14.03. – Abschied?

Seit sechs Monaten bin ich nun in Burgas, und eigentlich wäre an dieser Stelle einer dieser schrecklichen „ich bin angekommen und freue mich auf die kommende Zeit 1!1!“-Einträge gekommen, die ich in der ersten Zeit selber so verbittert gelesen habe und mich gefragt habe, was hier bitte so schief gelaufen ist.

Naja, Corona hatte einen anderen Plan.
Nachdem die Märzausreise 2020 komplett aufgrund der Pandemie abgesagt wurde, kam für uns „alten“ Freiwilligen die Information, dass es für uns bei Abwarten, Tee trinken, Mails & Nachrichten checken und mit den Leuten vor Ort reden bleiben würde. Okay, dachte ich, das gibt mir Zeit um mich auf einen eventuellen frühzeitigen Abschied vorzubereiten – noch einmal in der 8. Klasse irgendetwas cooles machen, mit den Schülern, die mir in der ersten Zeit (wenn auch vielleicht unwissentlich) so viel Kraft gegeben haben, mich bei den Lehrern bedanken, noch einmal alle Restaurants besuchen, noch mehr Stunden im Café am Strand verbringen und ganz gemütlich packen.

Pustekuchen. Gestern, am 13.03. bekam ich morgens die Nachricht, dass wir wieder Grippeferien hätten – das dritte Mal! Nach nur einem Tag Schule! Etwas verzweifelt, was ich denn jetzt schon wieder mit so viel Freizeit anstellen sollte, ohne groß zu verreisen, schrieb ich mit einer Schülerin und verabredete mich dann schlussendlich mit der französischen Freiwilligen, um ihr bei einem Arzttermin beizustehen (es geht ihr aber gut). Dieser sollte eigentlich auf Englisch stattfinden – aber es wurde sehr schnell klar, dass der Arzt kein Wort englisch sprach und als ich rausgeschickt wurde, fühlte ich mich etwas mies. Ich wäre in der Situation total überfordert gewesen und hätte mich extrem unwohl gefühlt, hätte vermutlich beschlossen, dass ich doch keinen Termin brauche, wenn es nicht total dringend ist.
Gestern Mittag wurde dann der Ausnahmezustand in Bulgarien ausgerufen. Ich war da gerade mit der französischen Freiwilligen lecker bei Incanto essen und wir rätselten beide über die Bedeutung für uns. Entschieden aber, dass man uns ja wohl über für uns wirklich relevante Dinge informieren würden und gönnten uns noch Nachtisch im Happy, bevor sie zurück in ihre Wohnung und ich ins Café am Strand ging. Eigentlich wollte ich in meinem dicken Geschichtsschmöker weiterlesen, konnte mich darauf jedoch absolut gar nicht konzentrieren. Stattdessen checkte ich im gefühlten Minutentackt die Nachrichten und als ich dann auf Facebook las, dass angeblich alle Flüge von und nach Deutschland bereits gestrichen worden wären, machte sich doch etwas Panik in mir breit. Saß ich nun hier fest?

Also mal schnell irgendwelche Flüge nach Deutschland gegoogelt – keine Meldung bezüglich Streichungen. Ein- und Ausatmen. Gott sei Dank.
Dann, als ich im Bus nach Meden Rudnik saß und noch bei Billa halten wollte, um für den weltbesten FSB Pralinen für das verspätete Geburtstagsessen zu kaufen (zu dem die Deutschlehrerinnen und ich eingeladen waren), kam von ihm die Nachricht, dass die Schulen vorerst geschlossen seien – gleiches gelte für Bars, Restaurants und Cafés, also quasi alles, was nicht unbedingt notwendig zum Überleben sei.

Also rief ich in der Wohnung angekommen erst einmal verheult meinen Vater an – denn ich war doch noch gar nicht so weit, um mein FSJ vielleicht jetzt schon zu beenden, es gab doch noch so viel zu tun, so viele Menschen, von denen ich mich richtig verabschieden wollte!

Die Entscheidung könne mir niemand ablegen, aber es sei nicht klar, wie lange ich noch ohne Probleme nach Hause komme – den Satz habe ich in den letzten 24 Stunden sehr, sehr oft gehört.

Hin- und herüberlegt, gedankliche Pro- und Contra-Listen angelegt und mich bei Freunden über dieses Dilemma ausgekotzt (danke fürs zuhören an dieser Stelle). Denn hierbleiben würde bedeuten, dass ich nicht weiß, ob ich morgen noch ohne Probleme die Stadt bzw das Land verlassen kann und was als nächstes passiert. Nach Hause fliegen würde bedeuten, dass ich nicht weiß, wann/ob ich zurückkommen kann, um mein FSJ hier angemessen zu beenden. Und da gerade ab Ende April die Zeit kommt, auf die auf mich schon lange gefreut habe, ist diese Ungewissheit sehr mies. Aber ohne Restaurants, die Mall usw wird Zeit totschlagen echt schwer …

Schlussendlich habe ich letzte Nacht einen Flug für morgen Nachmittag von Sofia nach Berlin gebucht. Morgen früh um 7 Uhr geht’s mit dem Zug los und es fühlt sich scheiße an. Aber alle, denen ich das bisher mitgeteilt haben (einschließlich der Fachberater und die Lehrer hier vor Ort), haben mich darin bekräftigt, dass dieser Schritt vorerst der Richtige ist.

