„Kannst du denn schon bulgarisch?“

Wie bereits erwähnt, gehen mehrere aus meinem Freundeskreis ebenfalls ins Ausland. Meine Freundin, die ein Au-Pair Jahr in den USA macht, musste sich mit der Sprache (logischer Weise) gar nicht mehr groß auseinandersetzen, die andere Freundin hatte bis zum Abitur Latein und geht nach Italien – und ich? Ich lerne erst einmal ein ganz anderes Alphabet.
Es ist doch faszinierend, wie sehr wir darauf konditioniert werden, dass nach A und B dann das C kommt und nicht, wie im Bulgarischen, das V bzw W. Und dass das bulgarische H nicht dem deutschen H, sondern unserem N entspricht, und ‚unser‘ B ihr V bzw W ist, macht das Lernen am Anfang auch nicht einfacher.

Zudem habe ich nur einen einzigen Sprachkurs gefunden, mit dem ich inhaltlich doch etwas auf dem Kriegsfuß stehe. Meinen Mitschülern, vor allem aus dem Deutsch LK oder dem Religionsunterricht, mag meine kritische Auseinandersetzung mit Arbeitsmaterialien bekannt vorkommen; war es da aber noch etwas, dass ich mir auch leisten konnte, so raubt es mir jetzt teilweise die Lust, diesen Sprachkurs überhaupt zu öffnen.
Denn anstatt die ersten Verben konjugieren zu können, würde es mir erst einmal reichen, mich vorstellen zu können. Deswegen war ich doch sehr erleichtert, als ich einige Google Recherchen später auf die Webseite von Lina gestoßen bin, welche mir dann bei genau solchen Dingen geholfen hat.

Zudem habe ich, in einem Anflug von Mut und dem Gedanke, dass ich mein Handy gut genug kenne, um so eine wahnwitzige Aktion durch zu ziehen, mein Handy auf bulgarisch gestellt. Verstehen tue ich dadurch nicht wirklich mehr, aber die Buchstaben kommen mir mittlerweile etwas vertrauter vor – und ich lese ständig Sachen vor und belehre meine Schwester damit, wie ‚Flugzeugmodus‘ oder ‚Taschenlampe‘ auf bulgarisch heißt.

Mit eine andere Freundin, welche russisch kann, habe ich mich schon mit der Schreibschrift beschäftigt – nach etwas Übung sieht es auf jeden Fall schon mal ganz passabel aus, finde ich.

Aber so wirklich bulgarisch sprechen kann ich noch nicht, aber ich hoffe, dass wird sich während meinem Jahr dort und gerade auch wegen dem Sprachkurs noch ein bisschen ändern, denn jetzt habe ich erst einmal andere Prioritäten: zwei Koffer packen (für das Vorbereitunsgsseminar und für Burgas), mich von den ersten Freunden verabschieden und die ersten letzten zwei Tage zuhause genießen, bevor das große Abenteuer losgeht!

Das große Packen – oder: was brauche ich wirklich?

Packen ist etwas, vor dem ich mich immer irgendwie drücke und bislang ging das auch immer relativ gut. Aber so langsam muss ich packen, und das nicht nur einmal.

Nein, ich packe nämlich zweimal. Einmal für das Vorbereitungsseminar und einmal für Burgas. Und da es Sachen gibt, die ich am liebsten jeden zweiten Tag trage, werden sich die Koffer nur in der Variabilität und im Gewicht groß unterscheiden. Und dann wird im Koffer für das Seminar vielleicht nur ein Pulli landen, während es im Koffer für Burgas durchaus ein paar mehr sein werden …

Zugegeben, die Temperaturen, die mich dort erwarten, sind wie bereits in anderen Beiträgen angedeutet nicht zwingend mein Wetter und dementsprechend auch nicht das, wofür mein Kleiderschrank unbedingt so super ausgestattet sind. Meine Mutter musste mich zu H&M schleppen, damit ich die Anzahl meiner kurzen Hosen, mit denen man unter Leute gehen kann, verdoppeln konnte.
Dementsprechend überfordert bin ich. Vermutlich wird erst einmal so jedes T-Shirt, das ich besitze in den Koffer für Burgas geschmissen werden und dann je nach Gewicht etwas aussortiert oder eben nicht.

Und dann kommen noch solche Fragen wie viele Schuhpaare sinnvoller Weise mitgenommen werden sollten, ob die Lieblingskuscheldecke hier oder vermutlich erst einmal im Schrank dort besser aufgehoben ist oder ob der Groot-Pflanzentopf bzw Stiftebehälter wirklich so unbedingt mit muss oder nicht.
Aber auch wieviele Packungen Zahnpasta keine Gewichtsverschwendung darstellen (und der Folgegedanke ob es meine Zahnpasta dort überhaupt im DM zu kaufen gibt …), ob es reicht, zwei Deos für den Anfang mitzunehmen, wie viele Bilder (und Abschiedsgeschenke) realistisch betrachtet wirklich mitmüssen, … damit setze ich mich momentan auseinander oder versuche es zumindest.

Es ist merkwürdig, zu wissen, dass alles, was nicht in den großen Koffer für Burgas und in mein Handgepäck passt, für ein Jahr nicht mehr greifbar ist. Wahrscheinlich kann ich mich deswegen nur sehr schwer (oder eigentlich gar nicht) entscheiden, was wirklich mit muss, was mit kann falls Gewicht und Platz das zulassen und was doch besser hier aufgehoben ist.
Und ganz vielleicht habe ich mich auch schon dabei ertappt, ernsthaft darüber nach zu denken, das kaputte Stofftier von unserem Hund (‚Agent P‘, Schnabeltierspielzeug) ganz ausversehen in den Koffer zu schmeißen, um etwas bei mir zu haben, wenn nachts alles zu leise ist und ich ihr nächtliches Schmatzen, das Seufzen, Brummen und ihr Hecheln plötzlich sehr vermisse …

Irgendetwas werde ich sicherlich vergessen – und im Nachhinein ist man immer klüger. Vielleicht schreibe ich ja mal einen Teil 2 hierzu, was wirklich sinnvoll war und was dem panischen und leicht überforderten Packen zum Opfer gefallen und mit nach Burgas geschleppt worden ist …

Adios Amigos (falsche Sprache, upsi :D)

Lina