{"id":256,"date":"2015-02-25T22:06:19","date_gmt":"2015-02-25T21:06:19","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/?p=256"},"modified":"2015-02-25T22:12:14","modified_gmt":"2015-02-25T21:12:14","slug":"bergfest-oder-oh-wie-schoen-ist-panama","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/2015\/02\/25\/bergfest-oder-oh-wie-schoen-ist-panama\/","title":{"rendered":"Bergfest oder &#8222;Oh, wie sch\u00f6n ist Panama!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>177 Tage. 25 Wochen.<\/strong> Solang liegt zwischen dem 30. August, dem Datum meiner Ankunft, und dem heutigen 23. Februar. Vom 30. August bis zum Tag meiner Abreise sind 49 Wochen.<\/p>\n<p>Huch, <em>wo ist die Zeit geblieben<\/em>? Aber auch: Puh, <em>nochmal fast genauso lang<\/em>. Und: Oh jee, wann soll ich blo\u00df noch<em> [unendlich lange Liste von Dingen]<\/em> machen?<\/p>\n<p>Ich gebs gern zu, ich sehe das hier mit vollkommen gemischten Gef\u00fchlen. Ich erlaube mir eine gewisse Ambivalenz. Aber am liebsten m\u00f6chte ich meine bisherige Zeit hier mithilfe von Janosch erkl\u00e4ren.<\/p>\n<blockquote><p>Die Geschichte geht so:<\/p>\n<p>Die zwei Freunde <em>Tiger<\/em> und <em>B\u00e4r<\/em> leben gl\u00fccklich in einem H\u00e4uschen in der N\u00e4he eines Flusses.<strong> Susa lebt gl\u00fccklich in einem Studentenwohnheim in S\u00fcdberlin.<\/strong> Eines Tages fischt der B\u00e4r eine leere Holzkiste mit der Aufschrift \u201ePanama\u201c aus dem Fluss. Er schnuppert an der Kiste, und sie riecht nach Bananen, und er beschlie\u00dft, dass Panama das Land seiner Tr\u00e4ume sei. <strong>Sie st\u00f6\u00dft auf Kulturweit und beschlie\u00dft dass sie unbedingt weg muss. <\/strong>Der B\u00e4r erz\u00e4hlt seinem Freund Tiger phantasievoll, dass Panama ein Ort sei, wo alles besser, gr\u00f6\u00dfer und sch\u00f6ner als Zuhause sein soll und dass sie nun in dieses Land reisen sollen.\u00a0<strong>Sie tr\u00e4umt monatelang, wohin es sie wohl verschlagen wird.<\/strong> Am n\u00e4chsten Tag machen sich die beiden mit einem Kochtopf, einer Fischerrute, einem Hut und der Tigerente auf den Weg nach Panama.<strong>Zusage. Mit eineinhalb Koffern geht es 8000 Kilometer in die Ferne.<\/strong> Zuerst fertigen sie aus der Kiste einen Wegweiser und gehen in die gezeigte Richtung. W\u00e4hrend ihrer Reise treffen sie auf die verschiedensten Tiere.<strong> (die verschiedensten Menschen. &lt;3)<\/strong> Die meisten wissen nicht, wo Panama liegt, und einige geben ihnen falsche Richtungsangaben. Die beiden Freunde laufen durch diese Angaben im Kreis herum und kommen schlie\u00dflich wieder in ihrem alten Zuhause an.\u00a0<strong>(Sie reist tausende Kilometer durchs s\u00fcdliche Afrika, um letztendlich doch alle paar Monate Heimweh zu bekommen)<\/strong> Da in der Zwischenzeit ihr Haus durch die Witterung angegriffen worden ist, sowie die B\u00e4ume und Str\u00e4ucher gewachsen sind und die Br\u00fccke nicht mehr vollst\u00e4ndig intakt war, ist ihnen nicht bewusst, dass sie wieder in ihrem urspr\u00fcnglichen Zuhause angekommen sind. Sie finden auf dem Boden vor ihrem Haus den Wegweiser mit der Aufschrift \u201ePanama\u201c und glauben deshalb, dass sie tats\u00e4chlich an ihrem Ziel angekommen seien. Sie reparieren das Haus und sind gl\u00fccklich, endlich im Land ihrer Tr\u00e4ume zu sein. <strong>(Ich komme zur\u00fcck und realisiere, wie sch\u00f6n es zuhause schon immer war. Ich \u00e4ndere ein paar Dinge, von denen ich jetzt wei\u00df, wie ich sie besser machen kann.)