„Totschki?“ – oder: Mission Weihnachtsgeschenk

Wenn ihr diesen Blogeintrag gelesen habt, versteht ihr, warum er jetzt erst veröffentlicht werden kann.

Alles fing an als ich mit dem anderen deutschen Freiwilligen, der Mitte Oktober zurück nach Deutschland gegangen ist, bei Kaufland war. Wir waren auf dem Weg zur Kasse, als er in Richtung Getränke abbog und ich mir gezwungenermaßen die Artikel am Gang anguckte während ich auf ihn wartete. Und dann sah ich es. Einen Entsafter aus der Treuepunktaktion bei Kaufland. „So einen wollte Mama doch schon länger haben“, schoss mir sofort durch den Kopf und ich machte schnell ein Foto bevor er wiederkam und wir zur Kasse gingen.

In der Freiwilligenwohnung angekommen verschwand ich sofort auf meinem Zimmer und schaffte es irgendwie, auf die Seite des bulgarischen Kauflands zu kommen und ließ mir das alles von Google Translate übersetzen. So ganz sicher war ich mir nicht, also schickte ich meiner Schwester das gemachte Foto und den Link zu der von Google übersetzten Seite über den Entsafter. So 100% sicher, ob es wirklich das Teil war, dass meine Mutter schon länger haben wollte, war sie sich auch nicht, aber ziemlich sicher. Okay, dachte ich mir, dann versuchen wird das doch mal.
Für 100 BGN, also umgerechnete 50 Euro, konnte man so etwas ja mal ausprobieren – die Teile, die ich bislang in Deutschland gesehen hatte, lagen etwa beim 6-fachen Preis. Falls es also von der Qualität nicht ganz mithalten könnte, wäre das nicht so tragisch – aber da es sich bei der Marke um Tefal handelt, sollte da zumindest ein bisschen Qualität dahinterstecken, fand ich.

Die ersten Treuepunkte zu bekommen war am schwersten. Ich stand an der Kasse, fragte nach „Totschki“ und bekam nur einen dummen Blick ab. Also Handy rausgekramt, das Foto vom Entsafter rausgesucht, der Verkäuferin gezeigt und „Totschki?“ wiederholt. Sie sagte irgendetwas mit „Totschki“ und als ich ihr das Geld hinlegte, reichte sie mir die Treuepunkte. Geht doch. 
5 von den 10 Treuepunkten hatte ich also. Aber das Heft zum Aufkleben auch noch nicht. Das nächste Mal versuchte ich mein Glück erneut, und dieses Mal lagen die Hefte zum Aufkleben der Treuepunkte aus und ich konnte sie mir ohne Probleme in den Einkaufswagen schmeißen. An der Kasse fragte ich wieder nach „Totschki“ und zeigte auf das Aufkleberheft. Nickend gab sie mir mein Rückgeld, bückte sich und gab mir 5 anstatt der 3, die ich eigentlich bekommen hätte. Erleichtert schleppte ich meine Einkäufe zurück, den ersten Teil der Mission Weihnachtsgeschenk war nun also erfolgreich absolviert.

Am 10. Oktober musste ich eh noch einkaufen, um etwas für den Sonntagabend und den Montag nach meinem Wochenende in Plovdiv in der Wohnung zu haben und so nahm ich das Heft mit den zehn Aufklebern mal sicherheitshalber mit. Die Punkte waren zwar noch bis Ende Oktober einlösbar, aber was weg war war nun mal weg und ich wollte wirklich nicht, dass die Mission an meiner Faulheit scheitern würde. Es stand noch genau ein Entsafter im Regal, den ich also in meinen Wagen wuchtete und die restliche Zeit bis zum Bezahlen Panik schob. Was ist, wenn Google mir irgendetwas nicht oder falsch übersetzt hatte? Was ist, wenn sie irgendetwas von mir hören will/muss und ich es nicht verstehe? Was ist, wenn es irgendeinen Haken an der Sache gibt? Denn bislang war die Mission ja überraschend gut gelaufen, beinahe etwas zu gut für meinen Geschmack.