Genau wie der andere Freiwillige in Sofia habe ich die Hoffnung, recht schnell wiederkommen zu können – und deswegen fliegen wir beide Optimisten nur mit Handgepäck :). Wir werden weiterhin mit Nachrichten versorgt und ich denke, dass wir uns auch untereinander austauschen werden, was wir von unseren Leuten vor Ort und via Nachrichten jeweils erfahren haben.

Es ist ein verdammt komisches Gefühl, nichts wirklich zu wissen – aber nichts zu wissen ist zuhause mit meiner Familie deutlich angenehmer als hier, alleine und mit einer doch recht bescheidenen verlässlichen Nachrichtenlage auf Englisch.

Falls irgendwer aus der Märzausreise das hier liest: es tut mir wirklich leid, das ist echt scheiße gelaufen …

Nur eine Freundin und meine Familie weiß bislang bescheid – denn wenn ich schon wegen Corona nach Hause fliege, dann kann ich die Situation zumindest nutzen und eine sehr gute Freundin von mir nächstes Wochenende (hoffentlich) überraschen (an dieser Stelle: alles Gute, Lenö!).

Ich hoffe wirklich sehr, dass sich die Situation bald legt und ich ohne Quarantäne oder ähnliches meinen restlichen Freiwilligendienst hier absolvieren kann – aber das wird die Zeit zeigen.

Es ist wirklich komisch: monatelang habe ich mit mir gehadert, ob ich wirklich ein Jahr schaffen oder machen möchtte/würde – und gestern habe ich Rotz und Wasser geheult, weil die Rückkehr noch in den Sternen steht. Hätte man mir das im November erzählt – ich hätte es absolut nicht geglaubt.

Natürlich werde ich euch auf dem Laufenden halten, wie es mit meinem FSJ weitergeht, ich bin selber sehr gespannt.

Lina (die eigentlich packen und aufräumen sollte aber damit hadert weil es das dann wirklich wirklich wirklich endgültig macht)

19.02. – Gedankenchaos

Dieses Datum hat sich in mein Gehirn eingebrannt.
Nicht nur, weil es der Dienstag vor meiner Vorabiklausur in Geschichte war.
Und auch nicht nur weil ich bis zu diesem Tag es nicht wirklich hinbekommen hatte, mich auf den zu lernenden Stoff zu konzentieren.
Sondern auch, weil heute vor einem Jahr, am 19.02.2019 mein Auswahl-/Kennlerngespräch (wie auch immer man es nennen will) in Bonn war.
Ein komisches Gefühl. Es werden noch weitere Daten kommen – aber die haben eher mit den letzten paar Tagen/Wochen Schule zu tun.

Wir sind mit einem Leihwagen nach Bonn gefahren (meine Eltern wollten mir nicht noch die Deutsche Bahn antun – und das war wohl auch die richtige Entscheidung und mein Vater hatte bei der letzten längeren Fahrt etwas bemerkt, was er lieber erst einmal checken lassen wollte).
Bin nach der vierten Stunde nach Hause gerast, umgezogen, in Deo geduscht, Essen runtergwürgt, noch gefühlte zehntausend Mal kontrolliert ob ich auch ja alles dabei hatte und dann haben wir meine Schwester von der Schule abgeholt und los ging’s.
Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie nervös ich war und als die Autobahn dann ab und zu etwas voller war, lagen meine Nerven absolut blank. Wir sind früh genug angekommen, ich bin also reingegangen, angemeldet, mit ein paar Alumni etwas geredet; für richtige Fragen war ich viel zu angespannt.
Dann zu den anderen Wartenden gesellt, eine (die auch genommen wurde) gefunden, die aus Bielefeld kam und mit der Bahn gefahren ist (und schon so gegen 9 Uhr aufgebrochen ist …) und dann wurden alle aufgerufen – bis nur noch drei andere und ich übrig waren. Super.
Dumme Witze gerissen, ob man uns denn vergessen hätte und eine Alumna war so nett, uns aufzuklären, dass die „Jury“ (also die beiden, die uns interviewt haben) noch etwas Zeit für die Besprechung der Gruppe vor uns brauchen würden.

Als wir dann aufgerufen wurden, dachte ich, es würde losgehen – aber stattdessen durften wir noch einmal vor der Tür warten. Dass meine Nerven zu diesem Zeitpunkt mehr als nur blank lagen und ich es doch einfach nur hinter mir haben wollte, machte die ganze Warterei nicht einfacher.

Irgendwann durften wir dann rein und ich erinnere mich nur noch an Bruchstücke. Wie beeindruckt wie ich von dem einem Mädchen war, das sehr viel für die Schule selber organisiert hatte und daneben kam ich mir mit meiner Jugendarbeit in der Kirche (und noch mehr Jugendarbeit in der Schule) doch sehr dämlich vor. Auch die anderen beide hatten (meiner Meinung nach) viel mehr anzubieten als ich mit Jugendarbeit, Jugendarbeit und you guessed it – Jugendarbeit. Fotos gezeigt, Liste der Regionen noch einmal kontrolliert (ich wusste absolut nicht mehr, was ich wo hingesetzt hatte …) und versucht, mich nicht von den anderen und ihren Antworten verrückt machen zu lassen.

