{"id":421,"date":"2016-12-12T18:50:03","date_gmt":"2016-12-12T17:50:03","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/?p=421"},"modified":"2016-12-12T19:16:24","modified_gmt":"2016-12-12T18:16:24","slug":"halbzeit-auf-zum-zwischenseminar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/2016\/12\/12\/halbzeit-auf-zum-zwischenseminar\/","title":{"rendered":"Halbzeit &#8211; Auf zum Zwischenseminar!"},"content":{"rendered":"<p>\u200bKaum zu glauben, dass die H\u00e4lfte meiner Zeit in Kenia schon vorbei ist! Zum einen bedeutet das f\u00fcr mich, dass mir ein zuvor unbekanntes Land fast drei Monate lang jeden Tag etwas vertrauter geworden ist. Ich kenne meine Sch\u00fclerinnen, wei\u00df, wo ich in der Stadt die besten Chapatis essen kann und dass ich mir keine Sorgen machen muss, wenn es am Stra\u00dfenrand mal ein kleines Feuer gibt. Zum anderen bedeutet das aber auch, dass nun das Zwischenseminar ansteht. Eine M\u00f6glichkeit, dem Alltag f\u00fcr ein paar Tage zu entfliehen und aus etwas Distanz einen Blick auf die bisherige Zeit zu werfen. Noch dazu kommt nat\u00fcrlich der Austausch mit den anderen Freiwilligen, die teils \u00e4hnliche Erfahrungen machen und gemacht haben.&nbsp;<\/p>\n<p>Und so war ich voller Vorfreude, als ich am Mittwochnachmittag mit Theresa, Isabelle und Sebastian im Taxi nach Karen sa\u00df, dem Stadtteil Nairobis, in dem das Seminar stattfinden sollte. Vor Ort wurden wir von unseren Trainerinnen Jana-Lou und Vicky sehr herzlich empfangen. Am Abend stie\u00df auch noch Peter aus dem kulturweit-B\u00fcro hinzu, der das Seminar mit uns verbringen wollte. Sowohl vom Seminargel\u00e4nde und den R\u00e4umlichkeiten (perfekte Duschen! :D) als auch vom Essen war ich wirklich positiv \u00fcberrascht. Dass das Fr\u00fchst\u00fcck nicht so der Renner war, war \u00fcberhaupt nicht tragisch, da es zum Chai kurz darauf meist leckere Maandazi, S\u00fc\u00dfkartoffeln und einmal sogar Pancakes gab. Aber genug vom Essen!&nbsp;<\/p>\n<p>Nach und nach trudelten also alle Freiwilligen ein, die mit dem Flugzeug, per Bus oder einfach nur mit dem Taxi angereist waren. Nach der obligatorischen Namensrunde starteten wir mit unseren Erwartungen an das Seminar. Neben einer weiteren Vertiefung der Themen vom Vorbereitungsseminar (Rassismus, Kolonialismus, Feminismus) und einer Einsatzstellenreflexion wurde vor allem der generelle Austausch oft genannt. So besprachen wir kurz den vielversprechenden Wochenplan und lie\u00dfen den Abend dann, nach einer kleinen Einheit zum Thema &#8222;Wohlf\u00fchlort&#8220;, in gem\u00fctlicher Runde ausklingen.&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber dem n\u00e4chsten Tag stand die \u00dcberschrift &#8222;Entwicklungshilfe&#8220;. Dazu waren zwei externe Referenten eingeladen, eine Leiterin eines Waisenhauses in Kakamega und ein Kenianer mit einem sehr interessanten Ansatz zum Thema &#8222;Entwicklungshilfe&#8220;. Wir besch\u00e4ftigten uns mit Fragen wie: Was verstehen wir unter Entwicklungshilfe? M\u00fcssen wir wirklich jemanden &#8222;entwickeln&#8220;? Ist &#8222;aid&#8220; wirklich das richtige Wort, oder alles nur Eigennutz? Was kann nachhaltig getan werden? M\u00fcssen wir \u00fcberhaupt was tun? Fragen \u00fcber Fragen, die zum Nachdenken anregen. Und genau das sollen sie auch. Ich erinnere mich an das Vorbereitungsseminar. Die Wichtigkeit des Bewusstseins. Sich immer wieder ins Ged\u00e4chtnis zu rufen, dass man Privilegien hat und zu \u00fcberlegen, was man mit ihnen macht. &#8222;Don&#8217;t come to talk, come to listen.&#8220; war f\u00fcr mich ein zentrales Zitat des Seminars, das mich auch in Hinblick auf die zweite H\u00e4lfte meines Freiwilligendienstes noch einmal nachdenklich gestimmt hat. Wo habe ich den Menschen wirklich ein offenes Ohr geschenkt, habe ihnen zugeh\u00f6rt, sie erz\u00e4hlen lassen? Wo war ich vielleicht zu laut? Auch in Bezug auf die &#8222;Entwicklungshilfe&#8220; k\u00f6nnte es vielleicht hilfreich sein, erst einmal zuzuh\u00f6ren bzw. sich zu informieren, was wirklich sinnvoll ist. Der Ansatz des zweiten Referenten ist es u.a., die Firmen vor Ort zu st\u00e4rken und sie so wettbewerbsf\u00e4higer zu machen. Wenn ich hier sehe, was mit einem Teil der Kleidung passiert, die wir in Deutschland in den Altkleiderkontainer werfen, bin ich echt ratlos. Kleidung von H&amp;M und Co ist hier auf zahlreichen Kleiderm\u00e4rkten zu finden und sind so billig, dass sie den lokalen Produzenten das Leben schwer machen.