Also stand ich mit leicht zittrigen Händen an der Kasse, jede zehn Sekunden kontrollierte ich, ob das Heft mit den aufgeklebten Treuepunkten noch auf dem Entsafter lag und ob es denn auch wirklich zehn waren.
Ja, es lag jedes Mal noch auf dem Entsafter und ja, jedes verdammte Mal waren es zehn.
Trotzdem hatte ich Herzrasen, als ich die anderen Einkäufe in den Wagen schmiss und eigentlich nur Augen für den Entsafter hatte.
Es klingt lächerlich, wenn ich das so aufschreibe, aber in den Tagen davor war so viel (auch gerade an Kommunikation) schief gelaufen, dass ich nicht wusste, was ich tun würde, wenn hier irgendetwas schief laufen würde (vermutlich anfangen zu heulen und verzweifelt versuchen zu erklären, dass ich kein bulgarisch spreche).
Sie scannte den Entsafter ein, sah die Treuepunkte, tippte etwas ein und der Preis für den Entsafter mit Treuepunkten erschien auf dem Bildschirm. Dann sagte sie noch etwas (vermutlich Garantie und sowas alles), tackerte mir etwas an den Kassenbon und ich hätte in diesem Moment vor Erleichterung echt weinen können.
Denn etwas, was Kommunikation mit Einheimischen erforderte, hat tatsächlich geklappt! Und das gleich beim ersten Mal und ohne Hilfe (anders als der Ticketkauf für den Zug nach Plovdiv …).

Stolz wie sonst was schleppte ich den Entsafter in die Wohnung und stellte ihn in den Wohnzimmerschrank. Und prompt trat das nächste Dilemma auf: ich konnte meiner Mutter ja wohl kaum hiervon erzählen, obwohl sie sich vermutlich die meisten Sorgen um mich machte. Ich konnte ihr nicht von den Treuepunkten erzählen, und dass ich das alles ganz alleine hinbekommen hatte.
So konnte ich ihr beim Telefonat nur sagen, dass etwas geklappt hat, womit ich nicht wirklich gerechnet hätte, ich aber nichts weiteres dazu sagen könnte. Das war echt hart und ich hatte kurz überlegt, ob ich es ihr nicht doch sagen soll, aber dann wäre der Überraschungsmoment ja ruiniert.

Und deswegen wird dieser Eintrag erst veröffentlicht, nachdem meine Familie in Burgas angekommen ist und meine Mutter den Entsafter schon ausgepackt und die Geschichte dazu gehört hat.

In diesem Sinne: ich hoffe, ihr hattet schöne Weihnachten und habt einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Lina (noch Teenager, aber nicht mehr wirklich lange, Hilfe!)

“Also ich habe frei bis zum 11.12. – Bock auf nen Besuch?“

So fing die Planung des spontanen Besuchs von Jana in Tirana (sorry, ich kann’s mir mittlerweile einfach echt nicht mehr verkneifen, sie immer so zu nennen :D) am Dienstag an – Freitag Abend sollte ich sie dann endlich wieder umarmen können.

Aufgrund des Erdbebens hatte ihre Chefin sie bis einschließlich Dienstag freigestellt und anscheinend hatten wir etwas zu oft darüber gewitzelt, dass einer von uns beiden ja mal quasi den Balkan überqueren könnte um den anderen besuchen – denn dann bekam ich diese Nachricht. Zuerst war ich mir ehrlich gesagt nicht zu 100% sicher, ob sie das ernst meinte, immerhin war das schon eine ordentliche Reise, um hier in Burgas vielleicht 2 Tage mit mir verbringen zu können .

Aber sie meinte es ernst, und zwar sowas von. Mittwoch Morgen brach sie in Tirana auf und setzte sich Freitag Mittag in Sofia in den Zug in Richtung Burgas.
(Kleiner Fun Fact am Rande: Der heilige Sankt Niklaus ist anscheinend so eine Art Schutzpatron für die Stadt, weshalb (zumindest die Schüler*innen und Leher*innen und die Freiwilligen) in Burgas am 6.12. keine Schule haben, am 5.12. für euch herausgefunden!)

