{"id":251,"date":"2015-02-08T21:00:50","date_gmt":"2015-02-08T20:00:50","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/?p=251"},"modified":"2015-02-08T21:00:50","modified_gmt":"2015-02-08T20:00:50","slug":"zwei-seelen-wohnen-ach-in-meiner-brust","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/2015\/02\/08\/zwei-seelen-wohnen-ach-in-meiner-brust\/","title":{"rendered":"Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust"},"content":{"rendered":"<p>Hach, jetzt kommt hier mal ein wirklich emotionaler Eintrag. Kennt ihr das auch? Diese Zerissenheit zwischen dem hier sein und dort sein, <em>fort<\/em> sein? Das Gef\u00fchl, die Welt entdecken zu wollen, um das Gl\u00fcck zu wissen, diese Chance zu haben, das Privileg darin zu sehen? Zu wissen: <em>Jetzt ist meine Zeit, das kann mir keiner nehmen. Das mache ich f\u00fcr mich, das bringt mich weiter, hier lerne ich f\u00fcrs Leben?<\/em> Hier lerne ich nicht nur was \u00fcber die Welt, hier lerne ich vor allem was \u2013 \u00fcber mich? Wie reagiere ich in einer fremden Umgebung, in einer anderen Kultur, wo kann ich mich anpassen, wo scheitere ich, was kann ich ertragen und was ist mir zu viel? Vom Gl\u00fcck gek\u00fcsst zu sein und gleichzeitig doch manchmal im Kopf auf der anderen Erdhalbkugel festh\u00e4ngen, zu Hause? Und was ist eigentlich zuhause wenn man nicht sagen kann ob man das zuhause mehr vermisst als man das hier und jetzt vermissen wird wenn man fort ist?<\/p>\n<p>Zuhause hat f\u00fcr mich eine andere<strong> Dimension<\/strong> bekommen, seit ich hier bin. Bevor ich gefahren bin, war zuhause f\u00fcr mich ein Ort. Er erstreckte sich ziemlich genau auf S\u00fcdberlin, das Haus meiner Eltern, mein kleines Zimmer im Studentenwohnheim, die Wohnung meiner besten Freundin, der Britzer Garten, Poetry-Slam-B\u00fchnen, das Schwimmbad, die Uni, das Fitnessstudio, das Spreeufer, mein Fahrrad.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center\"><span style=\"color: #808080\"><em>Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust<\/em>! <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><span style=\"color: #808080\">(Goethe &#8211; Faust.)<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Mittlerweile wei\u00df ich, zuhause ist kein Ort, zuhause ist ein Gef\u00fchl. Eigentlich gibt es in Windhoek weniger Orte, an denen ich das wirklich bin, zuhause. Vielleicht bin ich zuhause wenn ich morgens mein Fr\u00fchst\u00fcck auf dem von der Nacht noch angenehm k\u00fchlen Treppengel\u00e4nder esse und auch wenn ich abends dort sitze und lese und die letzten Strahlen der Sonne beobachte bevor sie hinter den H\u00fcgeln des Umlandes versinkt. Vielleicht ist das Warehouse ein St\u00fcck von meinem Windhoeker zuhause und der Swimmingpool in Olympia, der Inder an den Trift Towers, das FNCC und das Goethezentrum, wo man so manchen abend verbringt.<\/p>\n<p>Doch all diese Orte eben letztlich \u2013 Orte. Was ich hier mit voller Wucht gelernt habe und was mir zum ersten Mal hier bewusst beworden ist, ist das zuhause kein Ort ist, sondern: Menschen. Zuhause ist f\u00fcr mich wo ich Menschen habe die mich lieben, die mich in den Arm nehmen, mit denen ich reden kann und zu denen ich geh\u00f6re. Ich will ein Schaf nicht in einer, sondern in meiner Schafherde sein, ich brauche das.<\/p>\n<p>Und so war der Januar recht trist, denn meine Menschen \u2013 die waren weg, jedenfalls die allermeisten. Ich habe alle sehr vermisst, die W\u00fcstenschwestern, meine Frau Krause, Miss Kathi, und die anderen, mit denen ich Wochenende um Wochenende verbracht habe. Ich habe neue Kontakte gekn\u00fcpft und viele Leute kennen gelernt und doch \u2013 Small Talk ist kein Zuhause. Ich war genervt von oberfl\u00e4chlichen Unterhaltungen, ich hatte keine Lust auf lockere Kontakte. Ich hatte Heimweh und habe oft an die Heimat gedacht. An meine Menschen. <strong>Ihr fehlt mir!<\/strong><\/p>\n<p>Und doch \u2013 nat\u00fcrlich gibt es hier noch so viel zu lernen, zu entdecken. Seit letzter Woche lerne ich Oshivambo, ich habe mich beim Fitness angemeldet und viele neue liebe Mitbewohner bev\u00f6lkern meine WG und lassen eine Vorahnung von guten Zeiten und Hauspartys zu. Ich werde durch S\u00fcdnamibia reisen und nach Kapstadt und ich freue mich so sehr auf all das.<\/p>\n<p>Aber ich freue mich auch so sehr auf zuhause. Vielleicht ist das ein Zwispalt, dem man nie ganz entgeht. Vielleicht bleibt man f\u00fcr immer ein bisschen zerissen. Jedoch: Ich habe hier gelernt, wo ich herkomme, wo ich hingeh\u00f6re, wo ich am liebsten sein will. Und auch das ist etwas wert, auch wenn es manchmal Heimweh gab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center\">Und die V\u00f6gel werden fliegen bis sie sicher sind<br \/>\nsie unter sich etwas sp\u00fcren im kalten Wind<br \/>\ndass diese Gegend hier<br \/>\nihr zuhause ist<br \/>\nf\u00fcr die n\u00e4chste Zeit bis der Herbst anbricht<br \/>\nbis der Herbst anbricht<\/p>\n<div style=\"text-align: center\">(Thees Uhlmann &#8211; Zugv\u00f6gel)<\/div>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hach, jetzt kommt hier mal ein wirklich emotionaler Eintrag. Kennt ihr das auch? Diese Zerissenheit zwischen dem hier sein und dort sein, fort sein? Das Gef\u00fchl, die Welt entdecken zu wollen, um das Gl\u00fcck zu wissen, diese Chance zu haben, &hellip; <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/2015\/02\/08\/zwei-seelen-wohnen-ach-in-meiner-brust\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1375,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-251","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/251"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1375"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=251"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/251\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=251"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=251"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/8360km\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=251"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}