Rausgegangen. Erleichterung. Aber auch Zweifel, denn gerade neben diesem einen Mädchen fühlte ich mich extremst ungeeignet (irgendwer hat das anscheinend anders gesehen :D). Noch kurz mit den anderen geredet, gehört, wie es bei ihnen lief. Dann Mama in den Arm gefallen. Im Auto die Absage eines anderen Freiwilligendienstes gelesen. Lecker essen gegangen. Dann zurück nach Hause und noch schnell unseren Wagen zur Werkstatt fahren.

Ich wollte eigentlich nur die Absage endlich haben, damit ich mich um Studium und so weiter kümmern könnte. Aber dann kam die Mail mit dem Platzangebot – aber die Story kommt dann im April.

Es wirkt so surreal, dass das erst (oder schon?) ein Jahr her ist.
Heute vor einem Jahr in Bonn – heute in Sofia für das Aufbauseminar von Jugend Debattiert International, damit ich dann auch schön in der Jury sitzen darf.

In diesem Jahr ist so unglaublich viel passiert – Mottowoche, Abitur, Abiball, Vorbereitung für Burgas, Vorbereitungsseminar, Ankommen in Burgas, meine erste eigene Wohnung und was das alles so mit sich bringt, habe eine bulgarische Aufenthaltsgenehmigung (für 5 Jahre!!) und eine elektronische Busfahrkarte, Fahrten nach Sofia, Plovdiv, Bucharest, Veliko Tarnovo, Athen, Sibiu, Timisoara, Stara Zagora, Varna (in absolut nicht chronologischer Reihnfolge), der Botschaftsempfang, DSD-/JDI Basis- und jetzt das Aufbauseminar, das Zwischenseminar in Rumänien (mit abenteuerlicher Hin- und Rückfahrt), Abenteuer Bahn/Nachtzug/Bus, Besuch von Jana in (bald nicht mehr) Tirana, Weihnachten in Bucharest, Besuch meiner Familie (und noch einmal von Papa), 127 DSD Aufsichten, keine Ahnung wie viele Stunden im Café am Strand, tolle Abende mit tollen Menschen, Weihnachtsmärktetour in Bulgarien und Rumänien, selber Wasser und Strom zahlen, tolle Schüler*innen kennengelernt, mit Kira (der Freiwilligen aus Ecuador) über 6 Stunden am Stück geskypt (hehe), nette Abende mit der französischen Freiwilligen, so langsam ein Gefühl des Ankommens, ab morgen dann auch offiziell dazu berechtigt, eine JDI Debatte zu jurieren, und das Glück, ganz viele tolle Menschen kennengelernt zu werden (@ beide Homezones, Kira, … <3).

Und auch, wenn ich heute vor einem Jahr absolut nicht damit gerechnet hatte, irgendwo auf dem Balkan – besser gesagt in Burgas, an der bulgarischen südlichen Schwarzmeerküste – zu landen und wer auch immer das beschlossen hat: es ist doch gar nicht mal so verkehrt hier. Und so langsam merke ich, dass ich Burgas doch schon deutlich mehr in mein Herz geschlossen habe, als ich eigentlich zugeben kann/will/möchte.
Es ist zwar noch immer etwas komisch, dass die ersten jetzt wieder zuhause sind und ich noch etwas über 6 Monate vor mir habe – aber jetzt geht es hier doch irgendwie erst so richtig los, mit dem Theaterwettbewerb, Jugend Debattiert International und vielleicht noch dem Vorlesewettbewerb für die 8. Klassen!

Wie es so schön auf den Bussen steht: Аз обичам Бургас. (Ich liebe Burgas/ „Az obitscham Burgas“)

[Es ist hier 0:10, aber in Deutschland ist es noch der 19.02. – passt also schon irgendwie :)]

„Totschki?“ – oder: Mission Weihnachtsgeschenk

Wenn ihr diesen Blogeintrag gelesen habt, versteht ihr, warum er jetzt erst veröffentlicht werden kann.

Alles fing an als ich mit dem anderen deutschen Freiwilligen, der Mitte Oktober zurück nach Deutschland gegangen ist, bei Kaufland war. Wir waren auf dem Weg zur Kasse, als er in Richtung Getränke abbog und ich mir gezwungenermaßen die Artikel am Gang anguckte während ich auf ihn wartete. Und dann sah ich es. Einen Entsafter aus der Treuepunktaktion bei Kaufland. „So einen wollte Mama doch schon länger haben“, schoss mir sofort durch den Kopf und ich machte schnell ein Foto bevor er wiederkam und wir zur Kasse gingen.

In der Freiwilligenwohnung angekommen verschwand ich sofort auf meinem Zimmer und schaffte es irgendwie, auf die Seite des bulgarischen Kauflands zu kommen und ließ mir das alles von Google Translate übersetzen. So ganz sicher war ich mir nicht, also schickte ich meiner Schwester das gemachte Foto und den Link zu der von Google übersetzten Seite über den Entsafter. So 100% sicher, ob es wirklich das Teil war, dass meine Mutter schon länger haben wollte, war sie sich auch nicht, aber ziemlich sicher. Okay, dachte ich mir, dann versuchen wird das doch mal.
Für 100 BGN, also umgerechnete 50 Euro, konnte man so etwas ja mal ausprobieren – die Teile, die ich bislang in Deutschland gesehen hatte, lagen etwa beim 6-fachen Preis. Falls es also von der Qualität nicht ganz mithalten könnte, wäre das nicht so tragisch – aber da es sich bei der Marke um Tefal handelt, sollte da zumindest ein bisschen Qualität dahinterstecken, fand ich.