Gegen 20 Uhr Abends holte ich sie dann von meinem geliebten Kopfbahnhof in Burgas ab, wir fuhren nach Meden Rudnik und hielten auf dem Weg zu meiner Wohnung noch bei Lidl, wo wir noch das nötigste kauften (also Eier, Wein, Käse, Paprika usw., das was man halt so braucht). Dann ließ ich sie ankommen, wir machten uns Spaghetti, tranken Wein und quatschten, bis wir (also zumindest ich, mein Wecker hatte immerhin um 6 geklingelt) irgendwan nach 1 Uhr morgens ins Bett fielen.

Am Samstag verbrachten wir einen gemütlichen Vormittag in der Wohnung, machten uns dann auf den Weg zur Mall, gönnten uns was bei Starbucks und liefen zurück ins Zentrum und weiter zum Strand. Dort entdeckte ich durch Zufall das Café, von dem der deutsche Kollege schon erzählt hatte und so setzten wir uns rein, ich gönnte mir einen weißen Frappé und wir quatschten. Anschließend ging es zurück in die Stadt, in ein Restaurant, das ich mit der französischen Freiwilligen entdeckt hatte (und das als einziges, welches ich bislang gefunden habe, auch an Nicht-Fleischesser und Nicht-Fischesser so wirklich denkt) – Incanto. Da wir eher nachmittags, so gegen 16/17 Uhr da waren, bekamen wir unser Essen auch recht schnell und den Nachtisch, einen veganen Schokokuchen, teilten wir uns.
15€ für Pizza, 1l Wasser, Minz-Limonda, veganes Chilli und veganen Schokokuchen ist für Janas Verhältnisse zwar schon recht viel, aber wir waren uns einig, dass es im Vergleich zu Deutschland noch immer wirklich billig war.
Wieder machten wir einen Zwischenstopp bei Lidl und kauften alles für Plätzchen und was uns noch so einfiel ein – und so kam es dann zu einer nächtlichen Weihnachtsbäckerei mit passender Musik. Jetzt alle: in der Weihnachtsbäcker gibt’s so manche Leckerei … J
Im Endeffekt haben wir glaube ich 4 (oder 5?) Blecke Kekse gebacken, wobei das schon die Hälfte des regulären Rezepts war. Ich weiß nicht mehr, wann wir ins Bett gegangen sind, aber es war wieder definitiv nach Mitternacht …

Am Sonntag blieben wir in der Wohnung, dekorierten die Plätzchen, führten die Weihnachtslieder-Session weiter und versuchte

n uns am Lebkuchen-Haus, was aber irgendwie nicht ganz so erfolgreich war.

Viel zu schnell war die Zeit gekommen, dass sie wieder ihre Sachen packen musste und wir uns auf den Weg in Richtung Treffpunkt machen musste, wo sie von einem Typen von blablacar mitgenommen werden sollte. Da dieser kein mobiles Internet hatte, hatte sie ihm schon davor den Kaufland, an dem wir uns treffen wollten, als Google Maps Link geschickt – aber es überraschte mich nicht wirklich, als sie ein Foto und Standpunkt vom anderen Kaufland in Burgas City bekam. Also warteten wir und redeten wieder über Gott und die Welt, ob ich denn nun verkürzen würde oder doch das ganze Jahr versuchen wollen würde usw usw.

Irgendwann tauchte der Fahrer mitsamt Frau auf, ich machte sicherheitshalber Fotos vom Kennzeichen sowie von beiden und sah dem Auto sehr lange hinterher.

Heute sitze ich wie letzte Woche mit Jana in dem Café am Stand, dieses Mal auf der anderen Seite des Tisches mit Ausblick auf das Meer. Und die letzte Woche war, trotz der gefühlt ewig andauernden DSD Prüfung und dem ein oder anderen Drama, auf das ich durchaus hätte verzichten können, gar nicht mal so schlecht. Ich habe den Backofen seit letzer Woche öfter benutzt als davor insgesamt und auch wenn dank der heutigen 16 Grad (ich habe in Jeansjacke und Kaputzenjacke geschwitzt wie sonst was, ufffff) es mir noch immer sehr schwer fällt, wirklich zu glauben, dass in 10 Tagen Weihnachten und in 17 Tagen mein 20. Geburtstag ist – letztes Wochenende habe ich es glauben können.

