{"id":106,"date":"2019-04-03T02:30:49","date_gmt":"2019-04-03T00:30:49","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/6monateinathen\/?p=106"},"modified":"2019-04-03T02:30:49","modified_gmt":"2019-04-03T00:30:49","slug":"zurueckgekommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/6monateinathen\/2019\/04\/03\/zurueckgekommen\/","title":{"rendered":"Zur\u00fcckgekommen"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt bin ich schon lange wieder in Deutschland. Am 20.02. bin ich zur\u00fcckgeflogen und hatte dann noch 5 Tage Nachbereitungseminar. Eigentlich wollte ich schon lange wieder schreiben, aber irgendwie hat mir der Elan dazu gefehlt.<\/p>\n<p>&#8222;Wie war es denn?&#8220; &#8222;Hat es dir gefallen?&#8220; &#8222;Was hast du da eigentlich gemacht&#8220;<\/p>\n<p>Fragen die mir oft gestellt wurden. Fragen die auch gerecht fertigt sind. Fragen die aber auch nerven und die ich m\u00fcde bin zu beantworten. Ich habe das Gef\u00fchl, dass die meisten nicht wirklich verstehen, wie es ist weggewesen zu sein. Nat\u00fcrlich waren auch einige weg, aber ich glaube, dass das f\u00fcr jeden anders ist. Trotzdem kann wohl kaum jemand 100%ig nachvollziehen, wie es war. Muss aber auch niemand. Es ist schlie\u00dflich meine Erfahrung. Ich merke sogar immer wieder, dass ich selber gar keine Ahnung habe, was viele meiner Freunde machen oder was sie besch\u00e4ftigt, was ich sehr schade finde. Nach dem Abitur ist man sowieso schon in einer Phase, wo sich jeder orientiert und wo auch viele Freundschaften auseinander gehen. F\u00fcr mich ist es aber schwer herauszufinden, hatten wir nichts zu tun, weil ich weg war oder weil es jetzt so ist? Ich bereue, dass ich nicht noch mehr Kontakte gehalten habe.<\/p>\n<p>Schon am Beginn des Freiwilligendienst war es mir bewusst, dass ich irgendwann das letzte Mal f\u00fcr lange Zeit durch die vertrauten Stra\u00dfen gehen werde und meine vertrauten Pl\u00e4tze aufsuchen werde. Und irgendwann musste ich diesen Gang auch machen. Noch einmal alles genau ansehen, in sich aufsaugen und genie\u00dfen und in sich f\u00fchlen. Gerade spaziere ich in meinen Gedanken nochmal diesen letzten Rundgang. Ich habe jedes Haus, jede Gasse, jeden Geruch klar vor meinem inneren Auge aber gleichzeitig verschwimmt es wieder. Nat\u00fcrlich wei\u00df ich, dass ich wieder kehren werde. Aber ich wei\u00df, dass diese Situation &#8211; dieses Lebensgef\u00fchl nie wieder kommen wird. Dieses unbeschwerte Leben, das ich selber so gestalten kann wie ich es will ohne auf jemanden R\u00fccksicht zu nehmen.<\/p>\n<p>Aber wie ist es zur\u00fcck zukehren? In Athen habe ich immer gesagt, ich freue mich auf meinen Freund, meine Katze und mein Gewehr am meisten. Erstmal ist es wundersch\u00f6n wieder im eigenem weichen Bett zu schlafen. Meine Katze hat mich erst nicht wieder erkannt und dann ignoriert. Mittlerweile verstehen wir uns aber wieder ganz gut. Wir haben unser Kaninchen, die \u00fcbrigens schon 2016 von meiner Schwester &#8222;Athene&#8220; getauft wurde, begraben. Jetzt sitze ich hier ohne Athene nicht in Athen. Ganz sch\u00f6ne dumme Ironie. Ich hab auch schon ein paar Wettk\u00e4mpfe geschossen und eine Meisterschaft verkackt. Ich habe irgendwie damit gerechnet, dass ich bei mindesten dem Level einsteige, mit dem ich gegangen bin. Ich muss aber einsehen, dass man bei einem halben Jahr ohne Training schon aus der \u00dcbung kommt. Ich wei\u00df auch gar nicht, wie das mit dem Schie\u00dfen weiterlaufen soll, wenn ich aus Paderborn f\u00fcr das Studium weggehe. Aber das ist gerade im Moment ja ziemlich egal. Ich habe viele Freunde wiedergetroffen, was echt sch\u00f6n war. Ich habe gar nicht gemerkt, wie sehr viele mir gefehlt haben.