{"id":39,"date":"2014-10-02T16:53:02","date_gmt":"2014-10-02T14:53:02","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/?p=39"},"modified":"2014-10-02T23:34:53","modified_gmt":"2014-10-02T21:34:53","slug":"ein-monat-in-windhoek","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/2014\/10\/02\/ein-monat-in-windhoek\/","title":{"rendered":"Ein Monat in Windhoek"},"content":{"rendered":"<p>Montag war es soweit. Vor Ehrfurcht erstarrend blickte aufs Datum der von mir zu vorbereitenden Nachrichten und verstand: Ich bin hier jetzt schon <del>eine Ewigkeit<\/del> einen Monat. Wow. Das gab nat\u00fcrlich Anlass zu allerlei Denkerei \u00fcber meine Zeit hier.<\/p>\n<p>Zur\u00fcckblickend kann ich sagen, dass es wohl jede Woche besser wurde. Mit den Leuten und bei der Arbeit. Hier passiert immer so viel, dass die Zeit einem total ewig vorkommt. Gleichzeitig passiert aber alles in wahnsinnig kurzer Zeit. Was gibt es neues?<\/p>\n<ul>\n<li>Ich habe eine neue Mitbewohnerin.<\/li>\n<li>Und zwei neue Radiosendungen. Blick in die Welt mit Nachrichten und Studiog\u00e4sten immer von 9 \u2013 11, ich sitze an der Technik und in der Redaktion, zu h\u00f6ren sein d\u00fcrfte ich wenig. Hallo Kinder t\u00e4glich von 14-15 Uhr, hier im Duo mit meiner <strong>Erkl\u00e4rb\u00e4r<\/strong>kollegin. Der Tag vergeht so ziemlich schnell, weil ich eigentlich von Sendung zu Sendung husche. F\u00fcr mich ist es perfekt so. Da ich mittlerweile etwas sicherer bin: Zuh\u00f6ren kann man hier: http:\/\/www.nbc.na\/radio\/ German Service klicken.<\/li>\n<li>Ich bin zu acht Taxi gefahren, ja wirklich, in so einem kleinen Taxiauto wie es hier alle Taxifahrer haben. Es war irgendwie ziemlich witzig zu sechst auf der R\u00fcckbank gestapelt, der Fahrer fuhr<strong> wie auf einer Achterbahn<\/strong> und ich hatte einen pr\u00e4chtigen Blick durch die Windschutzscheibe. Da w\u00e4re ich im Falle des Falls wohl auch durchgeflogen.<\/li>\n<li>Taxi fahren ist oft ein Erlebnis. Ich hatte schon so viele Taxigeschichten. Bekam in Taxis Einladungen auf Dates. Wurde \u00fcber Deutschland ausgefragt und fragte zur\u00fcck. Ein Highlight wird mir immer der Fahrer bleiben, der auf einmal sein Handy z\u00fcckte und mir seinen deutschen Freund ans Ohr hielt. Mit dem hab ich dann die Fahrt \u00fcber gequatscht. Allgemein sehe ich beim Taxifahren ungemein viel von der Stadt. Dass man noch <del>jemanden<\/del> <del><\/del>eine beliebige Anzahl von Personen auf dem Weg aufgabelt und absetzt ist v\u00f6llig normal. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter kommt man meist ans richtige Ziel, Zeit sollte man immer einplanen.<\/li>\n<li>Ich habe wirklich gelernt, was \u201e<strong>African Time<\/strong>\u201c ist: Man kommt so relativ, wann man will. Wenn man fertig gechillt hat, oder so. Ganz ehrlich, au\u00dfer f\u00fcr eine Sendung habe ich mich hier jetzt schon eine Weile nicht mehr beeilt.<\/li>\n<li>Ich habe langsam die Ruhe weg. Hier lernt man Geduld. <del>Alle\u00a0<\/del> Viele hier sind so entspannt wie die Robben am Cape Cross beim Verrichten ihrer Arbeit.<\/li>\n<li><strong>In Africa we share.<\/strong> Dieses Argument wird zu beliebigen Zeitpunkten herangezogen. Zum Beispiel, wenn man im Club eine vergebene Frau anmacht. \u201eThat\u2019s my girlfriend.\u201c \u2013 \u201eCome on. In Africa we share.\u201c Oder beim braaien. We share. Das beef und pork, das kudu und lamb, den Salad eh und das Bread nat\u00fcrlich auch.<\/li>\n<li>Entspannt mit einem St\u00fcck Kuchen aus der Kuchenflatrate in einem Caf\u00e9 auf einem Berg sitzen, ins Tal blicken und Giraffen beobachten, dabei Tee trinken? Geht hier, auf der Goche Ganas Farm ganz nah bei Windhoek.\n<div id=\"attachment_40\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/10\/P1020435.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-40\" class=\"size-medium wp-image-40\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/10\/P1020435-300x225.jpg\" alt=\"Kuchen essen + Giraffen beobachten auf Goche Ganas\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/10\/P1020435-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/10\/P1020435-501x375.jpg 501w, https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/10\/P1020435-750x562.jpg 750w, https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/10\/P1020435.