Die ersten Treuepunkte zu bekommen war am schwersten. Ich stand an der Kasse, fragte nach „Totschki“ und bekam nur einen dummen Blick ab. Also Handy rausgekramt, das Foto vom Entsafter rausgesucht, der Verkäuferin gezeigt und „Totschki?“ wiederholt. Sie sagte irgendetwas mit „Totschki“ und als ich ihr das Geld hinlegte, reichte sie mir die Treuepunkte. Geht doch. 
5 von den 10 Treuepunkten hatte ich also. Aber das Heft zum Aufkleben auch noch nicht. Das nächste Mal versuchte ich mein Glück erneut, und dieses Mal lagen die Hefte zum Aufkleben der Treuepunkte aus und ich konnte sie mir ohne Probleme in den Einkaufswagen schmeißen. An der Kasse fragte ich wieder nach „Totschki“ und zeigte auf das Aufkleberheft. Nickend gab sie mir mein Rückgeld, bückte sich und gab mir 5 anstatt der 3, die ich eigentlich bekommen hätte. Erleichtert schleppte ich meine Einkäufe zurück, den ersten Teil der Mission Weihnachtsgeschenk war nun also erfolgreich absolviert.

Am 10. Oktober musste ich eh noch einkaufen, um etwas für den Sonntagabend und den Montag nach meinem Wochenende in Plovdiv in der Wohnung zu haben und so nahm ich das Heft mit den zehn Aufklebern mal sicherheitshalber mit. Die Punkte waren zwar noch bis Ende Oktober einlösbar, aber was weg war war nun mal weg und ich wollte wirklich nicht, dass die Mission an meiner Faulheit scheitern würde. Es stand noch genau ein Entsafter im Regal, den ich also in meinen Wagen wuchtete und die restliche Zeit bis zum Bezahlen Panik schob. Was ist, wenn Google mir irgendetwas nicht oder falsch übersetzt hatte? Was ist, wenn sie irgendetwas von mir hören will/muss und ich es nicht verstehe? Was ist, wenn es irgendeinen Haken an der Sache gibt? Denn bislang war die Mission ja überraschend gut gelaufen, beinahe etwas zu gut für meinen Geschmack.

Also stand ich mit leicht zittrigen Händen an der Kasse, jede zehn Sekunden kontrollierte ich, ob das Heft mit den aufgeklebten Treuepunkten noch auf dem Entsafter lag und ob es denn auch wirklich zehn waren.
Ja, es lag jedes Mal noch auf dem Entsafter und ja, jedes verdammte Mal waren es zehn.
Trotzdem hatte ich Herzrasen, als ich die anderen Einkäufe in den Wagen schmiss und eigentlich nur Augen für den Entsafter hatte.
Es klingt lächerlich, wenn ich das so aufschreibe, aber in den Tagen davor war so viel (auch gerade an Kommunikation) schief gelaufen, dass ich nicht wusste, was ich tun würde, wenn hier irgendetwas schief laufen würde (vermutlich anfangen zu heulen und verzweifelt versuchen zu erklären, dass ich kein bulgarisch spreche).
Sie scannte den Entsafter ein, sah die Treuepunkte, tippte etwas ein und der Preis für den Entsafter mit Treuepunkten erschien auf dem Bildschirm. Dann sagte sie noch etwas (vermutlich Garantie und sowas alles), tackerte mir etwas an den Kassenbon und ich hätte in diesem Moment vor Erleichterung echt weinen können.
Denn etwas, was Kommunikation mit Einheimischen erforderte, hat tatsächlich geklappt! Und das gleich beim ersten Mal und ohne Hilfe (anders als der Ticketkauf für den Zug nach Plovdiv …).

Stolz wie sonst was schleppte ich den Entsafter in die Wohnung und stellte ihn in den Wohnzimmerschrank. Und prompt trat das nächste Dilemma auf: ich konnte meiner Mutter ja wohl kaum hiervon erzählen, obwohl sie sich vermutlich die meisten Sorgen um mich machte. Ich konnte ihr nicht von den Treuepunkten erzählen, und dass ich das alles ganz alleine hinbekommen hatte.
So konnte ich ihr beim Telefonat nur sagen, dass etwas geklappt hat, womit ich nicht wirklich gerechnet hätte, ich aber nichts weiteres dazu sagen könnte. Das war echt hart und ich hatte kurz überlegt, ob ich es ihr nicht doch sagen soll, aber dann wäre der Überraschungsmoment ja ruiniert.

Und deswegen wird dieser Eintrag erst veröffentlicht, nachdem meine Familie in Burgas angekommen ist und meine Mutter den Entsafter schon ausgepackt und die Geschichte dazu gehört hat.

In diesem Sinne: ich hoffe, ihr hattet schöne Weihnachten und habt einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Lina (noch Teenager, aber nicht mehr wirklich lange, Hilfe!)

