{"id":29,"date":"2014-09-17T20:57:34","date_gmt":"2014-09-17T18:57:34","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/?p=29"},"modified":"2014-09-17T21:01:48","modified_gmt":"2014-09-17T19:01:48","slug":"zitronenlimonade-und-die-stimme-aus-dem-off","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/2014\/09\/17\/zitronenlimonade-und-die-stimme-aus-dem-off\/","title":{"rendered":"Zitronenlimonade und die Stimme aus dem Off"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wenn das Leben dir eine Zitrone gibt, mach\u2019 Limonade draus. Meine Limonadenproduktion steigt.<\/strong> K\u00fcrzlich exportierte das Endprodukt auf Facebook in Form von gl\u00fccklichen Fotos.<\/p>\n<p>Die Anfangszeit ist nicht leicht. Manchmal m\u00f6chte man sich Scheuklappen anbinden und in die eigenen 4 W\u00e4nde einsperren. Man tr\u00e4umt sich nach Hause und erwischt sich dabei, wie man den besten Freunden davon berichtet, wie schwer hier alles gerade ist. Das ist falsch, denn <strong>Probleme vor Ort l\u00f6st man am besten vor Ort<\/strong> und nicht am Laptop. Oder um zu den Zitronen zur\u00fcck zu kommen: Man kann sich die saure Zitrone beim telefonieren wieder und wieder durch den Kopf gehen lassen. <strong>Oder man geht raus und sucht nach Zucker und Wasser.<\/strong><\/p>\n<p>Windhoek ist jeden Tag wie eine Wuntert\u00fcte. Mal freut man sich, und mal nicht. Doch wenn einem das Wasser bis zum Hals steht, soll man ja bekanntlich den Kopf nicht h\u00e4ngen lassen, sondern schwimmen. So trieb es uns am Wochenende aus der Stadt. Aufmerksame Blogleser wissen, dass es am vergangenen Dienstag Anlass f\u00fcr eine VisumsPARTEY gab, ich also die Stadt verlassen konnte ohne Angst habe zu m\u00fcssen, an der n\u00e4chsten Roadblock verhaftet zu werden.<\/p>\n<p>Aber hier gibt es nicht nur die gro\u00dfen Highlights, die Natur und den ganzen Kram, den sich jeder eh unter Namibia vorstellt. Denn was z\u00e4hlt, ist der Alltag in der \u201efremden Welt\u201c. Vielleicht mal eine kleine Liste.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>Freunde. Und damit meine ich, Verzeihung, <strong>Freunde vor Ort<\/strong>. Denn geteiltes Leid ist halbes Leid und Gl\u00fcck ist bekanntlich das einzige Gut, das sich vervielfacht, wenn man es teilt.<\/li>\n<li>Herauszufinden, wie es hier mit den Taxis funktioniert. Steht man n\u00e4mlich auf der falschen Stra\u00dfenseite, nimmt einen niemand mit. Man steht bis zur Verzweiflung.<\/li>\n<li>Der Vogelstrau\u00df, der am Flughafen spazieren ging, als ich gelandet bin. Und die Affen, die an der Autobahn am Rand ihre Faxen machen.<\/li>\n<li>So langsam die Absurdit\u00e4ten dieses Landes zu verstehen. Im Club fragt jemand: \u201eGibt es hier Pfand?\u201c Br\u00fcllendes Gel\u00e4chter allerseits.<\/li>\n<li>Die Zucker-Zimt-Pancakes von den beiden Ladies am Pick\u2019n\u2019Pay. Dieser Geschmack \u2013 ein Traum. Ein St\u00fcck kostet 3 Dollar, etwa 25 Cent. Die Rettung, wann immer der Hunger nicht bis nach dem Einkauf warten kann.<\/li>\n<li><strong>MEIN VISUM MEIN VISUM MEIN VISUM<\/strong><\/li>\n<li>Zu merken, wie ich hier immer weniger Zeit daheim verbringe.<\/li>\n<li>Avocado-Toast.<\/li>\n<li>Meine ersten Interviews allein f\u00fchren zu d\u00fcrfen.<\/li>\n<li>Lieblingspl\u00e4tze in Windhoek zu entdecken, herauszufinden: Hier gibt es sogar manchmal <strong>Poetry Slams<\/strong>.<\/li>\n<li>Ein Kompliment bei der Arbeit zu bekommen, etwas <strong>gut gemacht<\/strong> zu haben.<\/li>\n<li>Karaoke-Night. One of my best nights here so far.<\/li>\n<li>Englisch und Deutsch vermischen sich in meinem Kopf immer mehr, es f\u00e4llt mir leicht zu switchen und fl\u00fcssig zu sprechen. Diese Blockade ist also weg.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich gibt es die gro\u00dfen, fetten, klischee-esquen Highlights. Unser <strong>Roadtrip<\/strong> am Wochenende nach Swakopmund war so ein Highlight. Ein weiteres Highlight war aber auch der heutige Tag: Hannah und ich haben den Arbeitsplatz gewechselt. Heute gings zum Fernsehen. Denn jemand musste die deutschen Fernsehnachrichten f\u00fcr morgen fr\u00fch, 09:15 machen. Zuerst dachte ich ja ehrlich gesagt, das sei ein Witz, dass die damit jetzt zwei Praktis betrauen, aber n\u00f6. Hier hat niemand Probleme mit unserem \u201eRang\u201c, wenn wir es gut machen, langt das.<\/p>\n<p>Also haben wir heute die englischen Nachrichten \u00fcbersetzt \u2013 das war ehrlich gesagt ganz sch\u00f6n schwierig. Meist erfasst man zwar sehr genau den Sinn eines Satzes, aber l<strong>eading chief productive executor<\/strong> und \u00e4hnliche Begriffe gelingen dann doch nicht so schnell in tadellosem Deutsch. Dann mussten wir uns noch teilen, eine von uns Voicer und eine Presenter. Wer meine panische Vortragsangst kennt, wei\u00df, dass ich mich liebend gerne f\u00fcr <strong>die Stimme aus dem Off<\/strong> entschieden hab. Ab gings in die nicht wirklich schalldichte Kabine zum einlesen. Das Voiceover ist der Text, den man in den Nachichte h\u00f6rt, w\u00e4hrend das Video zu einer Meldung abl\u00e4uft. Hannah war dann Presenterin und wurde im Studio gefilmt, wie sie die einzelnen Meldungen anmoderiert hat.