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-40\" class=\"wp-caption-text\">Kuchen essen + Giraffen beobachten auf Goche Ganas<\/p><\/div>\n<p><div id=\"attachment_41\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/10\/P1500044.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-41\" class=\"wp-image-41 size-medium\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/10\/P1500044-300x200.jpg\" alt=\"P1500044\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/10\/P1500044-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/10\/P1500044-501x334.jpg 501w, https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/10\/P1500044-750x500.jpg 750w, https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/10\/P1500044.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-41\" class=\"wp-caption-text\">Giraffen. Im starken Zoom. Es sah eigentlich etwas anders aus.<\/p><\/div><\/li>\n<li><strong>Ich habe meinen Bachelor so gut wie in der Tasche.<\/strong> 160 Leistungspunkte habe ich bereits, die Bachelorarbeit ist abgegeben und in Windhoek habe ich letzte Woche auch meine letzte Hausarbeit beendet. Ich habe es noch nicht ganz realisiert, habe aber von Zeit zu Zeit spontane Freudenausbr\u00fcche. Und warte gespannt auf die letzten Noten.<\/li>\n<li>Kollege krank? Kein Ding. <strong>15 Minuten vor Sendebeginn<\/strong> informierte man mich beim Eintreten ins Studio <del>\u00fcber mein Gl\u00fcck<\/del>, die Sendung an diesem Tag alleine schmei\u00dfen zu d\u00fcrfen. Nach einigen Schwei\u00dfausbr\u00fcchen blieb ich erfolgreich on air.<\/li>\n<li>Ich war in Katutura. Mehrmals. Was das mit mir gemacht hat, kann ich mir selbst noch nicht genau beantworten. Und interessanterweise auch niemand, mit dem ich sonst dar\u00fcber gesprochen habe. Eins steht fest: Hier in Namibia muss man Gegens\u00e4tze aushalten k\u00f6nnen. Gegens\u00e4tze, die nicht im entweder-oder auftreten, sondern direkt nebeneinander, und deshalb umso mehr ins Auge stechen.<\/li>\n<li>An irgendeinem Freitag war ich beim Poetry Slam. Ganz anders als in Berlin. Erst kamen viele niedliche Gedichte von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern, die einen Workshop zum Slammen hatten. Vieles war relativ easy going, Liebe, Freundschaft, hamwaschongeh\u00f6rt. Dazwischen kamen immer mal wieder ein paar Schocker, die mir bewusst gemacht haben, dass ich hier wirklich in einer anderen Gesellschaft bin. Alkoholkonsum, h\u00e4usliche Gewalt und sexuelle Diskriminierung w\u00fcrde in Deutschland so manch ein Jugendlicher in diesem Alter nicht so wortgewandt und eindr\u00fccklich ansprechen! Ich war wirklich ein bisschen baff.<\/li>\n<li>Chakalaka ist schei\u00dfe scharf.<\/li>\n<li>Kudu ist mega lecker.<\/li>\n<li>Und f\u00fcr mich ganz pers\u00f6nlich: Immer offen sein. Immer alles Neue ausprobieren. (Gut, sonst w\u00e4r ich nicht hier, aber das wird hier noch intensiver.) Im Moment leben. Es ist egal, was andere denken. Auch ich komme nicht mit jeder Pers\u00f6nlichkeit klar. Immer alles aussprechen, unterschwellige Konflikte meiden. Augen zu und durch. Ich kann mehr, als ich denke. Nichts gibt mehr ein Zuhause, als liebe Menschen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Einen kleinen Fotobeitrag zum Wochenende an der Spitzkoppe gibt es hoffentlich bald. Vielleicht ja auch eine Kindersendung. Und den Bericht von meinem ersten Oktoberfestbieranstich. Hier wird es nie langweilig. \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Liebste Gr\u00fc\u00dfe aus Windhoek!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Montag war es soweit. Vor Ehrfurcht erstarrend blickte aufs Datum der von mir zu vorbereitenden Nachrichten und verstand: Ich bin hier jetzt schon eine Ewigkeit einen Monat. Wow. Das gab nat\u00fcrlich Anlass zu allerlei Denkerei \u00fcber meine Zeit hier. 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