man auch nicht einfach so mit Verlassen des Raums hinter sich lassen konnte.

Gestern Abend war dann die große Abschiedsparty, so wirklich realisiert was das bedeutet hatte ich aber noch nicht – das kam erst heute morgen, als unsere Trainerin uns Bilder hinlegte und uns bat, eins auszususchen, dass unsere Stimmung zum Ende des Vorbereitungsseminars darstellt.
Es war wie ein Schlag ins Gesicht; plötzlich realisierte ich dass Jana heute Abend nicht bei uns auf dem Zimmer sitzen würde und wir uns wegen irgendwelchem Blödsinn kaputtlachen würden. Emilias Wecker würde morgen nicht um 6:45 klingeln und ich würde morgen früh nicht krampfhaft versuchen, noch ein bisschen Schlaf zu kriegen. Denn morgen wache ich in meinem eigenen Bett daheim auf und zum Frühstück muss ich nicht erst durch die Kälte laufen, sondern wenn überhaupt unseren Hund streicheln, damit sie mich vorbei lässt. Bis dahin hatte ich wirklich gut verdrängt, dass heute vorerst Abschied genommen werden muss; dass morgen der erste der drei letzten Tage zuhause beginnt.
Und als wir dann zum Abschied in der Homezone uns bei den anderen bedankt haben, hatte ich doch schon etwas Pipi in den Augen.

Die anderen habe ich zum Zug gebracht, das Zimmer für das Nachbereitungsseminar steht eigentlich auch schon und ein Besuch in Athen ist auf jeden Fall geplant. Mit den zwei Freiwilligen in Sofia sowie der Freiwilligen in Varna werde ich wohl eh noch so einiges zu tun haben (Zwischenseminar, Besuch der Deutschen Botschaft, …) und meine Familie wird mich auf jeden Fall besuchen kommen (die Frage ist nur wann).

@ Homezone 15: danke für die 10 Tage, war mega schön mit euch! (Und viel Spaß schon mal beim Zwischenseminar … 🙁 )

@ Zimmer 212 und Jana: danke für einfach alles, Leude. Hab euch lieb.

Samstag geht es los nach Burgas und momentan ist es doch ein lachendes und ein weinendes Auge – auf der einen Seite waren diese zehn Tage motivierend und ich will, dass es endlich losgeht, andererseits freue ich mich auch auf zuhause und weiß, dass das Samstag sau schwer wird …

Ich melde mich irgendwann demnächst aus Burgas!

Lina