<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: center\">Und nun zum absolut aller, aller wichtigsten an dieser kleinen Gleichung:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong><em>&#8222;Du meinst, dann h\u00e4tten sie doch gleich zuhause bleiben k\u00f6nnen? Du meinst, dann h\u00e4tten sie sich den weiten Weg gespart? Oh nein. Denn sie h\u00e4tten den Fuchs nicht getroffen und die Kr\u00e4he nicht und sie h\u00e4tten den Hasen und den Igel nicht getroffen und sie h\u00e4tten nie erfahren wie gem\u00fctlich so ein sch\u00f6nes weiches Sofa aus Pl\u00fcsch ist.&#8220;<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em> (Janosch &#8211; Oh, wie sch\u00f6n ist Panama)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u00a0<a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2015\/02\/gruppe.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-257\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2015\/02\/gruppe-300x225.jpg\" alt=\"gruppe\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2015\/02\/gruppe-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2015\/02\/gruppe.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2015\/02\/gruppe-750x563.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2015\/02\/IMG-20140920-WA0009.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-258\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2015\/02\/IMG-20140920-WA0009-300x533.jpg\" alt=\"IMG-20140920-WA0009\" width=\"300\" height=\"533\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2015\/02\/IMG-20140920-WA0009-300x533.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2015\/02\/IMG-20140920-WA0009.jpg 576w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2015\/02\/IMG_2269.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-259\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2015\/02\/IMG_2269-300x225.jpg\" alt=\"IMG_2269\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2015\/02\/IMG_2269-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2015\/02\/IMG_2269.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2015\/02\/IMG_2269-750x563.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2015\/02\/IMG_6412.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-260\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2015\/02\/IMG_6412-300x225.jpg\" alt=\"IMG_6412\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2015\/02\/IMG_6412-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2015\/02\/IMG_6412.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/files\/2015\/02\/IMG_6412-750x563.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und ich h\u00e4tte die Jungs nicht getroffen und die M\u00e4dels nicht, &#8222;Frau K.&#8220; nicht und die Einhornprinzessin nicht, Miss Kathi nicht und auch all die zahllosen Menschen von denen es keine Fotos gibt nicht. Janosch wusste n\u00e4mlich noch was:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>\u201eWenn man einen Freund hat, \u2026 braucht man sich vor nichts zu f\u00fcrchten.