{"id":470,"date":"2015-07-13T21:38:16","date_gmt":"2015-07-13T19:38:16","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/?p=470"},"modified":"2015-07-13T21:38:16","modified_gmt":"2015-07-13T19:38:16","slug":"das-was-war-und-das-was-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/2015\/07\/13\/das-was-war-und-das-was-ist\/","title":{"rendered":"Das, was war und das, was ist"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_479\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/07\/DSC_1835.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-479\" class=\"size-thumbnail wp-image-479\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/07\/DSC_1835-150x150.jpg\" alt=\"Friede, Freude, Freilichtmuseum\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/07\/DSC_1835-150x150.jpg 150w, https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/07\/DSC_1835-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-479\" class=\"wp-caption-text\">Friede, Freude, Freilichtmuseum<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify\">Daran, dass ich soeben mein Passwort zur\u00fccksetzen musste, weil ich mich nicht mehr an meine LogIn-Daten erinnern konnte, merke ich deutlich, dass mein letzter Bericht aus dem Land der tausend W\u00e4lder und Str\u00e4nde zu weit zur\u00fcckliegt. Immer wieder habe ich mir fest vorgenommen, euch zu erz\u00e4hlen, was ich erlebe, was ich denke. Erst war keine Zeit da, dann keine Motivation und es kam, wie es kommen musste: Ein weiterer, trauriger, verwaister Blog entstand. Doch er tut mir Leid und daher wird er heute endlich wieder mit Geschichten gef\u00fcllt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es ist viel passiert und doch zu wenig. Statt Philosophie und Reflexion, statt ausschweifenden Romanen und geschickten Formulierungen erwartet euch heute also ein Bericht. Das, was war und das, was ist, so, wie es eigentlich nicht meine Art ist. Und doch sind es kleine Erinnerungssplitter, die ich festhalten m\u00f6chte, bevor sie zu blassen Polaroids im Sammelalbum des Lebens werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_476\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/07\/DSC_1770.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-476\" class=\"size-thumbnail wp-image-476\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/07\/DSC_1770-150x150.jpg\" alt=\"Jugendstil in Riga\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/07\/DSC_1770-150x150.jpg 150w, https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/07\/DSC_1770-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-476\" class=\"wp-caption-text\">Jugendstil in Riga<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Juni 2015, Riga, Alumnitreffen.<\/strong> Monatelang haben wir im B\u00fcro des IC Riga auf das Gro\u00dfe Alumnitreffen aller baltischen DAAD- und Humboldtalumni hingearbeitet, rund 250 G\u00e4ste aus vier verschiedenen L\u00e4ndern erwarteten uns, die Aufregung war gro\u00df. Von morgens bis abends wurden Pl\u00e4ne geschmiedet und verworfen, Weichen gestellt und Verabredungen getroffen, Menschen eingeladen und R\u00e4ume organisiert, es wurde an Reden und Vortr\u00e4gen gefeilt, Texte \u00fcbersetzt und Entscheidungen getroffen. Eine anstrengende Zeit und doch mit Abstand die spannendste meines ganzen Jahres hier. Immer wieder ein Gedanke: &#8222;Hoffentlich habe ich keinen Fehler gemacht, hoffentlich findet jede*r jeden Ort, hoffentlich gibt es f\u00fcr alle ein Hotelzimmer, hoffentlich finden alle Exkursionen statt wie geplant, hoffentlich habe ich an alles gedacht.&#8220; Und dann kam er, der gro\u00dfe Tag, der 5. Juni 2015, Anreisetag. Die R\u00e4dchen griffen ineinander. Menschen, mit denen ich zuvor wochenlang per E-Mail kommuniziert hatte und von denen ich auswendig sagen konnte, aus welchem Land sie kamen, in welcher Stadt sie lebten und an welchem Workshop sie teilnahmen, standen live und in Farbe vor mir. Keine gr\u00f6\u00dferen Zwischenf\u00e4lle, daf\u00fcr aber viele sch\u00f6ne Begegnungen, interessante Gespr\u00e4che und Geschichten, nebenbei auch ein ganz klein wenig Stolz. Trotz der vielen Arbeit denke ich gern an diese Tage, an denen uns auch liebe und liebgewonnene Menschen aus der DAAD-Zentrale in Bonn besuchten, zur\u00fcck und bin dankbar daf\u00fcr, um so viele Erfahrungen reicher zu sein.