Cine esti Lucian Blaga? Wer ist Lucian Blaga?

Salut! Ce mai faci? Sunt bine!

Während ich gerade bei herrlichen 24 Grad auf meiner kleinen Terrasse für mich hin vegetiere und über einen griffigen Titel für meinen neuen Blogeintrag nachdenke, esse ich ein paar frisch gemachte „Mici“ oder auch Cevapcici mit Senf und trinke dazu klassisch einen Salep (Joghurtdrink). Nebenbei lerne ich noch einige rumänische Vokabeln, um auf dem Markt auch ja die letzte köstliche Erdbeere für meine „Bani“ zu ergattern. Wenn es also jemals einen sogenannten Kulturschock gegeben hat, ist der nun komplett verschwunden. Übermorgen findet meine neu eingeführte American Football AG statt, bei der ich den Schülern nach dem Unterricht ein paar Basics in Sachen Catching& Route-Running beibringe und wir sogar schon ein kleines 5 gegen 5 Touchfootball Match zu Stande bekommen haben.

Zunächst zu meiner Freizeitbeschäftigung während meines ersten Monats in Romania. Mit einem Jungen namens Andrei, den ich aus der Schule kenne, habe ich mir letzten Freitag ein Motocross geliehen und wir waren im Gelände Off-Road fahren. Enorm spaßig aber auch nicht ganz ungefährlich. Nächste Woche wollen wird die Transalpina Route fahren, die sich auf einer höhe von 2500 Metern in den Karpaten erstreckt. Des Weiteren habe ich mir über das Wochenende einen kleinen Dacia geliehen um etwas die entfernten Gebiete Siebenbürgens zu erkunden. Firstly, Burg Hundeoara. Ein imposantes Schloß aus dem 14. Jahrhundert mit gotischen Zügen, welches auf einem Kalkfelsen in Mitten eines, meiner Meinung nach nicht ganz so charmanten, Industriegebietes thront.

Am Tag darauf folgte das kleine Dorf Sighisoara oder im Deutschen Schäßburg. Dieses kleine aber feine Dorf katapultiert einen (dort gibt es wirklich Katapulte höhö) direkt ins Mittelalter. Große Gebäudeteile und Mauern sowie Festungstürme sind noch so gut wie im Originalzustand erhalten. Demnach ist die komplette Altstadt nicht umsonst seit 1999 UNESCO Weltkulturerbe. Erwähnenswert ist, dass sowohl Schäßburg als auch seine größeren Brüder Hermannstadt und Kronstadt kein bisschen an Authentizität verloren haben und man quasi spüren kann, wie hier ein mal sächsische Siedler vor 800 Jahren gelebt haben. Wie heißt es so schön, hier wird Geschichte lebendig.

Die Stadt ist zwar unerwartet touristisch und mit Souvenirläden übersät aber behält dennoch in den meisten Teilen ihren Charme und lädt zum bummeln durch die kleinen verwinkelten Gassen ein. Besonders gut gefallen hat mir die auf dem Berg des Dorfes stehende evangelisch-gothische Kirche, die durch einen kleinen Tunnel in die dunklen angrenzenden Katakomben führt. Verlässt man die Kirche in Richtung Süden, kann man einen kleinen Umweg zurück ins Dorf nehmen, der sich alle Mal lohnt. Nämlich durch einen 200 Jahre alten Friedhof der sich den ganzen Rücken des Berges herunter bahnt und einen tollen Ausblick auf die Landschaft bietet. Auf dem Rückweg wurden noch zwei Stops eingelegt. Der erste an einem Apfelstand um den besten Apfelsaft zu kaufen, den ich je getrunken habe (ist nicht übertrieben) und der zweite in Sibiu (Herrmannstadt) um mit einem vollen Bauch voll „Samale“, oder auch Kohlrouladen, und „Mici“ nach Sebes zurück zu fahren. Mir gefällt die rumänische Küche enorm, insbesondere die sogenannte „Hirtenpfanne“. Gepökeltes und gekochtes Lammfleisch an Polenta mit Tzatziki. Durch meine bisher zurückgelegten Autofahrten muss ich nun allerdings einen Kritikpunkt loswerden. Die Rumänen, denen ich im Straßenverkehr begegnet bin, fahren enorm riskant und überholen selbst in Kurven ohne nachzudenken. Alleine auf der halbstündigen Fahrt nach Sibiu bin ich, meines Zählstandes nach, an 48 Kreuzen am Straßenrand entlang gefahren. Wenn also irgendein tollkühner Leser auf die Idee kommt mit dem Auto durch Rumänien zu fahren, passt bitte auf! Daheim angekommen begab ich mich auf direktem Wege in mein Bett, da die vielen Eindrücke und die recht nervenaufreibende Autofahrerei dann doch Kraft gekostet haben. In Sebes selbst mache in unter der Woche bis auf Basketball und Football recht wenig und liege meistens in dem kleinen Garten in unserem Hinterhof in der Sonne und lese zurzeit  „Der Streik“ von Ayn Rand (sehr zu empfehlen & wer es liest, versteht auch den Titel des Eintrags)