<\/p>\n<p>Eigenlob stinkt zwar, aber ich denke, dass wir das gut gemacht haben. Keine Versprecher und nach meinem Ermessen gute Sprechstimmen und keine \u00dcbersetzungsfehler. Ich bin gespannt, ob ich an ein Video der Sendung gelange, denn bei der NBC wird noch auf Band aufgenommen. So hoffe ich, das ganze zumindest morgen von der Arbeit aus live verfolgen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und Swakopmund. Ehrlich gesagt, der Roadtrip war ein so reichhaltiges Erlebnis mit so vielen Facetten und Erlebnissen, dass ich mich schwer tun werde, hier alles zusammen zu fassen. Vieles kann man auch einfach nicht beschreiben, es ist dieses Gef\u00fchl, die Stadt zu verlassen, bis an den Horizont blicken zu k\u00f6nnen, das Radio auf der Stra\u00dfe laut zu drehen und singend in den Sonnenuntergang zu fahren. Zu wissen, dass man alles tun kann wozu man Lust hat, zum Beispiel auf der Autobahn tanzen, weil das einfach geht. In Swakopmund kann man nachts einfach rumlaufen als M\u00e4dels, das f\u00fchlt sich gro\u00dfartig an. Menschen zu treffen, sympathische und merkw\u00fcrdige. Will man es als Kommerz-Opfer mit der Fantawerbung ausdr\u00fccken, k\u00f6nnte man sagen, dass ich an dem Wochenende das Leben mit dem gro\u00dfen L\u00f6ffel gegessen habe. Ich war essen und feiern, am Cape Cross eine Robbenkolonie von 2000 Robben bestaunen, bin nachts am und im Atlantik herum geklettert und spaziert, war Sandboarden in der Namib-W\u00fcste und habe verdammt wenig geschlafen. Vom ganzen Singen w\u00e4hrend des Autofahrens war ich etwas heiser. Und ich habe so viel gelacht. Deswegen an dieser Stelle einfach ein paar Fotos. Das sind aber nur sekundenschnelle Eindr\u00fccke.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_36\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/P1490795.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-36\" class=\"size-medium wp-image-36\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/P1490795-300x200.jpg\" alt=\"Sandboarden in der Namib. Und ich kann das auch noch. \" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/P1490795-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/P1490795-501x334.jpg 501w, https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/P1490795-750x500.jpg 750w, https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/P1490795.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-36\" class=\"wp-caption-text\">Sandboarden in der Namib. Und ich kann das auch noch auf Anhieb.<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_34\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/P1490890.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-34\" class=\"size-medium wp-image-34\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/P1490890-300x449.jpg\" alt=\"Ausgesetzt :P \" width=\"300\" height=\"449\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/P1490890-300x449.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/P1490890-501x750.jpg 501w, https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/P1490890.jpg 684w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-34\" class=\"wp-caption-text\">Ausgesetzt \ud83d\ude1b<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_30\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/MG_6596.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-30\" class=\"size-medium wp-image-30\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/MG_6596-300x199.jpg\" alt=\"Schiffswrack um Schiffswrack Richtung Norden \" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/MG_6596-300x199.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/MG_6596-501x333.jpg 501w, https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/MG_6596-750x499.jpg 750w, https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/MG_6596.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-30\" class=\"wp-caption-text\">Schiffswrack um Schiffswrack Richtung Norden<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_35\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/MG_6639.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-35\" class=\"size-medium wp-image-35\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/MG_6639-300x199.jpg\" alt=\"Robbenfamilie\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/MG_6639-300x199.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/MG_6639-501x333.jpg 501w, https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/MG_6639-750x499.jpg 750w, https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/MG_6639.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-35\" class=\"wp-caption-text\">Robbenfamilie<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_31\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/P1490623.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-31\" class=\"size-medium wp-image-31\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/P1490623-300x200.jpg\" alt=\"Ein paar der unendlich vielen Robben\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/P1490623-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/P1490623-501x334.jpg 501w, https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/P1490623-750x500.jpg 750w, https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2014\/09\/P1490623.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-31\" class=\"wp-caption-text\">Ein paar der unendlich vielen Robben<\/p><\/div>\n<p>Jetzt ist es schon zehn nach acht, f\u00fcr mich fast Bettchenzeit. Gute Nacht!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn das Leben dir eine Zitrone gibt, mach\u2019 Limonade draus. Meine Limonadenproduktion steigt. K\u00fcrzlich exportierte das Endprodukt auf Facebook in Form von gl\u00fccklichen Fotos. Die Anfangszeit ist nicht leicht. 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