<\/p>\n<div id=\"attachment_477\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/07\/DSC_1706.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-477\" class=\"size-thumbnail wp-image-477\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/07\/DSC_1706-150x150.jpg\" alt=\"Und immer wieder lockt das Meer\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/07\/DSC_1706-150x150.jpg 150w, https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/07\/DSC_1706-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-477\" class=\"wp-caption-text\">Und immer wieder lockt das Meer<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Juni 2015, Saulkrasti. <\/strong>Landflucht. Seit ich mich damals in Ventspils, in dieses kleine Paradies am Ostseestrand, verliebt habe (eine Schaukel und Meeresrauschen im Ohr, unendliche Weite und kein Mensch au\u00dfer mir), sehe ich die Ostsee mit anderen Augen. Wie Sardinen in der Dose eng nebeneinander am Strand in der Sonne braten? Vergesst es! Pl\u00f6tzlich wurde aus einer Touristenfalle ein mystischer Ort und in meiner Erinnerung ist dieses Bild st\u00e4rker als jedes Sonnenbad. Und doch sollte es heute genau das sein: in der Sonne liegen, lesen, Musik h\u00f6ren, Eis essen und braun werden. Ausgestattet wie Mallorca-Touristen vor dem Strandausflug standen wir also eines Morgens in Riga am Bahnhof. Es war bew\u00f6lkt, der Tag h\u00e4tte also nicht besser beginnen k\u00f6nnen. Im Zug beschlich uns schnell das Gef\u00fchl, dass wir den Ort verpassen k\u00f6nnten: Es gab nat\u00fcrlich wieder einmal keine Anzeigen und kaum verst\u00e4ndliche Durchsagen. Saulkrasti sollte es sein, was auf Deutsch &#8222;sonnige K\u00fcsten&#8220; bedeutet. Wir hofften auf ein Wunder, darauf, dass der Ort seinem Namen alle Ehre machen w\u00fcrden, darauf, dass wir der Tristesse, die Riga bei Regen manchmal ausstrahlt, entkommen k\u00f6nnten. Unterwegs lichteten die Wolken sich, ich war guter Dinge. Doch wir alle kennen das, das Leben hat einen seltsamen Humor: Wenige Minuten sp\u00e4ter begann es zu regnen. Ach, Lettland. Angekommen am Strand regnete es nicht mehr &#8211; von der Sonne war allerdings auch nichts zu sehen. Egal, nun waren wir schon mal hier. Der Weg zum Strand f\u00fchrte uns eine Stra\u00dfe hinunter, vorbei an den unterschiedlichsten H\u00e4usern zur Linken und der Natur zur Rechten. Noch wenige Meter und wieder dieses magische Gef\u00fchl: Es ist ganz nah, das Meer. Es sieht dich, bevor du es siehst und hei\u00dft dich mit sanftem Rauschen willkommen. Ein Schritt noch und pl\u00f6tzlich bist du mittendrin. Auch an diesem grauen Tag entfaltete es seinen Zauber sofort: Himmel und Meer gingen nahezu nahtlos ineinander \u00fcber, getaucht in Pastellfarben, leichter Nebel hing in der Luft. Ich komme aus einem kleinen Ort nahe der Nordsee, habe an der Elbe gelebt und dann nahe der Ostsee und doch bleibt das Meer immer unfassbar. Nicht zuletzt hielt Saulkrasti sein versprechen, der Himmel riss auf und wir bekamen unseren Strandtag. Fast wie Mallorca, nur ohne Sangria-Eimer, Schlager, betrunkene Deutsche mit Socken in den Sandalen und Eisbein mit Sauerkraut. Deutlich besser also.<\/p>\n<div id=\"attachment_478\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/07\/DSC_1830.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-478\" class=\"size-thumbnail wp-image-478\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/07\/DSC_1830-150x150.jpg\" alt=\"Freilichtmuseum Riga\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/07\/DSC_1830-150x150.jpg 150w, https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/07\/DSC_1830-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-478\" class=\"wp-caption-text\">Freilichtmuseum Riga<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Juni 2015, Riga, Besuchszeit.