\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>(Janosch)<\/em><\/p>\n<p>Ich k\u00f6nnte jetzt zur\u00fcck blicken oder voraus blicken oder so. Das tun Menschen wohl zu Halbzeiten. Leider habe ich immer noch nicht das Gef\u00fchl, ann\u00e4hernd alles bewusst erfasst zu haben, was ich in den letzten 5 einhalb Monaten hier gelernt habe. Ich bin nicht furchtbar selbstreflektiert was mein Hiersein angeht. Die meisten Ver\u00e4nderungen werden wohl wenn dann anderen und nicht mir auffallen. Mir passiert das hier alles einfach. Dennoch k\u00f6nnte ich den Anlass nat\u00fcrlich ein bisschen zum Denken nutzen. Blondie strengt ihr Gehirn an. Wie lang das gedauert hat, k\u00f6nnt ihr dann errechnen, indem ihr die Tage vom 23. Februar bis zum Erscheinen dieses Posts z\u00e4hlt.<\/p>\n<ul>\n<li>Die Klappe aufkriegen. Fragen, was ich wissen will. Sagen, was mir nicht passt.<\/li>\n<li>Mich \u00f6ffnen. Auf Menschen zugehen.<\/li>\n<li>Es geht alles um die Menschen. Gute Gesellschaft, loyale, f\u00fcrsorgliche und dem Leben zugewandte Freunde sind der beste Garant f\u00fcr Gl\u00fcck.<\/li>\n<li>In den Tag leben. Loslassen. Im hier und jetzt sein. Situationen genie\u00dfen.<\/li>\n<li>Gelegenheiten nutzen. Wer wei\u00df, wann die sich mal wieder bieten.<\/li>\n<li>Ich kann Menschen am Reden halten. Wenns sein muss, eine Stunde lang live. Darauf bin ich fast ein bisschen stolz.<\/li>\n<li>Die beste Art zu Reisen ist mit Rucksack, Zelt, Campingkocher, Autochen und guter Gesellschaft. Und ab und zu ein Fl\u00e4schchen Wein und ne gro\u00dfe Packung Doritochips.<\/li>\n<li>Mich von Menschen \u00fcberraschen lassen.<\/li>\n<li>Was zuhause ist und was ich brauche um zuhause zu sein.<\/li>\n<li>Wo ich herkomme und was mir das bedeutet.<\/li>\n<li>There are no strangers,just friends that you haven\u2019t met yet.<\/li>\n<li>Babberlash ist das bessere Wort f\u00fcr \u201cKater\u201d.<\/li>\n<li>An mich selbst glauben. Ich schaffe das schon.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Habe ich mich also ver\u00e4ndert? Nat\u00fcrlich. Aber nicht auf eine <em>\u201eFinde-dich-selbst-in-Indien\u201c<\/em>-Art und Weise und auch nicht auf eine <em>\u201eIch gehe nach Afrika und sehe [f\u00fcge beliebiges Klischee \u00fcber den Kontinent ein (Elefanten\/Hunger\/Armut\/Krieg\/W\u00fcsten\/Weite\/Gastfreundschaft)]\u201c<\/em> Art und Weise, auch nicht auf die <em>\u201eIch-hab-die-Welt-gesehen-ihr-Dummies\u201c<\/em>-Art oder die<em> \u201eMan-war-des-hart-da-unten-im-globalen-S\u00fcden\u201c<\/em> Art. Es gab krasse Hochs und Tiefs und extreme Erlebnise und \u00c4ngste und pures Gl\u00fcck. Ich habe nicht nur \u00fcber fremde Menschen, Kultur und Sprache gelernt sondern <strong>\u00fcber mich selbst.<\/strong> Und nat\u00fcrlich hat mich das ver\u00e4ndert, aber mal ehrlich, sonst w\u00e4re das Jahr hier auch irgendwie Verschwendung. Nat\u00fcrlich bin ich nicht wie ausgewechselt, aber doch hat das eine oder andere nat\u00fcrlich Spuren hinterlassen.<\/p>\n<p>Was steht noch an?<\/p>\n<p>Noch mehr Menschen treffen, noch mehr Oshivambo lernen, noch mehr reisen (S\u00fcdnamibia, Kapstadt, Farmausfl\u00fcge am Wochenende), das Kulturweit-Projekt, den namibischen Winter zu erleben, noch mehr Erlebnisse, die ich wohl nie vergessen werde.<\/p>\n<p>Am Ende dieses Beitrags m\u00f6chte ich noch T. danken, von der ich dieses ganz wunderbare Panama-Zitat habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>177 Tage. 25 Wochen. Solang liegt zwischen dem 30. August, dem Datum meiner Ankunft, und dem heutigen 23. Februar. Vom 30. August bis zum Tag meiner Abreise sind 49 Wochen. Huch, wo ist die Zeit geblieben? 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