Nun zu meiner Arbeit an dem „Colegiual National Lucian Blaga“. In den ersten Wochen hatte ich einen Stundenplan bekommen samt Übungsaufgaben zu den im Mai anstehenden Fit-Prüfungen (A1-B1) die vom Goethe Institut erstellt wurden und die Deutschkenntnisse des Absolventen nachweisen sollen. Ebenfalls bereiten sich die Schüler auf eine nationale deutsche Spracholympiade vor, bei der sie, falls erfolgreich, neben Prestige für die Schule einen garantierten Universitätsplatz an ihrer rumänischen Wunschuni bekommen. Mein Schulalltag besteht also darin, im Einzelunterricht mit den Kindern Aufgaben zu den bevorstehenden Prüfungen zu machen und so viel wie möglich mit ihnen zu sprechen, was nur gelegentlich ins englische abdriftet. Die Prüfung besteht aus Lesen,Hören,Sprechen und Schreiben und dauert insgesamt 3 Stunden. Mittlerweile beaufsichtige ich auch die Kinder der vorhandenen Deutschlehrerinnen, bei denen der Druck und die mutmaßlichen Versagensängste spürbar am größten sind. Was das Sprachniveau angeht, sind die Schüler sehr durchmischt. Manche bereiten sich auf die B1 Prüfung vor, obwohl sie nicht mal ihr Wochenendplanungen präsentieren könne, wohingegen andere Schüler sich auf die A2 Prüfung vorbereiten und Texte von Erich Kästner zusammenfassen können. Alles in allem muss ich allerdings sagen, dass die überwiegende Mehrheit für ihren Lernstand hervorragend deutsch spricht, was allerdings auch ihrer bilingualen Erziehung, da wie in meinem früheren Blogeintrag angegeben, noch viele Siebenbürgen Sachsen in Sebes ansässig sind und dem Deutschunterricht in der Grundschule mit zu verdanken ist. Peinlich wurde es, als eine Lehrerinn mich während des Unterrichts unvorbereitet aufforderte ein deutsches Lied zu singen. Spontan fiel mir da nur „Dieser Weg wird kein leichter sein“ von Xavier Naidoo an, das ich diesen durch SingStar auswendig beten konnte. Ich behaupte jedoch nicht, das mein vorhandenes Wissen, meine krächzende Stimme und meinen hochroten Kopf in irgendeiner Weise retten konnte. In der laufenden Woche wich mein Stundenplan jedoch von der Norm ab und ich musste für Frau Suciu den Deutschunterricht spontan übernehmen, da sie mit den deutschen Austauschschülern aus Düsseldorf an einigen Exkursionen teilnehmen musste. Bei den Klassen war zwischen der 6. und der 12. Klasse alles mit im Boot. Überraschenderweise fiel es mir nicht besonders schwer in der Klasse mal mit dem Rücken zur Tafel zu stehen. Mit den Jüngeren machte ich vorgegebene Aufgaben von Frau Suciu, die sie ohne zu murren erledigen und mit den älteren etwas improvisiertere Sachen, wie etwa Präsentationen üben oder einfaches Vorlesen aus der Tragödie Faust. Leider muss ich zugeben, dass die Schule einen großen Fokus auf Naturwissenschaften legt und Sprachen in der Obligatorik etwas zu kurz kommen, was sich durch die Abwesenheit der Schüler bemerkbar macht. Bisher kann ich aber mit gutem Gewissen sagen, dass mir meine Tätigkeit hier in Sebes spaß bereitet und  zugeben muss, die rumänische Kultur völlig unterschätzt zu haben. Da bald Ostern vor der Tür steht, habe ich vor Kurzem einen Flug nach Dortmund gebucht und werde die Feiertage bei meiner Familie verbringen. Die darauffolgende Woche werde ich meinen ehemaligen Roommate Igor in Amman besuchen, der dort ebenfalls als Freiwilliger im Auftrag von dem Pädagogischen Austauschdienst tätig ist.

 

P.S. In Sighisoara war zwar das Geburtshaus von Vlad Dracul, dem historischen Dracula, allerdings bis auf Souvenirs in Form von T-Shirts mit der Aufschrift „I have survived Dracula“ kein Anzeichen auf etwaige Vampire. Vielleicht ändert sich dies, wenn ich Anfang Mai mit Frau Suciu zu der nationalen deutschen Spracholympiade nach Kronstadt fahre und das Schloß Bran (Schloß Dracula) besichtige.

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