Ich glaube, die Gemeinschaft, die wir Freiwilligen haben, ist nicht zwingend selbstverständlich. Die französische Freiwillige wollte mir nicht glauben, dass es eine deutsche Freiwillige in Ecuador gibt und wir es trotz der verdammten Zeitverschiebung schaffen, ab und zu auch mal zu skypen oder den anderen zumindest grob auf den laufenden zu halten (wir können’s halt, Kira <3)– und als ich den Besuch von Jana erwähnte, hätte ich schwören können, dass sie mich doch etwas sehr neidisch angesehen hat.
Dass Anfang Februar schon wieder Freiwilligenbesuch, dieses Mal aber aus Serbien, kommt, habe ich ihr dann lieber nicht gesagt (und erst recht nicht, dass im Januar und März Freunde aus Deutschland vorbeikommen, höhö).
Und auch auf dem Zwischenseminar habe ich wieder gemerkt, wie gut dieser Austausch doch klappt – ich tausche mich mit Menschen aus, mit denen ich im alltäglichen Leben in Deutschland wenn überhaupt Smalltallk betrieben hätte.
Lots of love an euch, Leude. <3

(Credits an die Fotos vom Sonnenuntergang, vom legga Essen und unseren fancy Plätzchen gehen an Jana, btw).

Das Zwischenseminar – oder: die deutsche Blase

Das Zwischenseminar war etwas, auf das ich ehrlich gesagt nicht wirklich viel Lust hatte. Dafür gab es zwei Hauptgründe: zum einen war die Fahrt elendig lange und (vor allem die Rückfahrt) brachte mich an meine Grenzen, vor allem was den Schlaf anging, zum anderen wurde unsere Homezone vom Vorbereitungsseminar getrennt und das fand ich jetzt nicht wirklich prickelnd. Die anderen haben uns gut aufgenommen und alles, aber trotzdem wäre es für mich noch schöner gewesen, wenn ich mit Jana wieder zusammen hätte Panik schieben können oder mit der Zimmercrew (und Jana) einfach über irgendwelchen Scheiß hätte reden können.

Dementsprechend lustlos stieg ich am 23. November in den Zug in Richtung Sofia und begann das große Abenteuer. Dieses Mal gab es sogar Durchsagen, was mich persönlich etwas verunsicherte, aber da die Frau in meinem Abteil total entspannt wirkte, konnte es ja nichts wirklich ernstes sein – zumindest redete ich mir das ein. Gerade, als die Müdigkeit mich etwas unter Kontrolle hatte und ich doch kurz davor war, mir eine kleine Pause zu gönnen, stießen eine Bulgarin und ein Kolumbianer zu uns in Abteil und auch wenn ich mal nicht aktiv am Gespräch teilnahm, so hielten sie mich wach.

In Sofia angekommen ging ich dann erst einmal in den Billa, um noch etwas Zeit im Warmen totzuschlagen – denn, ob man es glauben möge oder nicht, wir sind auf die Minute pünktlich im Sofioter Hauptbahnhof eingefahren, was so ziemlich der einzige große Unterschied zu der geliebten DB in Deutschland darstellt, der mir bisher aufgefallen ist. Danach telefonierte ich noch mit meiner Mutter, und auch wenn es sehr viele Unterbrechungen und Anflüge von Frustationstränen gab, tat es im Endeffekt wirklich gut.

Die Fahrt im Flixbus war überraschend viel vom Schlafen geprägt und die Frau in der Reihe vor mir, eine Britin, die alleine etwas in der Weltgeschichte umherreiste, organisierte uns zusammen mit einem Rumänen ein Taxi vom Busbahnhof zum Hauptbahnhof. Wie auch ich hatte sie nicht die beste Erfahrung mit Bulgaren und ihrer Hilfsbereitschaft gemacht, weshalb wir beide doch etwas überrascht waren, als der Rumäne uns von sich aus Hilfe anbot und bei uns blieb, bis wir dann im Taxi saßen. Da ich noch kein Bargeld hatte und dachte, dass es dort am Busbahnhof bestimmt einen ATM gibt, übernahm sie das Taxi (für umgerechnete 2€, ungefähr) und weigerte sich dann anschließend, die Hälfte von mir anzunehmen. Sie hätte das Taxi ja eh gebraucht, meinte sie, und so beließen wir es dabei.