Der erste Monat – oder: Euphoriephase mal anders

Auf dem Vorbereitungsseminar wurde uns dieses typische Kurve der Phasen während eines Auslandsaufenthalt gezeigt – zuerst Euphorie, dann irgendwann der Kulturschock, und so weiter.
Bei mir war das, wie vermutlich schon aus den Beiträgen hervorging, etwas anders. Direkt nach dem Ankommen geriet ich in einen Abwärtstrend, der die vergangene Woche seinen Tiefpunkt erleben sollte. Das Gefühl von Einsamkeit vermischte sich mit dem Gefühl von Überflüssigkeit; gleichzeitiger Über- und Unterforderung sowie von Hilflosigkeit.
Sofia (der Blogeintrag kommt noch, versprochen, aber der heutige Anlass meiner einmonatigen Existenz in Bulgarien erschien wirklich passend für eine kurze Zusammenfassung) und der Besuch in Plovdiv taten wirklich gut, schafften die Pausen, die ich brauchte, um einmal kurz durchzuatmen. Die hier in Burgas auf Stromsparmodus laufende Batterien etwas aufladen (und kurz nach der Ankunft in Burgas wieder entleeren …).
Hilfe bei den Fachschaftsberatern in Bulgarien gesucht, Hilfe und Unterstützung gefunden, aufbauende Worte gehört und irgendwie die Kraft gefunden, den nächsten Morgen wieder gegen 6 Uhr das warme Bett zu verlassen und mich in die leere Küche zu zwingen.
Nächste Woche bin ich wieder in Sofia, morgen beginnt mein Sprachkurs und es sind Lichtblicke am düsteren Himmel in meinem Kopf. Auch das Jugend Debattiert anscheinend diese Woche beginnt, kann mir nur gut tun. Zusammen mit der französischen Freiwilligen werde ich versuchen, mich im Fitnessstudio in der Mall anzumelden (und die, die mich kennen, wissen, wie ich zu Sport stehe …), denn Bewegung kann nicht schaden. Und rauskommen erst recht nicht. Mal gucken, wie ernst ich das mit dem Fitnessstudio wirklich nehmen werde, aber schon alleine das dort hinfahren und aus dem Haus kommen kann wirklich nicht schaden.

Ich wurde heute gefragt, wie denn die letzte Woche war, und was ich gesagt habe, fasst es tatsächlich wirklich ganz gut zusammen. „Ach, naja, beinahe hätte ich mich ganz unabsichtlich zum Flughafen verirrt, mit gepacktem Koffer und zufällig gebuchtem Flug. Da wäre mir auch der Umweg über Moskau relativ egal gewesen. So eine Art Schlafwandel, quasi.“
Denn die letzte Woche war brutal. Ich weiß nicht, wie viele Grenzen und Komfortzonen ich schon hinter mir gelassen habe, ich laufe einfach immer weiter. Immer weiter auf das Ungewisse zu. Vielleicht auf den Tag, an dem ich wirklich nicht mehr kann. Vielleicht laufe ich aber auch blind auf den Tag zu, an dem sich das alles bessert. An dem ich wirklich davon überzeugt bin, dass dieses Jahr hier machbar ist. Ich weiß es nicht, und ich werde es auch erst erfahren, wenn ich diesen Tag erlebt habe, wie auch immer er nur aussehen mag.

Aber diese Euphoriephase, die man am Anfang wohl üblicherweise durchlebt, existierte bei mir wenn überhaupt auf dem Vorbereitungsseminar. Danach schwenkte das alles ziemlich schnell in Panik, Angst vor dem Ungewissen und schlussendlich in Zweifel, ob das, was ich hier tue, denn wirklich so richtig ist und ob ich nicht doch an einer Uni in Deutschland momentan besser aufgehoben wäre.
Umso dankbarer bin ich für alle, die sich das alles angehört haben. Die sich die verheulten Audios angehört haben (Tipp: wenn man redet, kann man nicht so gut heulen und beruhigt sich zwangsweise früher oder später, die Audio wird dann halt etwas länger …), mit mir telefoniert haben oder einfach nur da waren, wenn ich verzweifelt nach einem Fels in der Brandung suchte.
Dankbar für meine Familie, die in der letzten Woche die volle Wucht meiner Verzweiflung und Hilflosigkeit abbekommen haben. Dankbar für die aufmunternden Worte, die ich in dem Moment zwar nicht wirklich wertschätzen konnte, aber es jetzt umso mehr tue.
Dankbar für den Austausch mit anderen Freiwilligen und dem Gegenseitigem Helfen, was teilweise darin endete, dass man sich gegenseitig Audios schickt, wenn man sich selber nicht beruhigen kann, denn wie bereits erwähnt beruhigt man sich beim Reden früher oder später von selber …

Die Blogeinträge über Sofia (dann vermutlich schon über 2 Besuche in Sofia) und Plovdiv werden nachgereicht, versprochen!