<\/p>\n<p>In dem halben Jahr hat sich so viel ge\u00e4ndert, dass ich dachte hier hat sich auch viel ge\u00e4ndert. Es ist aber ein bisschen so, als w\u00e4re die Zeit stehen geblieben. Fast alles ist genau gleich. Die gleichen verrosteten Zahnr\u00e4der greifen in einander und drehen sich tr\u00e4ge weiter. Auf viele Dinge habe ich einen anderen Blick bekommen. Manches kommt mir so unwichtig oder l\u00e4cherlich vor, was vorher f\u00fcr mich einen gro\u00dfen Wert hatte.<\/p>\n<p>Auch die M\u00f6glichkeiten hier sind ganz anders. In Athen war zum Ende immer am Rand der Ersch\u00f6pfung, weil ich so viel wie m\u00f6glich sehen und erleben wollte, ohne etwas zu verpassen. Ich wollte \u00fcberall nochmal essen, die letzten Museen machen und neue Wege entdecken. Und was kann ich hier machen? Es regnet die meiste Zeit, ist kalt und grau. Ich habe mir f\u00fcr zu Hause so viel vorgenommen und hab jetzt auf nichts davon Lust. Ich war zwar schon einmal im Museum in der Kaiserpfalz und das war auch interessant, aber es ist im Vergleich zu vielen Museen in Athen doch sehr langweilig. Ich wei\u00df nicht, was ich hier gerne esse. In Athen habe ich viele Produkte sehr verpasst, aber jetzt verpasse ich das Essen aus Athen noch viel mehr. Ich traue mich nicht hier Griechisch essen zu gehen, weil ich damit rechne, dass schon die Konserven Gigantes (Riesen Bohnen) aus Athen 1000 mal besser als alles hier schmecken. In Athen w\u00fcsste ich rund um die Uhr, wo ich lecker und g\u00fcnstig essen kann, w\u00e4hrend hier sogar MCs um 2 Uhr nachts zu hat.<\/p>\n<p>Apropos Essen ich habe heute Nacht getr\u00e4umt, ich w\u00e4re mit meiner Oma in Athen und w\u00fcrde ihr erkl\u00e4ren, wo man Pita essen kann und wieviel das kostet. Ich tr\u00e4ume fast jede Nacht von Athen. Meistens bin ich da, kurz bevor ich zur\u00fcck muss. Ich habe im Traum Angst vor der Heimkehr und bin froh, noch eine oder zwei Wochen dort zu verbringen und dann wache ich auf und bin schon wieder zur\u00fcck. Ich tr\u00e4ume auch oft von allen meinen Katzen dort mit denen ich mich angefreundet habe. Von vielen habe ich mich nicht richtig verabschiedet. Athen werde ich wiedersehen, aber sie? Ja gut, es sind nur Katzen, die mich wahrscheinlich sowieso schon vergessen haben, aber ich vermisse sie trotzdem! Ich tr\u00e4ume auch ab und zu von meinem Mitbewohnern oder den anderen Freiwilligen dort oder von der Arbeit.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, dass ich das jetzt alles hinter mir lassen muss, mich dar\u00fcber freuen soll, dass ich das erleben durfte und den Abschied nicht so dramatisieren sollte, aber das versuche ich ja auch. Oft denke ich, wenn ich jetzt in Athen w\u00e4re, w\u00e4re alles viel einfacher, alle meine Probleme w\u00e4ren gel\u00f6st. Aber ich muss einsehen, dass ich meine Situation so hinnehmen muss, wie sie ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt bin ich schon lange wieder in Deutschland. Am 20.02. bin ich zur\u00fcckgeflogen und hatte dann noch 5 Tage Nachbereitungseminar. 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