Die Schichten – oder: wer braucht schon Struktur?

Nur durch Zufall habe ich vor dem Beginn meines FSJs davon erfahren, dass es wohl Schichten an meiner Einsatzstelle gibt.
Das Gebäude teilt sich nämlich meine Schule mit dem englischen Gymnasium. Und so kommt es dazu, dass es zwei Schichten gibt. Vor Beginn dachte ich noch, dass mir die Spätschicht eindeutig besser liegen würde – aber mittlerweile nervt sie mich nur noch und ich kriege irgendwie den ganzen Tag lang nichts sinnvolles hin.

Die Frühschicht geht von 7:30 bis 13:10 Uhr, was für mich bedeutet, dass ich üblicherweise gegen 6 Uhr aufstehen muss. Für jemanden, der ansonsten um 15 vor 7 aufgestanden ist und dann noch genügend Zeit hatte, um sich nach dem Frühstück noch einmal ins Bett zu legen und das Fertigmachen und Losgehen so lange wie möglich aufzuschieben, ist das noch immer ziemlich hart. Muss ich pünktlich um 7:30 Uhr da sein, muss ich eigentlich noch früher aufstehen, da ich dann bereits gegen spätestens 6:45 unten an der Bushaltestelle sein muss, statt einem etwas entspannteren 7:30 Uhr.
Das ist (neben dem ganzen Chaos rund um das Bezahlen der Nebenkosten) einer der wenigen Nachteile meiner Wohnung, denn durch die Lage außerhalb von Burgas fahre ich schon eine gute halbe Stunde mit dem Bus zur Schule – mittlerweile kann ich in der Zeit die Augen noch einmal zumachen; bislang habe ich meine Haltestelle(n) zur Schule noch kein einziges Mal verpasst.
Ein großer Vorteil an der Frühschicht ist es, dass ich normalerweise spätestens gegen 14 Uhr wieder in der Wohnung bin oder, wenn ich etwas später anfange, trotzdem noch etwas vom Tag übrig habe. Selbst wenn ich erst gegen 9 Uhr anfange, bleibt danach noch Zeit, um sich nach der Schule einmal kurz zu sortieren und dann einkaufen zu gehen oder so – man kann auch wunderbar in die Mall gehen und sich nach einem weiteren geschafften Schultag hin und wieder auch ruhig mal was bei Starbucks gönnen oder  sich in das Café am Strand setzen und noch etwas lesen.

Bei der Spätschicht, die erst um 13:30 Uhr anfängt und dafür bis 19:10 Uhr geht, tue ich mir noch verdammt schwer, am Tag irgendetwas zu erledigen. Meist läuft es darauf hinaus, dass ich auf dem Rückweg schnell in den Lidl springe und genug einkaufe, dass ich den nächsten Tag bis zum Schulschluss schaffen kann. Die Zeiten, wann ich anfange, variieren zwischen 10 und 13:30 Uhr – und dementsprechend unterschiedlich komme ich auch wieder in die Wohnung. Natürlich ist es für mich als Nachtschwärmer ganz nett, länger im Bett liegen bleiben zu können, sich ganz in Ruhe fertig zu machen und so weiter – jedoch schaffe ich es noch nicht, mich irgendetwas sinnvollen zuzuwenden, bevor ich mich für die Schule fertig machen muss. Also selbst wenn ich erst gegen 13 Uhr in der Schule sein muss, könnte man durchaus darauf wetten, dass ich bis 12 noch im Bett liege und mich dann schnell fertig mache.

Andere Schulen handhaben es so, dass der Schichtwechsel einmal pro Schuljahr stattfindet – also nach Ende des ersten Halbjahres. Bei mir wechseln wir jedoch monatlich durch, wodurch es mir allgemein sehr schwer fällt, irgendeine Art und Weise von Struktur in meinen Alltag zu bekommen – denn kaum habe ich mich an die Frühschicht gewöhnt, ist es schon wieder Spätschicht und ich sitze wieder etwas überfordert da und weiß nicht, was ich mit mir selber anfangen soll; geschweige denn, wie ich mich verdammt nochmal organisieren soll.

Ich habe mal eine Schülerin gefragt, wie sie damit klarkommt – sie fand die Frage offensichtlich sehr amüsant und als ich erklärte, dass ich in der Frühschicht noch etwas (mehr oder weniger) sinnvolles mit mir und dem restlichen Tag anfangen kann, in der Spätschicht jedoch wenn dann an den Wochenenden so wirklich etwas mache und selbst die unter dem angewöhnten im Bett liegen und Netflix gucken teilweise leiden, bekam ich nur zurück, dass sie die Spätschicht eigentlich lieber möge, da sie dann später aufstehen kann und für alles noch genügend Zeit hat. Kann ich verstehen und als Schüler mit Hausuafgaben und Lernen ist das bestimmt noch einmal etwas anderes, trotzdem finde ich das noch etwas befremdlich – und ich kann mir immerhin noch den Tag so legen, dass ich schon früher anfange und dementsprechend auch früher fertig bin…

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