Und heute Abend, an dem Abend, vor dem ich so unglaublich viel Angst hatte, bin ich etwas hoffnungsvoll. Nur etwas, denn so ganz trauen mag ich diesem Gefühl, dass es sich jetzt alles so langsam zum Guten wenden wird, nicht, aber immerhin. Es ist mehr als in der gesamten letzten Woche, und das reicht mir momentan.
(An dieser Stelle: alles Gute zum Geburtstag, Schwesterherz, ich hoffe vom ganzen Herzen, dass du einen wunderschönen Geburtstag hattest & danke für alles, Mama und Papa.)
Vielleicht habe ich vor diesem Tag schon so viel Angst gehabt und die ein oder andere Träne deswegen vergossen, sodass heute gar nicht so viele Tränen zu vergießen waren, oder vielleicht trügt das alles nur und ich traue dem Schein etwas zu sehr – aber das ist okay. Denn es gibt einen Plan, und wenn auch nur 25% davon irgendwie funktionieren, ist das okay. Fortschritt ist Fortschritt und so lange es so langsam in die richtige Richtung geht, ist das total in Ordnung.

Adios,

Lina

Ins kalte Wasser

Seit meinem letzten Blogeintrag ist viel passiert und dieser hier wird lang, vermutlich etwas sehr negativ und ist wie alle anderen Einträge natürlich auch sehr subjektiv.

Die zweite Schulwoche begann am Dienstag mit dem Vollenden der Liste mit den Lehrern, die in der jeweiligen Stunde frei haben und dementsprechend Vertretung machen könnten – nach dem Kompromiss, dass ich nur 6 bis 8 Lehrer pro Stunde aufschreiben müsse, ging das dann verhältnismäßig auch relativ schnell.

Und am Mittwoch, da ging es das erste mal für mich ins kalte Wasser. Im metaphorischen Sinne, denn ich erfuhr kurz vor Unterrichtsbeginn davon, dass ich nun in den 12. Klassen Vertretungsunterricht machen würde. Vollkommen überfordert, aber auch etwas erleichtert, endlich mal etwas zu tun zu haben, tat ich, wie mir gesagt wurde und malte die Klaster an die Tafel, wiederholte die selben Sätze vier mal („Hi, ich bin Lina, die neue Freiwillige aus Deutschland. Ich habe mir unsere erste Stunde zusammen cooler vorgestellt, aber ich wusste bis kurz vor Unterrichtsbeginn nicht, dass ich heute hier sein werde. Ich verspreche, dass ich mich bemühen werde, die nächste Stunde etwas cooler zu machen“) und saß den Rest der Stunde relativ doof rum.
Mal kamen Fragen, auf die ich aber eigentlich auch keine wirkliche Antwort wusste.
Die ersten zwei Klassen waren noch mehr oder weniger vollständig, aus der dritten Klasse kamen dann zehn und aus der vierten zwölften Klasse kamen fünf unglaubliche Schüler (jeweils von über 20 Schülern).
Die Überforderung wich mit der Zeit dem Gefühl, dass sie genauso wenig darüber wussten wie ich und ich somit nicht wirklich etwas falsch machen konnte und ich fühlte mich von mal zu mal etwas sicherer.
Nach den vier zwölften Klassen bekam ich eine Stunde Pause, bevor es dann noch in eine elfte Klasse ging – Leseverstehen. Wieder wusste ich nicht mehr als die Schüler, weshalb die Stunde an sich eher so mäßig lief. Am Ende stellten sie noch ein paar Fragen und freuten sich alle, als ich angab, Tarator schon einmal gegessen zu haben.

Donnerstag und Freitag waren dann wieder relativ unspektakulär, das Heimweh kam und ging noch immer, wie es wollte und ich war froh, als ich Freitag Abend zum letzten Mal den Schulweg mit dem anderen Freiwilligen zurück zur Freiwilligen-Wohnung ging. Denn am Montag – so dachte ich da noch – würde ich vor Unterrichtsbeginn umziehen.
Aus Montag Vormittag wurde am Samstag überraschenderweise doch noch Sonntag und etwas sehr euphorisch packte ich meine Sachen. Ich fühlte mich in der Freiwilligen-Wohnung noch immer sehr unwohl und war froh, bald nicht mehr diesen Badeenten-Duschvorhang sehen zu müssen oder nach dem Spülen den Hebel wieder nach oben zu schieben, da ansonsten das Wasser die ganze Zeit durchlaufen würde.

Zusammen mit meinem Vermieter und dem anderen Freiwlligen schleppte ich also am Sonntag mein gesamtes Hab und Gut in die Wohnung, welche außerhalb von Burgas in der Siedlung Meden Rudnik liegt.
Alleine in der Wohnung öffnete ich das Geschenk meiner Schwester für meine erste eigene Wohnung und war das erste Mal dort einkaufen. Schon beim Wasserkochen hatte ich meine Probleme – zuerst mit dem Herd und selbst dann wollte das Wasser irgendwie nicht kochen. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr und beschloss, Duschen zu gehen um danach dann mich noch einmal daran zu probieren, Spaghettiwasser aufzusetzen. Und dann ging es los.
Ich hatte kein warmes Wasser. Also wusch ich zitternd und heulend schnell meine Haare, verbog mich dabei so, dass wirklich nur der Kopf unter den Wasserstrahl gelangte und war danach wirklich am Ende. Egal, wie lange ich wartete, es wurde nicht wärmer und ich sehnte mich nach Hause, nach einer warmen Dusche mit einer Duschwanne, sodass nicht gleich bei jeder Dusche das gesamte Bad unter Wasser stand.
Nervlich wirklich am Ende telefonierte ich dann mit Jana und brachte dabei irgendwann dann auch das Wasser für meine Nudeln zum Kochen, war aber noch immer sehr dazu geneigt, abzubrechen. Zu viel Kleinkram war passiert, das Heimweh war präsent wie eh und je und das kalte Wasser war somit nur das i-Tüpfelchen des Scheiße seins.