<\/p>\n<p>Und dann ist da noch eine weitere Frage, die ich seit des Seminars mit mir rumtrage. Ist mir Kenia nun (ein wenig) bekannt? Oder bin ich immer noch eine Fremde im Land? Inwiefern kann ich die Menschen \u00fcberhaupt verstehen? Ist unsere Herkunft nicht zu verschieden f\u00fcr einen Austausch ganz ohne Barrieren? Am Samstagmittag sahen wir den Film einer Freiwilligen, die w\u00e4hrend ihrem Freiwilligendienst in S\u00fcdafrika Aufnahmen von den Studentenprotesten im Land gemacht hat und immer wieder auf starke Ablehnung gesto\u00dfen ist (http:\/\/m.spiegel.de\/sptv\/spiegeltv\/a-1118597.html). &#8222;Deine wei\u00dfe Hautfarbe besch\u00fctzt dich. Aber wir als Schwarze, wir leiden hier. Wir haben nichts. Du kommst her und filmst uns als w\u00e4ren wir Tiere. Ich bin w\u00fctend, sogar jetzt gerade. Aber wenn das der einzige Weg ist, meine Botschaft mitzuteilen, erniedrige ich mich daf\u00fcr. Dann bin ich dein Affe, du h\u00f6rst meinen Schmerzen zu, dann sprichst du dar\u00fcber oder was auch immer. Aber ich denke nicht, dass das irgendwas \u00e4ndern wird. Bis unsere Leute sich zusammentun und wir bekommen, was uns zusteht.&#8220; Ein Zitat aus dem Film. &nbsp;Vielleicht m\u00fcssen wir einfach akzeptieren, dass es R\u00e4ume gibt, in die wir als privilegierte Wei\u00dfe nicht reinkommen, die f\u00fcr uns verschlossen bleiben.<\/p>\n<p>Am Freitag stand dann auch schon der Ausflugstag an. Vormittags besuchten wir gemeinsam das National Museum, wo es au\u00dfer einer Sammlung von ausgestopften Tieren u.a. eine interessante Ausstellung zur Geschichte Kenias gab. Es gab so viel zu sehen, dass man dort eigentlich noch viel l\u00e4nger h\u00e4tte bleiben k\u00f6nnen. Zum Mittagessen gingen wir in ein \u00e4thiopisches Restaurant, wo uns Sarah und Timo (Freiwillige in \u00c4thiopien) nat\u00fcrlich die besten Tipps geben konnten. F\u00fcr mich war es das erste \u00e4thiopische Essen und es hat mir wirklich gut geschmeckt. Vor allem war es &#8211; im Vergleich zum meist recht faden kenianischen Essen &#8211; sehr lecker gew\u00fcrzt.&nbsp;<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend blieb uns die Wahl, ob wir eine Art Gallery oder das Giraffencenter besuchen m\u00f6chten. Ich entschied mich f\u00fcr Letzteres und es war wirklich sch\u00f6n. Das Giraffencenter wurde 1983 von einem amerikanischen Ehepaar zum Schutz der Rothschild-Giraffe gegr\u00fcndet und soll au\u00dferdem die kenianische Jugend f\u00fcr den Naturschutz begeistern. Auf einer hohen Terrasse konnten wir die Giraffen streicheln und f\u00fcttern. Besonders am\u00fcsant waren ihre blauen und glitschigen Zungen. Au\u00dferdem erfuhren wir in einem kleinen Vortrag, wie man weibliche von m\u00e4nnlichen Giraffen unterscheidet (anhand der H\u00f6rner) und dass sie trotz ihrer Gr\u00f6\u00dfe (bis zu 5,80m) wie wir Menschen nur sieben Halswirbel haben.&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1600\" height=\"1200\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161206-wa0083-2.jpg\" class=\"wp-image-430 alignnone size-full\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161206-wa0083-2.jpg 1600w, https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161206-wa0083-2-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161206-wa0083-2-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161206-wa0083-2-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161206-wa0083-2-750x563.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 1600px) 100vw, 1600px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1600\" height=\"1200\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161204-wa0022.jpg\" class=\"wp-image-428 alignnone size-full\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161204-wa0022.jpg 1600w, https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161204-wa0022-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161204-wa0022-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161204-wa0022-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161204-wa0022-750x563.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 1600px) 100vw, 1600px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"1600\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161206-wa0071.jpg\" class=\"wp-image-425 alignnone size-full\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161206-wa0071.jpg 1200w, https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161206-wa0071-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161206-wa0071-768x1024.