Nachdem sie im Zug in Richtung Brasov saß, setzte ich mich in den McDonald’s, gönnte mir einen Kaffee und nach einem kurzen herumgehen und bemerken, dass jener McDonald’s eines der wenigen geöffneten Restaurants mit Steckdosen war, folgten darauf hin noch Pommes, während mein Handy noch einmal laden konnte.

Die Zugfahrt war nicht sehr spektakulär, wobei ich es schon sehr interessant fand, dass es zumindest in meinem Wagen dort nur 4er Sitze mit Tisch gab – und da ich mein Ticket bereits online gekauft hatte, wurde mein Name von einer Liste abgehakt; schon das zweite Mal während meines Aufenthaltes stand ich also schon auf einer „Gästeliste“ :D.

In Sibiu wurde ich auf meinem Weg zum Hostel vom Weihnachtsmarkt begrüßt und verbrachte den Großteil des restlichen Abends dort, probierte Glühwein, schlenderte rum und nahm all die Weihnachtsstimmung auf. Zum ersten Mal wurde mir bewusst, dass Weihnachten, der Besuch meiner Familie und mein Geburtstag gar nicht mehr so unglaublich weit weg sind.

Die Fahrt nach Hosman und das Laufen zur Kulturscheune, unserem Seminarort und der Location für Marlenes göttliche Mottoparty, geschah im Pulk mit Freiwilligen aus Rumänien und Moldau – und ich würde lügen, wenn ich mir dort nicht meine Homezone herbeigesehnt hatte. Aber schon im Verlauf des ersten Tages fühlte ich mich zumindest von manchen schon aufgenommen und es gab deepe Gespräche am warmen Kamin in der Küche.

Am Dienstag kam eine Mitarbeiterin von kulturweit und brachte uns vier Bulgaren etwas aus Serbien mit – einen Brief von unserer Homezone, Kekse und ein Papierschiffchen von Jana für mich (ich glaube, diese Schiffchen werden mich das restliche Leben lang verfolgen …). Die „Post“ lag die ganze Einheit lang in der Mitte des Raumes und es fiel mir wirklich schwer, mich auf etwas anderes zu konzentrieren, wenn da dort Post von den Menschen lag, die ich so gerne bei mir hätte.

Während des Zwischenseminars wurden so viele Themen angesprochen und auch von uns Freiwilligen im Rahmen der Kurzvorträge angerissen und auch in unserer Freizeit gab es das ein oder andere deepe Gespräch – zum Beispiel auch über meine Situation. Auf der einen Seiten war es teilweise etwas zu viel, ich wollte doch gerade davon mal wieder wegkommen, auf der anderen Seite tat es aber unglaublich gut. Es tat gut, zu hören, was dem ein oder anderen in ähnlichen Situationen geholfen hat und diese anderen Blickwinkel haben mir das ein oder andere Mal auch etwas die Augen geöffnet.

Und bis auf ein kleines Drama bezüglich der Bezahlung des Stroms am Donnerstag Abend konnte ich trotz der Gespräche etwas Distanz zu dem Geschehen entwickeln, denn wie unsere Trainerin es so schön gesagt hat: „ja, es ist bei dir richtig viel scheiße gelaufen, aber wir gucken jetzt mal nach vorne. Weiter als das DSD, weil danach kann sich vielleicht ja noch was ändern. Aber dafür müssen wir jetzt was tun.“

Die Woche verging viel zu schnell, beim Wichteln am Donnerstagabend wusste ich nicht, ob ich froh sein sollte, dass ich hier war oder traurig sein sollte, weil ich in 48 Stunden wieder in Bucharest oder schon auf dem Weg nach Sofia sein würde.