Montag sollte ich dann wieder vertreten. Davon abgesehen, dass die erste Nacht in der Wohnung mehr als nur bescheiden war und ich noch immer sehr das Bedürfnis hatte, nach Hause zu fliegen, war ich auch mit den Aufgaben total überfordert.
Das Diktat, welches ich hätte diktieren sollen, machte meiner Meinung nach absolut keinen Sinn (und so manche Wörter hätte selbst ich nicht richtig schreiben können, geschweige denn wusste, was sie wirklich bedeuten) und was ich mit den anderen Schülern nach ihrem Test machen sollte, wurde auch sehr vage formuliert. Ganz vielleicht lief das ein oder andere Tränchen der absoluten Verzweiflung und Überforderung meine Wange hinunter und schon wieder sehnte ich mich nach dem sicherem Zuhause in Deutschland. Die paar Tränen hatte die stellvertretende Direktorin zwar nicht gesehen, aber anscheinend konnte man mir wirklich anmerken, dass ich damit total überfordert war (auf meine verzweifelte Aussage, dass das Diktat keinen Sinn mache, hatte sie  davor nur geantwortet, dass ich es ja nur vorlesen müsse).
Kurz vor Unterrichtsbeginn beschloss sie, mich wie geplant mit in ihren Englischunterricht zu nehmen (das ist wieder eine ganz andere Geschichte) und es irgendwie zu klären, dass ich nicht vertreten musste.
Danach war ich bei Ikea, kaufte mir ein vernünftiges Kissen, eine Bettdecke zu der es auch Bettwäsche gab und dann in der Siedlung bei Lidl noch einen 11l Wasserkanister. War zwar mega fertig, als ich alles auf einmal in die Wohnung geschleppt hatte, aber danach musste ich wieder in die Stadt, um die französische Freiwillige zu begrüßen …

Dienstag ging es dann nach Sofia und ich wollte davor noch einmal duschen. Mein Vermieter hatte mir geschrieben, dass es im Flur neben dem Lichtschalter für das Bad einen Hebel gibt, wenn man den umlege und eine Stunde warten würde, dann solle warmes Wasser kommen. Im Bad selber würde man dies an einem blauen Licht erkennen. Kurzum: es gab kein warmes Wasser und auch kein blaues Licht im Bad. Super. Immerhin wusste ich, dass ich in Sofia auf jeden Fall duschen konnte, aber so wirklich beruhigend war das auch nicht, denn irgendwann musste ich ja mal hier duschen.
Auch mit der Waschmaschine hatte ich meine Probleme und nachdem ich heulend und flehend davor saß und trotzdem nichts wollte, schrieb ich meiner Mutter, die relativ schnell erkannte, wo mein Problem lag: der Wasserhahn war zugedreht. Gut, okay, immerhin funktioniert sie noch und alles, aber alleine wäre ich darauf nie im Leben gekommen und ich werde es vermutlich irgendwann vergessen, ihn entweder auf- oder zuzudrehen.

Über Sofia selber werde ich die Tage einen separaten Blogeintrag schreiben, ansonsten wird das hier eindeutig zu lang.

Donnerstag Mittag kam ich dann also wieder in die Wohnung, legte den Hebel um und ging erschöpft zur Schule. Ausnahmsweise machte es mir nichts aus, dass ich keine Aufgabe hatte und schrieb viel mit Freunden (andere Freiwillige mit einbezogen). Während der Busfahrt zurück schickte ich unzählige Stoßgebete in den Himmel, dass ich doch endlich warmes Wasser zum Duschen haben würde – Pustekuchen. Immer noch kalt. Eine ehemalige Freiwillige aus Montenegro hatte mir nämlich geschrieben, dass es bei ihr eher 10 Stunden gedauert hätte, bis das Wasser warm war, weshalb ich gehofft hatte, dass es bei mir vielleicht ähnlich ist. Aber wieso sollte es denn auch so unglaublich simpel sein?
Ich fühlte mich wie bei dieser einen Show, die ich einmal aus purer Langweile geguckt hatte – versteckte Kamera in noch schlimmer; es passiert alles, was nur schieflaufen kann und am Ende wird die Person mit irgendetwas, was sie/er sehnsüchtig haben wollte, überrascht. Kein warmes Wasser, Heimweh wie sonst was und dieses abartige Gefühl der Einsamkeit.
Videochats mit Freunden und zum ersten Mal auch mit meiner Familie halfen zwar etwas, trotzdem fühlte ich mich an dem Abend elendig und hinterfragte alles. Wieso dachte ich, dass ich so etwas überhaupt schaffen würde? Wieso hielt ich es für eine gute Idee, zuzusagen? Und wieso saß ich nicht schon wieder im nächsten Flieger Richtung Heimat?

