{"id":484,"date":"2015-11-24T12:28:37","date_gmt":"2015-11-24T11:28:37","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/?p=484"},"modified":"2015-11-24T12:32:13","modified_gmt":"2015-11-24T11:32:13","slug":"wo-alles-endet-und-neu-beginnt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/2015\/11\/24\/wo-alles-endet-und-neu-beginnt\/","title":{"rendered":"Wo alles endet und neu beginnt"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_489\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/11\/12227073_709087072525211_7899291305082145333_n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-489\" class=\"size-thumbnail wp-image-489\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/11\/12227073_709087072525211_7899291305082145333_n-150x150.jpg\" alt=\"Feuerwerk am 18.11.14 in Riga\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/11\/12227073_709087072525211_7899291305082145333_n-150x150.jpg 150w, https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/11\/12227073_709087072525211_7899291305082145333_n-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-489\" class=\"wp-caption-text\">Feuerwerk am 18.11.14 in Riga<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify\">Wie f\u00e4ngt man an, wenn man einen Schlussstrich unter eine Zeit ziehen muss, weil eine andere bereits begonnen hat? Wie beendet man einen Abschnitt des Lebens, um dem n\u00e4chsten den ihm zustehenden Platz einzur\u00e4umen? Genau diese Fragen musste ich mir auch vor mittlerweile mehr als einem Jahr stellen. Damals hatte ich die Zusage, mit kulturweit ein Jahr nach Riga zum DAAD zu gehen und malte mir aus, wie mein Leben wohl sein w\u00fcrde, wenn ich erst mal alles organisiert h\u00e4tte. Malte mir aus, wo ich wohnen, wie ich leben w\u00fcrde, wie schnell ich eine mir bis dato v\u00f6llig fremde Sprache lernen k\u00f6nnte, wen ich treffen, wohin ich reisen und was ich erleben w\u00fcrde. Das, was in jedem Fr\u00fchjahr und in jedem Herbst in diesen kulturweit-Blogs steht. Die meisten dieser Geschichten von Fernweh und Fremde enden allerdings abrupt mit der R\u00fcckkehr nach Deutschland &#8211; so auch meine. Bis heute. Denn nun bin ich zur\u00fcck und nun ist es an der Zeit, davon zu berichten, wie das ist.<\/p>\n<p>Kurz gesagt: Zur\u00fcckkommen ist seltsam. Im Ausland ist selbst dein Alltag nicht allt\u00e4glich, weil du auch nach einem Jahr in der Ferne noch auf Dinge st\u00f6\u00dfst, die du nicht kennst. Weil du dich auch nach einem Jahr noch mit der Sprachbarriere auseinandersetzt. Weil du auch nach einem Jahr noch neue Ecken, neue Orten, neue Menschen kennenlernst. Weil du dich auch nach einem Jahr noch nicht an all das gew\u00f6hnt hast, was hier anders funktioniert als in diesem omin\u00f6sen &#8222;Zuhause&#8220;, das du verlassen hast.<\/p>\n<div id=\"attachment_488\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/11\/12006085_686377474796171_7456946338114406849_n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-488\" class=\"size-thumbnail wp-image-488\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/11\/12006085_686377474796171_7456946338114406849_n-150x150.jpg\" alt=\"Blick auf die Alster in Hamburg\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/11\/12006085_686377474796171_7456946338114406849_n-150x150.jpg 150w, https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/11\/12006085_686377474796171_7456946338114406849_n-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-488\" class=\"wp-caption-text\">Blick auf die Alster in Hamburg<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify\">Du kommst also zur\u00fcck nach Deutschland, mehr oder weniger in dein altes Leben und erwartest, dass Dinge passieren. Stattdessen passiert erst einmal &#8211; nichts. Gar nichts. Die Menschen um dich herum sprechen deine Sprache und schon nach wenigen Tagen erinnerst du dich daran, dass man an Supermarktkassen in Deutschland sofort seine Eink\u00e4ufe verpackt, dass es f\u00fcr Beh\u00f6rdeng\u00e4nge Fristen gibt und dass von dir erwartet wird, diese exakt einzuhalten. Du bist angekommen, irgendwie. Und irgendwie auch eben nicht. Denn du fragst dich, ob das hier wirklich das Leben ist, das du mal gef\u00fchrt hast. Dir fehlen Dinge, von denen du nie gedacht h\u00e4ttest, dass sie dir fehlen: der bittere B\u00fcrokaffee, die Tage, an denen deine Heizung nicht funktioniert hat, der Kr\u00e4uterschnaps, der dir von Anfang an nicht geschmeckt hat, die Sprache, die t\u00e4glich vor neue Herausforderungen gestellt hat. Gleichzeitig bist du aber gl\u00fccklich, deine Freunde wieder um dich zu haben &#8211; Freunde, die Familie sind, wie du sp\u00e4testens im vergangenen Jahr gemerkt hast.<\/p>\n<div id=\"attachment_487\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/11\/11145097_667983143302271_2882527390700952270_n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-487\" class=\"size-thumbnail wp-image-487\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/11\/11145097_667983143302271_2882527390700952270_n-150x150.jpg\" alt=\"Moor vor den Toren Rigas\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/11\/11145097_667983143302271_2882527390700952270_n-150x150.jpg 150w, https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/11\/11145097_667983143302271_2882527390700952270_n-300x300.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/11\/11145097_667983143302271_2882527390700952270_n.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-487\" class=\"wp-caption-text\">Moor vor den Toren Rigas<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify\">Es dauerte eine Weile, bis der Alltag mich wieder hatte. Nein, es war nicht alles eitel Sonnenschein nach meiner R\u00fcckkehr, es sind unsch\u00f6ne Dinge passiert &#8211; die hier nicht hergeh\u00f6ren. Andererseits hatte ich einfach so viel Gl\u00fcck, dass ich es selbst kaum fassen kann. Es ist ein gewohnter Alltag, weil es Deutschland ist, weil es Hamburg ist und weil ich das Leben hier kenne. Und es ist ein ungewohnter Alltag, noch immer, weil ich dieses Mal keine Studentin mehr bin. Mir fehlen die Reisen und die kleinen Abenteuer im Baltikum, mir fehlen Botschaftsempf\u00e4nge und B\u00fcroalltag, mir fehlen lieb gewonnene Menschen und Orte. Und doch bin auch dankbar, dass mein Leben nun in etwas ruhigeren Bahnen verl\u00e4uft, dass ich Zeit habe, alles Revue passieren zu lassen. Was ich mitgenommen habe? Ich mache mir weniger Sorgen um das , was sein wird. Denn ich habe gelernt, irgendetwas wird immer sein. Wo sich die eine T\u00fcr schlie\u00dft, geht eine neue auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es ist sch\u00f6n, wieder hier zu sein. Denn ehrlich: Ich habe das alles vermisst. Das alles und an erster Stelle meine Lieblingsmenschen. Und gleichzeitig habe ich Fernweh und wei\u00df: Die Welt und ich, wir sind noch lange nicht fertig miteinander.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie f\u00e4ngt man an, wenn man einen Schlussstrich unter eine Zeit ziehen muss, weil eine andere bereits begonnen hat? Wie beendet man einen Abschnitt des Lebens, um dem n\u00e4chsten den ihm zustehenden Platz einzur\u00e4umen? 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