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161206-wa0071-750x1000.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend spazierten wir auf der gegen\u00fcberliegenden Stra\u00dfenseite noch ein wenig durch einen Wald, wo pl\u00f6tzlich der gr\u00f6\u00dfte K\u00e4fer, den ich je gesehen hab, beschloss, sich auf meiner Hose niederzulassen. Nach einem ersten Schreckmoment war ich echt beeindruckt von seinem gl\u00e4nzenden Chitin-Panzer. Anschlie\u00dfend ging es mit dem Bus wieder zur\u00fcck zum Seminargel\u00e4nde, wo am Abend noch zwei verschiedene Filme angeboten wurden. Ich entschied mich f\u00fcr &#8222;XXY&#8220;, einen argentinischen Film, der sich mit dem Thema Intersexualit\u00e4t besch\u00e4ftigt.&nbsp;<br \/>\nAm Samstag war dann schlie\u00dflich Zeit zur Einsatzstellenreflexion. In zwei Kleingruppen stellte jeder seine Einsatzstelle vor und es wurde auch \u00fcber Probleme gesprochen und gemeinsam nach einer L\u00f6sung f\u00fcr diese gesucht. Den Nachmittag widmeten wir der Planung unseres Freiwilligenprojektes, ein kleines Projekt, das von jedem\/jeder kulturweit-Freiwilligen w\u00e4hrend des Auslandsaufenthaltes durchgef\u00fchrt werden kann bzw. sollte. Aber hierzu bald mehr.<\/p>\n<p>Am Abend stand schlie\u00dflich das mittlerweile wohl fast schon traditionelle Zwischenseminars-Wichteln an. In sch\u00f6ner Kerzenatmosph\u00e4re stellten alle ein kleines Mitbringsel aus ihrem Einsatzland auf den runden Tisch in der Mitte. Nun wurde durch W\u00fcrfeln in zwei Runden ausgeknobelt, wer welches Geschenk bekommen sollte. Das war wirklich lustig! Am Ende hielt ich super leckere Kessala Chips (aus Maniok) und Ginger Bonbons aus Kamerun in den H\u00e4nden! \ud83d\ude42 Wir sa\u00dfen noch lange zusammen und lie\u00dfen den Abend gemeinsam (und auch mit ein paar Weihnachtsliedern) ausklingen.&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1600\" height=\"1200\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161209-wa0004-2.jpg\" class=\"wp-image-429 alignnone size-full\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161209-wa0004-2.jpg 1600w, https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161209-wa0004-2-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161209-wa0004-2-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161209-wa0004-2-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161209-wa0004-2-750x563.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 1600px) 100vw, 1600px\" \/><\/p>\n<p>Am Sonntag war auch schon der letzte Tag des Seminars. Nach einem &#8222;Open Space&#8220;, der f\u00fcr Kurzfilme, Volleyball und Yoga genutzt wurde, kamen wir ein letztes Mal zur Reflexion zusammen. Im Anschluss verwandelte Vicky uns in einen kleinen A cappella Chor, indem wir nach kurzer \u00dcbung vielstimmig &#8222;Don&#8217;t worry, be happy &#8220; performten. Gar nicht mal so schlecht. Zum Abschied lie\u00dfen wir Wunschblumen aufbl\u00fchen (eine sch\u00f6ne Methode s. Foto).&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1195\" height=\"1600\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161204-wa0019.jpg\" class=\"wp-image-431 alignnone size-full\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161204-wa0019.jpg 1195w, https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161204-wa0019-300x402.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161204-wa0019-768x1028.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161204-wa0019-765x1024.jpg 765w, https:\/\/kulturweit.blog\/abenteuerafrika\/files\/2016\/12\/img-20161204-wa0019-750x1004.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 1195px) 100vw, 1195px\" \/><\/p>\n<p>Nach einem letzten Mittagessen trennten sich dann unsere Wege. Es war ein sehr gelungenes Seminar, dass mir noch einmal viel neuen Input gegeben hat. Au\u00dferdem war der Austausch mit den anderen Freiwilligen wirklich interessant und bereichernd. Man sieht sich dann auf dem Abschluss Seminar im Februar! Danke an alle, besonders aber auch an Jana-Lou, Vicky und Peter, f\u00fcr die sch\u00f6ne Zeit! \ud83d\ude42<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u200bKaum zu glauben, dass die H\u00e4lfte meiner Zeit in Kenia schon vorbei ist! Zum einen bedeutet das f\u00fcr mich, dass mir ein zuvor unbekanntes Land fast drei Monate lang jeden Tag etwas vertrauter geworden ist. 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