Freitag Nachmittag nahm der Großteil der Truppe einen schon sehr vollen Bus nach Sibiu, sodass der ein oder andere von uns stehen musste. Mir wurde in der letzten Reihe ein Platz angeboten und von weiter vorne rief mir ein Freiwilliger zu, dass ich mich doch mit ihnen unterhalten soll. Und ich schüttelte nur den Kopf, denn ich kann kein rumänisch. Auf bulgarisch kann ich mich nicht wirklich (also vermutlich eher so gar nicht) unterhalten, aber auf rumänisch? Woher denn? Da bemerkte ich wieder die Unterschiede – bis auf eine der drei Freiwilligen in Moldau lernt die ganze Homezone rumänisch, und manche sind da schon echt gut drin. Meine 6 Stunden Einzelsprachkurs mit der traditionellen „warum Bulgarien scheiße ist“ Einführung meines Sprachlehrers sind dagegen absolut gar nichts.

Zusammen mit anderen Freiwilligen nahm ich mir ein Hostelzimmer, wir schlenderten über den Weihnachtsmarkt, probierten uns bei den Glühweinen durch und es tat gut. So unglaublich gut. Was auf dem Vorbereitungsseminar noch als so schlecht dargestellt wurde, diese deutsche Blase, die tat mir so unheimlich gut. Auch wenn es dann etwas unangenehm wurde, als ich mich an einen Tisch stellte, der von einem knutschenden Pärchen besetzt wurde und mit den Worten „die knutschen doch eh rum“ beschlossen hatte, dass es dort noch Platz für uns gab und die Frau uns danach ansprach, ob es okay wäre, wenn sie eine raucht – und zwar auf Deutsch.

Bevor es dann am Samstag zurück nach Bukarest und für mich dann weiter nach Sofia ging, besuchten wir einen Bazar im Deutschen Zentrum und ich war einfach nur begeistert. Es hatte mir wirklich gefehlt, mich vernünftig in meiner Muttersprache zu verständigen und es auch einfach nur zu hören, wie andere deutsch sprechen.

Die Rückfahrt war bis Bukarest noch ganz okay, ich war nicht alleine und Johanna blieb neben mir sitzen, auch wenn es genügend freie Plätze gegeben hätte. Ich habe es nicht ausgesprochen, aber ich war froh, als sie neben mir sitzen blieb – denn danach kam die Fremde. Sie und ihre zwei Mitbewohner machten sich auf den Weg zur Wohnung und da es sich für mich nicht wirklich rentierte, mitzukommen, machte ich den Kaufland unsicher. Vieles ähnelte oder war gleich wie im Kaufland hier, aber trotzdem wirkte es wieder fremd. Und dann, wieder am Busbahnhof, rief ich meine Mutter an, um dieser Fremde noch etwas zu entfliehen.

Die Fahrt nach Sofia war sehr schlaflos – aber da wir ca. 40 Minuten zu früh am Busbahnhof ankamen, konnte ich sogar den Zug um 6:30 nehmen, den ich gar nicht erst auf den Schirm gehabt hatte. Die alten DB-Wagen brachten etwas heimatliches in die Fremde – dazu aber in einem separaten Blogeintrag mehr, trotzdem fühlte ich mich wieder schrecklich fremd. Menschen sprachen mich an und auch mein „Ich bin Deutsche“ schien wenig Verständnis für meine Situation hervorzubringen.

Und dann, wieder in der Wohnung, die noch Strom und Wasser hatte, kullerten wieder die Tränen. Die Tränen, auf die ich so gut hätte verzichten können. Die schlaflose Nacht, die Fremde, das Alleinesein, das alles war vermutlich einfach etwas viel für mich – und das Wissen, dass die nächsten Schultage elendig lange werden.

Denn ab dem 2.12. sind die mündlichen Prüfungen für das Sprachdiplom und ich darf bei der Vorbereitung Aufsicht führen und ich kann nach dem ersten Tag nur bestätigen, dass es echt brutal ist. Rumsitzen, irgendetwas machen aber bitte nicht zu beschäftigt damit sein, damit doch zumindest etwas Aufmerksamkeit auf dem Prüfling liegt. Immerhin ist der Adventskalender von zuhause angekommen und versüßt mir diesen ersten (und längsten) Prüfungstag etwas. Also nicht wundern, wenn im Dezember etwas mehr hochgeladen wird.