Der deutsche Lehrer hier hatte mir Angeboten, dass ich notfalls bei ihm vorbeikommen könnte, um zu duschen und es tat gut, zu wissen, dass es diesen absoluten Back-Up Plan gab.
Freitag morgen also den Vermieter kontaktiert und verzweifelt in der Schule gewesen, weitere Stoßgebete geschickt, dass ich doch irgendwo diesen mysteriösen Knopf finden würde.
Eigentlich eher aus purer Verzweiflung schlug ich dann am Abend gegen den Boiler und drückte dabei irgendwie auf das, was ich bislang als Lampe identifiziert hatte. Plötzlich ging ein Licht an und ich fühlte mich einfach nur verarscht. War es so schwer, mich dumme Deutsche die keine Ahnung von Boilern hat, darauf hinzuweisen, dass die Lampe der Knopf ist? Mein Vater hatte es schon vermutet, aber bei meinen Versuchen davor war nichts geschehen …

Samstag war ich dann mit der französischen Freiwilligen los und danach noch in der Mall; rannte mit Wäschegestell unterm rechten Arm, Kochsieb in der linken Hand und den Kassenzetteln im Mund zum Bus und genoss zum ersten Mal Spaghetti mit Pesto und ohne Restwasser. Es war bislang neben dem Mittwoch in Sofia eindeutig der beste Tag hier (und mit am wenigsten Heimweh).
Das Heimweh schlug dafür gestern, am Sonntag, mit voller Wucht zurück. Als ich durch den Regen zum Bus hechtete, vermisste ich das Einkaufen mit dem Auto und als ich im Lidl dann auch noch keine dämliche Sour Cream fand, war der Tag schon für mich gelaufen. Wieder in der Wohnung störte mich die Stille und nach Videochats und Telefonaten mit Freunden und anderen Freiwilligen ging es mir zwar etwas besser, aber das Heimweh war noch immer furchtbar präsent. Also guckte ich noch etwas deutsch Fernsehen und versuchte dann gegen Mitternacht, einzuschlafen, denn heute Morgen klingelte mein Wecker schon vor 6 Uhr morgens.

Bislang hatte ich das Glück gehabt, immer erst aufstehen zu müssen, wenn es in der Wohnung schon wieder hell war – heute musste ich mir aber im Dunkeln den Weg in die Küche bahnen. Demnächst werde ich mir auf jeden Fall noch eine Nachttischlampe anschaffen (und Verlängerungskabel mit Mehrfachsteckdosen, die ich hier bislang irgendwie nirgendswo gefunden habe) und auch ein Wasserkocher wird früher oder später noch einziehen.

Heute habe ich mich dann damit abgequält, rauszufinden, wie ich am besten zum Zwischenseminar in Rumänien komme – und um ehrlich zu sein, hat mir diese Recherche die Lust daran etwas genommen. Wahrscheinlich werde ich das Wochenende davor und das Wochenende danach damit beschäftigt sein, von Burgas aus da hinzukommen und dann wieder zurückzukommen.
Auch bin ich gespannt, was ich jetzt nach der Schule machen werde, denn jetzt bin ich dank der Frühschicht auf jeden Fall gegen 14/15 Uhr wieder in der Wohnung und darf dann den gesamten Nachmittag und Abend alleine mit mir selbst verbringen, das könnte noch sehr spannend werden …

Freitag Nachmittag geht es dann für mich nach Plovdiv, wo ich eine Freiwillige aus der Märzausreise besuchen werde. Das ich vor dem Besuch von ihrer Existenz überhaupt wusste, verdanke ich dem Instagramaccount von kulturweit – sie hatte dort die Story gesehen, die sie von mir geteilt hatten und mich dann angeschrieben. Plovdiv soll eine wunderschöne Innenstadt haben und ich freue mich schon, hier mal wieder etwas rauszukommen und vielleicht etwas Ruhe und Stärkung von dort wieder mitnehmen zu können …

Ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt darüber berichten möchte, dass es hier momentan nicht so ganz läuft, das Heimweh mich noch immer sehr im Griff hat und ich schon oft mit dem Gedanken gespielt habe, es abzubrechen, aber ich habe mir vorgenommen, so getreu zu berichten wie möglich – und da gehören neben den Höhepunkten nun mal auch die Tiefpunkte dazu. Und um Kira zu zitieren: „Genieß es doch einfach. Genieß, das es Scheiße ist. Das gehört nämlich auch mit dazu. […] und es kann nur heißen, dass es irgendwann besser wird“ – und da ich nun mal eigentlich keine andere Wahl habe (außer natürlich abzubrechen), werde ich genau das versuchen.

An dieser Stelle danke an alle, die mir in den letzten Wochen zugehört haben, wenn ich mich mal wieder auskotzen musste, die versucht haben, mich aufzubauen, wenn ich gesagt habe, dass ich nicht mehr kann und will. Die angerufen haben, auch wenn sie eigentlich gar keine Zeit dafür gehabt hätten oder mir zugehört haben, auch wenn sie ihre Pause hätten viel sinnvoller verbringen können. Ich bin wirklich dankbar und froh, euch zu haben und es tut mir leid, dass ihr teilweise täglich mit Mini-Zusammenbrüchen oder ähnlichem zu tun habt – ich hoffe, es wird bald besser …