<\/strong>\u00a0Meine Tante und mein Onkel hatten sich auf den Weg von D\u00fcsseldorf in die gr\u00f6\u00dfte Stadt des Baltikums gemacht. Das Abendessen war vorbereitet, wenn auch teilweise improvisiert. Auf zum Flughafen! Dort erwartete uns ein seltsames Spektakel: Ein Flugzeug aus Deutschland landete. Doch aus der Schiebet\u00fcr im Ankunftsbereich kam ein buddhistischer M\u00f6nch. Das allein w\u00e4re wenig spektakul\u00e4r, doch um ihn herum tauchten pl\u00f6tzlich weitere M\u00f6nche auf, um ihn zu begr\u00fc\u00dfen. Nie zuvor war mir in Riga \u00fcberhaupt ein M\u00f6nch begegnet. Ich wandte mich wieder ab und fixierte die T\u00fcr. Heraus kam wieder nicht meine Familie, sondern eine Nonne. Wie ich schon sagte, das Leben hat Humor. Bei so viel Segen verschiedener Weltreligionen war es dann nat\u00fcrlich kein Wunder, dass auch meine Familie mit nur leichter Versp\u00e4tung Riga erreichte. Es ist immer wieder sch\u00f6n, Menschen, die du magst, deine Stadt zu zeigen &#8211; denn auch du siehst sie dann mit neuen Augen und nimmst Dinge wahr, die zuvor einfach nur Alltag f\u00fcr dich waren.<\/p>\n<div id=\"attachment_480\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/07\/DSC_1750-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-480\" class=\"size-thumbnail wp-image-480\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/07\/DSC_1750-2-150x150.jpg\" alt=\"Mittsommernacht ist Hippiezeit!\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/07\/DSC_1750-2-150x150.jpg 150w, https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/07\/DSC_1750-2-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-480\" class=\"wp-caption-text\">Mittsommernacht ist Hippiezeit!<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch das lettische Mittsommernachtsfest in der k\u00fcrzesten Nacht des Jahres stand an: Leider noch mehr verregnet als in den Jahren zuvor, au\u00dfer Blumen, Essen und Bier nichts gewesen. Dennoch blieben wir wach, bis die Sonne wieder aufging. Denn nur, weil du sie nicht siehst, hei\u00dft es nicht, dass sie dich nicht sieht &#8211; und in dieser Nacht vor Sonnenaufgang schlafen zu gehen, bringt angeblich Pech. Lieber nichts riskieren! \ud83d\ude09<\/p>\n<div id=\"attachment_481\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/07\/DSC_1725.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-481\" class=\"size-thumbnail wp-image-481\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/07\/DSC_1725-150x150.jpg\" alt=\"Das, was war und das, was ist\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/07\/DSC_1725-150x150.jpg 150w, https:\/\/kulturweit.blog\/921km\/files\/2015\/07\/DSC_1725-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-481\" class=\"wp-caption-text\">Das, was war und das, was ist<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Juli 2015, Riga, Alltag.\u00a0<\/strong>&#8222;Denk an den Juli&#8220; &#8211; so lautete unser Mantra im B\u00fcro an stressigen Tagen. Denk an Sonne und Strand, an Erholung und neue Erlebnisse. Nun, wieder einmal beweist das Leben seinen ganz eigenen Humor: Es regnet und ist bew\u00f6lkt, es ist bew\u00f6lkt und es regnet und gewittert. Wir hatten Sommer, etwa eine Woche lang. 31 Grad. Nun h\u00e4nge ich in der Warteschleife. Warten auf besseres Wetter und irgendwie auch warten auf die R\u00fcckkehr nach Deutschland. Ein Leben im Zwiespalt, irgendwo zwischen Melancholie und Freude. Und doch ist viel zu tun, es gilt, mein Freiwilligenprojekt zu beenden. Doch davon erz\u00e4hle ich euch an einem anderen Tag ;).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Daran, dass ich soeben mein Passwort zur\u00fccksetzen musste, weil ich mich nicht mehr an meine LogIn-Daten erinnern konnte, merke ich deutlich, dass mein letzter Bericht aus dem Land der tausend W\u00e4lder und Str\u00e4nde zu weit zur\u00fcckliegt. 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